US-Zwischenwahlen: Ruhe vor dem Sturm

The Economic Collapse, 01.11.2010

Eine gespenstische Ruhe hat sich über die Finanzmärkte gelegt, während sie darauf warten, dass sich in dieser Woche vielleicht zwei der wichtigsten Finanzereignisse des Jahres abspielen. Am Dienstag werden die Investoren begierig die Ergebnisse einer der am sehnlichsten erwarteten Zwischenwahlen der gesamten US-Geschichte beobachten und am Mittwoch wird damit gerechnet, dass die Federal Reserve Monaten des Spekulierens ein Ende bereitet, indem sie formell die Details für eine neue Runde der quantitativen Lockerung bekannt gibt.

Wenn die Wahl oder das Treffen des Offenmarktausschusses der Federal Reserve ein gänzlich unerwartetes Ergebnis hervorbringt, könnte dies dramatische Auswirkungen auf die Weltfinanzmärkte haben. Tatsache ist, dass viele diese Woche als möglichen Wendepunkt der US-Wirtschaft ansehen. Die Entscheidungen, die diese Woche getroffen oder auch nicht getroffen werden, könnten die US-Wirtschaft auf einen Weg befördern, von dem aus sie nie wieder zur Erholung zurückgelangt.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheint es so, als würden die Republikaner die Kontrolle im US-Repräsentantenhaus erlangen und auch eine paar Senatssitze hinzugewinnen.

Es gibt viele in der Finanzwelt, die Barack Obama bereits jetzt als den „wirtschaftsfeindlichsten“ Präsidenten in der US-Geschichte ansehen, so dass eine Niederlage der Demokraten am Dienstag von vielen in Wall Street entsprechend begrüßt würde. Der Rückgang an Beliebtheit, den Barack Obama seit seinem Amtsantritt einstecken musste, ist absolut atemberaubend. Laut einer Gallup-Umfrage hatte Obama während des siebenten Quartals seiner Amtszeit eine durchschnittliche Zustimmungsrate von gerade einmal 44,7%, was für ihn ein nagelneues Allzeittief darstellt.

Es ist sogar so, dass Obamas durchschnittliche Zustimmungsraten seit seinem Amtsantritt jedes einzelne Quartal zurückgegangen sind. Wie eine neue Umfrage herausfand, stehen die Dinge für den US-Präsidenten so schlecht, dass 47% der Demokraten nun der Meinung sind, Barack Obama sollte bei der Nominierung des Präsidentschaftskandidaten der Demokraten in 2012 durch andere Parteimitglieder herausgefordert werden.

Sollten die Demokraten am Dienstag jedoch entgegen der Erwartungen überraschend gut abschneiden, würde dies nicht nur die Politexperten schockieren, sondern wahrscheinlich auch die Finanzmärkte auf der ganzen Welt in schlechte Stimmung versetzen.

Schneiden die Republikaner am Dienstag sehr gut ab, wird das höchstwahrscheinlich bedeuten, dass es keine weitere Verlängerung der Langzeitansprüche auf Arbeitslosengeldzahlungen geben wird. Einige US-Bundesstaaten haben diese Entwicklung bereits antizipiert und treffen momentan entsprechende Vorbereitungen. Zum Beispiel wurden jetzt im US-Bundestaat Indiana in allen 36 großen Arbeitsämtern bewaffnete Sicherheitskräfte postiert.

Man geht davon aus, dass während der kommenden Weihnachtsfeiertage rund 2 Millionen Amerikaner ihre Arbeitslosengeldansprüche verlieren werden, sollte der US-Kongress bis Ende November keine weitere Notfallverlängerung bewilligen. Sollten die Republikaner am Dienstag sehr gut abschneiden, würde es wahrscheinlicher, dass es nicht zu solch einer Verlängerung kommt.

Wenn sich jedoch auf einmal Millionen von Amerikanern ohne Arbeit und ohne Arbeitslosengeldzahlungen wiederfinden, dann wird dies eine Menge Ärger und Frust bezüglich des Wirtschaftswachstums mit sich bringen.

Wie dem auch sei, die bedauerliche Realität ist jedoch, dass die Wahlen nicht viel ändern werden.

In den vergangenen fünf Wahlperioden sind die Amtsinhaber des US-Repräsentantenhauses in 96% aller Fälle wiedergewählt worden. Das wird dieses Mal natürlich ein wenig anders sein, aber nicht grundlegend anders. Die traurige Wahrheit ist, dass wir höchstwahrscheinlich 80% genau derselben Gesichter, die jetzt im Kongress sitzen, wiedersehen werden, wenn dieser sich neu konstituiert.

Selbst wenn die Amerikaner es irgendwie schaffen würden ein Kongressmitglied über die die Wahl aus dem Amt zu werfen, würde dies im Hinblick auf unsere wirtschaftliche Situation nichts grundlegendes ändern, da weder der US-Kongress noch der US-Präsident die Wirtschaft steuern. Natürlich können beide dieser Institutionen die US-Wirtschaft beeinflussen, geleitet wird sie in Wirklichkeit jedoch durch die Federal Reserve.

Die Federal Reserve kontrolliert die Geldversorgung. Die Federal Reserve kontrolliert unsere Zinssätze. Wenn die US-Regierung mehr Geld möchte, muss sie es sich von der Federal Reserve holen. Es ist die Federal Reserve, die den Auftrag hat die Arbeitslosigkeit niedrig und die Inflation gleichzeitig auf einem „vernünftigen“ Niveau zu halten.

Aber in der heutigen Zeit scheinen sich die Beamten der Federal Reserve um die Inflation keine wirklichen Sorgen zu machen. Vielmehr sind in den letzten Wochen verschiedene Spitzenbeamte der Federal Reserve an die Öffentlichkeit gegangen und erklärten, dass sie nicht nur ein Mehr an quantitativer Lockerung unterstützten, sondern auch in der Inflation überhaupt keine Gefahr sähen, da diese gegenwärtig sogar „zu niedrig“ sei.

Fakt ist, es gab einige Gerüchte darüber, dass viele Beamte der FED sogar mehr Inflation begrüßen würden, da sie der Meinung sind, dies würde irgendwie die Wirtschaft beleben. Die Federal Reserve hatte im September sogar ein Papier veröffentlicht, worin man die Idee verbreitete, ein Anstieg der Ölpreise sei für die US-Wirtschaft eine ziemlich gute Sache.

Und diese Leute leiten unsere Wirtschaft? Sind wir hier alle in einem riesigen Irrenhaus eingesperrt?

Nun ja, was den steigenden Ölpreis betrifft, wird die FED fast mit Sicherheit ihren Wunsch erfüllt bekommen. Wie ich bereits schrieb, geht der Preis mit hoher Wahrscheinlichkeit in Richtung USD 100 pro Barrel. Wenn der Ölpreis jedoch in die Höhe schießt, ist es dann nicht so, dass dies zu einem erheblichen Inflationsdruck auf die Preise tausender anderer Güter und Dienstleistungen führen würde? Natürlich ist das so.

Bedauerlicherweise scheinen sich heutzutage jedoch nur sehr wenige unserer Führer besonders viel Sorgen über die Inflation oder den Schutz des Wertes des US-Dollars zu machen. Stattdessen behauptet nun sogar schon der Internationale Währungsfonds, dass der US-Dollar „überbewertet“ ist. Was für ein Schlamassel.

Aber bei einer erneuten Runde der „quantitativen Lockerung“ wird es einen weiteren Aspekt geben, den das amerikanische Volk ganz bestimmt nicht mögen wird, sollten sie herausfinden, was sich hier wirklich abspielt. Die Wahrheit ist, dass es sich bei der „quantitativen Lockerung“ nicht nur um einen Weg handelt die Wirtschaft zu beleben, sondern, dass es sich hierbei auch um einen Weg handelt die großen Banken über die Hintertür zu retten, ohne die Notwendigkeit dies durch den Kongress gehen zu lassen.

In einem vorangegangenen Artikel beschrieb ich, wie dies funktioniert:

1.) Die großen US-Banken haben riesige Mengen an hypothekarisch besicherten Müll-Wertpapieren, die praktisch nichts wert sind und die sie händeringend versuchen loszuwerden.

2.) Die Banken überzeugen die Federal Reserve, welche den Großbanken zum Teil gehört, diese „Giftmüllpapiere“ weit über Marktpreis aufzukaufen.

3.) Die Federal Reserve schafft riesige Mengen an Geld aus dem nichts um all diese notleidenden Vermögenswerte aufzukaufen. Der Öffentlichkeit wird erklärt, dass diese ganzen Maßnahmen der „quantitativen Lockerung“ nötig seien um die US-Wirtschaft zu beleben.

4.) Die Großbanken rekapitalisieren sich und werden gleichzeitig diese riesigen Mengen an schlechten Hypothekenpapieren los und die Federal Reserve hat so eine Möglichkeit gefunden hunderte Milliarden, wenn nicht Billionen Dollars in die Wirtschaft zu pumpen und die meisten Amerikaner sind so klug wie zuvor.

Was denken Sie, was das amerikanische Volk von der „quantitativen Lockerung“ halten wird, wenn die Menschen all dies wirklich nachvollziehen könnten? Unglücklicherweise werden sich die meisten Amerikaner am Dienstag jedoch die Wahlergebnisse anschauen, ohne dabei wenigstens über ein grundlegendes Verständnis zu verfügen, wie unsere Wirtschaft wirklich funktioniert.

Es gibt bereits ganze Berge an Hinweisen darauf, dass die US-Wirtschaft in die völlig verkehrte Richtung unterwegs ist, und ein paar Kongressmonster aus dem Amt zu werfen, mag sich vielleicht gut anfühlen, wird jedoch an unseren wirtschaftlichen Problemen nicht wirklich viel verändern. Das amerikanische Volk muss dringend darüber aufgeklärt werden, wie unser Finanzsystem wirklich funktioniert, aber bedauerlicherweise werden die meisten Amerikaner wahrscheinlich erst dann aufwachen, wenn das ganze Kartenhaus in sich zusammenbricht.

Weitere Artikel zu diesem Thema


  • US-Wahlen 2010: Lahme Ente süß-sauer
  • Die Demokraten haben im US-Repräsentantenhaus, in dem insgesamt 435 Abgeordnete vertreten sind, aktuell eine Mehrheit von 39 Sitzen. Umfragen deuten jedoch darauf hin, dass sie bei den Zwischenwahlen mehr als 50 Sitze im Repräsentantenhaus und weitere sechs Sitze im Senat verlieren könnten.
  • US-Wahlen 2010: Stühlerücken auf dem Deck der USS Titanic
  • Amerika ist heute ein Einparteienstaat, ähnlich wie die Sowjetunion, China oder Nazideutschland und beide politischen Parteien sind lediglich eine Fassade, die man der Öffentlichkeit präsentiert, um die Illusion von Wettbewerb und Auswahlmöglichkeiten zu schaffen. Die Establishment-Führung der Republikaner wie auch der Demokraten repräsentieren die Ziele derselbe politischen Interessen.
  • Quantitative Lockerung: Der größte Raubzug aller Zeiten
  • Die US-Notenbank Federal Reserve bereitet sich gerade darauf vor eine weitere gigantische Rettungsaktion bei den Großbanken durchzuführen, doch wird dieses Mal so gut wie niemand in den Massenmedien den Begriff „Rettung“ verwenden, weshalb das amerikanische Volk darüber auch wesentlich weniger verärgert sein wird.
  • 2013 – das wird die Achterbahnfahrt Ihres Lebens!
  • Ab 2013 heißt es anschnallen und gut festhalten: Im Verlauf dieses Jahres dürfte es zu einer bedeutenden Trendumkehr an den Zinsmärkten kommen, die das weltweite Finanz- und Wirtschaftssystem erschüttern wird
  • Schuldenmonster: US-Staatsverschuldung ist heute 5.000 mal höher als vor Gründung der Fed
  • Die US-Notenbank ist eine gigantische Schuldenmaschine, mit der das Vermögen der US-Bürger kontinuierlich abgesaugt wird. Weltweit gibt es noch hunderte weiterer Zentralbanken, die sich mithilfe ihrer verbrecherischen Machenschaften zugunsten ihrer Herren und Meister an einer arglosen Bevölkerung bereichern