Der Goldrubel – Führt Russland den Goldstandard wieder ein?

Christian Gomez, The New American, 28.01.2011

Da der US-Dollars seit der Gründung der Federal Reserve im Jahre 1913 exponentiell an Wert verloren hat, ist es keine Überraschung, dass zahlreiche politische Führer auf der ganzen Welt und internationale Ökonomen ihren Wunsch nach einer neuen Weltreservewährung zum Ausdruck brachten.

Im Lichte der weltweiten Finanzkrise betracht, könnte es sein, dass Russland sich nun in Richtung einer tragfähigen ökonomischen Lösung aufmacht – in Richtung Gold.

Am 24.01.2011 verkündete der erste Vorsitzende der russischen Zentralbank, Georgi Luntowsky, Pläne, jedes Jahr weitere 100 Tonnen Gold hinzuzukaufen und die Goldbestände Russlands innerhalb des Jahres 2011 um 13% zu erhöhen.

Die russische Zentralbank erhöhte ihre Goldbestände alleine im letzten Jahr um 23,9% auf insgesamt 790 Tonnen. Wieso kommt es hier zu einem derart plötzlichen und substantiellen Anstieg bei den russischen Goldbeständen?

„Das aktuelle Bündel an Reservewährungen und die Hauptreservewährung – der US-Dollar – scheiterten dabei, so zu funktionieren, wie sie sollten,“ so der russische Präsident Dmitri Medwedew auf einem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit am 16.06.2009. Er fügte hinzu, Russland würde es gerne sehen, dass der russische Rubel zur Weltreservewährung wird.

Medwedews Wunsch, dass der Rubel zu einer Weltreservewährung oder zu einem Teil einer neuen wirtschaftlichen Weltordnung wird, dürfte jedoch nicht der einzige Grund für die plötzlich anschwellenden Goldbestände der russischen Zentralbank sein.

Bei der Unterzeichnung des Zollunionsvertrags im letzten Monat vereinbarten die politischen Führer Russlands, Weißrusslands und Kasachstans den Aufbau einer Freihandelszone mit einer gemeinsamen Währungsunion. Dieser gemeinsame Zollraum soll bis zum 01.01.2012 geschaffen werden und wird von Beobachtern auch als das wirtschaftliche Wiedererstarken der Sowjetunion erachtet.

Ein neuer Goldrubel könnte als die Gemeinschaftswährung dieser drei alten Sowjetrepubliken dienen – ebenso wie es einst die Aufgabe des alten sowjetischen Rubels war.

Zwischen 1924 und 1947 war der vierte Sowjetrubel ein goldgedeckter Rubel. Während dieser Phase prägte die Staatsbank der Sowjetunion Goldmünzen und gab goldgedecktes Papiergeld aus, obwohl es dem einzelnen Sowjetbürger verboten war, seine Geldnoten in Gold einzutauschen – eine Politik die 1933 dann auch von US-Präsident Franklin Roosevelt mit der Präsidialdirektive Nr. 6102 übernommen wurde, die den US-Bürgern das „horten von Goldmünzen, Goldbarren und Goldzertifikaten“ verbot.

Es scheint so, als würde Moskau hier im Streben, seine Geldeinheit wieder aufzuwerten, einfach ein wenig aus dem Geschichtsbuch abkupfern.

Das Konzept eines Goldrubels als Ankerweltwährung wurde im Jahre 2009 erstmalig durch den Chefberater des Kremls, Arkadi Djorkewitsch, aufgeworfen, der verkündete, dass Russland eine neue durch Gold gedeckte Reservewährung begrüßen würde. Während er über die neue Wirtschaftsordnung sprach, erklärte er: „Wir könnten uns bei diesem System auch eine effektivere Verwendung von Gold vorstellen.“

Die letzte internationale Vereinbarung, die auf Gold basierte, war das Breton Woods System, das nach dem Zweiten Weltkrieg in Kraft trat. Da das britische Weltreich in Schutt und Asche lag, fanden sich die politischen Führer der Welt und internationale Ökonomen im Jahre 1944 in Breton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire ein, um darüber zu sprechen, das britische Pfund, das bis dahin als Weltreservewährung fungierte, durch den US-Dollar zu ersetzen.

Man entschied sich für den US-Dollar, da man zu jener Zeit davon ausging, dass dieser „so gut wie Gold“ sei – eine Einschätzung, die aus heutiger Sicht nichts mit der Realität gemein hat.

Unter dem Breton Woods System war Gold nur ausländischen Investoren zugänglich, nicht jedoch US-Bürgern. Der partielle Goldstandard – im 19. Jahrhundert und bis zum Ersten Weltkrieg gab es ja einen reinen Goldstandard – wurde dann am 05.08.1971 beendet, als US-Präsident Richard Nixon die Goldbindung des US-Dollars einfach aussetzte und es ausländischen Investoren verbot, ihre US-Dollars gegen US-Goldbestände einzulösen.

Seit diesem Zeitpunkt ist die Welt ausschließlich auf einen reinen Fiat-US-Dollar als Weltreservewährung angewiesen. Ökonomen in Russland und China haben nun erkannt, dass dieser Fiat-Dollar für die Weltwirtschaft keine tragfähige Lösung mehr darstellt.

Unterdessen steigt weltweit der Wert des Goldes. Es ist offenkundig, dass ohne dieses Edelmetall in keinem Land der Welt eine wirtschaftlich solide Lösung gefunden werden kann – aber selbst hier in den Vereinigten Staaten, wo Ron Paul, ein texanischer Abgeordneter des Repräsentantenhauses, bisher der lautstärkste Verfechter einer Rückkehr zu einem im Inland voll gedeckten Goldstandard gewesen ist, stößt dieses Konzept bisher noch auf taube Ohren.

Ein wiederbelebter russischer Rubel mit Golddeckung könnte sich als das entscheidende Element für Russlands Aufstieg zu einer Weltmacht herausstellen. Ein Goldrubel könnte so dafür sorgen, dass das Mächtegleichgewicht zugunsten Moskaus und seines neu gegründeten gemeinsamen Binnenraums ausschlägt.

Im Hinblick auf Kapitalismus und eine solide Wirtschaft ist Russland gerade dabei, sich aus eigener Kraft aus der weltweiten Rezession herauszuarbeiten. Die Frage ist nun, was die Vereinigten Staaten als nächstes tun werden.

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