Märchenstunde: „Gold hat seinen Zenit erreicht, es gibt keine Inflation“

Was machen die Ratten, wenn alle Schiffe gleichzeitig sinken?

Alex Stanczyk, Zero Hedge, 02.10.2010

„Gold hat seinen Zenit erreicht, es gibt keine Inflation – verkaufen Sie, solange Sie noch können!“ Ich höre dieses Mantra nun immer öfter als „Internetgerücht“. Da es keine Inflation gibt, befindet sich Gold auf seinem Zenit und man sollte besser verkaufen, solange man noch die Möglichkeit dazu hat, und auf gar keinen Fall kaufen.

Um darzulegen, warum diese Ansicht haltlos ist, sollten wir vielleicht zunächst einmal einen Blick in die Geschichte werfen:

„Die Preise stabilisierten sich in Deutschland vorübergehend und blieben zwischen 1920 und 1921 während eines Zeitraums von 15 Monaten felsenfest. In dieser Zeit trat überhaupt keine Inflation auf. Unterdessen fing die Regierung jedoch damit an defizitäre Ausgaben, Unternehmenskredite und Geld mit erneuerter Geschwindigkeit [ins System] zu pumpen.“ – Der Tod des Geldes v. Jens O. Parsson, 1974

Diese Ereignisse gingen der Hyperinflation in Deutschland im Jahre 1923 voran, als die Reichsmark gegenüber Gold soweit abstürzte, dass man sich für gerade einmal 25 Unzen Gold einen ganzen Berliner Straßenzug mit Gewerbeimmobilien kaufen konnte. Die damalige Entwicklung scheint der heutigen erschreckend ähnlich zu sein.

Natürlich hat ein Rückgang der Inflation überhaupt nichts zu bedeuten, wenn es darum geht, ob es sicher oder nicht sicher ist, Gold zu kaufen – vielmehr kann es sich hierbei in der Tat um den Vorläufer einer hyperinflationären Entwicklung handeln.

Im Jahre 2008 pumpte die Federal Reserve Billionen US-Dollars in die US-Wirtschaft um eine deflationäre Depression zu verhindern. Jetzt ist es gerade einmal eine Woche her, dass der Vorsitzende der Federal Reserve, Ben Bernanke, öffentlich verkündete bereit zu sein weitere Billionen ins System zu pumpen. Der Grund dafür ist, dass er gar keine andere Wahl hat.

Die Tatsache, dass es keine Inflation gibt, ist für die Weltwirtschaft in Wirklichkeit ein wesentlich unheilvolleres Zeichen, als die meisten vermuten, es bedeutet nämlich, dass die ersten Runden der Gelddruckerei überhaupt nicht funktioniert haben. Es bedeutet, dass, sollte Bernanke weitere zwei Billionen US-Dollar in die Wirtschaft pumpen, in einem Versuch, einen deflationären Kollaps zu vermeiden, damit ein weiter Anstieg von Gold so gut wie besiegelt ist.

Das Argument „es gibt keine Inflation, also kauf kein Gold“, legt auch nahe, dass die Rolle des Goldes ausschließlich in einer Art von Inflationsschutz bestehe. Dabei wird die Hauptursache für den aktuellen Goldanstieg jedoch völlig außer Acht gelassen.

Einfach gesagt ist Gold eine Währung. Gold ist die ultimative Währung, gegen die alle anderen Währungen gemessen werden. Der Grund für den aktuellen Anstieg hat überhaupt nichts mit einer Goldblase zu tun, dafür aber umso mehr mit der Tatsache, dass alle Papierwährungen demselben historischen Muster folgen – einem Abwertungsmuster. Wenn die Abwertung ein bestimmtes Niveau erreicht, geht Gold im Preis nicht rauf, sondern die Währungen werten gegenüber Gold ab.

Gold funktioniert keineswegs wie ein Rohstoff, sondern in Wirklichkeit wie eine Währung, und stellt ein Gegengewicht gegenüber dem dar, was die Welt als unvermeidliche Entwertung des Dollars betrachtet, da Bernanke die Schleusen der quantitativen Lockerung, auch Gelddrucken genannt, wieder einmal voll aufdreht. Dieser massiven Entwertung der Währung werden recht schnell weitere Länder folgen, nicht etwa, weil sie dies wollen, sondern, weil sie dazu gezwungen sind.

Laut dem brasilianischen Finanzministers Guido Mantega befinden wir uns aktuell in einem „internationalen Währungskrieg“ – ein Krieg, bei dem die Länder fortwährend ihre Währungen gegeneinander abwerten um ihre Wettbewerbsfähigkeit im weltweiten Exportmarkt zu verbessern. Bei Anglo Far East sprechen wir bereits seit Jahren von diesem Muster und nennen es den „Abwärts-Wettlauf“.

Zur Veranschaulichung verwende ich immer gerne das folgende Beispiel:

Stellen Sie sich eine Gruppe von Schiffen auf dem Meer vor. Diese Schiffe stellen die verschiedenen Länder dieser Welt dar. In der Mitte dieser Gruppe befindet sich ein Schiff, das ein klein wenig größer ist als der Rest – das ist die aktuelle Weltreservewährung.

Das lustige an dem Sprichwort „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.“ ist, dass die Ratten instinktiv wissen, wenn ein Schiff untergeht, und sich daher in die Flucht schlagen. In der heutigen Wirtschaft ist es so, dass die Ratten über Bord springen und zu einem anderen Schiff schwimmen, während das große in der Mitte sinkt.

Das Problem ist nur, sind die Ratten erst einmal bei dem anderen Schiff angekommen und an ihm hochgeklettert, stellen sie recht schnell fest, dass dieses ebenfalls sinkt…In Wirklichkeit versenken der Kapitän und seine Crew es sogar absichtlich um mit der Sinkgeschwindigkeit des Schiffes in der Mitte mitzuhalten.

Während sich dieser Prozess abspielt, beginnen die Ratten zu begreifen, dass keines der Schiffe sicher ist, und fangen stattdessen damit an auf die kleine nahegelegene Insel zu schwimmen, die überhaupt nicht sinkt. Auf dieser Insel angekommen, finden sie dort ein paar sehr schlaue Ratten vor, die sich dort schon seit geraumer Zeit aufhalten. Diese sitzen unter einem netten schattenspendenden Sonnenschirm und genießen eisgekühlte Getränke. Übrigens: Die Insel besteht aus Gold.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es am Ende des Lebenszyklus einer Fiatwährung zu massiven Schwankungen an den Märkten und beim Wert der Währung kommt – also genau das, was wir heute beobachten können.

Da jedes Land die Abwertung seiner Währung fortsetzt, wird auch Gold weiter gegenüber all diesen Währungen steigen. Oder um es mit den Worten des früheren Vorsitzenden der Federal Reserve, Alan Greenspan, zu sagen, welche er im September dieses Jahres an den Council on Foreign Relations richtete:

„Fiatgeld kann nirgendwohin, außer ins Gold…Wenn alle Währungen hoch oder runter gehen, ist die Frage: Im Verhältnis zu was? Gold ist der Kanarienvogel in der Kohlemine. Es zeigt Probleme im Hinblick auf die Währungsmärkte an. Die Zentralbanken sollten dem Aufmerksamkeit zollen.“

Bis wieder ein gewisses Maß an Vernunft in unserem Geldsystem eingekehrt ist, wird sich die Tatsache, dass Gold wie eine Währung funktioniert, auch weiterhin durchsetzen. Die Menschen wären vielleicht gut beraten, wenn sie über Gold nicht nur im Zusammenhang steigender Preise nachdächten, sondern stattdessen auch damit anfingen mit zu berücksichtigen, dass all das Papier-Monopoly-Geld auf der Welt in Wirklichkeit gegenüber der ultimativen Währung abwertet.

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