Vertrauen Sie Regierungsinformationen?

Gerhard Spannbauer, Krisenvorsorge.com, 03.08.2010

Der deutsche Michel vertraut im WWW den Informationen auf Webseiten der Regierung am meisten. Dieses Ergebnis geht aus dem „Digital Influence Index“ der PR-Agenturen Fleishman-Hillard und Harris Interactive hervor. 48 Prozent der deutschen Bürger halten die Informationen auf Webseiten der Regierungsbehörden für vertrauenswürdig. Bei Unternehmen liegt der Wert nur bei 26 Prozent, bei Seiten von anderen Internetnutzern sogar nur bei 21 Prozent. Bestätigt sich hier das Klischee von der Obrigkeitshörigkeit des gemeinen Deutschen?

Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Denn sollten tatsächlich die restlichen 52% der Deutschen den Regierungsverlautbarungen mit einer gesunden Portion Skepsis begegnen, wäre das immerhin eine Mehrheit – wenn auch eine äußerst knappe.

Allzu viel Optimismus ist hier dennoch nicht am Platze. Das Bewusstsein dafür, dass Regierungen wie die derzeit amtierende größtenteils nur als verlängerter Arm verschiedener Lobbys und Privatinteressen fungieren, scheint nach wie vor noch nicht flächendeckend vorhanden. Sollte eines Tages jedoch auch dem letzten Staatsbürger klar werden, dass unsere Regierung(en) mitnichten das größtmögliche Wohlergehen aller Gesellschaftsmitglieder verfolgt, dann könnte man von einem echten Fortschritt in dieser Sache sprechen. Der Vertrauensanteil würde dann auf den Wertebereich sacken, in den er gehört: gegen Null.

Den Unternehmen empfiehlt Fleishman-Hillard-Vizepräsident Armin Huttenlocher, sie müssten „zum einen das Vertrauensniveau in die von ihnen selbst im Internet zur Verfügung gestellten Informationen erhöhen“ und zum anderen „sehr aufmerksam die Aktualität und Richtigkeit von branchenrelevanten Informationen verfolgen, die aus dem politischen Raum heraus im Internet verbreitet werden“.

Unternehmen zahlen dem PR-Mann gutes Geld für derartige Tipps. Trotzdem hätte er diesen hier auch ruhig an die nichtzahlenden Ottonormal-Internetuser zuhause richten können. Denn die Richtigkeit der aufgenommenen Informationen sollte jede Bürgerin und jeder Bürger „sehr aufmerksam verfolgen“.

Die in der in der Studie befragten Internetnutzer, die sich ihre Informationen direkt auf Regierungswebseiten einholen, dürften nur eine verschwindend geringe Minderheit darstellen gegenüber denen, die die Regierungsinformationen über Nachrichtenportale und andere Medien aufnehmen. Und diese sind und bleiben ihrerseits größtenteils von Werbegeldern und Anzeigenkunden abhängige Unternehmen. Medien sind größtenteils den gleichen Marktzwängen ausgesetzt, weshalb sie ihre Informationen ähnlich filtern und „bearbeiten“ wie andere Unternehmen auch. Mit hehren Aufklärungsidealen hat dies schon längst nichts mehr zu tun.

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