US-Schuldenfiasko: Warum man den Zentralplanern kein Wort glauben sollte

James Turk, FGMR.com, 16.09.2012

Die US-Bundesregierung hat im August dieses Jahres USD 369 Milliarden ausgegeben, aber nur USD 179 Milliarden eingenommen. Das daraus resultierende Defizit in Höhe von USD 190 Milliarden war das höchste August-Defizit aller Zeiten und das drittgrößte monatliche Defizit des aktuellen Fiskaljahrs, das am 30.09.2012 endet.

Man kann das Haushaltsdefizit aber auch von einer anderen Perspektive aus betrachten: Die US-Bundesregierung hat sich im August 51,6% der von ihr ausgegebenen Dollars geliehen. Demzufolge beschleunigt sich das Wachstum der Staatsverschuldung weiter, was in der unten stehenden Grafik durch die grünen Balken veranschaulicht wird:

Diese Grafik zeigt darüber hinaus, dass die Kluft zwischen den Ausgaben (rote Linie) und den Einnahmen (blaue Linie) massiv auseinandergeht, anstatt sich zu verringern, was eine außerordentlich wichtige Beobachtung ist. Eine anhaltende Kluft zwischen Einnahmen und Ausgaben, die kaum zurückgeht, konnte so nie zuvor beobachtet werden.

Normalerweise erholt sich die Wirtschaft nach einer Rezession, was dann zu einem Anstieg der Einnahmen der Bundesregierung führt, so wie es während der Jahre 2004 bis 2008 beobachtet werden konnte, wo ein schneller Anstieg bei den Staatseinnahmen beinahe zu einem vollständigen Verschwinden des Haushaltsdefizits geführt hatte.

Das Defizit sinkt aber nicht, was nur unterstreicht, worauf ich die letzten zwei Jahre wiederholt hingewiesen habe: Die USA haben es hier mit einem strukturellen Problem zu tun. Es ist kein zyklisches Problem, das bei einer verbesserten Wirtschaftsaktivität wieder von alleine verschwinden wird. Und noch wichtiger: Wenn dieses Problem nicht angegangen wird, wird es letztlich zu einer Hyperinflation und der Vernichtung des US-Dollars kommen.

Der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke sieht das aber anders. Am 31.08.2012 erklärte er während seiner Rede in Jackson Hole:

„Angesichts der geldpolitischen Maßnahmen, die der Offenmarktausschuss der US-Notenbank bisher eingeleitet hat, und der natürlichen Erholungsmechanismen der Wirtschaft hätten wir eigentlich darauf hoffen können, dass es im Hinblick auf die Rückkehr zur Vollbeschäftigung bis zum jetzigen Zeitpunkt zu größeren Fortschritte gekommen wäre.

Einige haben dieses Ausbleiben des Erfolgs als Beweis dafür angeführt, dass die Finanzkrise bei der Wirtschaft strukturelle Schäden angerichtet hat und die aktuellen Beschäftigungsniveaus daher auf zusätzliche geldpolitische Stützungsmaßnahmen nicht mehr reagieren würden.

Die Literatur zu diesem Thema ist sehr umfangreich, und ich kann sie heute nicht eingehend erörtern. Es war aber nach jeder vorangegangen US-Erholung seit dem Zweiten Weltkrieg stets so gewesen, dass die Arbeitslosenrate wieder in die Nähe des Niveaus vor der Rezession zurückkehrte – und obwohl die jüngste Rezession ungewöhnlich tief ist, sehe ich kaum Hinweise darauf, dass es in den letzten Jahren zu substantiellen strukturellen Veränderungen gekommen ist.“ [Hervorhebungen hinzugefügt]

Hier fällt auf, wie stark Bernanke für seine Argumentation darauf angewiesen ist, auf frühere Entwicklungen Bezug zu nehmen. Er glaubt, dass die Wirtschaftsaktivität abermals genauso an Fahrt aufnehmen wird, wie dies „nach jeder vorangegangen US-Erholung seit dem Zweiten Weltkrieg“ beobachtet werden konnte, und die Arbeitslosigkeit genauso sinken wird, wie dies in der Vergangenheit immer der Fall gewesen ist – und das obwohl sie nach wie vor auf hartnäckig hohen Niveaus verharrt.

Nicht nur, dass er damit nahelegt, dass es nicht zu sogenannten „schwarzen Schwänen“ – also zu seltenen, außergewöhnlichen Ereignissen – kommen könne, nein, er weigert sich auch anzuerkennen, dass wir ein solches Ereignis gegenwärtig bereits durchmachen. Um die „Hinweise darauf, dass es in den letzten Jahren zu substantiellen strukturellen Veränderungen gekommen ist“, zu erkennen, müsste Bernanke lediglich einen Blick auf die Defizitlücke der US-Regierung werfen, die in dem oben aufgeführten Chart so eindrucksvoll veranschaulicht wird.

Das ist aber nicht das erste Mal, dass Bernanke sich auf das stützen muss, „was eigentlich passieren sollte“, anstatt sich auf das zu konzentrieren, was sich tatsächlich auch abspielt. Das Folgende stammt aus einem CNBC-Interview vom 01.07.2005:

„Interviewer: Sagen Sie mir, was ist das Worst-Case-Szenario? Wir haben so viele Ökonomen hier gehabt, die erklärten: ´Oh es ist eine Blase, und sie wird platzen, und das wird für die Wirtschaft zu einem echten Problem werden.` Einige behaupten, dass dies irgendwann sogar zu einer Rezession führen könnte. Was ist das Worst-Case Szenario, wenn wir tatsächlich erleben, dass die Preise landesweit bedeutend zurückgehen?

Bernanke: Nun ja, ich schätze mal, dass ich Ihnen diese Prämisse einfach nicht abnehme. Das ist ein ziemlich unwahrscheinlicher Ausgang. Wir hatten noch nie einen landesweiten Rückgang bei den Eigenheimpreisen. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass sich die Eigenheimpreisentwicklung verlangsamen oder vielleicht stabilisieren wird, was die Verbraucherausgaben ein klein wenig absenken könnte. Ich glaube aber nicht, dass es die Wirtschaft zu stark von ihrem Vollbeschäftigungs-Pfad abringen wird.“ [Hervorhebungen hinzugefügt]

Wenige Monate vor diesem Interview hatten John Rubino und ich unser Buch „Der Zusammenbruch des US-Dollars und wie man davon profitieren kann“ veröffentlicht. Nachdem wir unsere Analyse des Eigenheimmarkts vorstellten, schrieben wir auf Seite 164: „Offen gesagt handelt es sich beim heutigen Eigenheimmarkt – ganz egal, welche Messlatte man dafür auch anlegen mag – um eine klassische Finanzblase.“

Die Eigenheimblase war aber nicht nur für Rubino und mich völlig offenkundig, sondern stach auch Dutzenden anderen ins Auge, die die grundlegenden wirtschaftlichen Prinzipien der Österreichischen Wirtschaftsschule kennen. Bernanke gehört anscheinend nicht dazu.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Sie den Verkündungen der Zentralplaner keinen Glauben schenken sollten. Stattdessen sollten Sie lieber auf Ihren gesunden Menschenverstand hören, der hoffentlich auf Einsichten Ihrer Eltern oder Großeltern fußt, die den Zusammenbruch der deutschen Reichsmark, des serbischen Dinars, des argentinischen Australs oder eine der dutzenden anderen Währungszusammenbrüche selbst miterlebt haben.

Und falls Sie nicht über die Möglichkeit verfügen sollten, von Ihren Verwandten und Bekannten, die einen Währungszusammenbruch am eigenen Leibe miterlebt haben, aus erster Hand zu lernen, kann ich Ihnen nur empfehlen, die auf Mises.org veröffentlichten Bücher von Ludwig von Mises, Murray Rothbard und anderen Vertretern der Österreichischen Wirtschaftsschule zu lesen.

Und nachdem Sie das getan haben, sollte Sie für sich selbst entscheiden, ob das Problem, mit dem es die USA zurzeit zu tun haben, zyklischer oder struktureller Natur ist. Der gesunde Menschenverstand und die Erfahrung sagen mir, dass es struktureller Natur ist.

Bedauerlicherweise tun die Politiker praktisch überhaupt nichts dagegen. Wir sollten uns daher auf die Konsequenzen entsprechend vorbereiten, und die beste Art, das zu tun, ist natürlich der Besitz von physischen Gold und Silber.

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