Wilde Korrekturen am Aktienmarkt: Hedge Fonds geraten wegen Ölpreis-Crash in Bedrängnis

King World News, 16.10.2014

Heute sprach King World News mit Art Cashin, dem Direktor des Börsenteams von UBS, der letzte Woche auf atemberaubende Art vor einer Welle an Panik-Abverkäufen am Aktienmarkt warnte. Im heutigen Interview warnt Cashin davor, dass der Markt immer noch extrem nervös sei. Darüber hinaus nannte er die genauen Zielmarken, die die nächsten Abverkaufswellen auslösen würden, und sprach über die aktuellen Entwicklungen an den Anleihemärkten und am Goldmarkt. Im Folgenden finden Sie, was Art Cashin, dessen Team USD 650 Milliarden verwaltet, in diesem bemerkenswerten Interview zu sagen hatte:

Eric King: „Als ich Sie letzten Donnerstag fragte, ob es frühe Hinweise darauf gibt, dass sich die Verkäufe in etwas Ernsteres verwandeln könnten, gaben Sie eine atemberaubend genaue Warnung heraus und sagten:

´Wir befinden uns beim S&P 500 gerade auf dem Weg in Richtung eines potenziellen Tests der Marke von 1.925 Punkten. Letzten Donnerstag sind wir ungefähr in diesem Bereich zum Stehen gekommen und dann sind wir dort noch einmal vor der jüngsten Erholung am gestrigen Tage dort gelandet. Wenn der S&P 500 auf diese Marke fällt und sie durchbricht, laufen wir Gefahr, dass an diesem Punkt eine Art von Lawinen-Effekt (Abverkäufe) einsetzt.`

Und genauso kam es dann auch – der Aktienmarkt blutete aus, nachdem beim S&P 500 die Marke von 1.925 Punkten durchbrochen wurde. Dieses Unterschreiten der Stützung war es, was zu einer Serie von Verlusttagen geführt hat, und es sah so aus, als würde die Hölle losbrechen. Gibt es noch andere bedeutende Niveaus, die Sie aktuell im Auge behalten?“

Cashin: „Sollte der S&P 500 die Marke von 1.790 bis 1.800 Punkten unterschreiten, könnte das zu einer weiteren Welle von Abverkäufen führen. Würde dieser Bereich durchbrochen, wäre das mit dem Unterschreiten von 1.925 Punkten zu vergleichen und es würde weitere Abverkaufswellen geben.

Es ist ein sehr, sehr nervöser Markt. Mittwochmorgen kamen Meldungen zu ISIS und Ebola herein, und dann rückte plötzlich Griechenland als kranker Mann Europas ins Rampenlicht. Der griechische Aktienmarkt verlor ein Äquivalent von 1.000 Punkten beim Dow Jones. Und dann kamen um 08:30 Uhr auch noch alle möglichen schwachen Daten aus den USA herein und das sorgte für einige bedeutende Verkäufe, auf die der Markt nicht vorbereitet war.

Und interessanterweise gehörten zu den anderen Dingen, die negativ waren, auch, dass sich Öl im freien Fall befand, dann 09:45 Uhr aber wieder ins Plus drehte. Der Markt versuchte also zu einer Rally anzusetzen, doch dann zu Ende des Tages sah es so aus, als würde West Texas Intermediate Crude (WTI Crude) unter die Marke von USD 80 pro Barrel einbrechen, und das zog den Dow auf ein Tagestief. Wir haben uns wieder ein wenig erholt, weil sich Öl jetzt stabilisiert hat.“

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Netdania.com – Rohölpreis (WTI Crude) in US-Dollars auf Tagesbasis. Zum Vergrößern anklicken.

Eric King: „Vor dem Hintergrund der Panik, die heute zu beobachten war – waren das unfreiwillige Liquidationen oder waren es aggressive Short-Verkäufe? Was sorgte am heutigen Handelstag für diesen massiven Einbruch bei den Aktien?“

Cashin: „Die Gerüchte, die die Runde machten, waren, dass einige Hedge Fonds einen Teil ihrer Bestände auflösen mussten. Einige Hedge Fonds hielten Positionen, die mit Rohöl in Zusammenhang standen. Das sorgte für Probleme. Aber einige von ihnen standen zusätzlich auch noch beim Anleihemarkt auf der falschen Seite des Trades, daher gerieten die Trader und Investoren in Panik und flüchteten in Sicherheit. Die Rendite für die 10-jährigen US-Staatsanleihen notierte unter 2% und legte eine der atemberaubendsten Kursbewegungen hin, die ich je gesehen habe. Ich mache das hier schon seit über 50 Jahren, und das war wirklich einer der bemerkenswertesten Kursschwünge, die ich während meiner Karriere gesehen habe.“

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esignal.com – Rendite für die 10-jährige US-Staatsanleihe. Zum Vergrößern anklicken.

Eric King: „Ich kann mich nicht entsinnen, schon einmal so etwas am Anleihemarkt gesehen zu haben. Sie sagten, dass es eine der bemerkenswertesten Kursbewegungen gewesen sei. Haben Sie so etwas schon einmal im Anleihemarkt beobachten können.“

Cashin: „Ähnlich, aber nicht genau so.“

Eric King: „Was sagen Sie dazu, dass die einzigen beiden sicheren Häfen anscheinend der Anleihemarkt und Gold gewesen sind? 2008 sahen wir ja, dass der Goldmarkt ins Straucheln geriet, als die Aktienmärkte einbrachen, aber nun scheint die Auffassung vorzuherrschen, dass es keine so gute Idee ist, Gold zu shorten.“

Cashin: „Gold ist der natürliche sichere Hafen in Krisenzeiten. Wenn es eine Panik gibt, neigen die Menschen dazu, in Gold und in den US-Dollar zu gehen, aber die Flucht in den Dollar fand gestern ganz eindeutig nicht statt. Es kam aber zu einer ähnlichen Bewegung, da sie stattdessen in US-Staatsanleihen gingen.“

Eric King: „Haben wir das Hoch beim Aktienmarkt gesehen oder müssen wir noch ein wenig warten, bis wir das wissen?“

Cashin: „Wir müssen noch ein wenig abwarten. Die Ausbildung von Hochs ist ein sich entwickelnder Prozess, wir werden daher abwarten und schauen müssen, ob dem so ist. Die Aktien erholten sich ja von ihrem Einbruch zu Tagesbeginn, wir müssen also abwarten und schauen. Sollten die Aktien die heutigen Tiefs in den nächsten Tagen unterschreiten, könnte es zu einer Welle an weiteren Abverkäufen kommen. Ich würde den KWN-Lesern empfehlen, den Ölpreis ganz genau im Auge zu behalten. Sollte Wests Texas Intermediate die Marke von USD 80 pro Barrel unterschreiten, könnten wir Probleme bekommen.“

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