Vorsicht ist besser als Nachsicht: Warum Sie etwas physisches Gold halten sollten

Es könnte durchaus sein, dass sich der Westen mit seinen Sanktionen gegen Russland verspekuliert hat und die Ukraine-Krise zum Auslöser einer globalen Finanzkrise wird. Wer sich vor einem solchen Ausgang schützen will, kann sich mit physischem Gold dagegen versichern

Lawrence Williams, Mineweb.com, 30.07.2014

Das einseitige Gefasel, das im Westen als objektive Berichterstattung durchgeht, erstaunt mich immer wieder. Bezüglich der Ukraine und speziell im Fall des Abschusses des malaysischen Passagierflugzeugs MH17 scheinen die westlichen Medien eine Agenda zu bewerben – und zwar nur eine einzige Agenda, ohne dass dabei in Erwägung gezogen wird, dass es aus einer anderen Perspektive auch noch ein alternatives Argument geben könnte.

Ob die antirussische Rhetorik, in der sich die Medien ergehen, nun richtig ist oder nicht – eine unabhängige Nachrichtenorganisation sollte doch aber wenigstens anerkennen, dass es vielleicht auch noch eine andere Seite der Geschichte geben könnte.

Die ganze Affäre um den Abschuss von MH17 erinnert doch sehr an die Massenvernichtungswaffen-Vorwürfe, die gegen den Irak erhoben wurden und dann der Vorwand für den Irakkrieg waren, bei dem so viele Streitkräfte, lokale Polizeikräfte und eine riesige Zahl an Zivilisten ums Leben kamen und der für den Westen indirekt dank der Übernahme weiter Teile des Iraks und Syriens durch ISIS nun zu noch größeren Sorgen geführt hat.

Vielleicht sollte der Westen lernen, sich bei anderen Ländern nicht einzumischen, so verachtenswert ihre Regime auch erscheinen mögen, solange man die unbeabsichtigten Konsequenzen nicht versteht, die für die Bevölkerungen vor Ort des Öfteren – wahrscheinlich so gut wie immer – weit schlimmer sind als der bestehende Status Quo.

Der Abschuss von MH17 ging mit allen möglichen Annahmen und Vorwürfen einher, ohne dass eine detaillierte Prüfung der Fakten stattgefunden hat. Der Vorwurf, Russland habe das Passagierflugzeug abgeschossen, entbehrt jeder Logik. Der Vorwurf, die Ukraine habe das Flugzeug abgeschossen, um zu versuchen, den Separatisten die Schuld dafür anzulasten und die öffentliche Meinung zu polarisieren, macht wenigstens noch ein klein wenig Sinn, wenn man bedenkt, dass es die ukrainische Luftsicherheitsbehörde war, die das Passagierflugzeug auf seine verhängnisvolle Route schickte.

Das wahrscheinlichste Szenario scheint tatsächlich zu sein, dass die Separatisten das Flugzeug unabsichtlich abgeschossen haben, weil sie es für eine ukrainische Militärtransportmaschine hielten – obwohl es ein klein wenig merkwürdig erscheint, dass ein solches Flugzeug wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt in 9.000 Kilometer Höhe fliegt.

Wir brauchen eine unabhängige Untersuchung, um herauszufinden, was tatsächlich geschah, aber da hier so viele Parteien involviert sind – und die meisten von ihnen ihre ganz eigene politische Agenda verfolgen –, ist es fraglich, ob die Wahrheit jemals an Licht kommen wird. Wir erfahren nur das, was uns seitens der westlichen und russischen Propagandamaschinen als vermeintlich unabhängige Nachrichten zugespielt wird.

Im Westen scheint es die Agenda zu geben, Russland dafür zu dämonisieren, dass es sich gegen den sogenannten „Volksaufstand“ der Ukraine wendet, von dem die Russen fest glauben, dass er vom Westen und speziell von den USA gesponsert wurde, um eine dem Westen wohlgesonnene Regierung zu installieren und die NATO noch näher an die russische Grenze zu verlagern. Daher überrascht es kaum, dass Russland die Entwicklungen als eine ernsthafte militärische Bedrohung erachtet und der Meinung ist, dem Treiben lange genug zugeschaut zu haben – und wohlmöglich ist da auch etwas dran.

Nichts von dem scheint in den westlichen Medien Erwähnung zu finden, wenn sie sich mit den geopolitischen Fragen auseinandersetzen. Und das dürfte den Großmächten auch ganz gut in den Kram passen, wenn sie sich in Länder einmischen, die zwar über keine nennenswerte militärische Widerstands- und Durchschlagskraft verfügen, den russischen Bären aber dennoch stark genug reizen können, um ernste Sorgen bezüglich einer potenziellen NATO/Russland-Militärkonfrontation hervorzurufen.

Unterdessen verschärft der Westen die Finanzsanktionen gegen Russland, obwohl diese über das Potenzial verfügen, eine ganze Reihe anfälliger westlicher Banken ernsthaft zu destabilisieren. Hierzu gehören vor allem französische, italienische und US-amerikanischen Banken, die bei russischen Finanzinstitutionen die größten Risiken halten. Und sollte Russland reagieren, indem es die Öl- und Gaslieferungen in die Ukraine und nach Europa aussetzt, könnte das ein neues „dunkles Zeitalter“ unter den Ländern auslösen, da die Energieversorgung ohne die russischen Exporte nicht mehr gewährleistet wäre.

Wir hatten ja bereits in früheren Artikeln darauf hingewiesen, dass all diese Entwicklungen keinerlei Einfluss auf den Goldpreis zu haben scheinen – und das obwohl das gelbe Metall durch ernste geopolitische Konflikte normalerweise nach oben getrieben wird. Und dieser spezielle „Konflikt“ könnte noch sehr schwerwiegend werden, wenn sich die USA und ihre europäischen Verbündeten mit ihrer Rhetorik in eine Ecke plappern, aus der sie dann nicht mehr herauskommen.

Es dürften kaum Zweifel daran bestehen, dass Russland den Separatisten in der Ukraine geholfen hat, aber wie oft haben die USA in Ländern interveniert, wo sie ihre Interessen bedroht sahen? Und bezüglich des Abschusses von MH17 sei hier angemerkt, dass es nicht allzu lange her ist, dass die USA einen iranisches Passagierflugzeug abgeschossen haben, wo fast genauso viele Zivilisten, darunter auch Kinder ums Leben kamen – eine Tat, für die sich der damalige US-Präsident ganz bewusst nicht entschuldigte.

Zurück zu Gold: Russland hat in den letzten Monaten sehr viel Gold gekauft. Allein im Juli lagen die Goldkäufe des russischen Staats bei 18,6 Tonnen. Es sieht so aus, als würde Russland sich aktuell auf eine Phase von Finanz-Attacken vorbereiten und Gold als die beste Versicherung dagegen erachten.

Der Westen neigt zu der Annahme, dass immer stärkere Sanktionen gegen Russland dieselbe Wirkung hätten, wie wenn sie gegenüber einem westlichen Land verhängt würden – aber dem muss nicht unbedingt so sein. Die Russen können auf eine lange Geschichte zurückblicken, wo sie immer wieder schwerwiegende finanzielle Notlagen überlebt haben, und keine westliche Sanktion dürfte auch nur ansatzweise die Not hervorrufen, die bei den Russen noch im Gedächtnis ist. Und hier sollte man auch daran denken, dass Alliierte wie China und die meisten Länder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten Russland beim Handel unter die Arme greifen dürften.

Sollte der Westen die Sanktionen weiter verschärfen, wird Russlands Präsident Putin mit Sicherheit ernsthafte Vergeltungsmaßnahmen implementieren. Er muss im Inland sein Image des starken Mannes aufrechterhalten und überdies hegt Russland auch den Wunsch, seinen Platz in der Welt als Supermacht zu konsolidieren.

Aus russischer Sicht hat das Land dem Westen in den letzten Jahren bereits viel zu stark nachgegeben. Wir erwähnten ja in einem vorangegangenen Artikel, dass es sich bei der Ukraine im Grunde um ein russisches Kuba handelt. Der Punkt, an dem es sich der russische Bär nicht mehr leisten kann, herabgesetzt zu werden, und damit beginnen dürfte, stärkeren Widerstand zu leisten – ob nun verdeckt, wie es gegenwärtig der Fall ist, oder offen, wenn er das Gefühl hat, zu viel verlieren zu können –, rückt immer näher.

Bisher ist Russland noch recht zurückhaltend gewesen, aber ein Stopp der Gaslieferungen in die Ukraine und somit auch nach Europa – das ja von demselben Pipelinesystem abhängig ist – würde die Ukraine rasch auf die Knie zwingen und auch bei vielen Euroländern für Notlagen sorgen. Diese Gasversorgung kann nicht so schnell ersetzt werden, falls dies überhaupt möglich ist. Und die Angst vor einem russischen Gaslieferungsstopp ist ja auch der Grund, warum die Sanktionen bis zum jetzigen Zeitpunkt ziemlich moderat gewesen sind – aber wenn sie zur nächsten Eskalationsstufe getrieben werden, dann …!

Russland glaubt offensichtlich an Gold – und bei China, der anderen neuen Supermacht, scheint das ebenfalls der Fall zu sein. Glaubt der Westen heutzutage noch an Gold? Schwer zu sagen. Oberflächlich betrachtet eher nicht. Aber wer weiß schon, was hinter verschlossen Türen besprochen wird …

Daher dürfte es eine gute Idee sein, etwas Gold zu halten, um sich vor einer weiteren durch Sanktionen und Vergeltungsmaßnahmen herbeigeführten globalen Finanzkrise zu schützen. Das gilt umso mehr, wenn man sich darüber im Klaren ist, dass die Fiatwährungen über praktisch keinerlei Deckung verfügen und zu ihrem inhärenten Wert – dem Wert des Papiers, auf dem sie gedruckt worden sind – zurückkehren könnten. Wollen wir hoffen, dass das nicht passiert, aber Vorsicht ist immer besser als Nachsicht.

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