Kriegszyklus: Ab 2014 wird’s richtig ungemütlich!

Die westliche Welt wird in den kommenden Jahren von schweren Bürgerunruhen und einem hartnäckigen Separatismus heimgesucht werden

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 09.01.2013

Ja, der Kriegszyklus beginnt ab 2014 wieder mit seinem Aufstieg, und aller Vorausschau nach wird es mit einer Zunahme von Separatismus und Bürgerunruhen losgehen. Und es ist auch richtig, dass der Kriegszyklus den Ersten Weltkrieg, den Zweiten Weltkrieg und den Vietnamkrieg genau getroffen hat.

Dieses Mal wird sich das Ganze jedoch vornehmlich im Westen und im Nahen Osten und weniger in Asien abspielen. Die reale Bedrohung bleibt nach wie vor Russland. Wir werden den Kriegszyklus im Verlauf dieses Jahres einer erneuten eingehenden Prüfung unterziehen, da der letzte ausführliche Bericht zum Kriegszyklus 1986 veröffentlicht wurde.

Es stehen uns einige Überraschungen bevor. In der Geschichte der Menschheit haben Kriege in einer ziemlichen Regelmäßigkeit stattgefunden – aber sie waren stets auf wirtschaftliche Entwicklungen zurückzuführen.

Auf unserer letzten weltweiten Konferenztour haben wir den Kriegszyklus besprochen und darauf hingewiesen, dass er unglaublich akkurat ist, wenn man veranschaulichen will, dass es sich bei den Kriegen – die zufällig stattzufinden scheinen – in Wirklichkeit um ein streng geordnetes Chaos handelt. Und in 2014 kommt es hier zu einer erneuten Trendwende.
cycleofwar-2014Um es gleich vorwegzunehmen: Gegenwärtig deutet nichts auf einen neuen Weltkrieg hin. Es sieht eher so aus, als würde es zu einem Anstieg bei den Bürgerunruhen kommen. Nichtdestotrotz ist die Gefahr eines internationalen Kriegs real – und diese Bedrohung geht von Russland aus.

Das Problem mit Russland ist, dass das Land immer noch in alten Denkmustern gefangen ist, wo Macht mit dem Aufbau eines Imperiums gleichgesetzt wird. Wenn Putin die Möglichkeit dazu hätte, würde er mir nichts, dir nichts in Europa einmarschieren. Das Entscheidende ist immer die Wirtschaft.

Es geht immer um die Frage, was zuerst da war: Die Henne oder das Ei. Im Falle des Römischen Reichs setzte die Invasion der Barbaren erst dann richtig ein, als sich das römische Imperium auf seinem Höhepunkt befand. Das war, als Marcus Aurelius, der von 161 bis 180 v. Chr. regierte, an der nördlichen Grenze des Reichs gegen die Germanen-Stämme kämpfte, wo er auch seine „Selbstbetrachtungen“ verfasste. Das war der Höhepunkt des römischen Imperiums, und der Beginn des Niedergangs und Verfalls setzte mit seinem Tot ein.

Als die Wirtschaft zurückging, fingen die Barbaren an, Blut zu riechen. Also das ist der Augenblick, wo sie sich vor den Toren der Stadt einfinden. Es ist immer der wirtschaftliche Niedergang, der den Feinden Tür und Tor öffnet.

Die USA verlassen sich finanziell auf ihre Feinde – das ist völlig gehirnamputiert. Das ist so, als würden Sie zu Ihren Feinden gehen und sie fragen: „Na, könnt ihr mir nicht USD 1 Billion leihen, damit ich meine Armee, die ich gegen euch einsetze, finanzieren kann?“

Das politische Risiko, mit dem wir es hier zu tun haben, ist, dass Putin immer noch dem imperialen Denken verhaftet ist. Selbst China hat mittlerweile begriffen, dass es wirtschaftlich nicht besonders vorteilhaft ist, wenn man die Nachbarregionen besetzt. Die reale Gefahr ist also bei Russland zu suchen, nicht China. Und dieses Risiko hat dank der Schuldenkrise noch dramatisch zugenommen, da man inmitten der Schuldenkrise nicht mehr in der Lage sein wird, eine Armee zu finanzieren. Das ist auch der Grund, warum Rom fiel.

Im 5. Jahrhundert eroberten die Barbaren Rom. Der Begriff „Vandalismus“ geht auf die Vandalen zurück, ein germanischer Stamm, der über Nordafrika in Richtung Rom vorstieß und die Stadt einnahm. Sie rissen sogar die Kupferdächer von den Tempeln. Im Grunde beraubten sie Rom seines gesamten Werts. Das ist der Grund, warum der Begriff „Vandalismus“ die Jahrhunderte überdauerte. Man wird sich immer daran erinnern, was die Vandalen Rom angetan hatten.

Das wäre aber überhaupt nicht passiert, wenn dem nicht der Niedergang der römischen Wirtschaft vorausgegangen wäre. Das ist das historische Risiko – aber irgendwie scheinen die Menschen aus der Geschichte einfach nicht lernen zu wollen.

Heute gibt es die US-Heimatschutzbehörde, die junge Frauen am Flughafen schikaniert, weil sie Haar-Gel in der Reisetasche haben. Das ist reiner Schwachsinn. Die größte Gefahr ist die Wirtschaft – da der wirtschaftliche Niedergang den geopolitischen Risiken überhaupt erst Tür und Tor öffnet.

Vergessen Sie die 19 Typen und das Kamel! Wenn wir unsere Wirtschaft nicht unter Kontrolle bekommen, wird man künftig in bedeutend mehr Regionen dieser Welt Russisch sprechen, als es heute der Fall ist. Bis auf Weiteres scheint es jedoch so, als würden wir es erst einmal mit Bürgerunruhen und Separatismus zu tun bekommen.

armstrong-political-economy-model

Viele Leser haben mich gebeten zu erklären, wo der Westen beim sogenannten Political-Economy-Model zurzeit steht. Die Antwort auf diese Frage ist, dass wir es 2016 ganz offensichtlich mit einer epochalen Trendwende zu tun haben werden. Bretton Woods war 1944. Rechnen wir hier 72 Jahre hinzu, kommen wir auf 2016.

Und dieses Modell ist für die Prognose von politischen Veränderungen, die mit derselben Frequenz zum Tragen kommen, in der Vergangenheit verblüffend genau gewesen. Die Oktoberrevolution 1917 fand punktgenau statt, genauso wie der Fall der Berliner Mauer 1989, also exakt 72 Jahre später.

Es ist eine eindringliche Warnung, dass die Welle des Economic Confidence Model, die im Herbst 2015 ihren Höhepunkt erreicht, von außerordentlicher Wichtigkeit sein wird. Diesen Zeitpunkt haben bereits seit 30 Jahren für die nächste Staatsschuldenkrise im Auge.

Es gibt halt bestimmte Trends, die nicht länger als 72 Jahre aufrecht erhalten werden können, ohne dass dann ein Wandel einsetzt. Und dieses Mal wird der Wandel so ausfallen, dass die Politiker durch die Straßen geschleift werden. Es ist mir unbegreiflich, dass intelligente Menschen einfach nicht verstehen können, dass die fortwährende Kreditaufnahme – ohne die Absicht, die Schulden jemals wieder zurückzuzahlen – das Problem ist.

Der letzte Zyklus des Economic Confidence Model erreichte 1872 seinen Umkehrpunkt, und das führte dann zu der sogenannten „langen Depression“ des 19. Jahrhunderts, die, wie gemeinhin eingeräumt wird, 26 Jahre anhielt. Das ist übrigens auch der Grund dafür, warum der Zyklus des Real Estate Model 78 Jahre dauert. Immobilien sind extrem sensibel gegenüber politischen Umwälzungen, da sie immer strukturelle Veränderungen mit sich bringen.

2014 & 2016

Wir gehen also davon aus, dass 2014 der Anfang des Aufstiegs des Separatismus und der Bürgerunruhen im Westen sein wird. Als nächstes tauchen dann 2016 und der Beginn eines hässlichen wirtschaftlichen Niedergangs auf. Wir könnten uns vorstellen, dass die Lage zwischen 2016 und 2020 richtig schlimm werden wird. Das könnte sogar der Tiefpunkt des europäischen Wirtschaftskollapses werden.

10yger-y

Oben stehend sehen Sie unsere Trend-Prognose für die Zinssätze bei den 10-jährigen deutschen Staatsanleihen, die mit dem 23- bzw. 26-jährigen Rezessionszyklus, der mit der Einführung des Euros seinen Anfang nahm, in Einklang steht.

Aber das ist alles völlig unerheblich. Die Politiker tun nie das, was für die Menschen das Beste ist. Es geht immer nur darum, den Machtstatus zu erhalten. Genauso wie Putin nicht davon lassen kann, zu versuchen, sein Land in ein Imperium zu verwandeln, können die westlichen Politiker nicht vom Marxismus lassen. Sie verstehen einfach nicht, wie man kandidiert, ohne zu sagen: „Stimmt für mich, und ich gebe euch dies und jenes, selbst wenn wir gar nicht das Geld dafür haben!“

Weitere Artikel zu diesem Thema