Finanz-Hurrikan: Warum die nächste Finanzkrise viel verheerender wird als in 2008

JT Long, Mining Report, 02.09.2014

Billionen Dollars an Schulden, eine kurz vor dem Platzen stehende Staatsanleiheblase und wirtschaftliche Verzerrungen, die es für die Anleger praktisch unmöglich machen, zu wissen, was sich hinter den Kulissen abspielt – all das hat laut Doug Casey etwas geschaffen, das von ihm als „Krisenwirtschaft“ bezeichnet wird.

Aber Casey gehört nicht zu denjenigen, die sich davon hinunterziehen lassen. Er plant, aus der kommenden Finanzkatastrophe das Bestmögliche herauszuholen, indem er Aktien mit realen Werten, Silber, Gold, Uran und sogar Kohle kauft. In diesem Interview mit The Mining Report stellt er überdies seine Methode vor, wie er unter den 1.500 „sogenannten Minenaktien, die an der TSX gelistet sind, diejenigen identifiziert, die tatsächlich über Wert verfügen.

The Mining Report: Die diesjährige Konferenz von Casey Research trägt den Titel „Erfolgreich in einer Krisenwirtschaft“. Was ist die drängendste Krise, mit der die Anleger heute konfrontiert sind?

Doug Casey: Wir verlassen gerade das Auge eines gigantischen Finanz-Hurrikans, in den wir im Jahr 2007 eingetreten sind, und wir bewegen uns nun wieder in Richtung seines wilden Randes. Und es wird wesentlich ernster, ganz anders und länger anhaltend sein als das, was wir in den Jahren 2008 und 2009 erlebten. Die Anleger sollten sich bis Ende dieses Jahres auf richtig stürmisches Wetter einstellen, mit Sicherheit für 2015.

TMR: Der Aktienmarkt erlebte 2008 ein hohes Maß an Volatilität. Gegenwärtig scheinen die Indizes unaufhörlich zu steigen. Warum glauben Sie, dass wir wieder auf etwas Schlimmes zusteuern?

DC: Die USA haben Billionen an Dollars geschaffen, um die Finanzkrise von 2008 und 2009 zu bekämpfen. Der überwiegende Teil dieser Dollars parkt immer noch im Bankensystem und befindet sich nicht in der Wirtschaft. Ein Teil des Geldes hat seinen Weg in die Aktienmärkte und die Anleihemärkte gefunden, wodurch eine Aktienblase und eine Anleihe-Superblase geschaffen wurden. Umso stärker die Aktien und Anleihen steigen, desto härter werden sie fallen.

TMR: Als Sie letztes Jahr von der Streetwise-Präsidentin Karen Roche interviewt wurden, sagten Sie einen verheerenden Crash voraus. Nähern wir uns diesem Crash immer noch an? Was sind die Hinweise darauf, dass eine Anleiheblase kurz vor ihrem Platzen steht?

DC: Ein Indikator ist, dass die sogenannten Ramschanleihen heute im Schnitt mit weniger als 5% rentieren. Das ist ein riesiger Unterschied gegenüber dem Tief des Anleihemarkts Anfang der 1980er Jahre, als selbst Staatsanleihen mit 15% rentierten.

TMR: Ist das nicht eine Folge der niedrigen Zinssätze?

DC: Ja, so ist es. Die Zentralbanken haben überall auf dem Planeten versucht, ihre Wirtschaften wiederzubeleben, indem sie die Zinsen auf Allzeittiefs abgesenkt haben. Das hielt die Menschen vom Sparen ab und ermutigte sie dazu, mehr Geld zu leihen und mehr zu konsumieren. Die Verzerrungen, die dadurch in der Wirtschaft geschaffen werden, sind riesig, und sie werden alle an irgendeinem Punkt aufgelöst werden müssten, vielleicht innerhalb der nächsten 6 oder 12 Monate.

Es ist praktisch unmöglich, das Timing dieser Entwicklungen vorherzusagen, aber es fühlt sich wie 2007 an, nur viel schlimmer, und wahrscheinlich wird es dieses Mal inflationärer Natur sein. Mit Sicherheit wird es zu Finanz-Chaos kommen, aber der genaue Charakter des Chaos ist per se schon nicht prognostizierbar.

TMR: Jeff Clark, der Edelmetallexperte von Casey Research, schrieb jüngst, dass er in Silber investiert, um sich vor einem Voranschreiten der „staatlichen Finanz-Heroin-Abhängigen zu schützen, die einen kalten Entzug durchmachen müssen“. Stimmen Sie dem zu oder gehören Sie eher zu dem Lager, die Gold kaufen, um sich finanziell zu schützen?

DC: Ich stimme ihm hier mit Sicherheit zu. Gold und Silber sind zwei völlig unterschiedliche Elemente. Silber verfügt über mehr industrielle Anwendungsmöglichkeiten. Darüber hinaus ist es real ziemlich billig; das Problem besteht darin, nennenswerte Mengen davon zu lagern, denn dieses Zeug ist voluminös. Es ist das Gold des armen Mannes. Jährlich werden weltweit rund 800 Millionen Unzen Silber aus dem Boden geholt, während es bei Gold bloß 80 Millionen Unzen pro Jahr sind. Im Gegensatz zu Gold wird der überwiegende Teil des Silbers aber verkonsumiert, anstatt gelagert. Das ist positiv.

Andererseits ist die Tatsache, dass Silber vornehmlich ein Industriemetall ist, anstatt ein Geldmetall, im aktuellen Umfeld ein großer Negativpunkt. Aber als Spekulationsobjekt verfügt Silber über mehr Aufwärtspotential, weil der Silbermarkt wesentlich kleiner ist. Wenn eine Panik einsetzt und USD 1 Milliarde in Silber und USD 1 Milliarde in Gold fließen, wird Silber viel schneller und viel stärker in die Höhe schießen.

TMR: Wollen Sie damit sagen, dass die allgemein höhere Volatilität von Silber gut ist, wenn der Trend nach oben weist?

DC: Ja, genau so ist es. Die ganze Volatilität wird von diesem Punkt an nach oben weisen. Es wird nicht so harmlos ausfallen wie in 2001. Real notiert Silber heute auf denselben Preisniveaus wie Mitte der 1960er Jahre. Silber ist also wieder ein exzellenter Wert.

TMR: In einem weiteren kürzlich durchgeführten Interview sagten Sie voraus, dass das Shorten von japanischen Staatsanleihen für Spekulanten eine sichere Sache sei, und Sie sagten, dass die meisten Minenunternehmen an der Torontoer Börse (TSC) nicht das Papier wert seien, auf dem sie stehen, einige dieser Titel aber derzeit so billig sein würden, dass sie um das 100-fache steigen könnten. Was sind einige der Beispiele dieser sicheren Wetten im Minensektor?

DC: Von den rund 1.500 sogenannten Minenaktien, die in Vancouver gehandelt werden, verfügen die meisten über keinerlei wirtschaftliche Mineralvorkommen. Viele, die über Mineralvorkommen verfügen, haben kein Geld auf der Bank, um sie aus dem Boden zu holen. Die Unternehmen, die man meines Erachtens kaufen kann, sind gut finanziert, unterbewertet – einige werden gerade einmal für das Geld gehandelt, das sie auf der Bank haben – und sitzen auf wirtschaftlich erschließbaren Vorkommen, während sie bewährte Managementteams haben. Von diesen Unternehmen gibt es nicht viele; ich würde mal tippen, dass es vielleicht 50 gibt, die man kaufen kann. Im nächsten Jahr werden viele dieser Titel wahrscheinlich radikal abheben.

TMR: Gibt es einige geographische Gebiete, auf die Sie sich am liebsten konzentrieren?

DC: Das Problem ist, dass es auf dem gesamten Planeten schwerer geworden ist, Geschäfte zu machen. Die weltweiten Regierungen sind pleite, weshalb sie auf größere Abgaben und höhere Steuern aus sind. Zur selben Zeit kommen von ihnen aber auch zunehmend mehr Auflagen und Anforderungen. Die Kosten der Minen sind also in enormem Umfang gestiegen. Die politischen Risiken sind in enormem Umfang gestiegen. Es gibt weltweit wirklich keinen idealen Ort mehr, wo man heutzutage eine Mine betreiben kann.

Es ist nicht mehr so wie vor 100 Jahren, wo es praktisch an jedem Ort schnell, leicht und profitabel war. Heute wird jedes Projekt zu einem jahrzehntelangen Unterfangen. Die Minenbranche ist nie ein leichtes Geschäftsfeld gewesen, aber heute ist es einfach nur ein entsetzliches Geschäft – schlimmer, als es je gewesen ist. Es ist alles eine Frage des Kosten-Risiko-Verhältnisses und was man für eine Aktie zahlt. Dies vorausgeschickt, ist es jedoch so, dass diese Titel aktuell sehr billig sind.

TMR: Lassen Sie uns über die USA sprechen. Befinden wir uns als Land in einer besseren oder schlechteren politischen wie auch wirtschaftlichen Verfassung als letztes Jahr? Auf der Casey Research Konferenz des letzten Jahres interviewte ich Sie einen Tag nach Grundsatzrede des US-Kongressabgeordneten Ron Paul, und Sie sagten, dass Sie hoffen, dass nicht die Nationalparks, sondern die US-Steuerbehörde dichtgemacht würde. So ein Shotdown fand und findet aber nicht statt, bedeutet das, dass das Land heute funktionsfähiger ist als vor einem Jahr?

DC: Die USA sind heute in einer schlechteren Verfassung. Die Richtung, in die sich das Land aufgemacht hat, ist noch bedeutend negativer. Vielleicht sind die Geschehnisse in Ferguson im US-Bundesstaat Missouri – mit der militarisierten Polizei – ein Vorgeschmack auf die künftigen Ereignisse. Die Lage ist also nicht besser. In Wirklichkeit hat sie sich sogar weiter verschlechtert. Wir sind viel näher an eine echte Jahrtausendkrise herangerückt […]

TMR: Wir haben jüngst Marin Katusa von Casey Research interviewt … Er war bullisch, was europäisches Öl, Erdgas und US-amerikanisches Uran anbelangt. Was ist Ihre Lieblingsspekulation im Energiebereich?

DC: Uran ist real heute so billig wie im Jahr 2000, als ein riesiger Boom bei Uran einsetzte und Milliarden an spekulativen Dollars gemacht wurden. Auch hier sagt die zyklische Uhr, dass man Uran mit beiden Händen kaufen sollte. Und ich glaube, dass sich von Kohle aktuell ebenfalls dasselbe sagen lässt.

TMR: Sie haben jüngst eine Video-Serie mit dem Titel „Upturn Millionaires“ veröffentlicht. Darin werden Sie, Rick Rule, Frank Guistra und andere interviewt und befragt, wie sie die Trendwende am Edelmetallmarkt ausnutzen. Was sind einige der allgemeinen Maßnahmen, die alle von Ihnen derzeit im Markt ergreifen?

DC: Wir gehen aktuell alle in Edelmetallminenaktien und Edelmetalle, weil Gold und Silber in den kommenden Jahren Geld in seiner grundlegendsten Form sein werden, und sie werden die einzigen Finanzvermögenswerte sein, die nicht die Verbindlichkeiten von jemand anderem sind.

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