Der große Zypern-Bankraub: Keine Bank in Europa ist jetzt noch sicher

Ron Paul, Texas Straight Talk, 01.04.2013

Die dramatischen Ereignisse in Zypern haben die fundamentale Schwäche des europäischen Bankensystems und die extreme Anfälligkeit des Mindestreservesystems offengelegt. Die zypriotischen Banken investierten massiv in griechische Staatsschulden, und als im Sommer letzten Jahres die Restrukturierung der griechischen Schulden stattfand, erlitten diese Banken Verluste in Höhe von 25% des zypriotischen Bruttoinlandsprodukts.

Daraufhin wandten sich die Banken mit ihren schlechten Investments an die Regierung und forderten vom ohnehin bereits überlasteten zypriotischen Finanzministerium ein Rettungspaket. Die zypriotische Regierung wandte sich an die Europäische Union und bat dort um ein Rettungspaket.

Die Bedingungen, auf die die Troika – Europäische Kommission, Europäische Zentralbank, Internationaler Währungsfonds – vor der Auszahlung der Rettungsgelder bestand, war nichts weiter als ein Raubüberfall. Obwohl Bankeinlagen im Falle eines Bankrotts oder einer Liquidierung traditionell immer geschützt wurden, hatte die Troika bei Zypern darauf bestanden, dass alle Einleger eine Steuer zwischen 6,75% und 10% auf ihre Gesamteinlagen zahlen müssen, bevor man sich am Rettungspaket beteiligt.

Und obwohl man hier natürlich mit den EU-Steuerzahlern sympathisieren kann, die nicht darauf aus sind, ein weiteres schlecht gemanagtes Bankensystem zu retten, ist es auch kriminell, die Zyprioten dazu zu zwingen, für die närrischen von ihrer Regierung und den Bankern eingegangenen Risiken aufzukommen.

In ihrem Wunsch, ein „Steuerparadies“ abzustrafen, das sich vermeintlichen russischen Oligarchen andient, hatten die EU-Eliten sichergestellt, dass der Normalbürger genauso leiden würde wie ausländische Einleger. Stellen Sie sich nur die Reaktionen vor, hätte die US-Regierung im September 2008 ihr USD 800 Milliarden Rettungspaket finanziert, indem sie die Bankkonten der amerikanischen Steuerzahler direkt ausgeplündert hätte!

Und obwohl das zypriotische Parlament diesen ursprünglichen Vorschlag ablehnte, hat es beim finalen Vorschlag, der von der EU und dem IWF vorgebracht wurde, überhaupt kein Mitspracherecht mehr: Bei Einlagen von über EUR 100.000 wird es nun aller Vorausschau nach zu Verlusten von mindestens 40% kommen, und wohlmöglich könnten sich die Verluste auch auf bis zu 80% belaufen. „Vorübergehende“ Kapitalverkehrskontrollen, die angeblich nur ein paar Tage anhalten sollten, werden nun mindestens für einen Monat aufrecht erhalten werden und könnten über Jahre hinweg in Kraft bleiben.

Besonders schlimm traf es die Älteren, die nicht in der Lage waren, an die Geldautomaten zu gelangen oder das Geld elektronisch zu transferieren. Und trotz der Tatsache, dass die Höhe der Auszahlungen an den Geldautomaten während der zweiwöchigen Bankenschließung massiv eingeschränkt war, legen Meldungen nahe, dass die Bankkunden, die Zugang zu den Athener und Londoner Filialen der zypriotischen Banken hatten, in der Lage gewesen sind, den überwiegenden Teil ihrer Gelder abzuziehen, was zu Spekulationen führte, das überhaupt kein Geld mehr da sei, wenn die Banken wieder aufmachen würden. Mit anderen Worten: Das Geld der vermeintlichen russischen Oligarchen könnte bereits weg sein.

Wir dürfen hier nicht vergessen, dass Banken in einem Mindestreservesystem nur einen kleinen Prozentsatz der Einlagen vorhalten, um sie den Bankkunden auf Verlangen auszuzahlen. Der Rest des Geldes ist weiterverliehen worden. Nicht nur dass viele dieser von den Banken vergebenen Kredite uneinbringlich, nein, die Mindestreserveanforderung im Bankensystem der Eurozone liegt auch noch bei lediglich einem Prozent!

Wenn bei einer Bank von EUR 100 nur EUR 1 abgehoben wird, sind die Bankreserven bereits völlig erschöpft und das ganze System könnte in sich zusammenbrechen. Ja wen wundert es da noch, dass die Europäische Union Angst vor einem riesigen Bank-Run hat und Milliarden Euros nach Zypern brachte!

Die Eliten der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds haben aus der Entrüstung der Bevölkerung über ihre Steuervorschläge nichts gelernt und in aller Öffentlichkeit davon gesprochen, Zypern als Blaupause für künftige Bankenrettungen zu nehmen. Das erhöht natürlich die Aussicht darauf, dass die Regierungen die Bankkonten, Pensionsfonds und alle anderen Investments, die sie in die Hände bekommen können, plündern werden.

Mit anderen Worten: Von niemand ist das Geld mehr sicher, wenn es sich in einer europäischen Finanzinstitution befindet. Bei künftigen Krisen wird es von nun an mit Sicherheit zu Bank-Runs kommen, da die Menschen begriffen haben, dass sie das Geld auf ihren Konten in Wirklichkeit gar nicht besitzen. Wie lange wird es noch dauern, bevor die Bürokraten und Banker das hier in den USA versuchen werden?

Bedauerlicherweise ist all das der vorhersagbare Ausgang eines Fiat-Papiergeldsystems in Verbindung mit dem Mindestreservebankwesen. Wenn Regierungen und Banken gemeinsame Sache machen, um das Geldsystem zu monopolisieren, damit sie Geld aus dem nichts drucken können, sind Wirtschaftszyklen, die in der Wirtschaft Chaos anrichten, die Folge.

Dadurch, dass immer mehr und mehr Kredite wie eine auf dem Kopf stehende Pyramide auf eine winzige Geldbasis gestapelt werden, wird ein wirtschaftliches Kartenhaus geschaffen, das nur darauf wartet, zu kollabieren. Die Lage in Zypern sollte uns in den USA Lektion und Warnung zugleich sein. Wir müssen der US-Notenbank ein Ende bereiten, uns davor hüten, den Euro zu stützen, und zu einem soliden Geldsystem zurückkehren.

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