Farage: Finanzkrise ist noch lange nicht vorbei; gigantische Staatsverschuldung ist das Hauptproblem

King World News, 30.05.2014

Da King World News aus aller Welt Bitten erhielt, ein neues Interview mit dem EU-Parlamentarier Nigel Farage durchzuführen – dem Mann, der die Welt jüngst abermals schockiert hat –, kontaktierten wir ihn, und er enttäuschte uns nicht. Farage warnte, dass das gesamte westliche Finanzsystem eine Illusion sei, und sprach darüber hinaus über die atemberaubenden Wahlergebnisse in Großbritannien und anderen Teilen Europas und die massive Krise, mit der Europa nun nach den EU-Wahlen konfrontiert ist.

Eric King: „Sie haben jetzt gerade diesen atemberaubenden Sieg in Großbritannien eingefahren, und ganz offensichtlich scheint es auch so zu sein, dass sich ganz Europa in Ihre Richtung bewegt. Was sagen Sie dazu, nun wo die Wahlen vorbei sind?“

Farage: „Nun ja, ich bin sehr erfreut. Nie zuvor ist es einer neuen politischen Partei gelungen, eine nationale Wahl zu gewinnen. Das ist außerordentlich. So etwas hat es in der britischen Politik die letzten 100 Jahre nicht gegeben. Also ja, ich bin sehr stolz und ich bin auch stolz darauf, dass ich das Ganze angeführt habe.

Und ich bin fasziniert, zu sehen, dass es in ganz Europa zu ähnlichen Wahlsiegen gekommen ist. In einigen Teilen Skandinaviens haben sich die Mitte-Rechts-Parteien gut geschlagen. Und in Frankreich ist der Front National ebenfalls als Sieger aus der Wahl hervorgegangen. Es hat also ein paar ziemlich bemerkenswerte Siege gegeben.

Und das möchte ich Ihnen auch noch erzählen: Als ich gestern wieder in Brüssel war und an einem Treffen mit dem Präsident des Europäischen Parlaments und den Führern der großen europäischen Parteien und Gruppen teilnahm, da hatten sie vor, so weiterzumachen, als wäre überhaupt nichts geschehen – was ich ziemlich bemerkenswert fand.“

Eric King: „Bei Drudgereport.com sah ich nach dem Wahltag die Überschrift ´Ein neuer Stern ist geboren` und daneben war Ihr Bild zu sehen. Steigt Ihnen das zu Kopf oder sind Sie heute noch derselbe alte Freund, den ich seit fünf Jahren kenne?“

Farage: „Nein, ich werde mich nicht ändern. Nein, nein, nein, da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Ich werde wohl weiterhin verdammt hart arbeiten und nach einem harten Arbeitstag ein paar Bier genießen. Keine Sorge – es ist alles in Ordnung, da wird sich nichts ändern.“

Eric King: „Ich werde hier mal aus einem Artikel von Art Cashin zitieren, der auf Bemerkungen von David Hay verweist:

´Der große Schuldenabbau ist mehr Mythos als Realität. Während es in den USA seit 2009 zu einem geringfügigen Schuldenabbau gekommen ist, liegt das weltweite Schuldenniveau [Staatsschulden, Unternehmensschulden, Privatschulden] nun bei 435% des weltweiten BIP. Vor der Krise lag es bei 404%. Toller Schuldenabbau!`

Was sagen Sie dazu?“

Farage: „Ja, da haben Sie Recht. Und im Grunde haben wir uns auch alle ein klein wenig etwas vorgemacht. In Amerika zieht die Wirtschaft wieder an, und in Großbritannien zieht die Wirtschaft wieder an, und wir reden uns ein, dass wir alle schwer beschäftigt sind. ´Das ist ja absolut wundervoll.` Im Vergleich zu Amerika ist Großbritannien nur ein kleines Land, aber unsere Zahlungsverbindlichkeiten bei den Staatsschulden belaufen sich seit letzter Woche auf über GBP 1 Milliarde pro Woche.

Das heißt, dass wir nun jede Woche über GBP 1 Milliarde nur an Zinsen auf unsere Staatsschulden entrichten. Und es ist ziemlich erschreckend, dass die britische Staatsverschuldung bis zum Ende der aktuellen Regierung in Großbritannien im nächsten Jahr – also innerhalb einer Amtszeit von gerade einmal 5 Jahren – um 40% gestiegen sein wird. Also ich bin in jederlei Hinsicht sehr besorgt darüber, dass die Schulden weiterhin ein Riesenproblem bleiben werden. Das ist das größte Problem überhaupt, aber darüber scheint gegenwärtig niemand sprechen zu wollen.“

Eric King: „Was sagen Sie dazu: 2008/2009 fand der Zusammenbruch statt und bis 2011 hat man die Lage und das Finanzsystem dann wieder irgendwie gerettet, doch das heutige Finanzsystem ist eher eine Illusion eines echten Finanzsystems.“

Farage: „Ja ich befürchte, dass ich dem zustimmen muss. Bei der Finanzkrise haben wir das Letzte noch nicht gesehen. Die Banken stecken immer noch im Schlamassel. Die Schuldenniveaus sind, wie ich gerade gesagt habe, sehr, sehr hoch, und es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass sie zurückgehen. Und wir haben andere Wirtschaften wie die in der Eurozone, die sich in Richtung Deflation aufgemacht haben. Der Dow Jones mag vielleicht auf Allzeithochs notieren, der S&P 500 notiert aktuell ebenfalls auf Allzeithochs – aber ich wäre bezüglich der Lage nicht allzu optimistisch.“

Eric King: „Sie und ich haben in einigen Ihrer dunkelsten Stunden miteinander gesprochen, weil wir uns bereits seit Jahren kennen. Sie haben einen weiten Weg hinter sich gebracht. Hatten Sie je daran geglaubt, dass Sie den Erfolg haben würden, den Sie heute haben?“

Farage: „Das ist eine wirklich schwierige Frage. Ich habe immer darauf gehofft, dass ich diese Art von Erfolg haben würde. Ob ich geglaubt habe, dass es wirklich passieren würde? Nun, ich glaube, dass, wenn man ein Ziel im Leben hat und eine zielstrebige Person ist, man es sich gar nicht leisten kann, darüber nachzudenken, dass man seine Ziele eines Tages erreicht.

Ich glaube, wenn man mitten in seiner Karriere den Kurs wechselt, so wie ich es getan habe, und aus der Wirtschaft in die Politik geht, dann muss man dafür schon eine gewisse Leidenschaft mitbringen. Und vielleicht auch eine Art von wildem Überoptimismus, und davon habe ich mit Sicherheit genug.

Schauen Sie, wir haben es geschafft – wir haben eine landesweite Wahl gewonnen. Wir haben das Establishment in Großbritannien verblüfft. Sie torkeln jetzt völlig schockiert und entsetzt umher. Hurra!“

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