Den Silberbullen reiten – nichts für schwache Nerven

Silber hat innerhalb der letzten Monate eine erstaunliche Performance hingelegt. Schaut man jedoch genauer hin, dann hat Silber seine Verluste aus dem Jahre 2008 lediglich wieder wettgemacht. Aufgrund der hohen Volatilität des Silbermarkts ist „der kleine verrückte Bruder“ des Goldes aber auch in Zukunft nichts für schwache Nerven

Propagandafront.de, 20.12.2010

Obwohl ein flüchtiger Blick auf die Entwicklung des Silberpreises leicht zu der Auffassung verleiten könnte, dass Silber im Wert explodiert ist, hat sich das weiße Edelmetall mit seiner Hausse in der zweiten Jahreshälfte 2010 der Entwicklung des Goldpreises lediglich wieder angepasst.

Der Silberpreis legte seit Sommer dieses Jahres erstaunliche 60% zu, während Gold im Vergleichszeitraum gerade einmal Zugewinne von rund 10% verzeichnen konnte. Zurzeit wird Silber mit rund USD 29 pro Feinunze gehandelt. Der Edelmetallanalyst Adam Hamilton von Zeal Intelligence führt dazu aus:

„Vor der Panik verfügte der säkulare Silberbullenmarkt über eine sehr enge Beziehung zu Gold. Das war typisch, da Silber immer dann eine Rally hinlegte, wenn auch Gold eine Rally hinlegte, und Silber immer dann eine Preiskorrektur vornahm, wenn sich der Goldpreis korrigierte. Während der Panik an den Aktienmärkten drehten die Silberhändler jedoch völlig durch, und heizten damit den größten Kurseinbruch an, den ich je inmitten eines säkularen Bullenmarkts erlebt habe.

Als sich alles wieder beruhigt hatte, war Silber von über USD 19 auf unter USD 9 gefallen. Das war ein 34-Monatstief beim Silberpreis – im Vergleich dazu rutschte Gold bei diesem durch Panik ausgelösten Schwächeanfall lediglich auf ein 14-Monatstief!

Dieses Preisniveau war aus fundamentaler Sicht unglaublich lächerlich, und der Abverkauf war völlig überzogen, wie ich auch, einen Tag nachdem die Panik ihren Tiefstand erreichte, in einem Essay ausführte. Also fingen wir und unsere Rundbriefabonnenten an, aggressiv Silberaktien zu kaufen und den irrationalen Panikattacken entgegenzutreten. Mit einem unserer zum damaligen Zeitpunkt getätigten langfristigen Investments, eine der weltbesten Silberaktien, lagen wir jüngst bei über 1.000% – eine fantastische Rendite für einen Zeitraum von 2 Jahren!

Der größte Hinweisgeber, dass der niedrige Kurs von Silber in Bezug auf Gold nicht anhalten würde, war die Tatsache, dass Gold der Hauptantrieb für den Silberpreis ist. Vor der Panik war die Kursübereinstimmung zwischen Gold und Silber mit 94,7% extrem hoch. Mit anderen Worten: Fast 95% der tagtäglichen Bewegungen des Silberpreises waren statistisch durch den Goldpreis erklärbar. Während der Panikphase brach diese Kursübereinstimmung jedoch ein, und sackte auf 52,5% ab…“

Hamilton bezeichnet die Silberhändler, die während des Aktienabverkaufs im Jahre 2008 panikartig ihre Silberbestände veräußerten, als einen Haufen „auseinanderjagender ängstlicher Schulmädchen“.

Zum Vergrößern anklicken. (Gold in rot, Silber in blau)

Diese Zeiten dürften nun jedoch vorbei sein. Wie auf Propagandafront Anfang Dezember berichtet wurde, haben sich die „schwachen Hände“ – also ängstliche Marktteilnehmer, die ihre physischen Edelmetallbestände in Krisenzeiten gemeinsam mit Papierwerten abverkaufen – vom Silberbullen abgewendet, und widmen sich nun ruhigeren Hobbies:

„Darüberhinaus kommt auch noch die Tatsache hinzu, dass die ´schwachen Hände` auf Seiten der Edelmetallanleger den Markt mittlerweile verlassen haben, und der überwiegende Teil der Gold- und Silberinvestoren aufgrund der völlig ungelösten geld- und fiskalpolitischen Katastrophe in den Vereinigten Staaten und der EU-Despotie seine Bestände keinesfalls veräußern will, sondern höchstens noch dazukauft. Dies führt zu einem massiven Preisdruck im Edelmetallmarkt.

´Wo sollen die Mengen dann herkommen, um die – in einer Welt, die sich über Staatsschulden, Währungsschwankungen, mit zwielichtigen Vermögenswerten beladene Banken und Politiker, die mit ihren Serienrettungen den Steuerzahlern eine niemals enden wollende Last auferlegen, Sorgen macht – immer weiter anwachsende Nachfrage nach diesen zwei sicheren Edelmetall-Häfen zu befriedigen?`

fragt der Edelmetallanalyst James Turk, und führt aus, dass hierfür nur die bereits geförderten Bestände in Frage kämen, die jedoch mittlerweile zum überwiegenden Teil von langfristigen Anlegern gehalten werden:

´Fragen Sie sich doch einmal selbst, ob Sie bereit sind, Ihr physisches Metall gegen Dollars, Euros oder irgendeine andere Währung einzutauschen? Ich würde es nicht tun, und die meisten Menschen, welche diese Berichte lesen, begreifen, dass die Metalle weiterhin unterbewertet sind, also würden sie es auch nicht tun. Wir sind, was der Markt die ´starken Hände` nennt.`

Für die Papiergeldsparer, die auf günstigere Kaufgelegenheiten hoffen, könnte es unter Umständen sogar noch schlimmer kommen: So haben professionelle Marktteilnehmer an der Londoner Edelmetallbörse, LBMA, wo das meiste physische Gold und Silber gehandelt wird, aktuell überhaupt keine Anreize ihre physischen Edelmetalle gegen Terminkontrakte, also Papiergold und Papiersilber, einzutauschen – ein Vorgang, den man Backwardation nennt, was nichts weiter bedeutet, als dass die ´Zinsen auf Gold und Silber` ins Negative abrutschen, da die Futures niedriger sind, als der aktuelle Tageskurs.“

Der Silberpreis ist jetzt also wieder an den Goldpreis gekoppelt, während massive Abverkäufe im Silbermarkt aufgrund der Tatsache, dass die „ängstlichen Schulmädchen“ bereits im Jahre 2008 geflüchtet sind, eher unwahrscheinlich erscheinen. Dr. Jeffrey Lewis vom Silver-Coin-Investor führt dazu aus:

„Im Gegensatz zu Silber, das zu Jahresbeginn immer zu Volatilität neigt, tendiert Gold eher dazu, in den ersten Monaten langsam zuzulegen, bevor die Geschwindigkeit dann im Verlaufe des Jahres weiter zunimmt. In Bezug auf das Gold/Silber-Verhältnis ist Silber bereits bedeutend gestiegen, es dürfte nun ein entsprechender Goldanstieg nötig sein, um Silber in den kommenden Monaten weiter nach oben zu treiben…

Die ersten zwei Monate des nächsten Jahres werden die Geschwindigkeit für den Rest des Jahres 2011 vorgeben. Sollten Gold und Silber in den ersten Monaten des Jahres in der Lage sein, eine Seitwärtsbewegung zu vollführen oder leicht anzusteigen, dann dürfte die Nachfrage aus Indien in den Sommermonaten und die typische Explosion im vierten Quartal einer Wiederholung der Silberpreisexplosion des Jahres 2010 Tür und Tor öffnen. Wir werden sehen.“

Hamilton geht davon aus, dass sich das Gold/Silber-Verhältnis, sollte es die Marke von 46 durchbrechen, in Richtung des nächsten technischen Widerstands aufmachen könnte, der bei 34 liegt.

Aktuell bekommt man für 47 Unzen Silber eine Unze Gold. Ein bedeutender Teil der Marktbeobachter rechnet damit, dass sich das Gold/Silber-Verhältnis immer weiter seinem historischen Wert von 16 annähern wird, bzw. sogar noch weiter fallen könnte.

Prognose des Gold/Silber-Verhältnisses von Bressler. Zum Vergrößern anklicken.

Die radikalste Einschätzung hierzu kommt vielleicht von Vincent Bressler, der erklärt, Silber würde in der Spitze auf ein Gold/Silber-Verhältnis von 1 zusteuern:

„Ich gehe davon aus, dass das Gold/Silber-Verhältnis irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft unter die Marke von 15 sinken wird. Während ANGST und Gier den Goldpreis antreiben, werden es beim Silberpreis GIER und Angst sein. Wir wissen, dass es bedeutend weniger Silber gibt als Gold, also sollte ein Preisverhältnis von 1 durchaus in Erwägung gezogen werden, wenn die Manie ihren Höhepunkt erreicht.“

Heutzutage gibt es bedeutend weniger Anlagesilber – also Feinsilber in Münz- oder Barrenform – als Gold. Der Bestand von Anlagesilber wird zurzeit mit 800 Millionen Unzen veranschlagt, der von Anlagegold mit 2,2 Milliarden Unzen, was einem Gold/Silber-Verhältnis von 3:1 entspricht.

David Zurbuchen geht davon aus, dass es auf der Erde gegenwärtig rund 6 Mal mehr Silber gibt als Gold. In diese Schätzung fließt jedoch jede Silberkette und Omis Teeservice mit ein.

Man muss aber nicht soweit gehen wie Bressler – der allen Ernstes erklärt, Silber könnte im Falle einer epochalen Panik an den Finanzmärkten so teuer werden wie Gold – um zu verdeutlichen, dass die Psychologie bei Silber eine entscheidende Rolle bei der Preisbildung spielt. Hamilton schreibt hierzu:

„Umso länger sich der säkulare Bullenmarkt nach oben bewegt, umso mehr werden die Investoren darauf aufmerksam. Und nichts zieht neue Investments stärker an als eine anhaltend starke Performance. Da Gold immer mehr Menschen beeindruckt und selbst unter gewöhnlichen Händlern zunehmend an Popularität gewinnt, beginnen sie natürlich auch sich für Silber zu interessieren. Und Silber verfügt über einige einzigartige Eigenschaften, die in einem solchen Edelmetallbullenmarkt zu seiner überdurchschnittliche Performance beitragen.

Am bedeutendsten ist, dass der weltweite Silbermarkt im Vergleich zum Goldmarkt sehr klein ist. Hinsichtlich des Marktwerts wird jedes Jahr bedeutend weniger Silber abgebaut als Gold. In 2009 belief sich die weltweite Silberproduktion auf 700 Millionen Unzen – beim durchschnittlichen Silberpreis von 2009 in Höhe von USD 14,70 pro Unze entspricht dies USD 10,3 Milliarden. Unterdessen wurden vergangenes Jahr weltweit 75 Millionen Unzen Gold abgebaut. Mit dem durchschnittlichen Goldpreis in Höhe von USD 974 pro Unze in 2009 kommen wir hier auf einen Wert von USD 73 Milliarden.

Neben der Tatsache, dass der Markt viel kleiner ist, wird Silber gewöhnlich nicht durch Institutionen wie Zentralbanken in riesigen Lägern gehortet.

Ein kleinerer Markt bedeutet, dass bei Silber im Vergleich zu Gold alle neuen Zuflüsse an Investmentkapital wilde überproportionale Auswirkungen zur Folge haben. Es ist daher nicht überraschend, wenn die Preisrally bei Silber im Verlaufe eines säkularen Edelmetallbullenmarkts stärker ausfällt als bei Gold, da sich kleine Vermögenswerte schneller bewegen als große. Zu diesem Vergleich der Marktkapitalisierung kommt bei Silber auch noch eine Investoren-Affinität hinzu.

Es ist viel mehr Investoren möglich, sich eine Unze Silber zu kaufen als eine Unze Gold, was an dem riesigen Preisunterschied liegt. Wie wir alle wissen, ziehen Investoren es vor, mehr ´Anteile` von irgendetwas zu besitzen als weniger. Da sich Silber also erschwinglicher anfühlt als Gold, wird Silber von kleinen Investoren oftmals präferiert. Dies erhöht die Reputation von Silber, dass es massive Zugewinne bescheren könnte, nur noch mehr. Diese psychologischen Faktoren sorgen dafür, dass Silber zu überdurchschnittlichen Preisentwicklungen neigt, wenn unverhältnismäßig hohe Beträge von diesem spekulativem Metall angezogen werden.“

Der Silberbulle ist also ein wildes Biest. Wer ihn reiten will, sollte zunächst einmal die Arena betreten, und vor allem viel Zeit mitbringen. Laut dem Edelmetallanalysten Bob Chapman, der National Inflation Association und vielen anderen Analysten ist es in einem derartigen Umfeld reiner Wahnsinn, sich an kurzfristigen Spekulationen im Silbermarkt zu beteiligen.

Ebenso wie beim Gold handelt es sich bei physischem Silber um eine langfristige Anlage, die nicht zuletzt als Schutz vor der Bankenmafia, dem verbrecherischen Zentralbankwesen und den psychopathischen Politikern der westlichen Welt dient.

„Gewöhnlich halten diejenigen, die Gold und Silber aktiv handeln, US-Dollars, während sie auf Rücksetzer bei den Edelmetallpreisen warten. Es wird jedoch ein Zeitpunkt kommen, an dem der US-Dollar zusammenbricht und Gold um hunderte oder sogar tausende Dollars pro Tag zulegen wird, während Silber seinen Wert an einem Tag möglicherweise verdoppeln oder verdreifachen kann. Vertrauen Sie uns: An diesem Tag möchten Sie ganz bestimmt nicht auf der falschen Seite des Handels stehen. Die NIA konzentriert sich auf die langfristigen Risiken der Hyperinflation und befasst sich nicht mit kurzfristigen Schwankungen.“ warnt die National Inflation Association eindringlich.

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