Nicht die Nahrungsmittelpreise steigen, die Fiatwährungen brechen zusammen

Die Hungerrevolten im Nahen Osten und dem Rest der Welt, können zu einer extremen Schwächung des Dollar-Systems führen. Die ägyptische Geldinflation der vergangenen 15 Jahre zeigt, wie die Währungsabwertung die ärmsten Bevölkerungsschichten am härtesten trifft, und sie der Möglichkeit beraubt, sich vernünftig zu ernähren

Jeff Berwick, The Dollar Vigilante, 03.02.2011

Januar ist ein höchst interessanter Monat gewesen. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Omen für das, was uns dieses Jahr noch alles bevorsteht.

Wir sprachen bereits in der Vergangenheit oft darüber, welcher wohl der erste Dominostein sein würde, dessen Fall eine Kettenreaktion auslöst, die letztendlich mit massiven wirtschaftlichen und finanziellen Veränderungen einhergeht. Oft versahen wir unsere Vorhersagen mit Kommentaren wie diesem: „…das ausschlaggebende Hauptereignis wird aber wahrscheinlich irgendetwas sein, womit niemand gerechnet hat.“

Ich denke, dass mit Sicherheit niemand davon ausgegangen ist, dass das „Ende des Geldsystems, so wie wir es kennen“, in Tunesien seinen Anfang nehmen würde.

Es scheint, dass die Menschen – auch Amerikaner und Europäer – bereit sind, solange alle Arten der Unterdrückung, Besteuerung und wirtschaftlichen Stagnation über sich zu ergehen lassen, bis sie an einen Punkt gelangen, wo sie derart verarmt sind, dass sie sich kein Essen mehr leisten können.

Das ist genau der Punkt, wo sie dann schließlich damit beginnen, sich gegen ihre Unterdücker zur Wehr zu setzen, so wie wir es auch in Tunesien beobachten konnten, was dann ja auch eine Kettenreaktion auslöste und zu Aufständen in Jemen und Ägypten sowie anderen damit zusammenhängenden Unruhen in Algerien, im Libanon und in Jordanien führte.

Es ist immer noch zu früh, irgendwelche Rückschlüsse aus diesen Entwicklungen zu ziehen, die sich durch die steigenden Nahrungsmittelpreise in der arabischen Welt begründen – dennoch sei hier angemerkt, dass es drei mögliche Ausgänge gibt, die allesamt eine Bedrohung für das schwächelnde US-Dollar-System darstellen:

1. Der Worst-Case: Viele der gegenwärtig amtierenden Regierungen in der arabischen Welt werden gestürzt, was Platz macht für die demokratisch gewählten Teufel, von denen die Bevölkerungen noch keine Ahnung haben und die den gesamten Nahen Osten dann im Krieg versinken lassen. In diesem Falle gäbe es eine ganze Reihe möglicher Ausgänge, die bis zum Atomkrieg reichen. Es könnte auch dazu führen, dass das US-Militär in Feindseligkeiten hineingezogen wird, was die Geschwindigkeit der US-Geldinflation aufgrund der dadurch entstehenden Finanzierungsnotwendigkeiten des Krieges noch stärker beschleunigen würde und zur Folge hätte, dass man der Dollar-Hyperinflation noch schneller entgegeneilte.

2. Die Welle der arabischen Aufstände springt auf Saudi-Arabien und andere bedeutende Ölproduzenten im Nahen Osten über und zieht den Sturz amerikafreundlicher Regierungen nach sich, womit die „Öl für US-Staatsanleihen“-Vereinbarungen hinfällig wären. Dies könnte dazu führen, dass die Ölregion ihre Gewinne nicht mehr in US-Staatsanleihen reinvestiert, was die Anleihen zusätzlich schwächen und die Federal Reserve dazu veranlassen würde, über die dritte Runde der quantitativen Lockerung zu sinnieren, um zu verhindern, dass es zu einem zu dramatischen Anstieg bei den Zinssätzen kommt. Würde der Zinssatz beispielsweise auf 11,1%, wären die USA technisch gesehen pleite, da alle Steuereinnahmen (abzüglich der Sozialhilfeausgaben) für die Zinstilgung aufgewendet werden müssten.

3. Die steigenden Nahrungsmittelpreise sowie die zunehmende Gefahr von Regierungszusammenbrüchen könnten andere bedeutende Halter von US-Staatsanleihen wie China, Japan oder weitere asiatische Länder zu einem Abverkauf von US-Staatsanleihen zwingen, um so den Wert ihrer eigenen Währung zu erhöhen und die Preise für importierte Nahrungsmittel auf diese Art zu reduzieren, damit ihre Bevölkerungen im Zaum gehalten werden. Die Folgen wären in diesem Falle dieselben wie unter Punkt 2.

Es scheint so, als würde die Welt gerade einen Reinigungsprozess durchmachen. Eine Entgiftungskur, wenn man so will. Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit wurden die Bevölkerungen so stark reguliert, dokumentiert, regiert und unterdrückt, wie dies heutzutage der Fall ist.

Diese Entgiftung könnte zuerst bei den Menschen ihren Anfang nehmen, die zu den ärmsten der Welt zählen – ein Kampf für ihre Rechte und Freiheiten gegen ein System, das sie durch Inflation, Besteuerung und direkte räuberische Plünderung so stark verarmt hat, dass sie nicht mehr in der Lage sind, sich ordentlich ernähren zu können.

FAO-Nahrungsmittelpreisindex - Zum Vergrößern anklicken.

Die steigenden Nahrungsmittelpreise sind vielleicht Auslöser des Ganzen, aber sie sind ganz bestimmt nicht die Ursache für den überwiegenden Teil der Probleme, mit denen die Welt aktuell zu kämpfen hat, sondern lediglich ein Symptom.

In den Berichten der Massenmedien wird gewöhnlich erklärt, dass die „steigende Weltbevölkerung“ für den Anstieg der Nahrungsmittelpreise verantwortlich sei. Es gibt jedoch keinen statistischen Nachweis, dass die steigende Zahl der Bevölkerung mit steigenden Nahrungsmittelpreisen in Zusammenhang steht.

Inflationsbereinigter Weizenpreis seit 1657 - Zum Vergrößern anklicken.

Tatsache ist vielmehr – wie auch in oben stehender Grafik ersichtlich ist, welche die inflationsbereinigten Kosten für Nahrungsmittel ausweist – dass die Nahrungsmittelproduzenten langfristig trotz einer steigenden Zahl der Weltbevölkerung immer mehr Nahrungsmittel zu immer geringeren Kosten produzieren können.

Die Nahrungsmittelpreise steigen gegenwärtig, weil die Zentralbanken die Geldmenge in jedem einzelnen Land der Welt auf sehr hohe Niveaus aufgebläht haben.

Es ist schwer, für Ägypten Zahlen zur Geldmenge zu finden, besonders weil die ägyptische Regierung den Zugang zur Internetseite der ägyptischen Zentralbank [vorübergehend] sperrte. Wir fanden jedoch einen Bericht von Lindsay Vacek von der University of Reno, die eine Untersuchung der Geldmengenversorgung in Ägypten bis zum Jahre 2007 durchgeführt hatte.

Geldmenge Ägyptisches Pfund 1995 - 2007 - Zum Vergrößern anklicken.

In dem Bericht von Frau Vacek wird erklärt, dass die Geldmenge Ägyptens zwischen 1995 und 2007 von EGP 200 Milliarden auf EGP 600 Milliarden anstieg. In einer Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Meldung von Tradearabia.com wird mitgeteilt, dass die Ägyptische Zentralbank in 2010 eine Geldmenge in Höhe von EGP 961 Milliarden auswies.

Diese riesige Geldinflation ist unzweifelhaft der Hauptgrund dafür, warum zahlreiche Ägypter Probleme haben, sich Nahrungsmittel leisten zu können. Inflation trifft immer die ärmsten Menschen, da die ärmsten Menschen in der Regel keine Vermögenswerte besitzen. In einem inflationären Umfeld wird bei denjenigen, die reale Vermögenswerte besitzen (Gold, Aktien, Immobilien), der Preisanstieg von Nahrungsmitteln durch den Preisanstieg ihrer Vermögenswerte wieder ausgeglichen.

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