Russland-Krise: Massive Kapitalflucht und Zinsanstiege; Kriegsgefahr wächst

Die russische Wirtschaft geht zurzeit drastisch zurück. Russland wird in eine tiefe Wirtschaftsdepression abtauchen, die bis 2020 anhalten wird. Putin braucht Krieg, damit sich die russische Bevölkerung künftig weiter auf externe Feinde konzentriert, da sich die Menschen ansonsten gegen ihn wenden werden, wenn sie merken, dass es nicht funktioniert

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 24.04.2014

Kapitalflucht: Anleger werfen russische Vermögenswerte über Bord

Die Zahlen des ersten Quartals sind nun veröffentlicht worden. Die internationalen Investments in Russland sind zusammengebrochen. In Russland wurden Vermögenswerte im Wert von mindestens USD 64 Milliarden abgestoßen, da das Kapital die Flucht ergreift. Das hat den Euro erheblich gestützt, da die Europäer ihre Gelder nach Hause gebracht haben.

Dieser Trend wird weiter anhalten und den überwiegenden Teil des östlichen Blocks erfassen, da sich das Kapital weiter zurückziehen wird. Das wird den US-Dollar letztlich weiter in die Höhe treiben, da das Kapital anfangen wird, zu begreifen, dass Europa tatsächlich in Gefahr ist.

Willkommen in der realen Welt internationaler Kapitalströme. Es gibt noch eine ganze Menge mehr, was die weltweiten politischen Führer langsam mal begreifen sollten. Mit der Verabschiedung von Gesetzen lassen sich wirtschaftliche Trends nicht aufhalten. Und Krieg geht mit einem hohen Preis einher – das Kapital hört damit auf zu investieren und wird gehortet.

Kreditkrise: Russische Zinssätze schießen in die Höhe

Die Geschichte wiederholt sich, weil die Natur des Menschen immer gleich bleibt. Die russischen Zinssätze sind in die Höhe geschnellt, und Russland findet sich nun in einer unangenehmen Situation wieder: Russland musste die Emission von Staatsanleihen nun bereits das siebte Mal absagen, weil es nicht in der Lage ist, Käufer zu finden.

Die Konsequenzen für das Land sind sehr dramatisch, wenngleich vorhersehbar. Russland wird die Steuern anheben, um seine Kriegskosten zu decken. Russland hat das im Hinblick auf die Krim bereits getan – es werden aber weitere Steuererhöhungen kommen. Wenn die Kreditkrise, die Russland gerade durchmacht, weiter anhält, wird dadurch eine weitere Dynamik in Gang gesetzt, die einen Krieg auslösen wird.

Die erste richtige Kreditkrise, die dem Niedergang des Römischen Imperiums folgte, war ein bedeutender Rückschlag, der die Weltwirtschaft heimsuchte und rund 52 Jahre anhielt. Es war der Krieg zwischen Frankreich und England. Die beiden Konfliktparteien sahen sich nicht mehr länger in der Lage, für ihre Kriegsanstrengungen irgendwelche Gelder aufzutreiben, was dazu führte, dass sie damit begannen, eine Kampagne zur Vermögensenteignung zu starten.1st-Credit-Crisis

Der englische König Eduard I. lieh sich von den Juden Geld und konnte die Schulden dann nicht zurückzahlen. Plötzlich entdeckte er, dass sie Juden waren – ist das nicht erstaunlich! Er verbannte alle Juden aus England – und natürlich durften sie nichts von dem, was sie besaßen, mitnehmen. Dadurch wurden seine Schulden unter dem Vorwand der Religion ausgelöscht.

Als Philipp IV., der König von Frankreich, erfuhr, dass sich Eduard I. auch bei italienischen Bankern Geld lieh, wurde das Problem dadurch gelöst, dass er die Banker verhaftete und so den Geldfluss zu Eduard I. unterband. Als Philipp IV. herausfand, dass der Papst das päpstliche Vermögen aufgrund seiner Maßnahmen von den italienischen Bankern abzog, beschlagnahmte er einfach die Katholische Kirche und verlegte sie nach Avignon.

Und da Philipp IV. fest entschlossen war, weiter zu kämpfen, installierte er einen französischen Papst, der die Tempelritter als Teufelsanbeter brandmarkte und alle ihre Vermögenswerte konfiszierte – inklusive der Bankkonten, die andere Menschen bei ihnen hielten, also auch die englischen Konten. Dadurch wurde das Bankensystem noch stärker in die Knie gezwungen, da die Tempelritter das SWIFT-System jener Tage waren. Philipp IV. hatte das europäische Bankensystem buchstäblich ausgelöscht, um seinen Krieg zu gewinnen.

Man sollte sich vor der Geschichte und ihren Lehren in Acht nehmen. Russlands Luftwaffe hat jetzt den Westen provoziert, indem sie mit ihren Langstrecken-Bombern nach Westeuropa flog und dort niederländischen Luftraum verletzte. Die Bomber mussten mit NATO-Kampfjets wieder zurückgedrängt werden. Es ist offenkundig, dass Moskau die Verteidigungsbereitschaft des Westens jetzt in zunehmenden Maße testet.

Und wer glaubt, dass es keinen Krieg geben wird, weil Russland zu viel zu verlieren hätte, sollte sich besser mal mit der Geschichte auseinandersetzen, weil genau das der Grund ist, warum Krieg wahrscheinlicher wird. Wenn sich eine Konfliktpartei der Konfrontation verschrieben hat (so wie es bei Putin der Fall ist) und überdies noch die Unterstützung der eigenen Bevölkerung genießt (was bei Putin ebenfalls der Fall ist; sogar die Orthodoxe Kirche unterstützt ihn), kann sie sich schnell in einer Position wiederfinden, wo ihr gar keine andere Wahl bleibt.

Wenn Putin kein Kapital auftreiben kann, weil keiner seine Staatsanleihen kauft, wird er letztlich in einer Zwickmühle landen: Entweder marschiert er ein, um seine Würde und Macht wiederherzustellen, oder er gibt nach und verliert im Inland an Macht, da ihm die Bevölkerung die Unterstützung entzieht und sich gegen ihn wendet.

Die russische Wirtschaft geht zurzeit drastisch zurück. Russland wird in eine tiefe Wirtschaftsdepression abtauchen, die bis 2020 anhalten wird. Putin braucht Krieg, damit sich die russische Bevölkerung künftig weiter auf externe Feinde konzentriert, da sie sich ansonsten gegen ihn wenden werden, wenn sie merken, dass es nicht funktioniert.

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