Ehemaliger Fed-Insider rechnet mit Chaos an den Finanzmärkten

King World News, 31.07.2014

Nach der Entscheidung der US-Notenbank (Fed), ihre Anleihekäufe um weitere USD 10 Milliarden pro Monat zurückzufahren, sprach King World News mit Andrew Huszar, dem Mann, der für die Durchführung von QE1 verantwortlich zeichnete und den riesigen Trading-Room der US-Notenbank aufbaute. Huszar war führender Mitarbeiter der New Yorker Fed und als Geschäftsführer bei Morgan Stanley tätig.

Huszar warnte, dass die Aktien crashen werden, sollte die Fed an ihrem aktuellen Kurs festhalten. Er bezeichnete die Aktivitäten der Fed als „ziemlich schockierend“ und ist der Meinung, dass sie durchaus in einer Katastrophe enden könnten. Im Folgenden finden Sie, was Huszar in diesem bemerkenswerten Interview zu sagen hatte:

Eric King: „Sie sind als Manager bei der Federal Reserve tätig gewesen und wurden damit beauftragt, die erste Runde der quantitativen Lockerung, QE1, durchzuführen. Darüber hinaus haben sie den riesigen Trading-Room der Fed aufgebaut. Was denken Sie, wenn Sie sehen, dass die Fed die QE-Maßnahmen nun um weitere USD 10 Milliarden pro Monat absenkt, und sich anschauen, in welche Richtung wir uns aufgemacht haben?“

Huszar: „Wenn ich auf 2008 zurückblicke, hätte ich nie geglaubt, dass wir einmal an den Punkt gelangen würden, wo wir uns heute befinden. Ich dachte, die quantitative Lockerung war ein Notfallprogramm zur Stabilisierung der Märkte. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass bis heute über USD 5 Billionen an Anleihen aufgekauft werden oder die Bilanz der FED bei USD 4,4 Billionen liegt, während sie vor der Finanzkrise noch bei USD 800 Milliarden lag. Wir haben hier tatsächlich Neuland betreten, was ich ziemlich schockierend finde.

Ich glaube, dass es drei große Fragen gibt, die einer Antwort bedürfen. Der heutige Tag lief mehr oder weniger so ab, wie ich erwartet hatte: Die Fed fingert am Tempomat herum, ist aber bezüglich des weiteren Vorgehens immer noch nicht bereit, große Entscheidung zu treffen. Es gibt daher noch unbeantwortete Fragen, aber vielleicht werden die Fed-Protokolle in drei Wochen Aufschluss darüber geben.

Also es ist klar, dass die quantitative Lockerung im Oktober auslaufen wird, aber die wirkliche Frage ist, was die Fed danach mit ihrem Portfolio machen wird. Wird sie das Portfolio auf demselben Niveau halten? Wird sie weiterhin Anleihen aufkaufen, um das QE-Portfolio auf dem jetzigen Niveau zu halten? Oder wird sie die Papiere auslaufen lassen und nicht prolongieren? Wenn sie die Papiere auslaufen lässt, wäre das ein entscheidender Schritt, um sich aus dem Markt zurückzuziehen.

Und dann gibt es die Frage, wann sie eigentlich damit beginnen werden, die kurzlaufenden Zinssätze anzuheben. Ich würde mal darauf tippen, dass dies weiter in der Zukunft liegt, als die meisten Menschen glauben.

Und die dritte Frage ist: Wie wird sie die Zinssätze anheben? Denn der Leitzins der Fed funktioniert im jetzigen Umfeld nicht, da das US-Bankensystem fast USD 2,5 Billionen an überschüssigen Reserven hält.

Die US-Notenbank hat im Hinblick auf ihre Bilanz also Neuland betreten, wenn es darum geht, wann sie die Käufe aussetzen soll. Ich glaube, das sind die enorm wichtigen Fragen, die riesige Auswirkungen auf die Fed haben werden und darauf, wie sie versuchen wird, sich aus dem Markt zurückzuziehen, sofern sie versuchen sollte, sich aus der Stützung des Markts zurückzuziehen.“

Eric King: „Die Frage, die alle beschäftigt, ist: Wie werden die Märkte reagieren, wenn die Fed die quantitative Lockerung beendet? Wie werden sich die Dinge entwickeln?“

Huszar: „Zunächst einmal glaube ich, dass die Menschen immer überschätzen, wie schnell die Fed die Politik des lockeren Geldes beenden wird. Wenn wir uns zurückerinnern, dann sprach die Fed 2008 davon, die Zinsen sechs Monate später wieder anzuheben. Die Leute überschätzen den Einfluss der Vertreter einer strafferen Geldpolitik wie Fisher und Plosser innerhalb der Fed. Die Fed bevorzugt eine extrem lockere Geldpolitik.

Daher glaube ich auch, dass es in Wirklichkeit einige Zeit dauern dürfte, bevor sich die Fed bedeutend zurückzieht. Aber wenn sich die Fed dann erst einmal zurückgezogen hat, dürfte es nach meinem Dafürhalten zu einer wilden Berg- und Talfahrt kommen. Ich erinnere mich, dass wir vor 2008 noch darüber sprachen, wie wir das Problem der Volatilität lösen würden – das war genau der Moment, wo die Volatilität dann in die Höhe schoss.

Daher glaube ich, dass wir einen massiven Anstieg bei der Volatilität sehen werden, wenn die Fed das Füllhorn wieder zumacht. Ich gehe nicht davon aus, dass die Rendite für die 10-jährige US-Staatsanleihe umgehend auf 5%, 6% oder 7% steigt, aber ich rechne mit einer massiven Volatilität und dem Verlust der positiven Marktstimmung.

Das Vertrauen, von dem alle reden, geht auf das lockere Geld und die künstlichen Belebungsmaßnahmen zurück – und es kann genauso leicht und schnell wieder verschwinden, wie es gekommen ist. Wenn sich die Fed tatsächlich zurückzieht, wird es praktisch unmöglich sein, die positiven Markterwartungen aufrecht zu halten […]

Ich glaube bis heute nicht, dass die Inflation die Hauptsorge der Fed ist. Die Inflation steigt, aber die Fed hat hier immer noch Spiel. Das Problem, dass sie haben, ist, dass die Wirtschaft für den überwiegenden Teil der Normalbürger nicht funktioniert.

Gestern wurde ein BIP-Quartalswachstum von 4% gemeldet, was auf dem Papier natürlich gut aussieht, aber das Gehalt des Durchschnittsamerikaners ist jüngst inflationsbereinigt auf das Niveau von 1989 gefallen. Es bleiben also immer mehr Amerikaner auf der Strecke. Das Problem ist, dass die Werkzeuge der Fed nicht richtig funktioniert haben und ihre Maßnahmen darüber hinaus mit einer ganzen Reihe von unbeabsichtigten Konsequenzen einhergehen.

Ich glaube, dass wir uns in einer länger anhaltenden Phase wirtschaftlicher Malaise befinden. Diese schwächelnde Wirtschaft ist etwas, das uns noch eine ganze Weile begleiten wird. Ich frage mich oft, ob das, was die Fed während der Finanzkrise tat, gerechtfertigt war – und das will ich noch nicht einmal in Frage stellen. Aber ich glaube, dass das, was sie seit 2009 gemacht haben, durchaus fraglich ist.

Ich glaube, dass wir eines Tages zurückblicken und sagen werden, dass sie eine Möglichkeit verstreichen lassen haben, um dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft zum Wohl aller Amerikaner funktioniert. Also ich glaube, dass dieses Ringen noch eine lange Zeit anhalten und es eine ziemlich schmerzliche Veranstaltung werden wird, das Ruder wieder herumzureißen.“

Eric King: „Das letzte Mal, als wir miteinander sprachen, hatten Sie das Gefühl, dass es am Aktienmarkt an irgendeinem Punkt zu einem 20% – 30%igen Einbruch kommen wird. Wie schlimm wird die Lage noch werden, jetzt, wo der Dow Jones unter die Marke von 17.000 Punkten gefallen ist und wir in diesem Bereich verharren?“

Huszar: „Wir sollten im Hinterkopf behalten, dass die Fed immer noch monatlich USD 25 Milliarden an Anleihen aufkauft und das Geld in die Märkte pumpt. Der Einbruch bei den Aktien wird kommen. Es gibt die Erwartung, dass Yellen den Aktienmarkt stützt – doch sollte Yellen zu ihrem Wort stehen und die Fed tatsächlich einen Schritt zurücktreten und bereit sein, am Aktienmarkt mehr Volatilität zuzulassen, werden wir auch diese Art von 20% – 30%iger Korrektur sehen.“

Eric King: „Könnte es noch weit schlimmer kommen als das, was Sie vorhersagen?“

Huszar: „Ja. Die US-Wirtschaft ist zu 70% auf die Ausgaben der Konsumenten angewiesen. Das Problem ist, dass die überwiegende Mehrheit der Amerikaner weniger Gehalt bekommt, um es auszugeben, und sie im Grunde auch keine Kredite mehr bekommen. Die Menschen sind heute gerade einmal 10% weniger stark verschuldet als vor der Finanzkrise.

An irgendeinem Punkt ist das Wirtschaftswachstum darauf angewiesen, dass die Normalbürger prosperieren – und das sehe ich heute genauso wenig wie zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs von Lehman Brothers.“

Weitere Artikel zu diesem Thema