Rick Rule: Silber könnte zur Wildcard werden

King World News, 29.07.2014

Rick Rule, einer der vermögendsten Menschen der Finanzwelt, sagte heute gegenüber King World News, dass Silber zur Wildcard werden könnte, während sich die Edelmetalle gerade darauf vorbereiten, in der zweiten Jahreshälfte kräftig zuzulegen. Und er sprach darüber, wie es seiner Einschätzung nach mit Gold, Platin, Palladium, den Edelmetallminenaktien und anderen Rohstoffen weitergehen dürfte:

Rule: „Die aktuellen Edelmetallpreise – also von Gold, Silber, Platin und Palladium – bedeuten, dass die großen Produzenten der Branche jetzt damit anfangen, ihre Neuinvestitionen zurückzufahren. Die Analysten haben ihre Prognosen für das EBITDA-Wachstum von Newmont und von Barrick erhöht, aber das geht zu Lasten künftiger Produktion.

Und das bedeutet, dass sich Gold entweder verteuern muss oder die Goldproduktion, zumindest bei Newmont und Barrick, zurückgehen wird. Und dasselbe lässt sich auch bei der Platin- und Palladiumproduktion beobachten, nur dass es dort sogar noch schlimmer ist.

Die Versorgung seitens der Minen kann bei den aktuellen Edelmetallpreisen also nicht aufrechterhalten werden. Bei Silber ist es klein wenig kniffliger, da ein sehr großer Anteil von Silber bei der Produktion unedler Metalle als Nebenprodukt anfällt. Wenn man sich mit der Silberversorgung auseinandersetzt, muss man sich also die Preise für Basismetalle und die Profitabilität der Basismetallminen anschauen.

Aber all das verrät uns eine ganze Reihe interessanter Dinge über die Minenbranche. Es sagt uns, dass die großen Minenunternehmen ihre Investments im Explorationsbereich und bei der Entwicklung von Minen zurückfahren. Die Unternehmenszusammenschlüsse und -aufkäufe könnten extrem werden, speziell wenn wir hier einmal 1, 2 oder 3 Jahre in die Zukunft blicken. Das hängt damit zusammen, dass die großen Minenunternehmen die besseren, von den Juniorminen entwickelten Lagerstätten werden aufkaufen müssen.

Die großen Minenunternehmen werden dazu gezwungen sein, und zwar um zu überleben, nicht um zu wachsen. Die Situation ist also sehr, sehr interessant. Für den Markt mag dieser Aspekt in kommenden Wochen unbedeutend sein, aber langfristig gesehen ist es mit Sicherheit bullisch und etwas, dass die Anleger im Hinterkopf behalten sollten, wenn sie ihre Investmententscheidungen treffen.“

Eric King: „Egon von Greyerz hat ja einen atemberaubenden Chart veröffentlicht, der zeigt, dass die Zahl der neuen Goldfunde in den letzten Jahren eingebrochen ist.“

Rule: „Der Trend, auf den Egon von Greyerz mit den Charts hingewiesen hatte, ist natürlich ein Blick in die Vergangenheit, und ich glaube, dass sich die Veränderungen künftig sogar noch stärker beschleunigen werden. Wenn man sich die Ziele so anschaut, die von den großen Minenunternehmen im Hinblick auf ihre Unternehmensinvestitionen bekanntgegeben worden sind, kommt man zu der Schlussfolgerung, dass sie aktuell kein Geld ausgeben.

Und das ist eine sehr interessante Situation. Das wird die Zugewinne an den Gold- und Silbermärkten an irgendeinem Punkt richtig anheizen. Und es verrät uns auch etwas über die Zugewinne, die wir bei den erfahreneren und besseren Juniorminen und mittelgroßen Minenaktien sehen werden, da sie in Zukunft von den großen Produzenten aufgekauft werden.“

Eric King: „Was ist mit dem Silberpreis? Sie erwähnten, dass es hier ein wenig kniffliger sei.“

Rule: „Ja, Silber ist wesentlich komplizierter. Wenn die Wirtschaftserholung weiterhin so lahm ausfällt und die Preise für unedle Metalle weiterhin so schwach bleiben, wird das negative Auswirkungen auf die Silberproduktion haben. Fakt ist, dass wir bei einigen dieser Basismetalle bereits heute Angebotsverknappungen beobachten können.

Ich bin extrem positiv gestimmt, was Metalle wie Nickel anbelangt. Der Nickelpreis ist immer weiter gestiegen, und nun sieht es so aus, als würden wir es bei Nickel nächstes Jahr mit einer echten Verknappung zu tun bekommen. Und der Kupferpreis hat sich trotz der ziemlich schwachen Nachfrage ebenfalls sehr gut entwickelt. Das sagt mir, dass es auf weltweiter Basis Schwierigkeiten auf der Versorgungsseite gibt. Der Zinkpreis ist ebenfalls gestiegen – nachdem die Zinkproduzenten das Metall vier Jahre lang unter ihren Produktionskosten verkauft haben.

Noch einmal: Bei Silber ist es sehr schwierig, Angebots- und Nachfragemodelle auszuarbeiten. Und auch im Hinblick auf Südostasien, wo Silber traditionell als Ersatz für andere Formen von Währung genutzt wurde, gibt es bei Silber eine sehr große Grauzone, was Angebot und Nachfrage anbelangt.

Ich glaube aber, dass wir in der zweiten Jahreshälfte steigende Edelmetallpreise und steigende Preise bei den Edelmetallminenaktien sehen werden. Diese Anstiege werden vielleicht langsam ausfallen und viel Kraft kosten, aber es wird zu Anstiegen kommen. Die Anleger werden höhere Hochs und höhere Tiefs sehen. Bei den Metallen und den Minenaktien haben wir ja schon drei Rallys gesehen, denen dann wieder Rückgänge folgten, aber es waren höhere Hochs und höhere Tiefs. Das ist ein schrittweiser Anstieg, während diese Märkte die ´Sorgenwand` hinaufklettern. Und es ist exakt das, womit man am Ende eines großen Bärenmarkts rechnen würde. Dieser Markt befindet sich aus meiner Sicht also in sehr guter Verfassung.“

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