Finanz- und Wirtschaftskrise: Banken warnen wieder vor einem Crash

Michael Snyder, The Economic Collapse, 09.02.2015

Stehen wir am Rande eines bedeutenden weltweiten Wirtschaftsabschwungs? Nun ja, wenn wir den jüngsten Warnungen prominenter Banker auf dem ganzen Planeten Glauben schenken, könnte uns in den kommenden Monaten genau das bevorstehen.

Wie Sie im Folgenden lesen werden, warnen die Großbanken jetzt davor, dass der Ölpreis in Kürze auf bis zu USD 20 pro Barrel fallen, ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone den Euro bis auf USD 0,90 treiben und die Weltwirtschaft in diesem Jahr um über USD 2 Billionen schrumpfen könnte.

In den seltensten Fällen lesen die Menschen tatsächlich die Einschätzungen der Großbanken, die sie für ihre Kunden verfassen. Aber in den letzten Monaten haben zahlreiche dieser Banker derart unheilvolle Warnungen veröffentlicht, dass man meinen möchte, sie hätten nun damit angefangen, für The Economic Collapse zu schreiben.

Und natürlich haben wir das alles schon einmal erlebt. Kurz vor Ausbruch der Finanzkrise von 2008 war eine ganze Reihe von Menschen bei den Großbanken verschreckt – und jetzt beginnen wir abermals festzustellen, wie sich an Wall Street eine Atmosphäre der Angst breitmacht. Niemand ist sich zu 100% sicher, was als nächstes geschehen wird, aber es gibt eine steigende Zahl an Experten, die sich einig darüber sind, dass es nicht gut ausgehen wird.

Beginnen wir mit Öl. In den letzten paar Wochen hat der Rohölpreis sich wieder ein wenig erholt und eine schöne Rally hingelegt. Der Ölpreis hat sich im Bereich von über USD 50 pro Barrel stabilisiert – aber selbst das ist immer noch ein katastrophal niedriges Preisniveau und viele hatten darauf gehofft, dass sich der Preis noch stärker bis auf ein Niveau erholt, das für die Weltwirtschaft gut ist.

Leider gehen viele Experten bei den Großbanken davon aus, dass stattdessen das exakte Gegenteil passieren wird. Beispielsweise rechnet Citibank damit, dass der Ölpreis dieses Jahr noch bis auf USD 20 pro Barrel fallen kann:

„Die jüngste Rally beim Rohölpreis sieht eher wie ein falscher Ausbruch aus und nicht wie eine nachhaltige Trendwende. Der Rückgang bei der Zahl US-amerikanischer Förderanlagen, die anhaltenden Einsparmaßnahmen bei den Investitionskosten, die Daten der technischen Charts und die Short-Eindeckung bei den Anlegern befeuerten den 8,1%igen Anstieg bei Brent und den 5,8%igen Anstieg bei WTI von Ende Januar bis in die erste Februarwoche hinein.

Die kurzfristigen Marktfaktoren sind bärisch und deuten für die nächsten Monate und darüber hinaus auf weiteren Preisdruck. Der Markt leidet unter einer Überversorgung und die daraus resultierenden anschwellenden Ölbestände werden nun vermehrt in Öltankern auf See gelagert … und während die Läger zu Wasser immer stärker an ihre Grenzen geraten, dürfte der aus dieser Überversorgung resultierende Abwärtspreisdruck dafür sorgen, dass die Ölproduktion heruntergefahren wird.

Der Ölmarkt dürfte irgendwann zwischen Ende des ersten Quartals und Anfang des zweiten Quartals auf einem bedeutend niedrigeren Preisniveau im Bereich von USD 40 pro Barrel sein Tief ausbilden – danach wird der Markt damit beginnen, sich auszugleichen: Zunächst wird der Aufbau der Lagerbestände an sein Ende gelangen und später wird eine Phase anhaltender Abflüsse aus diesen Lägern einsetzen. Es ist nicht möglich, den Tiefpunkt genau vorherzusagen, der aufgrund der Überversorgung und der Lagersituation für WTI weit unter der Marke von USD 40 pro Barrel liegen und kurzzeitig sogar bis auf USD 20 pro Barrel abfallen könnte.“

Und die Ölförderanlagen werden derzeit mit einer Rate geschlossen, wie wir sie seit der letzten Rezession nicht mehr gesehen haben, während die globale Ölversorgung nach wie vor weit über der weltweiten Ölnachfrage liegt. Michael Cohen, Analyst bei Barclays, erklärte jüngst gegenüber CNBC, dass die Gesamtmenge des Ölüberschusses derzeit immer noch im Bereich von rund 1 Million Barrel pro Tag liegt:

„´Die letzten paar Wochen sahen wir einen ziemlich heftigen Rückgang bei den Ölförderstätten. Rund 80 oder 90 Bohranlagen werden pro Woche geschlossen. Wir glauben aber, dass es noch wichtigere Dinge gibt, die man im Auge behalten sollte, und dass der Rückgang bei der Zahl der Förderanlagen nicht die ganze Geschichte ist.`

Cohen rechnet damit, dass es bei der Nachfrage in der Zwischensaison zu einer weiteren Schwäche kommen wird. Darüber hinaus erklärte er, dass sich die überschüssige Versorgung derzeit auf rund 1 Million Barrel pro Tag beläuft.“

Die Wahrheit ist, dass es sich viele Unternehmen einfach nicht leisten können, ihre Ölförderanlagen zu schließen. Viele dieser Unternehmen sind stark fremdkapitalfinanziert und haben massiv damit zu kämpfen, ihre Schulden zu bedienen. Sie müssen weiter fördern, so dass sie Einnahmen generieren, um ihre finanziellen Verbindlichkeiten zu bedienen. Das Folgende stammt von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich:

„´Vor dem Hintergrund der hohen Schulden schwächt ein fallender Ölpreis die Bilanzen der Produzenten und sorgt für eine Verschärfung ihrer Kreditbedingungen, was den Preisrückgang noch weiter verschlimmern könnte, beispielsweise durch den Verkauf von Öl-Vermögenswerten und einen vermehrten Vorwärtsverkauf der Ölproduktion.

Und wenn wir die Geldflüsse betrachten, ist es so, dass ein niedrigerer Ölpreis die Umsätze absenkt und das Risiko erhöht, dass es zu Liquiditätsengpässen kommt, bei welchen sich die Unternehmen nicht mehr länger in der Lage sehen, ihre Zinszahlungen zu bedienen. Die Anforderungen des Schuldendienstes könnten sie dazu verleiten, die Ölproduktion weiter fortzusetzen, um die Geldflüsse aufrecht zu erhalten, wodurch eine Absenkung der Ölversorgung weiter hinausgezögert wird.“

Letzten Endes werden diese Unternehmen alle pleitegehen, sollte der Ölpreis dieses Jahr nicht bedeutend steigen. Und die Finanzinstitutionen, die Schulden dieser Unternehmen oder mit Energie in Zusammenhang stehende Finanzderivate halten, werden wahrscheinlich ebenfalls massiv unter Druck geraten.

Unterdessen schwächt sich die Weltwirtschaft weiter ab.

Am Montag erfuhren wir, dass der Baltic Dry Index auf das niedrigste Niveau aller Zeiten gefallen ist. Nicht einmal während den dunkelsten Tagen der letzten Rezession fiel dieser Indikator so tief.

Und dann gibt es bei den Großbanken einige Analysten, die davor warnen, dass das gerade erst der Anfang sein würde. David Kostin von Goldman Sachs prognostiziert beispielsweise, dass das Wachstum bei den Verkaufszahlen der S&P 500 Unternehmen 2015 bei 0% liegen wird:

„Es ist Konsens, dass bei den Verkaufszahlen der S&P 500 Unternehmen für 2015 mit einem Wachstum von 0% gerechnet wird, nachdem die Umsatzprognosen seit Oktober um 5% abgesenkt wurden. Der niedrige Ölpreis hat in Verbindung mit dem Gegenwind vom Devisenmarkt und den Pensionskosten auf den Aktienerträgen des vierten Quartals und den Erwartungen für 2015 gelastet.“

Andere sind sogar noch pessimistischer. Laut Bank of America wird das weltweite Wachstum in 2015 sogar um USD 2,3 Billionen schrumpfen.

Und eine Sache, die unsere wirtschaftlichen Probleme massiv verschärfen könnte, ist die Krise in Griechenland. Sollte es nicht zu einem Kompromiss kommen und keine neue Schuldenvereinbarung für Griechenland vereinbart werden, bestünde die sehr reale Möglichkeit, dass Griechenland aus der Eurozone austritt.

Wenn Griechenland die Eurozone verlässt, stünde plötzlich die Existenz der gesamten Währungsunion in Frage und der Euro würde massiv einbrechen.

Und ich bin nicht der Einzige, der diese Entwicklung sieht. Analysten bei Morgan Stanley rechnen sogar damit, dass der EUR/USD-Wechselkurs auf USD 0,90 einbricht, sollte es zu einem „Grexit“ kommen:

„Der griechische Premierminister hat die Ablehnung des internationalen Rettungsprogramms zwei Tage vor dem am Mittwoch stattfindenden Notfalltreffen mit den Finanzministern der Eurozone erneut bekräftigt. In seiner Erklärung sprach er von der Anhebung des Mindestlohns, der Wiedereinführung des Steuerfreibetrags und dem Stopp der Privatisierungen. Sollte Griechenland weiter an seinem aktuellen Anti-Rettungs-Kurs festhalten und die EZB weiterhin keine griechischen Staatsanleihen als Sicherheit akzeptieren, dürfte die Auffassung des ehemaligen Fed-Vorsitzenden Alan Greenspan an Glaubwürdigkeit gewinnen.

Greenspan sagt voraus, dass die Eurozone aufbrechen wird, da die Privatanleger Griechenland keine kurzfristigen Kredite mehr zur Verfügung stellen werden. Würde Griechenland die Währungsunion verlassen, würde sich die Union in einen Club mit festen Wechselkursraten verwandeln – eine Art Wechselkursmechanismus III –, was zu einer weiteren Spaltung führen würde.

Der griechische Finanzminister Varoufakis sagte, der Euro würde kollabieren, sollte Griechenland austreten, und bezeichnete Italiens Schulden als nicht tragfähig. Die Märkte gewinnen zunehmend den Eindruck, dass Griechenland nicht auf einen Kompromiss aus ist, sondern sich bei den Verhandlungen am Mittwoch stattdessen für den Alles-oder-nichts-Ansatz entscheiden wird. Und es scheint, als würde der Risikoaufschlag für einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone steigen. Unsere Szenario-Analyse legt nahe, dass ein Ausstieg Griechenlands den EUR/USD-Wechselkurs auf USD 0,90 treiben würde.“

Wenn das passiert, könnte es bei den USD 26 Billionen an Finanzderivaten, die direkt mit dem Euro in Verbindung stehen, zu einer massiven Implosion kommen.

Wir bewegen uns nun in eine Phase großer Gefahr für die weltweiten Finanzmärkte, und es gibt eine ganze Reihe von Hinweisen, dass wir langsam auf eine weitere große weltweite Wirtschaftskrise zusteuern.

Also, lassen Sie sich von all den Beschönigungen in den Massenmedien nicht an der Nase herumführen. Das letzte Mal haben sie die Krise auch nicht kommen sehen.

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