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Systemrelevante US-Banken: Eine tickende Zeitbombe

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Michael Snyder, The Economic Collapse, 17.04.2012

Die Demokraten, die Republikaner und speziell Barack Obama hatten ja versprochen, bezüglich der Banken, die „zu groß zum Scheitern“ sind, etwas zu unternehmen, damit von diesen Banken niemals mehr die Gefahr der Vernichtung des Finanzsystems ausgeht. Nun ja, dieses Versprechen ist jedenfalls nicht eingehalten worden. Die systemrelevanten Banken sind heute sogar noch größer und viel mächtiger als je zuvor.

Die von den fünf größten US-Banken gehaltenen Vermögenswerte entsprachen vor dem Ausbruch der Finanzkrise 43% des US-BSP. Heute belaufen sich die von den fünf größten US-amerikanischen Banken gehaltenen Vermögenswerte auf rund 56% des BSP.

Wenn diese Banken also bereits früher als „systemrelevant“ galten, ja was sind sie dann heute? Diese Banken verleiben sich weiterhin mit atemberaubender Geschwindigkeit kleinere Banken ein und häufen Berge an Schulden und riskanten Investments an, als würde der Tag der Abrechnung niemals kommen. Der Tag der Abrechnung wird aber kommen – und wenn er da ist, werden die Großbanken davon ausgehen, dass sie gerettet werden, ganz so wie beim letzten Mal.

Man kann sich die Größe dieser Finanzriesen kaum vorstellen. Sie dominieren das US-amerikanische Finanzsystem, und egal wohin man auch schaut, nehmen sie fortwährend mehr Vermögen und Macht in sich auf. Das Folgende stammt aus einem kürzlich veröffentlichten Bloomberg-Artikel:

„Fünf Banken – JPMorgan Chase & Co., Bank of America Corp., Citigroup Inc., Wells Fargo & Co. und Goldman Sachs Group Inc. – hielten Ende 2011 USD 8,5 Billionen an Vermögenswerten, was 56% der US-Wirtschaft entspricht, so die Zentralbanker der Federal Reserve. Fünf Jahre zuvor, vor der Finanzkrise, hielten die größten Banken Vermögenswerte in Höhe von 43% der US-Wirtschaft. Die ´Großen Fünf` sind heute im Verhältnis zur Wirtschaft ungefähr doppelt so groß, wie vor zehn Jahren.“

Ungeachtet all des Geredes der Politiker werden diese Banken also immer größer und größer. Und, warum wird rein gar nichts dagegen unternommen? Nun ja, ein Grund ist, weil diese gigantischen Finanzinstitutionen riesige Geldmengen in die Wahlkampagnen der Politiker stecken.

Nehmen wir Barack Obama: Er hält einerseits unglaublich tolle Reden über die Gefahren der systemrelevanten Banken, ist aber andererseits überglücklich, wenn er ihre Wahlkampfspenden einstreichen kann. Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Citigroup gehörten zu den größten 10 Geldgebern seines Präsidentschaftswahlkampfs in 2008.

Glauben Sie ernstlich, dass Barack Obama in die Hand beißt, die ihn füttert? Das wird er selbstverständlich nicht tun. Die Wahrheit ist, dass die Obama-Regierung und die US-Notenbank Federal Reserve alles in ihrer Macht stehende getan haben, um den Wall-Street-Banken das Leben so angenehm als möglich zu machen.

Während der letzten Finanzkrise wurden die systemrelevanten Banken mit Steuerzahler-Rettungsgeldern buchstäblich überschüttet. Unterdessen ließ man hunderte kleine und mittelgroße Banken einfach in die Pleite abrutschen. Als die Vertreter dieser kleinen und mittelgroßen Banken die Bundesregierung kontaktierten und um Hilfe baten, wurde ihnen oftmals erklärt, dass sie sich an eine der Großbanken wenden sollten, da die Großbanken sie sicherlich gerne aufkaufen würden.

Traurig aber wahr: Die letzte Finanzkrise hat lediglich dazu geführt, dass sich die US-Bankenbranche weiter konsolidierte – eine Entwicklung, die mittlerweile bereits seit Jahrzehnten anhält. Heutzutage gibt es in den Vereinigten Staaten nicht einmal mehr halb so viele Banken wie noch im Jahre 1984.

Und, wo sind all die Banken hin? Sie wurden von den größeren Banken aufgekauft oder man ließ sie einfach pleite gehen. Diese Konsolidierung im Bankenwesen hat es den Wall-Street-Banken überhaupt erst möglich gemacht, so groß zu werden. 1970 hielten die fünf größten US-Banken gerade einmal 17% aller von US-Banken gehaltenen Vermögenswerte – heute beläuft sich diese Zahl auf 52%. Wo wird das Ganze enden? Gute Frage.

Das Lustige ist, dass selbst der Vorsitzende der Fed und andere Vertreter der US-Notenbank fortwährend Reden halten, in denen vor den Gefahren der Existenz systemrelevanter Banken gewarnt wird. Beispielsweise hielt Ben Bernanke jüngst einen Vortrag vor Studenten der George Washington University, wo er bezüglich des Bankensystems folgende Anmerkung machte: „Ganz eindeutig ist mit einem System, wo einige Firmen, ´zu groß zum Scheitern´ sind, etwas grundsätzlich nicht in Ordnung.“

Heißt das nun, dass Bernanke gegen systemrelevante Banken ist? Natürlich nicht! Die Wahrheit ist, dass er genau diese Banken während der letzten Finanzkrise mit Billionen US-Dollars an Rettungsgeldern überschüttet hat. Die Geldmenge, die die Fed in Form von Geheimkrediten an die großen Wall-Street-Banken weiterreichte, ist einfach nur atemberaubend. Die nachfolgenden Zahlen stammen direkt aus einem Bericht der US-Rechnungsprüfungsbehörde GAO:

Bernanke hat also bereits unter Beweis gestellt, dass er gewillt ist, Himmel und Erde in Bewegung zu setzen, um diese Großbanken zu schützen. Und was machen die Banken mit all dem Geld? Mit Sicherheit wird es den US-Bürgern nicht als Kredit zur Verfügung gestellt. Die Kreditvergabe der Großbanken an Privatpersonen und kleine Unternehmen brach umgehend ein, nachdem sie die Rettungsgelder erhalten hatten. Stattdessen fingen diese Banken damit an, gigantische Geldsummen in die Rohstoffmärkte zu pumpen.

Hierzu gehörten natürlich auch Nahrungsmittel. Innerhalb der letzten fünf Jahre haben die fünf großen Wall-Street-Banken mit Nahrungsmittelspekulationen riesige Profite eingestrichen. Das hat dazu geführt, dass die weltweiten Nahrungsmittelpreise explodierten, was weltweit Leid über hunderte Millionen von Familien brachte. In einem aktuellen Artikel der britischen Zeitung The Independent heißt es dazu:

„Die Spekulationsgeschäfte großer Investmentbanken treiben für die ärmsten Menschen der Welt die Nahrungsmittelpreise in die Höhe und sorgen dafür, dass Millionen in Hunger und Armut gestürzt werden. Die Investments in Nahrungsmittel durch Banken und Hedge-Fonds sind innerhalb der letzen fünf Jahre von USD 65 Milliarden auf USD 126 Milliarden gestiegen, was mit dazu beitrug, dass die Preise auf 30-Jahreshochs schossen und es zu massiven Preisschwankungen kam, die nur wenig mit der tatsächlichen Nahrungsmittelversorgung zu tun haben, so ein führender Experte der Vereinten Nationen. Hedge Fonds, Pensionsfonds und Investmentbanken wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und Barclays Capital beherrschen jetzt den Nahrungsmittelmarkt und stellen die Mengen, die von echten Nahrungsmittelproduzenten und Käufern gehandelt werden, in den Schatten.“

Alleine Goldman Sachs verdiente hunderte Millionen US-Dollars durch Nahrungsmittelspekulationen. Wie muss man eigentlich drauf sein, um derartige Spekulationsgeschäfte durchzuführen? Können Sie sich vorstellen, dass Sie hungrigen Familien am anderen Ende der Welt Nahrungsmittel aus dem Mund reißen, nur damit ihre geliebten Mitarbeiter Boni einstreichen können? Das ist einfach nur widerlich.

Aber so läuft es nun mal. Das System ist so aufgebaut, dass die Großen gewinnen und die Kleinen die Zeche zahlen. Ich habe ja erst jüngst darüber berichtet, dass das auch für die Besteuerung gilt. Nachdem ich diesen Artikel zur Besteuerung verfasste hatte, bin ich jedoch auf ein paar gerade erst veröffentlichte Zahlen der „Citizens for Tax Justice“ gestoßen. Einige Dinge, die dabei offengelegt werden, sind einfach nur atemberaubend:

Da stellt sich die Frage, warum Familien der amerikanischen Mittelschicht weiterhin mit einer so unverschämt hohen Steuer ausgepresst werden, während hochprofitable Konzerne wie General Electric in der Lage sind, ohne irgendwelche Steuerzahlungen davonzukommen. Das US-amerikanische Steuersystem ist eine einzige Ungeheuerlichkeit und sollte komplett eingestampft werden.

Doch wie in so vielen anderen Bereichen auch, wird das aktuelle System weiter aufrecht erhalten, so dass die Großen den Status Quo genießen können – schließlich sind sie es ja auch, die die Wahlkämpfe der Politiker finanzieren.

Es ist bereits hart genug, gegen die Großen anzutreten, wenn faire Bedingungen herrschen. Fakt ist aber, dass die Karten gezinkt und die Spielregeln dramatisch zu Gunsten der Großen geändert worden sind. Sie können sich überdies sicher sein, dass sich die Politiker jederzeit um die Großen kümmern werden, sollten sie Hilfe benötigen.

Was wird also passieren, wenn die systemrelevanten Banken das nächste Mal in Schwierigkeiten geraten? Sie werden wieder gerettet werden, das ist so gut wie sicher. Und bedauerlicherweise gehen die großen Wall-Street-Banken mit dem Finanzsystem immer noch so um, als handele es sich dabei um ein gigantisches Casino. Die Derivate-Blase wächst und wächst – und sie könnte jederzeit platzen, was das gesamte Weltfinanzsystem verheeren würde.

Laut der New York Times wird der Finanzderivatemarkt vollumfänglich von den systemrelevanten Banken beherrscht. Jeden Monat halten sie geheime Treffen ab, an denen Vertreter von JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of America und Citigroup teilnehmen, um ihre Kontrolle über den Derivatemarkt zu koordinieren. Die New York Times beschreibt diese Treffen so:

„Am dritten Mittwoch eines jeden Monats treffen sich neun Mitglieder einer elitären Wall Street Gesellschaft im Zentrum Manhattans. Die Männer eint ein gemeinsames Ziel; die Interessen der großen Banken im riesigen Derivatemarkt zu schützen, einer der profitabelsten – und kontroversesten – Bereiche der Finanzwirtschaft. Sie eint auch ein gemeinsames Geheimnis; die Details ihrer Treffen, ja sogar ihre Identitäten sind einer strengen Geheimhaltung unterworfen.“

Wenn der Derivatemarkt implodiert, wird es weltweit garnicht genug Geld geben, um die Banken zu retten. Laut dem Comptroller of Currency halten die systemrelevanten US-Banken aktuell völlig irrsinnige Mengen an Finanzderivaten:

Und, was wird passieren, wenn dieses Kartenhaus zusammenkracht? Nun ja, dann werden die Großbanken wieder zur US-Regierung rennen und nach mehr Rettungsgeldern schreien. Sie werden behaupten, dass, würde man ihnen die Gelder nicht geben, das gesamte Finanzsystem kollabieren würde. Und ja: Würden einige der systemrelevanten Banken tatsächlich gleichzeitig zusammenbrechen, wären die Folgen in der Tat unvorstellbar. All dies hätte natürlich verhindert werden können, wenn man im Vorhinein weisere Entscheidungen getroffen hätte.

Das US-Finanzsystem ist heute so anfällig wie nie und die systemrelevanten Banken werden weiterhin immer größer und größer. Die Lehre aus der Finanzkrise des Jahres 2008 wurde komplett in den Wind geschrieben, weshalb wir jetzt in Richtung eines noch größeren Crashs rasen.

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