Keine Jobs: US-Wirtschaft hat seit Ausbruch der Finanzkrise 10,5 Millionen Arbeitsplätze verloren

The Economic Collapse, 06.07.2010

Jeder weiß, dass die Vereinigten Staaten bezüglich der Arbeitsplätze gerade ausbluten. Laut einer neuen Untersuchung, hat die Privatwirtschaft seit 2007 10,5 Millionen Arbeitsplätze verloren. Im Juni dieses Jahres waren es weitere 125.000 Arbeitsplätze. Alleine in den letzten zwei Monaten sind rund eine Million frustrierter amerikanischer Arbeitnehmer komplett vom Arbeitslosenmarkt verschwunden.

Aber die Frage, die sich die wenigsten Menschen stellen, ist, warum diese Arbeitsplätze verloren gehen. Ja klar, die großen Konzerne haben Millionen Arbeitsplätze ins Ausland verlagert, wo Arbeit wesentlich günstiger ist. Es ist ebenfalls richtig, dass die US-Regierung so viele Schulden anhäufte, dass die US-Wirtschaft darunter völlig zusammenbricht. Aber es gibt noch einen weiteren sehr wichtigen Grund, der meistens übersehen wird. Traditionell werden 75% aller neuen Arbeitsplätze vom Mittelstand geschaffen. Aktuell werden jedoch hunderttausende von kleinen Unternehmen aufgrund der repressiven Besteuerung, den Gebühren, Vorschriften, Papierkram und den Forderungen, die ihnen fortwährend seitens der Regierung auferlegt werden, in den Ruin getrieben. In einem derart repressiven Umfeld ist es für kleine Unternehmen nahezu unmöglich erfolgreich zu agieren und wenn die Kleinunternehmen nicht erfolgreich wirtschaften, werden wir es logischerweise auch nicht erleben, dass eine Menge neuer Arbeitsplätze geschaffen wird.

Wie Sie sehen, hat sich das Spiel in den letzten Jahrzehnten dramatisch zugunsten der Großkonzerne gewendet. Große Unternehmen verfügen über die Gelder um Einfluss auf den Kongress und die Regierungsinstitutionen auszuüben, sie erhalten praktisch die gesamten Steuererleichterungen und sind auch die einzigen, die von der Regierung gerettet werden. Sie „helfen“ sogar dabei mit auf Bundesebene Gesetzgebung zu schreiben.

Oftmals üben die Konzerne sogar politischen Einfluss aus um zusätzliche Vorschriften in ihrer eigenen Branche voranzutreiben, da sie genau wissen, dass ihr Unternehmen mit den Regeln und dem Papierkram wesentlich leichter fertig wird, als dies bei kleineren Mitbewerbern der Fall ist. Schließlich ist es für einen großen Konzern mit einer Buchhaltungsabteilung ein Leichtes ein paar tausend zusätzlicher Formulare auszufüllen, für ein kleines Unternehmen, das nur über ein paar Arbeitnehmer verfügt, sind diese administrativen Arbeiten jedoch ein riesiger logistischer Albtraum.

Bei der Einstellung neuer Arbeitskräfte hat die Bundesregierung den Prozess für kleine Unternehmen mittlerweile so kompliziert und teuer gemacht, dass sie sich kaum noch lohnt. Es ist so schlimm geworden, dass so viele Kleinunternehmen wie nie zuvor nur noch Teilzeitkräfte oder selbständige Auftragnehmer engagieren.

Wir haben also eine Situation, wo mittelständische Firmen jede Menge Anreize vorfinden keine neuen Arbeitskräfte einzustellen und sollten sie wirklich zusätzliche Hilfe benötigen, ist es wesentlich günstiger alles in der Macht stehende zu tun um neue Vollzeitbeschäftigungen zu verhindern.

In einem kürzlich erschienen Artikel des Las Vegas Review-Journal beschreibt Wayne Allyn Root, was mit ihm befreundete Besitzer kleiner Firmen ihm erklärten:

„Ich befragte all meine Freunde, die kleine Unternehmen besitzen – viele von ihnen sind im Internet- und Hightechbereich tätig. Sie stimmten alle darin überein, dass der entscheidende Schlüssel in dieser neue Obamawelt der hohen Unternehmenssteuer, Einkommenssteuer, Abgeltungssteuer und Arbeitsunfallversicherung darin besteht Arbeitnehmer zu vermeiden. Der einzige Weg um in der heutigen Zeit als Unternehmensbesitzer zu überleben, besteht darin die Gehaltszahlungen sehr niedrig zu halten, indem man ausschließlich selbständige Vertragsnehmer und Teilzeitbeschäftigte von Zeitarbeitsfirmen engagiert.“

Kann die US-Wirtschaft in einem derartigen Umfeld prosperieren? Natürlich nicht. Kleine Unternehmen werden langsam aber sicher in den Ruin getrieben. Sollte sich in nächster Zeit nichts ändern, werden die Kleinunternehmen auch weiterhin nach Möglichkeiten suchen, wie sie ihre Arbeitnehmer loswerden anstatt sie einzustellen. Im selben Artikel führt Wayne Allyn Root dazu aus:

„Meine Freunde, die kleine Unternehmen besitzen, können nicht einen neuen Arbeitsplatz schaffen. Nicht einen. Sie streichen Stellen. Sie finden gerade heraus, wie man mit weniger Angestellten mehr schafft. Sie gründen Hightechunternehmen, die keine Beschäftigen brauchen und viele Unternehmer planen gerade das Land zu verlassen. Obama hat ein Problem, in einer Hightechwelt kann ein Unternehmen von überall aus geführt werden. Mit der einzigen Masche, die er drauf hat – Steuern erhöhen, Steuern erhöhen, Steuern erhöhen – verjagt er die Unternehmensbesitzer, welche er so dringend für die Bezahlung seiner Rechnungen benötigt.“

Die US-Regierung ist zu diesem fetten 200kg-Typen geworden, der aufs Pferd springt und dann sauer darüber ist, dass es sich nicht von der Stelle rührt. Durch die Verabschiedung von noch mehr lächerlichen Verordnungen und weiteren Steuererhöhungen werden die Unternehmen in Amerika nicht gerettet werden.

Die Last, die wir den Kleinunternehmen aufgebürdet haben, ist in den letzten Jahrzehnten unter jeder einzelnen Regierung nur noch stärker geworden. Unsere große Wirtschaftsmaschinerie ist mittlerweile so überlastet und müde, dass sie sich ganz einfach weigert sich weiter fortzubewegen.

Und hierbei handelt es sich auch nicht um ein kurzfristiges Problem. Ja, seit dem Beginn der „Großen Rezession“ haben wir unglaublich viele Arbeitsplätze verloren, aber unser Problem reicht wesentlich weiter zurück. Die Realität ist, dass die Bevölkerung der Vereinigten Staaten seit dem Jahr 2000 um 25 Millionen Menschen angewachsen ist und wir Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen müssten um diese Bevölkerungszunahme zu bewältigen. Stattdessen haben wir seit dem Jahr 2000 insgesamt 3 Millionen Arbeitsplätze verloren. Natürlich ist das kein guter Trend. Es gibt einfach nicht genügend Arbeitsplätze für alle.

Heute kommen mehr als 5 arbeitslose Amerikaner auf eine Stellenausschreibung. Es wird immer schwerer eine Arbeit zu finden und die Zahl der amerikanischen Langzeitarbeitslosen explodiert förmlich. Der Zeitraum, den man in Amerika jetzt durchschnittlich benötigt um einen neuen Arbeitsplatz zu finden, ist auf ein Rekordniveau von 35,2 Wochen gestiegen.

Es gibt Millionen von Amerikanern da draußen, die in diesem Augenblick Lust dazu hätten richtig auszurasten oder sich unter den Tisch zu trinken, frustriert darüber keine Arbeit zu finden.

Und viele dieser „Dauerarbeitslosen“ werden in Zukunft noch wesentlich mehr erdulden müssen.

Der US-Senat hat sich bisher geweigert die Verlängerung der Arbeitslosenzahlungen für 1,3 Millionen amerikanische Langzeitarbeitslose zu beschließen. Ohne diese Unterstützung werden die Amerikaner und ihre Familien gezwungen sein mit Lebensmittelmarken und dem, was sie noch zusammenkratzen können, über die Runden zu kommen. Überall in den USA sprießen die Zeltstädte aus dem Boden und werden noch wesentlich voller werden.

Gibt es also viel Hoffnung, dass sich in nächster Zeit etwas ändert? Bedauerlicherweise nein.

Die Konzerne werden den US-amerikanischen Arbeitnehmern natürlich nicht das Zehnfache der Löhne ihrer Angestellten in Malaysia, China oder den Philippinen zahlen, nur weil sie ihnen Leid tun.

Die mittelständischen Unternehmen werden auch keine zusätzlichen Arbeiter einstellen, solange alles beim Alten bleibt. Tatsache ist, dass die kleinen Firmen weiterhin nach Möglichkeiten suchen werden Mitarbeiter zu entlassen.

Der öffentliche Dienst ist der einzige Ort, wo mehr Arbeitnehmer eingestellt wurden. Aufgrund der wachsenden Sorgen um die explodierenden Haushaltsdefizite, wird es im öffentlichen Dienst jedoch auch keine zusätzlichen Einstellungen mehr geben.

Aktuell gibt es in der Tat kaum Gründe für Optimismus. Die US-Wirtschaft hat sich mit einer ganzen Reihe wirtschaftlicher Probleme herumzuschlagen und jede Woche gehen weitere Ökonomen an die Öffentlichkeit um davor zu warnen, dass wir wahrscheinlich am Beginn der zweiten Hälfte einer Double-Dip Rezession stehen.

Wenn Sie also noch einen Arbeitsplatz haben, sollten Sie dankbar sein. Wenn Sie keinen Arbeitsplatz haben, müssen Sie wahrscheinlich richtig kreativ werden. Es sind harte Zeiten und sie werden noch härter werden. Aber inmitten herausfordernder Zeiten können wir herausfinden, was wirklich in uns steckt.

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