Die europäische Schuldenkrise wird im Oktober wieder an Fahrt aufnehmen

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 30.05.2015

Bei dem Trend in Europa in Richtung Negativzinsen geht es im Grunde darum, den Rest des Geldes, der einem nach der Bezahlung von 50% an Steuern noch übrigbleibt, auch noch zu besteuern. Die Staatsanleiheauktionen zeigen nun auch erste Hinweise darauf, dass die Bevölkerung aufwacht und begreift, was hier vonstattengeht. Es ist unglaublich, aber aktuell werden rund 30% aller europäischen Staatsschulden mit negativen Zinssätzen gehandelt – das entspricht Wertpapieren im Wert von rund EUR 2 Billionen.

Die wichtigste Entdeckung, auf die ich stieß, ist die Frequenz von 8,6 Jahren. Die zweitwichtigste Beobachtung, die ich machte, war, dass sich jede dieser zyklischen Wellen auf einen anderen inländischen wie auch ausländischen Sektor konzentriert. Das Kapital hat sich immer wild hin und her bewegt, und die Menschen neigen dazu, aus den jüngsten Fehlern zu lernen und andere Dinge zu versuchen in der Hoffnung, dass wir das perfekte Investment finden, das niemals crasht. Das ist aber eine utopische Idee – so ein Investment gibt es nicht, da Märkte von menschlichen Emotionen angeheizt werden.

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Wir haben es nun mit den letzten 3 großen Wirtschaftszykluswellen innerhalb der noch größeren generationellen Welle zu tun. Man kann erkennen, wie diese Wellen ihre Hochs ausbilden – sobald man begreift, wie die Dinge laufen, ist man auch in der Lage, die kommende Welle zu erkennen.

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Der aktuelle Wirtschaftszyklus wird sein Hoch am 01.10.2015 ausbilden – das sollte nicht zu einem unmittelbar einsetzenden, offenkundigen Ereignis führen, das an diesem Tag stattfindet, so wie es in der Vergangenheit der Fall gewesen ist, wo bei verschiedenen Privatsektoren des Markts bedeutende Hochs oder Tiefs produziert wurden. Der 01.10.2015 wird das Hoch beim Staat sein. Die Umfragen zeigen, dass heute bereits 75% der US-Bürger den Politikern nicht trauen – und das gilt auch in allen anderen Ländern.

Unser Modell zum Euro ist sehr interessant. Der Euro begann Ende 2008 mit einer neuen Welle. Das wirtschaftliche Versagen bei der Konstruktion des Euros wurde offenkundig und die Währung begann mit ihrem Einbruch.
03Das bedeutende Hoch des Euros erfolgte exakt zum zeitlichen Ziel in 2008, das von unserem Modell ausgewiesen wurde. Und dann haben wir die Griechenlandkrise, die im Jahr 2010 auf den Tag genau zum Pi-Zyklus (ausgehend von 2007 beim Economic Confidence Model) ausbrach. Immer dann, wenn sich etwas auf den Tag genau nach dem internationalen Economic Confidence Model ausrichtet, ist ein solches Timing eine Bestätigung dafür, dass diese Sache in den Fokus rücken wird.

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Die taggenaue Ausrichtung der griechischen Schuldenkrise auf den Pi-Zyklus war eine Warnung, dass es sich bei diesem Zyklus alles um den Staat und die Staatsschuldenkrise drehen wird. Der Umkehrpunkt ist der 01.10.2015 (2015,75), und zu diesem Zeitpunkt dürfte offenkundiger werden, dass sich hier eine Schuldenkrise zusammenbraut, sodass die allgemeine Öffentlichkeit darauf aufmerksam werden wird.

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Bei der Europäischen Zentralbank haben wir es mit einer irrsinnigen Geldpolitik zu tun, bei der sie die Zinssätze mittels der quantitativen Lockerung in den negativen Bereich treibt, anstatt das zu tun, was sogar Keynes empfahl – nämlich die Steuern zu senken, um die Wirtschaft anzukurbeln. In einigen Teilen Europas liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei über 60% und in den USA werden die Studenten mit Studentenkrediten unterdrückt, da sie diesen nicht mittels einer Privatinsolvenz entkommen können. 65% der US-amerikanischen Studenten können nach ihrer Ausbildung in ihrem Fachbereich, für dessen Ausbildung sie all das Geld bezahlt haben, keine Anstellung finden. Und sie können den Studentenschulden nicht entrinnen, da die Banker die Politiker schmieren – also haben wir es auch in Amerika mit einer verlorenen Generation zu tun, die im Keller des Elternhauses lebt und dank der Studentenkredite nicht in der Lage ist, eine Familie zu gründen geschweige denn ein Eigenheim zu kaufen.

Durch die Negativzinsen werden die Älteren unterdrückt – sie wurden um ihre Träume gebracht. Ihnen wurde gesagt, dass sie fürs Alter sparen sollen und jetzt sind sie mit Negativzinsen konfrontiert, nachdem sie ihr ganzes Leben lang Steuern gezahlt haben. Vor vier Monaten, als die Rendite für die 10-jährige schweizerische Staatsanleihe erstmals in den negativen Bereich kippte, sahen wir, dass das Kapital vor dem Euro Angst bekam und nach einem anderen Ort Ausschau hielt, wo es parken könnte. Diesem Ereignis gingen die Kommentare von Larry Summers über Negativzinsen voraus, und das Ganze hat sich dann in vielen europäischen Staatsanleihemärkten rasend schnell in eine veritable Lawine aus Negativzinsen verwandelt.

Es gibt derzeit so viel Geld überall und nichts, wo man investieren könnte, sodass wir erleben, wie die Aktienunternehmen ihre eigenen Aktien wieder zurückkaufen. Das wird einer potenziellen Phasentransformation und einem Blasenhoch bei US-Aktien die Bühne bereiten, bei der es zu einer Verdopplung des Dow Jones kommen könnte. Es ist dasselbe Problem wie während der 1920er Jahre, wo die Aktienunternehmen ihre Aktien ebenfalls zurückkauften – selbst während des Crashs. Durch die Aktienrückkäufe vermindern sie das Angebot der Papiere und bereiten einer Angebotsverknappung den Boden.

Wir haben es hier ganz eindeutig mit einem Hoch beim Staat zu tun. Wir sind jetzt mit dem Zusammenbruch des Vertrauens gegenüber dem Staat in einem beispiellosen Ausmaß konfrontiert. Bei den Politikern handelt es sich vornehmlich um Rechtsanwälte, die über null praktische Erfahrung verfügen, wie man ein Unternehmen leitet oder wie Währungsströme funktionieren. Das Einzige, wozu sie fähig sind, ist, Gesetze zu schreiben. Wir brauchen aber Menschen aus allen Bereich des Lebens in der Regierung – nicht noch mehr Rechtsanwälte. Sie würden doch auch nicht zu einem Taxifahrer gehen, um sich am Gehirn operieren zu lassen, also warum soll man dann Rechtsanwälte mit der Leitung der Wirtschaft betrauen! Das verdeutlicht, dass Bildung wertlos ist und all das Geld, das man für Abschlüsse ausgibt, rein gar nichts bringt, wenn ein Rechtsanwalt ohne solche Abschlüsse in jedem Bereich tätig sein kann.

Der 01.10.2015 ist das Hoch beim Staat und die Negativzinsen sind eine Steuer auf das Geld selbst.

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