Bernanke ist die Schuld zu geben

Peter Schiff, CampaignforLiberty.com, 09.01.2010

Es ist nicht unser Fehler

Es scheint so, als wäre es die wichtigste Qualifikation eines Vorsitzenden der Federal Reserve, dass er die Fähigkeit besitzt jeden Fehler abzustreiten, egal wie vernichtend die Beweislage auch sein mag. Während seiner Amtszeit setzte Alan Greenspan den Standard der unglaubwürdigen Bestreitbarkeit. Aber der gegenwärtige Chef der FED, Ben Bernanke, schaffte es bei einer Rede letztes Wochenende in Atlanta den Maestro noch zu übertrumpfen. In einer quälenden akademischen Abhandlung bestritt Bernanke ausdrücklich die Schuld der FED an der Aufblähung der Immobilienblase und an der Finanzkrise, die mit dem Platzen der ersteren begann. Durch die Einnahme einer solch absurden Position hat er jegliche Glaubwürdigkeit verloren, die er noch besessen haben könnte.

In seiner Präsentation vor dem National Economic Club behauptete Bernanke, dass die super-niedrigen Zinssätze der ersten Jahre unter Bush angemessen waren, wenn man die Bedingungen zu jener Zeit berücksichtigte und daher nicht zur Immobilienblase beigetragen hätten. Stattdessen schob er die Schuld einem „unterregulierten“ Finanzsektor zu, welcher exotische Hypothekenprodukte, wie variabelverzinsliche (ARM) oder tilgungsfreie Hypotheken, erfand und verkaufte. Laut Ben waren die unverantwortlichen Kreditgeber (die er nun hofft regulieren zu können) und nicht die niedrigen Zinssätze Ursache der Immobilienblase.

Diese Argumentation weist zwei riesige Fehler auf. Erstens, wenn diese Hypotheken solch ein Problem gewesen wären, warum tat die FED dann nichts um ihre Verwendung im Zaum zu halten? Als der frühere Vorsitzende Greenspan die Möglichkeit hatte vor dem Kongress zur weit verbreiteten Verwendung von variabelverzinslichen Hypotheken etwas zu sagen, tat er nichts als diese Produkte zu loben. Er behauptete, diese Angebote würden es cleveren Hauskäufern erlauben Geld zu sparen und ihre Finanzen besser zu verwalten. Zu jener Zeit, als Alan Greenspan diese Aussagen machte, war Bernanke als einer der Gouverneure der FED im Amt. Weder aus seiner damaligen Position heraus noch aus seiner späteren Funktion als Vorsitzender des Komitees der Wirtschaftsberater unter Präsident Bush hat Bernanke jemals auch nur eine verächtliche Bemerkung zu den Hypotheken gemacht, die er heute in später Einsicht verdammt.

Die größten Herausgeber variabelverzinslicher Hypotheken waren Fannie Mae und Freddie Mac. Beide dieser regierungsfinanzierten Institutionen hatten Richtlinien, die es Kreditnehmern erlaubten sich allein dadurch für eine Hypothek zu qualifizieren, dass sie in der in Lage waren die ersten Kreditzahlungen zu leisten und nicht die höheren Zahlungen, die letzten Endes zum Tragen kommen würden. Warum hat die FED dem Kongress nicht empfohlen diese regierungsfinanzierten Institutionen zu zwingen vernünftigere Standards der Kreditvergabe einzuführen? Entweder haben sie die Hypotheken nicht als problematisch erkannt, in diesem Falle sind sie inkompetent, oder sie schwiegen einfach und tun dies noch heute, was schlimmer ist. In beiden Fällen, ob es ihnen nun an Weitsicht oder politischem Wille fehlte diese Krise zu verhindern, wie sollen wir erwarten können, dass sie uns vor der nächsten Krise schützen?

Ist es ferner wirklich möglich, dass Beranke so ahnungslos ist, dass er den Zusammenhang zwischen der Förderung von variabelverzinslichen und tilgungsfreien Hypotheken sowie den langfristigen Niedrigzinsen, welche sie erst so beliebt machten, nicht kennt? Ohne super-niedrige Zinssätze der FED wäre der überwiegende Teil dieser Problemhypotheken niemals abgeschlossen worden. Variabelverzinsliche und tilgungsfreie Hypotheken existierten schon lange vor dem Beginn der Immobilienblase; dass sie so beliebt wurden, kam jedoch erst nachdem die FED 2002 die Zinssätze auf ein historisch niedriges Niveau senkte und diese bis 2005 dort hielt.

Der einzige Grund warum so viele Menschen in der Lage waren Häuser überteuert zu kaufen, war wegen den vorübergehend niedrigen „Einführungs“raten. Hätte die FED die Zinssätze nicht so niedrig gestaltet, wäre diese Möglichkeiten verschlossen geblieben und die Häuserpreise wären im Zaum gehalten worden. Kurz gesagt, durch die Drückung der Zinssätze hat die FED die Immobilienblase aufgebläht, indem sie es den Banken ermöglichte Hypotheken auf den Markt zu bringen, welche überteuerte Häuser erschwinglich erscheinen ließen.

Bernanke beschuldigt die Kreditgeber auch, dass sie der falschen Annahme unterlegen hätten, die Immobilienpreise würden immer steigen. Er versäumt es jedoch darauf aufmerksam zu machen, dass auch er genau denselben Fehler machte. Während es richtig ist, dass viele Kreditgeber dieser törichten Annahme erlagen, taten sie es doch unter dem Einfluss all des billigen Geldes, das von der FED geliefert wurde. Hätten sie nicht so oft zur Flasche der FED gegriffen, wäre ihnen ein wesentlich besseres Urteil möglich gewesen. Die FED selbst kann so eine Entschuldigung nicht vorweisen.

Als Beweis, dass die FED die Immobilienblase verursachte, kann ich Ihnen einen Kommentar anbieten, den ich im Mai 2004 schrieb und der als Kommentar im Orange County Register veröffentlicht wurde. Im Folgenden ein paar wichtige Zitate daraus:

„Dass sich gegenwärtig so viele für zinsvariable Hypotheken entscheiden, spiegelt ein Niveau der Immobilienspekulation wider, dass in dieser Form in der amerikanischen Geschichte beispiellos ist. Zu dieser törichten Entscheidung verführte sie der Vorsitzende der FED, der verzweifelt versucht die Immobilienblase weiter aufzublähen. Unglücklicherweise ist es so, dass, umso länger die FED im Hinblick auf die Erhöhung der langfristigen Zinssätze auf angemessene Niveaus ein „kranker Patient“ bleibt, umso mehr Hausbesitzer in die Zeitbombe der variabelverzinslichen Hypotheken gelockt werden.

Die wirklichen Verlierer dieses ganzen Fiaskos werden wahrscheinlich Jene sein, die nicht an diesem Wahnsinn teilnahmen. Während überschuldete Kreditnehmer von den Grundstücken verschwinden in denen kein Eigenkapital von ihnen steckt, wird die FED aller Wahrscheinlichkeit nach versuchen Schuldner und Konteninhaber (und die staatsfinanzierten Unternehmen, welche diese Kredite versicherten) durch die inflationärste Geldpolitik zu retten, welche in der Geschichte der Zentralbank jemals unternommen wurde. Die Ersparnisse einer ganzen Generation werden ausgelöscht werden, da sie bei der Aufrechterhaltung der größten Immobilien- und Konsumerblase aller Zeiten verschwendet werden.“

Wenn ich das also bereits im Mai 2004 habe kommen sehen, warum war die FED dazu nicht in der Lage? Selbst mit dem absoluten Vorteil der nachträglichen Betrachtung kann Bernanke die Fehler der FED immer noch nicht erkennen. Da es gerade eine Kampagne gibt die Regulierungsbefugnisse der FED auszuweiten, hat Jeder, der erwartet vom Vorsitzenden und Chef-Lobbyisten der FED eine ehrliche Einschätzung zu bekommen, einfach keine Ahnung von Politik.

Während er das Offenkundige abstreitet, verfolgt Bernanke jetzt eine noch rücksichtslosere Geldpolitik als jene, welche die Immobilienblase schuf. Die Folgen werden dieses Mal auf Garantie sogar noch zerstörerischer sein.

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