Finanzcrash: Wirtschafts-Zykliker rechnen für die kommenden Jahre mit massiven Verwerfungen

Michael Snyder, The Economic Collapse, 12.05.2014

Bewegt sich die Wirtschaft in vorhersagbaren Wellen, Zyklen oder Mustern? Es gibt viel Ökonomen, die glauben, dass dem so ist, und sollten sie mit ihren Prognosen Recht behalten, dürfte der Rest dieses Jahrzehnts für die Vereinigten Staaten die reine Hölle werden.

Viele Mainstream-Ökonomen wollen mit den Zyklen-Theoretikern nichts zu tun haben, dennoch war es einigen Ökonomen dank dieser Wirtschaftszyklustheorien möglich, in den letzten paar Jahrzehnten Rezessionen, Aktienmarkthochs und Aktienmarktcrashs korrekt vorherzusagen.

Natürlich ist keine der hier im Artikel besprochenen Theorien perfekt, aber es ist sehr interessant, dass alle von ihnen darauf hinzudeuten scheinen, dass die US-Wirtschaft kurz vor einem bedeutenden Abschwung steht. Wird die Phase von 2015 bis 2020 für die Vereinigten Staaten also tatsächlich zur reinen Hölle werden? Wir werden es wohl einfach abwarten müssen.

Eine der berühmtesten Wirtschaftszyklustheorien ist unter dem Namen „Kondratjew-Wellen“ bekannt. Der Kondratjew-Zyklus wurde von einem russischen Ökonomen namens Nikolai Kondratjew entwickelt, und seine Wirtschaftstheorien brachten ihm laut Wikipedia so viel Ärger mit der russischen Regierung ein, dass er aufgrund seiner Auffassungen schließlich umgebracht wurde:

„Der sowjetische Ökonom Nikolai Kondratjew war der erste, der diesen Beobachtungen mit seinem Buch ´Die großen Wirtschaftszyklen` (1925) … zu internationaler Aufmerksamkeit verhalf. Zwei niederländische Ökonomen, Jacob van Gelderen und Samuel de Wolff, hatten zuvor im Jahr 1913 behauptet, dass es zwischen 50 und 60 Jahre andauernde Wirtschaftszyklen geben würde. Die Arbeit von de Wolff und van Gelderen ist aber erst kürzlich aus dem Niederländischen übersetzt und somit einer größeren Leserschaft zugänglich gemacht worden.

Die Ideen von Kondratjew wurden von der Sowjetregierung abgelehnt. Er wurde dann in den Gulag geschickt und 1938 hingerichtet.

1939 schlug Joseph Schumpeter vor, den Zyklus ihm zu Ehren ´Kondratjew-Wellen` zu nennen.“

In den letzten Jahren gab es wieder ein verstärktes Interesse am Kondratjew-Zyklus. Im Folgenden finden Sie einen Auszug eines Artikels von Christopher Quigley, in welchem besprochen wird, wie die Kondratjew-Wellen funktionieren:

„Die Analyse von Kondratjew beschreibt, wie der internationale Kapitalismus zahlreiche ´große Depressionen` erlebt hat und diese daher ein normaler Bestandteil des internationalen merkantilen Kreditsystems sind. Die langfristigen Wirtschaftszyklen, die von ihm durch penible Untersuchungen identifiziert wurden, werden heutzutage ´ Kondratjew`-Zyklen oder ´K`-Wellen genannt.

Die K-Welle ist ein 60-jähriger Zyklus (+/- ein Jahr), der über verschiedene Phasen verfügt, die manchmal als Jahreszeiten bezeichnet werden: Frühling, Sommer, Herbst und Winter:

Die akademische Wirtschaftswelt hat in zunehmendem Maße erkannt, wie brillant die Erkenntnisse von Nikolai Kondratjew sind, und daher wurden bisher auch zahlreiche Berichte, Artikel, Thesen und Bücher zu diesem ´zyklischen` Phänomen geschrieben.

Ein einflussreiches Essay zu diesem Thema wurde von Professor W. Thompson von der Indiana University verfasst. Thompson legt nahe, dass die K-Wellen die weltweite technologische Entwicklung seit dem 9. Jahrhundert beeinflusst haben. Laut seiner These setzte die ´moderne` wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 930 in China ein, und er legt dar, dass es seit diesem Zeitpunkt 18 K-Wellen gab, die im Schnitt 60 Jahre anhielten.“

Und was steht uns laut der Kondratjew-Wellentheorie nun als nächstes bevor? Nun ja, laut Professor W. Thompson von der Indiana University befinden wir uns auf dem Weg in eine Wirtschaftsdepression, die mindestens bis zum Jahr 2020 anhalten dürfte:

„Basierend auf der Analyse von Professor Thompson verfügen die K-Zyklen über fast 1.000 Jahre an untermauernden Beweisen. Wenn wir die Tatsache akzeptieren, dass die meisten Winter in den K-Zyklen 20 Jahre dauern … würde das nahelegen, dass wir die Hälfte des Kondratjew-Winters, der im Jahr 2000 seinen Anfang nahm, bald hinter uns gebracht zu haben. Daher würden wir uns wahrscheinlich ungefähr im Jahr 2013 von einer ´Rezessions-` in eine ´Depressions-`Phase des Zyklus bewegen, die ungefähr bis 2017/2020 anhalten dürfte.`“

Aber die Kondratjew-Welle ist natürlich nicht die einzige Wirtschaftszyklustheorie, die darauf hindeutet, dass wir uns auf dem Weg in eine Wirtschaftsdepression befinden.

Die Wirtschaftszyklustheorie von Harry Dent sagt ebenfalls voraus, dass wir am Rande riesiger wirtschaftlicher Probleme stehen. Dent konzentriert sich dabei vornehmlich auf demographische Entwicklungen. Die Tatsache, dass die Bevölkerung schnell altert, ist ein großes Thema bei ihm. Im Folgenden finden Sie einen Auszug aus einem Business Insider Artikel, wo die wichtigsten Punkte von Dents neuem Buch zusammengefasst werden:

Laut Dent muss man sich auf diese Krise vorbereiten, die zwischen 2014 und 2023 stattfinden wird, wobei das Schlimmste wahrscheinlich 2014 beginnen und dann mit einigem Auf und Ab bis Ende 2019 anhalten wird.

Also genauso wie die Kondratjew-Welle legt auch die Arbeit von Dent nahe, dass wir bis Ende dieses Jahrzehnts eine bedeutende Wirtschaftskrise erleben werden.

Eine weitere Wirtschaftszyklustheorie, der von den Menschen heutzutage vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist die Beziehung zwischen Sonnenfleckenzyklen und dem Aktienmarkt. Wie sich herausstellte, kommt es bei Aktienmarkthochs und den Hochs bei der Sonnenfleckenaktivität oftmals zu einer hohen Korrelation. Das ist eine Theorie die zuerst von dem englischen Ökonomen William Stanley Jevons bekannt gemacht wurde.

Die Sonnenfleckenaktivität scheint Anfang 2014 ein Hoch ausgebildet zu haben und es wird damit gerechnet, dass sie den Rest dieses Jahrzehnts rückläufig sein wird. Sollte der historische Trend weiter anhalten, wäre das ein sehr beunruhigendes Omen für den Aktienmarkt.

Und natürlich gibt es noch viele, viele andere Wirtschaftszyklustheorien, die darauf hinzudeuten scheinen, dass den Vereinigten Staaten Probleme ins Haus stehen. Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung einiger dieser Theorien, die von G. E. Christenson und Taki Tsaklano zusammengetragen wurden:

Charles Nenner Research: Der Aktienmarkt soll Mitte 2013 sein Hoch ausbilden und dann bis 2020 fallen. Anleihen sollen im Sommer 2013 ihr Hoch ausbilden und danach für 20 Jahre fallen. Seine Schlussfolgerungen basieren auf der Untersuchung von Zyklen. Er rechnet damit, dass der Dow Jones bis 2018/2020 auf rund 5.000 Punkte fallen wird.

Kress Zyklen (Cliff Droke): Der bedeutende 120-Jahreszyklus und alle kleineren Zyklen werden Ende 2014 nach unten tendieren. Der Aktienmarkt müsste Ende 2014 drastisch zurückgehen.

Elliott Wave (Robert Prechter): Er glaubt, dass der Aktienmarkt sein Hoch ausgebildet hat uns sich nun in einem generationsübergreifenden Bärenmarkt befindet. Er rechnet für die Jahre 2016 bis 2017 mit einem Crashtief am Aktienmarkt.

Market Energy Waves: Hier geht man von einem 36-jährigen Zyklus bei den Aktienmärkten aus, der Mitte 2013 sein Hoch ausbildet und von 2013 bis 2016 rückläufig ist. Bei den Aktienmärkten wird mit einem Rückgang zwischen 25% und 50% gerechnet.

Armstrong Economics: Sein Economic Confidence Modell sagt für August 2013 ein Hoch und für September 2014 ein Tief voraus, dem dann im Oktober 2015 abermals ein Hoch folgt. Der Rückgang der Wirtschaft bis ins Jahr 2020 dürfte massiv ausfallen. Armstrong rechnet damit, dass es von 2015 bis 2020 zu einem weltweiten Crash und einem wirtschaftlichen Rückgang kommt.

Zyklen von Charles Hugh Smith: Er spricht von vier langfristigen Zyklen, die ihr Tief zwischen 2010 und 2020 ausbilden. Dabei handelt es sich um den Kredit-Ausdehnung/Kontraktions-Zyklus, den Preis/Gehalts-Inflationszyklus, den Generations-Zyklus und den Ölfördermaximum-Zyklus.“

Wird sich die Geschichte wiederholen?

Eigentlich müsste es ja beängstigend sein, dass 2014 dem Jahr 2007 auf unheimliche Art und Weise zu gleichen scheint. Aber wir haben aus der letzten großen Wirtschaftskrise nichts gelernt, und die meisten Amerikaner sind einfach viel zu apathisch, um mitzubekommen, dass wir heute wieder eine Vielzahl der alten Fehler begehen.

In den letzten Monaten gab es eine ganze Reihe von Hinweisen, dass der nächste wirtschaftliche Abschwung nicht mehr allzu weit weg sein kann. Beispielsweise wurde diese Woche gemeldet, dass die Stellenangebote im US-Fertigungssektor den vierten Monat in Folge rückläufig sind. Es gibt viele weitere ähnliche Hinweise, schauen Sie sich dazu bitte auch meinen vorangegangenen Artikel an.

Wollen wir hoffen, dass sich all die oben genannten Wirtschaftszyklustheorien dieses Mal nicht bewahrheiten werden – dennoch wäre es ziemlich närrisch, ihre Warnungen einfach so beiseite zu wischen.

Alles deutet darauf hin, dass ein großer wirtschaftlicher Sturm aufzieht, und wir sollten diese Zeit der relativen Ruhe nutzen, um uns vorzubereiten, solange es noch möglich ist.

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