Der große Knall: Zahlungsunfähigkeit der USA stellt Gold- und Silbermarkt auf den Kopf

Beim Debakel rund um die US-Schuldenobergrenze entsteht zunehmend der Eindruck, als hätten die Politiker ernsthaft vor, es bis zur Zahlungsunfähigkeit zu treiben. Sollte dies tatsächlich passieren, würde das weltweite Geldsystem irreparabel Schaden nehmen. Die Folgen dieses Scheiterns würden den Edelmetallmarkt und die Weltwirtschaft grundlegenden Veränderungen unterwerfen

Julian Phillips, Gold Forecaster, 26.07.2011

Vergangenen Freitag gingen wir noch davon aus, dass die Krise der US-Schuldenobergrenze am Montag zu Beginn des asiatischen Handels vorbei sei. Das Wochenende ist mittlerweile vorüber und die Aussichten auf eine Vereinbarung sind ebenfalls dahin. Die Märkte sind aktuell sehr nervös und fangen nun damit an, sich darüber zu sorgen, was passiert, sollte es den beiden Kongressparteien nicht gelingen, eine Einigung zu erzielen.

Im Grunde handelt es sich hierbei lediglich um ein politisches Spiel, wo jeder versucht, die Gegenseite dazu zu bewegen, als erster klein beizugeben. Doch die zwei politischen Führer vertreten hier nicht nur sich selbst, sondern vornehmlich ihre landesweiten Parteien, weshalb das Feingefühl fehlt, rechtzeitig von den eigenen Forderungen zurückzutreten. Die Struktur der politischen Entscheidungsfindung gibt das überhaupt nicht her. Und nicht nur das – selbst nach einer Einigung bräuchte es auch noch ein paar Tage, bis eine neue Schuldenobergrenze überhaupt Gesetzeskraft erlangt.

 Kommt es nun zu einem Zahlungsausfall der US-Regierung, und wenn ja, was hat das dann für die Edelmetalle zu bedeuten?

Die allgemeinen Folgen eines Zahlungsausfalls der USA

Wir sollten uns an dieser Stelle noch einmal vergegenwärtigen, dass die Vereinigten Staaten nicht das Zentrum des globalen Goldhandels sind. Fakt ist, dass ganz Nordamerika gerade einmal 8% der weltweiten Nachfrage nach Goldschmuck, Goldbarren und Goldmünzen stellt. Europa und Russland sind für weitere 13% verantwortlich. Mit anderen Worten: Die maßgeblichen Triebkräfte des Goldmarkts haben mit den Finanzangelegenheiten der Industrieländer nichts zu tun.

Die Industrieländer stellen jedoch die Distributionssysteme und die Märkte für den weltweiten Goldhandel. Die Auslieferung des physischen Metalls erfolgt vornehmlich über London und die Edelmetallbanken. Die Edelmetallbanken erhalten die Metalle von den Scheideanstalten, die das Rohmaterial von den Minen bekommen. Die Banken beliefern dann – hauptsächlich auf Basis des Gold-Fixings – Investoren und Zentralbanken mit den gewünschten Goldmengen.

Die Industrieländer stellen auch die Spekulanten und Händler, die fortwährend mit physischem Gold, Anteilen börsennotierter Rohstofffonds oder Finanzderivaten, die Einfluss auf den Goldpreis haben, handeln.

Es sind die weltweiten Spekulanten und Investoren, welche die dramatischsten Auswirkungen auf die Preisentwicklung haben, wobei ihre Aktionen hauptsächlich kurz- und mittelfristig Wirkung entfalten.

Der tagtägliche Druck, der von diesen Marktteilnehmern ausgeht, kann mit Meereswellen verglichen werden, die auf die Küste treffen. Und da ein Preis nur in den allerseltensten Fällen direkt nach oben steigt, kommt es zu einem fortwährenden Auf- und Abebben des Preises. Die saisonalen Faktoren bei der Angebots- und Nachfragesituation weisen dieselben Effekte auf, wie Gezeitenbewegungen am Strand. Der stärkste Preisdruck geht jedoch von Kräften aus, die mit Veränderungen der Meeresströmung an sich gleichgesetzt werden können.

Ein Blick auf den langfristigen Goldpreischart offenbart die Gesamtsumme all der Einflussgrößen, die auf den Goldpreis einwirken. Beim Gold- und Silbermarkt sind diese Strömungen jedoch bei weitem komplexer als bei einem einfachen Rohstoff.

Beispielsweise sind die heutigen Kursbewegungen bei Gold und Silber ausschließlich auf das Scheitern bezüglich der US-Schuldenobergrenze zurückzuführen und hatten mit den Fundamentaldaten der Edelmetalle überhaupt nichts zu tun. Es ging einzig und allein um die Gefahren im Hinblick auf die Finanzstabilität und den US-Dollar.

Edelmetalle fungieren als ein Gegengewicht zu den wichtigsten Finanz- und Währungsmärkten, weshalb wir auch vielmehr auf die Summe aller Einflüsse schauen müssen, die auf den Gold- und Silberpreis einwirken, als einfach nur auf kurzfristige und spekulative Aspekte. Die kurzfristig spekulativen Aspekte sind natürlich recht leicht zu fassen: Die Gold- und Silberpreise spiegeln die Unsicherheit und Instabilität des weltweiten Währungssystems und die fortwährende Entwertung der Papierwährungen wider.

In Fernost gab es nie ein so starkes Vertrauen in Papiergeldsysteme wie in der westlichen Welt. In den Industrieländern hat es hingegen ein unumstößliches Vertrauen in Papiergeldsysteme gegeben. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts können wir jedoch beobachten, wie genau dieses Vertrauen immer weiter zurückgeht, ein Prozess, dessen Geschwindigkeit sich dem Ausbruch der Kreditkrise immer weiter beschleunigte.

Seit diesem Zeitpunkt hat sich der Vertrauensrückgang zunehmend verfestigt und ausgeweitet – durch die Schuldenprobleme des Bankensystems, die europäische Staatsschuldenkrise und nun auch durch die politischen Spielchen in den USA. Was an diesem Vertrauensrückgang am meisten beunruhigt, ist die Tatsache, dass die Probleme nicht ordnungsgemäß behoben wurden, wodurch die nationalen Wirtschaften bereits in die Stagflation abgerutscht sind oder nun kurz davor stehen.

Und in einem Umfeld, wo den Menschen die Kaufkraft der Währungen in den Händen zerrinnt, sie aber gleichzeitig nicht über die Möglichkeit verfügen, ihr Einkommen zu erhöhen, verwandelt sich dieser Vertrauensverlust in Hoffnungslosigkeit. Ohne die Aussicht auf eine politische oder monetäre Reform wird sich die Instabilität und Unsicherheit, deren Zeugen wir gerade werden, immer tiefer einfressen.

Es ist schon erstaunlich, dass die Wertschätzung von Edelmetallen ausgerechnet in den am wenigsten komplexen Regionen der Welt am größten ist. Ebenso erstaunlich ist es, dass die komplexesten Regionen der Welt so lange brauchten, um die Gefahren zu erkennen, denen sich das heutige Geldsystem gegenübersieht. Wir sind in einem „normalen“ Geldsystem gefangen, dessen Gefahren wir jedoch vehement bestreiten, da sie unsere „Normalität“ bedrohen.

 Wir müssten doch eigentlich dazu fähig sein, die Dinge wieder gerade zu biegen, wenn es notwendig werden sollte. Also warum sollte sich die Situation dann weiter verschlimmern?

Vor dem Hintergrund, dass sich die Zahlungsunfähigkeit der USA in eine maßgebliche Einflussgröße verwandeln könnte, die das weltweite Geldsystem weiter zu schwächen droht, sind die Investoren nun auf der Suche nach langfristigen Anlagealternativen. Dieser Schaden ist irreparabel.

Die konkreten Folgen eines Zahlungsausfalls der USA

Mit „konkret“ meinen wir die unmittelbaren und mittelfristigen (bis zu 1 Jahr) Folgen.

Da uns die Eurozonen-Krise immer noch frisch in Erinnerung ist, können uns die dort beobachteten Auswirkungen auch im Falle der USA als Richtschnur dienen. Der Hauptunterschied besteht darin, dass in Europa die Eurozonenländer das Problem sind, während in Amerika das Äquivalent der Eurozone selbst, namentlich die US-Regierung, das Problem darstellt. Aus diesem Grund würden die mit einer Zahlungsunfähigkeit der USA einhergehenden Folgen bei weitem dramatischer ausfallen:

 1. Der erste schwere Schlag, der weltweit zu spüren sein wird, ist eine bedeutende Abschwächung des US-Dollars.

2. Als nächstes wird die die gesamte Währungswelt von den Entwicklungen erfasst werden. Die anderen Länder werden Maßnahmen ergreifen, um ihre eigenen Währungen entsprechend abzuwerten, da die Wirtschaftsräume es sich nicht erlauben können, dabei zuzusehen, wie ihre Währungen aufwerten.

Nehmen wir beispielsweise den japanischen Yen. Zu Beginn dieses Jahres intervenierte die japanische Zentralbank, um den Yen zu abzuwerten, da die japanische Wirtschaft aufgrund der Folgen der Naturkatastrophe schwer angeschlagen war und wegen der Stärke des Yen gleichzeitig auch noch mit einer Verringerung des internationalen Handels zu kämpfen hatte. Der Schweizer Franken sitzt im selben Boot. Die Schweizer hatten ebenfalls versucht, ihre Währung abzuwerten, um die einheimischen Exporte zu stützen.

Jedes Land bevorzugt dabei individuell den einen oder anderen großen Block (Europa oder die USA) und steuert seine Währung in Anlehnung an eine dieser großen Währungen. Beispielsweise wird man dann beobachten können, wie der Südafrikanische Rand auf den Euro ausgerichtet ist und nicht auf den US-Dollar. Steigt der Euro, dann steigt auch der Rand. Gehen Sie davon aus, dass sich derartige Währungsbeziehungen in Zukunft weiter verfestigen werden.

3. Die dritte Folge wird sein, dass es in den USA zu Zinsanstiegen kommen wird, während sich der Markt für US-Staatsanleihen abschwächt. Sollte dies passieren, wird sich die nächste große Krise im US-Staatsanleihenmarkt abspielen, genauso wie wir es jüngst bei den fragwürdigeren Mitgliedern der Eurozone beobachten konnten.

4. Steigenden Zinssätze höhlen die Aktienmärkte, Eigenheimpreise und im Umkehrschluss die gesamte Wirtschaft aus. Angesichts der niedrigen Wachstumsraten, mit denen die USA schon heute zu kämpfen hat, würden wir davon ausgehen, dass es zu einer Deflation kommt.

5. Während die Energie- und Nahrungsmittelinflation aktuell bereits sehr hoch ist, kommen dann auch noch deflationäre Aspekte mit hinzu, während die Arbeitslosenrate in einer sich abschwächenden Wirtschaft weiter ansteigt.

6. Vermögenswerte werden im Preis fallen.

7. Die einzigen Vermögenswerte, bei denen es innerhalb der USA zu Preiszuwächsen kommen wird, sind jene, die auch international als Geld und Vermögenswerte angesehen werden, namentlich Edelmetalle. Während die Edelmetallnachfrage der Schwellenländer aktuell bereits unaufhaltsam steigt, kommt dann noch die zusätzliche Nachfrage der Industrieländer nach „sicheren Häfen“ hinzu, was die Edelmetalle auf neue Preisniveaus heben wird, während sich die gesamte Welt an ein neues für die Industrieländer nachteiliges und für die Schwellenländer vorteilhaftes Wirtschaftsklima anpasst.

 Was wir hier beschreiben, ist ein globales Wirtschaftsklima, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Immer wenn es in der Vergangenheit zu derartigen Spannungen kam, wurden Kriege geführt. Die heutigen Spannungen können nicht mit kriegerischen Mitteln ausgefochten werden. Diese Kämpfe dürften eher im Finanz- und Wirtschaftsleben ausgetragen werden.

Diese Kriege nennen sich „Protektionismus“, „Währungskriege“ usw., und am Ende wird es ein paar Gewinner geben. Die Kriege werden zu Misstrauen und einer Fragmentarisierung der Weltwirtschaft führen.

Auf internationaler Ebene werden Edelmetalle nicht nur zu einer bedeutenden, sondern zur bevorzugten Reserveanlage werden. Die Edelmetallpreise werden sich dann stärker an der Gesamtgeldmenge der jeweiligen Währung orientieren. Sie können sich ja sicherlich vorstellen, dass die Edelmetallpreise dann bedeutend höher sein müssen, als es die meisten Menschen je für möglich gehalten hätten. Und da der Goldmarkt vom Volumen her so winzig ist, wird Silber auch zu einem Geldmetall werden, und zwar zu bedeutend höheren Preisen.

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