Schulden-Big-Bang: Griechenland-Krise könnte den gesamten Westen in den Abgrund reißen

Die Konsequenzen des Ganzen werden mit Sicherheit noch in vielen Jahrzehnten zu spüren sein, wenn nicht gar noch in 112 Jahren. Es wird Generationen von Europäern in Mitleidenschaft ziehen. Die Vernichtung, die in Europa vom Zaum gerissen wurde, wird überdies dafür sorgen, dass die Vereinigten Staaten vom Thron gestoßen werden …

Martin Amstrong, Armstrongeconomics.com, 21.06.2015

Der Sondergipfel am Montag der neuen Superhelden, die auch unter dem Namen Euro-Retter bekannt sind, scheint sinnlos – die Teilnehmer sind in ihrer eigenen Gedankenwelt gefangen und verstehen nicht im Geringsten, wie die Wirtschaft wirklich funktioniert. Sie können das Problem einfach nicht erkennen, da sie dafür in den Spiegel schauen müssten. Sie sehen sich selbst aber nie als das Problem. Und da sie auf der Suche nach einer Lösung genau dieselbe Denkweise an den Tag legen, die diesen Albtraum – bei dem die Demokratie (aus ihrer Sicht zu unserem Wohle) vernichtet wird – überhaupt erst geschaffen hat, können sie unmöglich eine Lösung für die von ihnen geschaffene Krise finden.

Die Europäische Union ist jetzt tatsächlich komplett fertig und hängt in den Seilen, und dank der Arroganz dieser Rechtsanwälte können sie die ökonomischen Realitäten nicht erkennen. Sie sehen alles nur aus ihrer eigenen Machtperspektive – sie brauchen einfach bloß irgendein Gesetz zu schreiben und unter Androhung von Strafe irgendwelche Dinge verlangen. Dieser Gruppe von Superhelden fehlt das Verständnis dafür, dass die Menschen Gesetzen, die keinen Sinn machen oder gegen die Natur des Menschen sind, nicht folgen werden.

Diese Superhelden verlangen, dass sich alle an die Austerität halten sollen, die einzig zum Grexit und zum Beginn einer Phase beispielloser Vernichtung in Europa führen kann, während die Bürgerunruhen auf dem ganzen Kontinent weiter zunehmen werden. Jeder, der mal professionell an den Devisenmärkten tätig war, weiß weit mehr über die Geldflüsse an den Märkte, als sie sich mit ihren Rechtsanwaltsabschlüssen jemals erträumen können. Dank ihrer katastrophalen Arbeit, die sie bisher abgeliefert haben, wird die EU in die finale Vernichtungsphase stürzen. Ihre Idee, dass eine europäische Regierung den europäischen Kriegen ein Ende bereiten würde, sorgt nun für Bürgerunruhen und exakt die Schuldzuweisungen, die Krieg überhaupt erst ins Leben rufen.

Letztlich hat diese verfehlte Politik – wo sie dabei scheiterten, die Schulden der Euroländer gleich bei der Schaffung des Euros zu konsolidieren – zu einer weltweiten Krise des Währungssystems geführt. Und die Konsequenzen des Ganzen werden mit Sicherheit noch in vielen Jahrzehnten zu spüren sein, wenn nicht gar noch in 112 Jahren. Es wird Generationen von Europäern in Mitleidenschaft ziehen. Und die Vernichtung, die in Europa vom Zaum gerissen wurde, wird auch dafür sorgen, dass die Vereinigten Staaten vom Thron gestoßen werden und das gesamte neue Wirtschaftszeitalter in Richtung der Nationen abwandern wird, die sich einst in den Fängen des Marxismus befanden.

Diese Troika-Superhelden begreifen nicht, wie die Wirtschaft funktioniert. Speziell der Internationale Währungsfonds hat immer nur die Exporte im Blick und ignoriert dabei buchstäblich alle anderen Aspekte der Wirtschaft. Laut Auffassung des IWF ist Deutschland der Champion und Griechenland der Nachzügler. Da sie Griechenland nicht als wettbewerbsfähigen Exporteur erachten, gehen sie auch fälschlicherweise davon aus, dass die griechische Wirtschaft schwach und strukturell unterlegen ist.

Und genau dieses Bild, das in ihren engstirnigen Köpfen geschaffen wurde, hat sie zu ihrer offiziellen Politik geführt, bei der sie sich einzig auf die Außenhandelsbilanz von Griechenland konzentrieren. Daher haben sie dem griechischen Volk auferlegt, eine gnadenlose interne Abwertung, Gehaltskürzungen, Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen durchzuführen. Die Troika begreift überhaupt nicht, was sie den Griechen als Nation gerade antun, und die griechischen Politiker sind genauso dumm, da sie die Rufe der Menschen gegen die Austeritätspolitik einfach ignorieren.

Es war David Ricardo, der ausführte, warum die Nationen ihre komparativen Wettbewerbsvorteile ausnutzen sollten. Was die Troika nicht begreift, ist, dass Griechenland nach wie vor gemeinsam mit Japan die größte Transportnation auf dem Planeten ist – wobei Japan auf Rang zwei liegt. Die deutschen Exporte sind zwar nett, aber die Griechen sind es, die sie ausliefern. Die Griechen haben die größte Flotte auf dem Planeten, in 2010 waren es rund 46.948 Schiffe. Die Griechen stellen 17% der gesamten Welthandelsschifffahrt und ohne Griechenland, würden die Exporte der EU kollabieren. Es sind gerade einmal 160.000 Matrosen, die fast 5% des griechischen BIP stellen. Griechenland liegt an einer der verkehrsreichsten internationalen Schifffahrtsstraßen – dem Suezkanal und dem Mittelmeer – und direkt an dem Knotenpunkt zwischen drei Kontinenten. Das sorgt dafür, dass Griechenland das natürliche Handelstor zwischen Asien und Zentraleuropa ist.

Und wenn Griechenland Auslandskredite erhält, werden diese Gelder in der Außenhandelsbilanz erfasst. Aber es fließen auch alle von der Troika gezahlten Zinszahlungen durch die Außenhandelsbilanz, wodurch genau jene Statistik erhöht wird, die die Troika beobachtet und sie zu der Schlussfolgerung veranlasst, dass weitere Austeritätsmaßnahmen zu implementieren seien. Sie verstehen also nicht einmal ihre eigenen statistischen Spielchen.

Darüber hinaus sind die Zahlen der offiziellen Exportstatistiken einer Nation in der Regel Bruttozahlen, und das bedeutet, dass der Wert der exportierten Waren und Dienstleistungen in der Regel überschätzt wird. Diese Bruttozahlen übertünchen die sich intensivierende Arbeitsteilung bei der globalen Produktion und die zunehmende Bedeutung der globalen Versorgungsketten, an denen verschiedene Teile der Welt bis zur Schaffung zahlreicher Endprodukte beteiligt sind.

Um eine Doppelzählung zu vermeiden, müssen wir uns also die Exportströme genau anschauen und herausfinden, wie hoch der tatsächliche Wertschöpfungsanteil eines Landes ist, wenn die Importe ins Land kommen, dann im Land verbessert werden und es schließlich wieder verlassen. Ein hoher Wertschöpfungsanteil bei den Exporten eines Landes lässt Rückschlüsse auf die tatsächliche Bedeutung der Inlandsproduktion für das Wachstum und die Beschäftigung der Weltwirtschaft zu. Und das heißt zugleich, dass ein sehr geringer Wertschöpfungsanteil darauf hindeutet, dass eine Wirtschaft unzureichend ist und es ihr an Integration innerhalb der Weltwirtschaft und bei den globalen Lieferketten mangelt.

Vor diesem Hintergrund ist es so, dass die inländische Wertschöpfung bei griechischen Exporten im Jahr 2009 bei 77% lag, was weit über dem globalen Durchschnitt liegt. Und wenn wir uns noch stärker in die Zahlen einarbeiten, kommt heraus, dass das auf eine Spezialisierung im Dienstleistungssektor (vornehmlich Transportwesen und Tourismusbranche) zurückgeht. Wenn man 2009 mit 1995 vergleicht, ist es so, dass die griechischen Transportdienstleistungen in 2009 fast 3 Mal so hoch waren wie 1995, während die Dienstleistungen, die mit dem Tourismus in Zusammenhang stehen, um ein Drittel zurückgingen und auch von dem Rückgang russischer Touristen beeinträchtigt worden sind.

Das größte Hindernis Griechenlands ist seine extrem bürokratische Regierung. 2010 brauchte man 20 Tage, um eine Freigabe für seine Exportaktivitäten zu erhalten. Der Doing Business Report 2013 erklärte, dass es in 2013 nur noch 16 Tage dauerte. Diese Art von Verordnungen – also die Zahlung von Gebühren und Bürokratiekram – verlangsamt die Wirtschaft. In dieser Hinsicht ist Griechenland nicht wettbewerbsfähig. Das wird noch dadurch verschlimmert, dass sich die Troika eng auf den Handel fokussiert, ohne dass die Troika irgendwas von Handel und Kapitalströmen versteht.

Die griechische Regierung muss sich am Montag zwischen dem Leben ihrer eigenen Bevölkerung oder der gehirnamputierten Austeritäts-Vision ihrer Anleihehalter entscheiden. Dadurch wird die EU-Führung entweder zu einer Veränderung ihrer Denkweise gezwungen oder die aktuelle Politik wird beibehalten, wodurch Griechenland letztlich aus dem Euro (Grexit) gedrängt werden wird, was wiederum zu einer Ansteckung führt. Wenn die Anderen erst einmal sehen, dass sich die griechische Wirtschaft nach dem Ausstieg aus dem Euro schnell wieder erholt, werden rasch weitere Nationen nachfolgen, wodurch die Vernichtung der Troika und der EU weiter vorangetrieben würde.

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Es war Henry Morgenthau, der Roosevelt einen praktisch unbekannten Ökonomen vorstellte, den die Meisten einer irren Randgruppe zuordneten – George Warren (1874 – 1938). 1932 hatte Warren das Werk „Großhandelspreise über 213 Jahre; 1720 – 1932“ verfasst. Sein Buch war im Grunde ein Vorläufer der Geldtheorie, da er die Beobachtung machte, dass die Preise bei neuen großen Goldfunden stiegen, während sie fielen, wenn die Goldversorgung wieder abnahm. Was Warren bewies war nicht etwa, dass Gold ein stabiles Geldsystem ermöglicht, sondern dass die Inflation unter einem Goldstandard genauso stieg und fiel und auch die Geldmenge von Bedeutung war. Roosevelts Brain Trust verlangte unterdessen Austerität, genauso wie es die EU heute macht.

02Die Arbeit von Warren war eine simple geldpolitische Weltanschauung, einfach genug, dass Roosevelt sie begreifen konnte. Durch die Aufrechterhaltung des Goldstandards wurde Deflation geschaffen, da die Preise kollabierten und Gold knapp wurde. Warrens Theorie wurde daher zur einer simplen Wechselbeziehung, nämlich dass die einzige Möglichkeit, die Preise zu erhöhen und die Deflation der Großen Depression zu beenden, darin bestand, den Goldpreis zu erhöhen. Und das bedeutete eine Abwertung des US-Dollars gegenüber Gold. Das war ein erster und wichtiger Schritt, die Bedeutung von Geld zu verstehen. Für die klassischen Ökonomen und Banker war es hingegen pure Häresie. Die traditionellen Ökonomen und Banker verstanden die Rolle von Geld nicht. Sie begriffen nicht, was in Großbritannien tatsächlich geschah – als Großbritannien den Goldstandard 1931 aufgeben musste, markierte das gleichzeitig auch das Ende der Depression in Großbritannien.

In den USA bildete der Aktienmarkt im Juli 1932, also gute 3 Monate vor der Präsidentschaftswahl, sein Tief aus. Märkte bewegen sich nicht aufgrund von Tatsachen, sondern schlicht und ergreifend aufgrund der Antizipation von Entwicklungen. Das ist auch der Grund, warum diejenigen, die Fundamentalanalysen nutzen, stets scheitern. Gerüchte machten nun die Runde, dass Roosevelt praktisch Kommunist sei und alles unternehmen würde, von Vermögenskonfiskationen bis hin zur Abwertung des US-Dollars. Diese Gerüchte waren so massiv, dass sich Roosevelt in der Nacht vor der Wahl gezwungen sah, eine Radioansprache zu halten, wo er abstritt, dass er den US-Dollar abwerten wolle.

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Zwischen den Wahlen und dem Amtsantritt von Roosevelt kochte die Krise richtig hoch. Es kam zu einer Panik, während sich die Gerüchte weiter verbreiteten und intensivierten. Es gab einen großen Bank-Run, der sich nach der Wahl entwickelte. Dieser Bank-Run war so massiv, dass Präsident Hoover Briefe an Roosevelt schrieb, wo er Roosevelt inständig darum bat, an die Öffentlichkeit zu gehen, um erneut zu bestätigen, dass er den US-Dollar nicht abwerten und auch kein Gold konfiszieren würde. Roosevelt lehnte es ab, darauf zu reagieren. Die Zahl der Bankenpleiten schoss nach den Wahlen in die Höhe und war atemberaubend. Das bescherte Roosevelt dann auch die Rechtfertigung für seine Gold-Konfiskation. Die Banken wurden 1933 geschlossen und ein Bankenfeiertag ausgerufen.
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Die Beweise legen unzweideutig nahe, dass das Tief am Aktienmarkt 1932 mit den Gerüchten einer US-Dollar-Abwertung im Zusammenhang steht. Die Bank-Runs, die die Bankenpleiten in den USA in Gang setzten, sorgten dafür, dass 3.000 Banken zusammenbrachen – und das fand unter dem Goldstandard statt. All jene, die glauben, dass durch eine Rückkehr zum Goldstandard dem Mindestreserve-System ein Ende bereiten würde, leben in einer Fantasiewelt. Wenn Griechenland aus der Eurozone austritt, werden die griechischen Vermögenswerte wieder im Wert steigen, doch zunächst einmal wird es zu einer Ansteckung kommen.

Die Abschaffung des Bargelds ist im Grunde die moderne Version der Beschlagnahmung der Goldmünzen. Heute zielen sie darauf ab, Bank-Runs durch das Verbot von Bargeld zu verhindern. Dadurch würde es in der Tat unmöglich, einen Bank-Run zu bewerkstelligen, da es dann keine Möglichkeit mehr gäbe, sein Geld aus dem Bankensystem abzuziehen. Das ist die jüngste Antwort der Troika, anstatt mal auf den Gedanken zu kommen, dass sie selbst das Problem sind.

Es wird nun immer wahrscheinlicher, dass es zu Kapitalverkehrskontrollen und dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft kommen wird, weil diese Menschen einfach nicht begreifen, dass sie selbst die Ursache des Problems sind und nicht etwa die Lösung. Wir müssen verstehen, dass der Aktienmarkt 1932 sein Tief ausgebildet hatte, weil er eine Alternative war, um sein Geld aus den Banken zu bekommen. Die, die es nicht taten, haben einfach alles verloren.

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