Gold, Minenaktien & Rohstoffe: Schwache Nachfrage seitens westlicher Investoren

Dan Norcini, Trader Dan Norcini, 24.10.2014

Bevor wir uns den Details beim Minensektor zuwenden, möchte ich Ihnen den anhaltenden Exodus beim weltgrößten börsennotierten Goldfonds, dem GLD, zeigen. Aus diesem börsennotierten Goldfonds wurden am Donnerstag noch einmal weitere 5,5 Tonnen Gold abgezogen. Aktuell hält der GLD nur noch 745,39 Tonnen Gold. Und auf die Gefahr hin, dass ich mich hier wiederhole: Wir müssen bis Oktober 2008 zurückblicken, um bei diesem einst so stolzen Highflyer einen so niedriges Niveau an Goldbeständen zu finden. Auf seinem Höchststand vor zwei Jahren hielt der Fonds über 1.351 des gelben Metalls.

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Die westlichen Investoren wollen aktuell einfach nichts halten, was mit Gold zu tun hat, womit wir auch schon bei den Edelmetallminenaktien wären. Der GDXJ – ein Index, der sich aus Juniorminentiteln zusammensetzt – fällt weiter. Allein am Freitag ist er um über 2% gefallen – damit ist der Index nicht nur auf ein neues diesjähriges Wochenschlusstief gefallen, sondern weist für das aktuelle Kalenderjahr mit seinem Wochenschlusskurs von 30,95 Punkten nun sogar ein Minus aus. Der Index notiert aktuell gerade einmal 2 Punkte unter seinem Allzeittief!

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Einfach gesagt sind die Typen, die die Investmentportfolien verwalten, aktuell an nichts interessiert, das irgendwie nach Gold aussieht.

Die Ausnahme sind einige Hedge Fonds, die immer noch Gold an der Comex kaufen, wie aus dem jüngsten Commitment of Traders Report von Freitagnachmittag hervorgeht. Vergangene Woche gab es eine beträchtliche Anzahl von Käufern, doch sollte hierzu angemerkt werden, dass der überwiegende Teil dieser Käufe Short-Covering gewesen ist – hier fanden also keine frischen Käufe statt. Es wurden rund 13.000 Shorts eingedeckt, denen 10.000 neue Long-Kontrakte gegenüberstehen. Es war diese bedeutende Welle an Short-Covering, die dafür sorgte, dass das Metall auf rund USD 1.255 pro Unze steigen konnte.

Seit Dienstag ist der Goldpreis aber wieder rückläufig und hat bisher um rund USD 24 pro Unze nachgegeben. Ich bin mir zwar nicht sicher, weil mir die Daten noch nicht vorliegen und diese erst nächsten Freitag veröffentlicht werden, aber ich vermute mal, dass es ab Mittwoch eine erhebliche Menge an Long-Liquidierungen gegeben hat. Solange der Volatilitätsindex VIX fällt und die Aktien steigen, wird Gold von spekulativen Marktteilnehmern verkauft werden.

Möchten Sie mal die Haupttriebkraft des Goldpreises sehen? Im Gegensatz zu der Auffassung des Perma-Goldbullencamps sind es nicht die großen Edelmetallbanken, sondern die großen Spekulanten; genauer gesagt die Hedge Fonds.

Schauen Sie sich dazu bitte den nächsten Chart an, wo ich den Goldpreis auf die die Nettopositionen der Hedge Fonds gelegt habe. Wie ich Ihnen bereits in der Vergangenheit zeigte, steigt und fällt der Preis in perfekter Harmonie mit den Käufen und Verkäufen der Hedge Fonds:

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Und hier sehen Sie noch einmal den Comex-Goldpreischart:

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Wie Sie anhand des unter dem Goldpreis befindlichen Indikators sehen können, weist der Goldmarkt aktuell keinen konkreten Trend auf, sondern legte im Grunde eine Seitwärtsbewegung hin, nachdem er sich über dem einstigen Doppeltief (dem jetzigen Dreifachtief) von rund USD 1.180 pro Unze halten konnte.

Das Short-Covering und die Käufer, die auf den Tiefs einstiegen, sorgten dafür, dass sich der Goldpreis über dem gleitenden 50-Tagesschnitt halten konnte, bis die Verkäufer auftauchten und die Käuferseite wieder einen Schritt zurücktrat. Und das kann man den Käufern auch nicht zum Vorwurf machen, wenn man sich noch einmal die fallenden Bestände beim GLD und die einbrechenden Goldminenaktien vor Augen führt.

Das gelbe Metall konnte sich bisher über der Stützungslinie von USD 1.220 pro Unze halten, ist aber unter der Marke von USD 1.260 pro Unze gefangen. Eines dieser beiden Preisniveaus muss durchbrochen werden, um höhere Handelsvolumina und etwas Spannung in einen derzeit recht langweiligen Handel zu bringen.

Die Bären würden die Preisdecke von USD 1.220 pro Unze liebend gerne durchbrechen und das Metall weiter in Tiefe treiben, um die Marke von USD 1.200 pro Unze zu testen, aber aufgrund der indischen Festsaison gab es eine ordentliche Nachfrage aus Indien, wodurch das Metall bisher oben gehalten werden konnte. Die Bullen wissen, wo die Widerstandslinien verlaufen, konnten sie bisher aber einfach nicht erreichen.

Und wo wir gerade von neuen Tiefs sprechen – der Rohstoffsektor, hier am Beispiel des Goldman Sachs Rohstoff-Indexes (GSCI), notierte am Freitag auf dem niedrigsten Wochenschlusskurs der letzten 49 Monate!

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Bei Getreide fand diese Woche jede Menge Short-Covering statt, und das hat dem Index sogar noch dabei geholfen, nicht noch tiefer ins Wochenende zu gehen. Dennoch waren alle Getreidesorten am Freitag wieder einmal sehr schwach, genauso wie Rohöl und seine Produkte.

Die Benzin-Futures notieren weiterhin auf neuen 4-Jahrestiefs. Und hat der Rindfleischpreis erst einmal sein Hoch gefunden – was meines Erachtens in Kürze der Fall sein dürfte –, werden wir erleben, wie sich auch die Getreide-, Fleisch- und Benzinpreise synchron in die Tiefe bewegen werden. Rindfleisch war in den letzten Monaten aus hier oft genannten Gründen die Ausnahme gewesen, aber ich sagte ja auch, dass man für das 4. Quartal und Anfang nächsten Jahres mit niedrigeren Schweine-, Hühner- und Rindfleischpreisen rechnen sollte. Schön für Fleischliebhaber!

Ich möchte mich noch kurz zwei Werten zuwenden, über die ich hier nur selten spreche: Platin und Palladium. Der Grund, warum ich über Platin und Palladium sprechen möchte, ist, um aufzuzeigen, warum Silber aktuell Probleme hat (und damit meine ich nicht irgendeinen angeblichen heimtückischen Plan der US-Regierung, den Preis nach unten zu hämmern).

Platin und Palladium sind beides vornehmlich Industriemetalle. Ja, einige kaufen diese Metalle als alternative Edelmetalle, aber die Investmentnachfrage macht nur einen kleinen Teil ihrer Gesamtnachfrage aus. Die Industrie ist es, wo die Nachfrage nach diesen Metallen geschaffen wird.

Was sehen Sie, wenn Sie sich diese Charts anschauen? Wenn Sie antworten: „Fallende Industrienachfrage aufgrund geringen weltweiten Wachstums“, haben Sie die Prüfungsaufgabe bestanden!

Nehmen wir beispielsweise Platin – das Metall fiel jüngst auf ein 5-Jahrestief! Allein in diesem Jahr fiel Platin in der Spitze um bis zu 15%, obwohl es sich zwischenzeitlich erholte und nun seit Jahresbeginn lediglich mit rund 10% im Minus liegt.

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Palladium hat sich wesentlich besser entwickelt als Platin, da es andere Fundamentaldaten aufweist, aber auch Palladium legte dieses Jahr lediglich eine Seitwärtsbewegung hin.

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Wenn ich mir ein Metall aussuchen müsste, das ich besitzen wollte, dann wäre es aufgrund seines ziemlich robusten Chartbilds wohl Palladium, wenn wir uns noch einmal die Schwäche vergegenwärtigen, die aktuell den gesamten Rohstoffsektor plagt …

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