Finanzbehörden in der Schule: Was der Staat seiner Jugend übers Geld erzählt

Gerhard Spannbauer, Krisenvorsorge.com ,19.03.2010

Der deutsche Staat und seine Finanzinstitutionen verspüren Nachholbedarf: nachdem politische Entscheidungsträger es jahrzehntelang für unnötig hielten, grundlegende Zusammenhänge des Finanzwesens, des Geldsystems und der Wirtschaft im Rahmen der offiziellen Schullehrpläne zu vermitteln, schwappt derzeit eine wahre Flut an gutgemeinten Bildungsmaterialien über die Primär- und Sekundarschulen hinweg. Zahllose kostenfreie Broschüren, Mappen und Arbeitsblätter wollen unserem Nachwuchs nahebringen, was Geld eigentlich genau ist und wie man damit endlich mal vernünftig umgeht.

Dabei beweisen all diese getragen wichtig aufgemachten Druckerzeugnisse eigentlich nur eines: dass Information nicht automatisch seriös und glaubwürdig sein muss, nur weil sie in trocken-biedererer Verpackung übermittelt wird.

Viele der so hochseriösen Materialien stammen von Stiftungen im Umfeld des Bundesfinanzministeriums. Mit ihren zahlreichen Schaubildern und Diagrammen sind sie wunderbar abgestimmt auf den klassischen Schulunterricht, der sich lieber in Detailfragen festbeißt,  statt übergreifende Zusammenhänge und Hintergründe zu beleuchten. Wesentliche systemische Grundsatzfragen nach der Deckung des Geldes oder den Ursprüngen und Effekten des Zinseszinses, bleiben flächendeckend ausgeklammert.

Selbst wenn sich die Finanzinstitutionen denn einmal halbwegs offen auslassen, werden die eigentlich brisanten Informationen in ellenlangen Ausführungen aus einschläferndem Behördenjargon vergraben. Das 200 Seiten starke Grundlagen-Arbeitsbuch der Deutschen Bundesbank zum Thema „Geld & Geldpolitik“ ist da ein gutes Beispiel (Diese Broschüre kann hier als PDF direkt von der Bundesbank herunter geladen werden). Andere Lehrmaterialien machen sich gar nicht erst die Mühe, den Eindruck echten Aufklärungswillens zu erwecken. So erweisen sich die Informationen des Onlineportals „Hoch im Kurs“ der Arbeitsgemeinschaft Jugend & Bildung schon auf den ersten Blick als unvollständig, selektiv und – bewusst oder unbewusst – nicht zu Ende gedacht. Hier wird, anstatt echte Aufklärung zu betreiben,  eher noch ein weiterer Schleier über die Mysterien des Geldwesens geworfen. Die pure  Masse des hier aufbereiteten Wissens ist durchaus beachtlich und gelegentlich findet sich sogar wirklich Wichtiges in der Infoflut, wie beispielsweise, dassdie Deckung (des umlaufenden Geldes) … in der Bundesrepublik Deutschland allein im Vertrauen (besteht)“. Anstatt jedoch dann die Brisanz solcher Tatsachen zu verdeutlichen, wird lediglich so getan, als sei dies ein völlig normaler Vorgang.

Ein anderes HiK- Arbeitsblatt erläutert eindrucksvoll, wie Vater Staat in der Finanz- und Wirtschaftskrise an allen Ecken und Enden bienenfleißig stabilisiert, sichert, fördert und hilft. Woher er das Geld für seine vielen Wohltaten nimmt, können dieses Arbeitsblatt und auch die anderen Unterlagen leider nicht beantworten – ebenso wenig wie die Frage, was das Ganze mit Inflation, gedecktem Geld und der Rolle des Papiergeldes zu tun hat. Stattdessen wird lieber nochmals  bekräftigt, dass wirklich alles in bester Ordnung ist – schließlich haben die Experten das versprochen…

Kinder und Jugendlichen sollen durch diese Materialien wohl kaum zu eigenverantwortlichem Umgang mit Finanzen befähigt, sondern zu möglichst kritikloser Akzeptanz des herrschenden Geldsystems bewegt werden. Das führt natürlich dazu, dass sie als Erwachsene – ebenso wenig wie die meisten von uns –  das System hinterfragen und sich gegen die Verfehlungen im Finanzsektor auflehnen. Dies beantwortet auch die Frage, warum wir alle so wenig von wirtschaftlichen Zusammenhängen verstehen und wir alle blindlings ins Verderben laufen.

Es stellt sich darüber hinaus die Frage, ob die Lehrer unserer Kinder kritisch genug sind, um die Indoktrinationspotentiale solcher „Aufklärungsmaterialien“ zu erkennen und ihre Schüler davor zu schützen. Das darf leider bezweifelt werden, denn die Mehrzahl der Lehrer dürfte selbst kaum über echtes Wissen zu Geld verfügen. So wird auch die nachwachsende Generation noch eine ganze Weile an Papiergeld und staatliche Fürsorge glauben und erst nach großen Verlusten mit verschiedenen Anlagen aus dieser Träumerei aufwachen.

Mein Buch „Finanzcrash- die umfassende Krisenvorsorge“ zeigt die Gefahren dieser Vertrauensseligkeit auf. Es erläutert, warum wir schnellstmöglich aus den damit verbundenen Abhängigkeiten aussteigen müssen und wie wir dies bewerkstelligen können.

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