Spekulationsblasen soweit das Auge reicht: Jetzt ist höchste Vorsicht geboten!

Gefährlicher Mix: Die Finanzmärkte der westlichen Welt notieren nahe oder auf Rekordhochs, während die finanzpolitischen, wirtschaftlichen und geopolitischen Risiken weiter zunehmen

Tim Price, Sovereign Man, 06.05.2014

„Wenn ich eine Stunde Zeit hätte, um ein Problem zu lösen, von dem mein Leben abhängen würde, würde ich die ersten 55 Minuten darauf verwenden, nach der richtigen Frage zu suchen. Hätte ich diese Frage gefunden, bräuchte ich nur 5 Minuten, um die passende Antwort aufzuspüren.“ – Albert Einstein

Im Sommer 1914, als der damals 35-jährige Einstein in Berlin als Professor tätig war, brummten die europäischen Aktienmärkte.

Anfänglich wischten sie sogar die Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand, dem Thronfolgers des Österreich-Ungarischen Imperiums, in Sarajewo beiseite.

Doch als sich die Anleger der Auswirkungen eines europäischen Kriegs mit Russland, das sich auf die Seite Serbiens stellte, langsam gewahr wurden, sackten die Anleihen und Aktien ab, da proaktive Anleger damit anfingen, ihre Werte zu liquidieren.

Der Historiker Niall Ferguson weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Marktmacher an der Londoner Börse – die massiv auf Kredite angewiesen waren, um ihre Aktienbestände zu finanzieren – damit begannen, in die Pleite abzurutschen.

Die Ausfallrisiken schossen in die Höhe und die europäischen Wechselmakler sahen sich nicht mehr in der Lage, ihren Kunden die Gelder zu überweisen. Es gab Angst vor Bank-Runs.

Am 27.07.1914 schloss der Wiener Aktienmarkt seine Türen, und innerhalb einer Woche waren alle kontinentaleuropäischen Börsen, die Londoner Börse und die New Yorker Börse geschlossen.

Die weltgrößten Aktienmärkte blieben bis zu 5 Monate geschlossen. Man kann sagen, dass sich die Realität einstellte.

Heute notieren die westlichen Aktienmärkte entweder auf oder nahe nomineller Rekordhochs. Die Zinssätze liegen auf 300-Jahrestiefs.

Und das trotz der Ängste vor einer Wirtschaftsabschwächung und einer platzenden Kreditblase in China, trotz des drohenden Endes der quantitativen Lockerungsmaßnahmen in den Vereinigten Staaten und trotz der militärischen Eskalation in der Ukraine. Und trotz eines irreparablen Bankensystems in der Eurozone.

Als Griechenland vor kurzem 5-jährige Staatsanleihen ausgab, wurde für die Papiere eine Rendite von unter 5% erzielt. Und die Nachfrage nach diesen Papieren war stark – sie waren um das 7-fache überzeichnet!

Nachdem die US-Regierung bekanntgegeben hatte, dass das BIP-Wachstum im ersten Quartal zum Stillstand gekommen ist, stieg der Dow Jones Industrial Average innerhalb weniger Stunden auf ein neues Allzeithoch. Das ist die totale Abkopplung von der Realität.

Für uns ist völlig klar, dass die Zentralbanken der Industrieländer derzeit fleißig Spekulationsblasen aufblähen, die unvermeidlich platzen werden. Wir wissen bloß nicht wann.

Das Dilemma unserer Zeit ist, dass die Zentralbanken es praktisch unmöglich gemacht haben, erfolgreich in risikoarme Vermögenswerte zu investieren.

Dadurch, dass sie die Zinsen für Spareinlagen unter die reale Inflationsrate abgesenkt haben, sind die Anleger im Grunde gezwungen, viel mehr Preisrisiken in Kauf zu nehmen, als sie es andernfalls vielleicht tun würden.

Wir sind ja bereits seit langem der Auffassung, dass die Diversifikation von Vermögenswerten der letzte noch verbliebene Ausweg ist, aber eine Diversifikation der Vermögenswerte allein reicht auch nicht mehr aus, wenn sich im Grunde alles in einer Spekulationsblase befindet.

Für Anleger wird das zu einem Riesenproblem. Und um hier noch einmal auf Einstein zurückzukommen: Ja welche Frage würden Sie denn in den ersten 55 Minuten formulieren, wenn Sie eine Stunde Zeit hätten, um das Problem zu lösen?

Es sind nicht bloß die Fragen: Was möchten wir besitzen? Sollte es eine Kombination aus vernünftig bewerten Aktien, Anleihen, Immobilien, Bargeld und Gold sein? Wie können wir am besten die offenkundigeren Risiken für unser Kapital vermeiden?

Wir sind der Meinung, dass es aufgrund des heutigen trostlosen Finanzumfelds notwendig ist, sich wieder auf die wichtigsten Grundprinzipien zurückzubesinnen. Für uns lautet die Frage daher: Was wollen wir mit unserem Kapital überhaupt erreichen?

Wir glauben, dass das Ziel, „den Markt zu schlagen“, in der gegenwärtigen Phase der falsche Ansatz ist. Der Vermögenserhalt sollte an oberster Stelle stehen.

Ein verantwortungsvoller Anleger sollte entlang nicht so stark ausgetrampelter Pfade nach attraktiven Bewertungen Ausschau halten, nicht dort, wo sich die Masse der Anleger aufhält, die Indizes folgen und letztlich dazu verdammt sind, den Zentralbankern, die diese Indizes kontrollieren, auf den Leim zu gehen.

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