Papiergeldschock: Billiges Geld treibt verzweifelte Anleger in die Aktienmärkte

Die Nullzinspolitik der weltweiten Zentralbanken heizt die Spekulation massiv an. Praktisch die gesamte Renditekurve von US-Staatsanleihen weist negative Realzinsen aus. Die verzweifelten Anleger sehen sich angesichts dieser Kaufkraft-Konfiskation gezwungen, ihr Glück in Aktien- und Rohstoffmärkten zu suchen

Puru Saxena, Purusaxena.com, 16.03.2012

Die Wirtschaften der Industrieländer dümpeln vor sich hin, die Arbeitslosigkeit stellt eine reale Bedrohung dar und die Schulden sind völlig außer Kontrolle geraten (siehe Grafik 1). Nichtsdestotrotz setzen sich die weltweiten Aktien- und Rohstoffmärkte über jedwede logische Erwägungen hinweg und können vor dem Hintergrund dieser betrüblichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sogar noch Zugewinne verbuchen.

Verblüfft verfolgen viele Ökonomen und Strategen die anhaltende Rally bei den riskanten Anlagen und haben erhebliche Probleme damit, diesen Aufwärtstrend zu erklären. Laut den Aktienmarkt-Bären befinden sich die Aktien unzweifelhaft in einer Blase, die kurz vor dem Platzen steht!

Im Folgenden werden wir erklären, warum die riskanten Vermögenswerte gegenwärtig Zugewinne verbuchen können und dieser Aufwärtstrend noch ein paar Monate anhalten könnte.

Was die Investmentwelt anbelangt, sind wir der Auffassung, dass die Geldpolitik immer allen anderen Erwägungen vorangeht und die sogenannte „risikolose Rendite“ die Preise aller anderen Vermögenswerte bestimmt. Mit der risikolosen Rendite meinen wir die Rendite, die auf 10-jährige US-Staatsanleihen gezahlt wird – das ist die entscheidende Kennzahl, die profunde Auswirkungen auf alle anderen Vermögenswerte hat.

Nun ist es kein Geheimnis, dass niedrige Zinssätze die Spekulation anheizen, wodurch es bei den riskanten Anlagen zu Preissteigerungen kommt. Im Gegensatz dazu dämpfen höhere Zinsen die Spekulation, was bei den riskanten Anlagen deflationäre Effekte hat. Ist die risikolose Rendite attraktiv, wendet sich das Kapital erneut dem Bargeld und festverzinslichen Wertpapieren zu. Und neben der nominellen risikolosen Rendite schauen die Investoren natürlich auch auf die reale risikolose Rendite, da diese für ihre künftige Kaufkraft maßgeblich ist.

Angesichts des aktuellen Wirtschaftsumfelds hat die US-Notenbank Federal Reserve zugesichert, den Leitzins wenigsten die nächsten drei Jahre nahe Null zu halten! Ferner kauft die US-Notenbank zurzeit aktiv über die gesamte Renditekurve hinweg US-Staatsschulden auf, wodurch der Fed-Chef Bernanke absichtsvoll die nominelle risikolose Rendite nach unten drückt, was die Investoren dazu zwingt, sich auf die Suche nach Rendite zu begeben.

Indem die Fed die Zinssätze künstlich unten gehalten hat – weit unter der Inflationsrate – war sie bei den amerikanischen Aktientiteln in der Lage gewesen, eine eindrucksvolle Rally ins Leben zu rufen.

In der nachfolgenden Grafik sehen Sie die reale Renditekurve für US-Staatsschulden mit verschiedenen Laufzeiten. Wie aus dieser Grafik hervorgeht, ist aktuell praktisch die gesamte Renditekurve für US-Staatsschulden (bis auf die Papiere mit 30-jähriger Laufzeit) im negativen Bereich. Das heißt nichts anderes, als dass zurzeit alle Halter von US-Staatsschulden (außer die Halter von 30-jährigen Anleihen) an Kaufkraft verlieren, weil sie der US-Regierung Geld leihen!

Vielleicht gehen diese Anleihehalter davon aus, dass es in naher Zukunft Deflation gibt, und wer weiß, vielleicht liegen sie damit sogar richtig – aktuell muss jedoch festgehalten werden, dass ihnen ihre Investments in US-Staatsschulden Geld kosten.

Und bedauerlicherweise beschränkt sich diese Kaufkraft-Konfiskation nicht nur auf die USA. Wenn wir uns noch einmal die erste Grafik anschauen, dann sehen wir, dass die Inflation bei den meisten Ländern über ihren Zinssätzen liegt. Die Sparer der Industrieländer werden also ausgeraubt und handeln aus purer Verzweiflung, wenn sie mit ihren Geldern in Richtung Aktienmärkte und Rohstoffe fliehen.

Und trotz all der Diskussionen darüber, dass der Untergang unmittelbar bevorstünde, ist es eine Tatsache, dass sich die weltweiten Aktienmärkte zurzeit in einem soliden Aufwärtstrend befinden. Überdies legen die Entwicklungen der vergangenen sechs Jahrzehnte nahe, dass es in den USA erst dann zu einem bedeutenden Bärenmarkt kommen wird, wenn das Ende des nächsten Geldstraffungs-Zyklus eingeleitet ist.

Die nachfolgende Grafik weist einen direkten Zusammenhang zwischen Zinsanstiegen und US-Rezessionen (grau hinterlegt) aus. Wie Sie sehen, fanden alle US-Rezessionen der vergangenen 60 Jahre statt, nachdem die Federal Reserve den Leitzins anhob. Auf der Grafik ist also keine einzige Rezession auszumachen, der nicht eine geldpolitische Straffung vorausgegangen wäre.

Der Leitzins der Fed liegt gegenwärtig praktisch bei null und die US-Notenbank plant, diese Geldpolitik weitere drei Jahre fortzuführen. Die geschichtliche Entwicklung würde – sofern die aktuellen Geschehnisse nicht von ihr abweichen – also nahelegen, dass eine Rezession bis auf Weiteres unwahrscheinlich ist.

Investoren sollten sich im Klaren darüber sein, dass hässliche Aktien-Bärenmärkte immer mit wirtschaftlichen Rezessionen einhergingen. Sollte es der US-Wirtschaft dieses Jahr gelingen, eine Rezession zu vermeiden, wäre es also durchaus denkbar, dass an Wall Street die nächsten Monate Zugewinne verzeichnet werden.

Wir gehen davon aus, dass der nächste bedeutende Bärenmarkt bei US-Aktien – sollte es zuvor nicht zu einem bedeutenden Kreditereignis in Europa kommen – erst am Ende des nächsten Geldstraffungs-Zyklus einsetzen wird. Bis dahin dürften vernünftige Bewertungen, billiges Geld und der Skeptizismus der Investoren für ein Marktumfeld sorgen, das eine anhaltende Rally möglich macht.

Ganz egal, ob Sie dem nun zustimmen oder nicht, auch die weltweiten Aktienmärkte steigen zurzeit. Der MSCI World Free Index hat wieder an seinem Aufwärtstrend angeknüpft. Die nachfolgende Grafik zeigt, dass der Index jetzt über seinen 200-Tage-Schnitt (blaue Linie) geklettert ist und sich im Aufwärtstrend befindet.

Natürlich können wir Ihnen nicht sagen, wann dieser Aufwärtstrend vorbei sein wird, doch angesichts des günstigen geldpolitischen Umfelds kann ein anhaltender Anstieg nicht ausgeschlossen werden. Fakt ist, dass die Schuldenprobleme in Europa ebenso wie die Gefahr eines plötzlichen Ölpreisanstiegs durchaus Grund zur Sorge sind. Die Tatsache, dass in den USA 2012 ein Wahljahr ist und die Zentralbanken zurzeit die Spekulation befeuern, deutet aber eher auf eine Fortsetzung dieses Aufwärtstrends.

In unserem Aktienportfolio halten wir zurzeit eine Reihe führender Wachstums-Aktien, die ihre Umsätze aktuell mit hoher Rate ausbauen. Überdies sind wir in Asien, Lateinamerika, China, Indien, Edelmetalle, Minen- und Energiefirmen investiert. Wir gehen davon aus, dass sich unsere Bestände dieser Aktien mit hohem Betafaktor gut entwickeln werden, sollte Wall Street weiter Zugewinne verbuchen.

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