Europas Finanz-Kernschmelze: Bankenrettung geht in die dritte Phase

Bei der jetzigen dritten Phase hat man es direkt auf die Gelder der Bankkunden abgesehen – nur darum geht es in Zypern. Die Tatsache, dass sich die Europäische Union das winzige Zypern herausgepickt hat, um einen Präzedenzfall zu schaffen, ist kein Zufall

Patrick Wood, August Forecast, 27.03.2013

David Kotok, der Vorsitzende und Investment-Chef von Cumberland Advisors, erklärte am 26.03.2013:

„Wir wissen nicht, wie lange dieses Spiel weltweiter geldpolitischer Lockerung noch anhalten wird. Wir wissen nicht, wann es sich stabilisieren wird. Wir wissen nicht, was nach dieser Phase geschehen wird, und wir wissen nicht, wie die Gelder wieder abgezogen werden. Was wir wissen, ist, dass sich die weltweiten geldpolitischen Angelegenheiten noch nie zuvor in einer Situation wie der heutigen befanden.“

Vor einer Woche kam Kotok während eines Aufenthalts in Paris, wo er sich privat mit geldpolitischen Experten getroffen hatte, zu dem Schluss:

„Die Führer Europas treffen nach unserem Dafürhalten nach wie vor schlechte Entscheidungen. Und dadurch machen sie die üblen Probleme nur noch schlimmer.

Zu dieser schmerzlichen Schlussfolgerung sind wir nicht ohne sorgfältige Nachforschungen gelangt. Wir hatten hier in Paris eine Reihe von Treffen mit Geldverwaltern, Zentralbankern, Investoren und Akademikern. All unsere Treffen hier waren privat. Und durch die Offenheit dieser privaten Unterredungen haben wir nun das besorgniserregendste Bild von der Eurozone – dem Experiment in diesem Einheitswährungsblock – und den europäischen Marktstrukturen, das wir je hatten. Die Eurozone steckt in Schwierigkeiten. Und die Vorgehensweise, bei der es sich eher um wildes Strampeln als um Voraussicht handelt, macht die Lage nicht besser.“

Sein abschließender Rat an die Kunden von Cumberland ist: „Achten Sie auf neue Kapitalkontrollen in Zypern. Sie werden den grenzüberschreitenden Geldflüssen den Todesstoß versetzen.“

Es ist mir völlig unbegreiflich, dass der Rest der Welt buchstäblich leugnet, dass in Europa gegenwärtig ein Paradigmenwechsel stattfindet, obwohl die Medien nach wie vor mit Einzelheiten geflutet werden. Vielleicht hat die Nachrichtenflut der letzten 18 bis 24 Monate zu einer Desensibilisierung geführt, so dass die Menschen nicht mehr in der Lage sind, die aktuellen Ereignisse korrekt einzuordnen.

Nichtsdestotrotz ist die Tatsache, dass die Einleger in Zypern mit Kontenständen von über EUR 100.000 40% ihres angeblich „sicheren“ Geldes verlieren werden, absolut gigantisch. Es ist einfach atemberaubend. Und es wird nicht das letzte Mal sein, dass die Bankkonten geplündert werden, da andere Länder diesem Beispiel folgen werden.

Jeroen Dijsselbloem, der niederländische Finanzminister und Präsident der Eurogruppe, stellte vor wenigen Tagen klar, dass die Beschlagnahmung der zypriotischen Vermögenswerte keine einmalige Veranstaltung ist, sondern der Umgang mit Zypern als „Vorlage“ für andere Länder dienen sollte, die ebenfalls einer Rettung bedürfen.

Fakt ist, dass damit das ganze Rettungskonzept auf den Kopf gestellt wird, da sich die Banken jetzt selber retten werden, indem sie die nicht versicherten Einlagen ihrer Kunden einfach beschlagnahmen. Und das ist keine große Sache?

Die weltweiten Anleger, Bankkunden, Finanzanalysten usw. dürften keine Ahnung davon haben, dass das weltweite Zentralbanksystem unter der Aufsicht der in Basel sitzenden Bank für Internationalen Zahlungsausgleich operiert. Es gibt keine isolierte Politik, die nur ein einzelnes Land, eine einzelne Region oder einen einzelnen Kontinent betrifft. Alles ist mit allem vernetzt, genauso wie es der Globalisierungsprozess seit Anfang der 1970er Jahre verheißen hat.

Um dieses Kooperationsmuster der Banker zu verstehen, dürfte es hilfreich sein, wenn wir uns noch einmal der jüngsten Geschichte zuwenden.

Die erste Phase der weltweiten Bankenplünderung begann in 2008 mit dem ersten Finanzzusammenbruch. 2010 schrieb ich im Hinblick auf die Ausbeutung der Steuerzahler:

„Wir sollten uns daran zurückerinnern, dass der damalige US-Finanzminister Hank Paulson vom Kongress USD 700 Milliarden an Rettungsgeldern forderte, und zwar ohne irgendwelche Auflagen. Paulson erpresste das Geld buchstäblich, indem er behauptete, Amerika würde innerhalb von Tagen oder Wochen vollständig in sich zusammenbrechen, sollten die Gelder nicht umgehend freigegeben werden. Die Tatsache, dass Paulson ehemaliger Geschäftsführer von Goldman Sachs gewesen ist – einer Firma, die in der Trilateralen Kommission massiv vertreten ist –, hielt weder ihn von seinen Forderungen, noch den Kongress von der vollständigen Kapitulation gegenüber diesen Forderungen ab.“

Während der anderthalb Jahre, die diese Rettungsmaßnahmen anhielten, war der Steuerzahler die Hauptquelle für die Rettungsgelder. Es war Erpressung und Ausplünderung, aber am Ende ging den Gesetzgebern der verschiedenen Länder bezüglich dieser Forderungen die Geduld aus, weshalb sich das Bankenkartell dazu gezwungen sah, „einen anderen Weg“ zu finden, um sich zu retten.

Daher setzte dann auch die zweite Phase der weltweiten Bankenrekapitalisierung ein – die „quantitative Lockerung“, bei der die Liquidität von den Zentralbanken geschaffen und direkt in die globalen Banken injiziert wurde. Wie vorhersehbar war, waren es wieder einmal die größten globalen Banken, die davon am meisten profitierten.

Die US-Notenbank befindet sich zurzeit in ihrer dritten Runde sogenannter „Lockerung“ (QE3), doch im Grunde handelt es sich dabei um eine verschleierte Rettungsmaßnahme, bei der die Geldmenge verwässert wird. Und auch dieses Mal fanden sich nur sehr wenige Steuerzahler, Bürger oder Sparer, die sich aufrafften, um dagegen zu protestieren.

Ich habe aber bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass die positiven Effekte der quantitativen Lockerung jetzt immer schneller zurückgehen, während Unmengen an unerwünschten Nebenwirkungen zutage treten. Und genau das ist auch der Grund dafür, warum sich das Bankenkartell abermals auf die Suche nach Finanzquellen gemacht hat, um zu verhindern, dass ihr Kartenhaus zusammenbricht.

Bei der jetzigen dritten Phase hat man es direkt auf die Gelder der Bankkunden abgesehen – nur darum geht es in Zypern. Die Tatsache, dass sich die Europäische Union das winzige Zypern herausgepickt hat, um einen Präzedenzfall zu schaffen, ist kein Zufall. Hätten sie versucht, ein größeres Land wie Italien oder Spanien zu schikanieren, hätten sie damit umgehend den Dritten Weltkrieg ausgelöst. Darüber hinaus ist Zypern ein wahres Juwel, weil in dem Steuerparadies russische Vermögen geparkt werden. 40% aller Einlagen über EUR 100.000 auszulöschen, ist einfach nur atemberaubend.

Und es gibt noch einen weiteren Aspekt, der hier berücksichtigt werden muss, und das ist der Kampf der Großbanken gegen die Kleinbanken. Das globale Bankenkartell verachtet alle Kleinbanken als unliebsame Mitbewerber, die aufgesaugt werden müssen, während sie sich selbst konsolidieren. Auch das ist nichts Neues.

Aufgrund des Mindestreservesystems dienen die Einlagen der Bankkunden als Sicherheit für Kredite, die den Unternehmen und Privatkunden bereitgestellt werden. Jeder weiß, dass eine Bank durch einen Bank-Run in Windeseile ausgelöscht werden kann.

Es amüsiert mich, dass sich die zypriotischen Behörden nun Sorgen über einen Bank-Run durch die Bevölkerung machen, nachdem sie 40% der größeren Bankeinlagen eingestrichen haben. Was auch immer die Kleinsparer aus den Banken herausholen werden, eines ist sicher: Jede zypriotische Bank ist jetzt erledigt. Die globalen Banken haben in Zypern einen riesigen Coup gelandet – sie haben den Wettbewerb vernichtet und die lästige Steueroase zerstört, wo die Russen ihr Geld versteckt haben, während sie dabei noch fette Gewinne einstreichen.

Ich behaupte bereits seit Langem, dass sich die weltweiten Kreditgeber alle Vermögenswerte greifen werden, die sie kriegen können. Bisher haben sie die Haushalte der Staaten geplündert, die Währungen entwertet und die Bankeinlagen kleiner Bankkunden konfisziert. Was kommt als nächstes?

Ich weise auch seit Langem darauf hin, dass es noch einige verbliebene Geldbestände gibt, die für das Bankenkartell viel zu verlockend sind, als dass sie ignoriert werden könnten. Die erste große Geldquelle sind Pensionskassen aller Art: Private Rentensparpläne, staatliche Rentenkassen usw. Natürlich wird es dafür einer weiteren staatlichen Intervention bedürfen; zunächst muss „ein Gesetz verabschiedet“ werden – doch halten die Regierungen die Gelder erst einmal in ihren Händen (mit dem Versprechen, den Ausgeraubten ihre Pensionen später auszuzahlen), wird das Bankenkartell ankommen und die Regierungen abermals aussaugen.

Und dann gibt es noch den ultimativen Pool handfester Vermögenswerte, der sich vom Umfang her fast der Vorstellung entzieht. Die Rede ist von Land und Eigentum, das von den Regierungen gehalten wird. In den Vereinigten Staaten hält die Regierung rund 260 Millionen Hektar Land, was rund 30% der Gesamtfläche der USA entspricht. Hierzu gehören auch all die Bodenschätze, die sich dort befinden.

Beispielsweise gibt es die Green-River-Formation, die sich von Colorado über Wyoming bis nach Utah erstreckt und förderfähige Ölreserven von bis zu 1 Billion Barrel enthalten soll. Bei einem Preis von USD 100 pro Barrel ist alleine die Green-River-Formation schon USD 100 Billionen wert – und das ist nur eine von vielen Flächen im Staatsbesitz. (Erklärt das vielleicht, warum die Regierung in den letzten 40 Jahren so energisch daran gearbeitet hat, sich öffentliches Land anzueignen?)

Wenn das Bankenkartell mit Zypern fertig ist, wird diese Nation wie eine verwesende Leiche vor sich hinmodern. Die Nachbarn Zyperns sollten sich dieser Tatsache gewahr werden, denn sie sind die nächsten, die auf dem Menü stehen.

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