Ron Paul: Was wir aus Afghanistan gelernt haben

Ron Paul, Infowars.com, 24.06.2013

Letzte Woche eröffneten die Taliban unter Zustimmung der US-Regierung ein Büro in Doha in Katar. Während der Eröffnungsfeier hissten sie die Taliban-Flagge und bezeichneten Afghanistan als das „Islamische Emirat Afghanistan“ – das ist der Name, den sie nutzten, als sie in Afghanistan vor dem US-Angriff in 2001 noch das Sagen hatten.

Also die USA waren der eigentlich Meinung, dass das Taliban-Büro in Doha nur ein Treffpunkt für eine neue Gesprächsrunde über das Ende des Kriegs in Afghanistan sein würde. Die Eröffnung des Taliban-Büros erweckt aber vielmehr den Eindruck, als handele es sich hier um eine Exilregierung.

Die Karzai-Regierung war verärgert, dass die USA und die Taliban Gespräche anberaumt hatten, ohne Kabul darüber auch nur in Kenntnis zu setzen. Karzais Regierung überkam das Gefühl, bei den Verhandlungen über das Nachkriegs-Afghanistan keine Rolle zu spielen, da sie ohnehin bald am Boden liegen würde.

Das erinnert irgendwie an Paris im Jahr 1968, wo sich die USA mit Vertretern der Nordvietnamesen trafen, um einen Ausstieg aus dem Krieg zu verhandeln, der fast 60.000 Amerikaner und ein Vielfaches dieser Zahl an Vietnamesen das Leben kostete.

Jahrelang haben viele von uns argumentiert, dass wir aus Afghanistan raus müssen, um die Kämpfe, das Sterben, die Zerstörung und die Staatenbildung zu beenden. Um die närrische Fantasie zu beenden, dass wir dort eine Demokratie westlichen Stils errichten könnten. Wir können nicht gehen, wurde uns all die Jahre erklärt. Wenn wir Afghanistan jetzt verlassen, kommen die Taliban zurück!

Und nun raten Sie mal: Nach zwölf Jahren, Billionen an Dollars, mehr als 2.200 getöteten Amerikanern und wahrscheinlich über 50.000 toten afghanischen Zivilisten und Kämpfern kommen die Taliban jetzt trotzdem wieder zurück!

Der lange US-Krieg in Afghanistan hat von Anfang an keinen Sinn gemacht. Die Taliban haben die USA am 11.09.2001 nicht angegriffen. Als der US-Kongress nach den Anschlägen von 9/11 militärische Mittel autorisierte, ging es dabei überhaupt nicht um eine über zehn Jahre anhaltende Besetzung von Afghanistan – aber bedauerlicherweise wurde die Freigabe von zwei Präsidenten als Freibrief aufgefasst, überall und jederzeit Krieg führen zu können, wie es ihnen gefällt. Der US-Kongress tat wie üblich nichts, um den Präsidenten in die Schranken zu weisen, obwohl einige Abgeordnete versucht hatten, die Freigabe rückgängig zu machen.

Afghanistan hat die Sowjetunion geschlagen. Wir haben nichts daraus gelernt.

Wir haben den Irak nach zehn Jahren an Kämpfen verlassen, und das Land befindet sich heute in einer weit schlechteren Verfassung als zu dem Zeitpunkt, wo wir es in 2003 angegriffen hatten. Nachdem Billionen Dollars verschwendet wurden und zigtausende Menschen ihr Leben lassen mussten, ist Irak heute ein zerstörter, hoffnungsloser und gewaltsamer Ort, an dem sich Al-Qaeda aufhält. Niemand, der bei Trost ist, spricht bezüglich des Iraks noch von einem Sieg der USA. Wir haben nichts daraus gelernt.

Jetzt verlassen wir nach zwölf Jahren Afghanistan und können nichts vorweisen, außer Billionen Dollars aus dem Fenster geworfen zu haben und zigtausende Tote. Afghanistan ist ein verheertes Land mit einer schwachen Marionetten-Regierung – und jetzt verhandeln wir mit genau den Leuten, gegen die wir diese zwölf Jahre gekämpft haben und die sich nun auf ihre Rückkehr an die Macht vorbereiten! Und wir haben immer noch nichts daraus gelernt.

Anstatt aus diesen von den Interventionisten und ihrer gescheiterten Außenpolitik herbeigeführten Katastrophen zu lernen, erklärt uns der US-Präsident heute, dass wir in Syrien einmarschieren müssen!

Harry Summers, Oberst der US-Armee, berichtete über ein Treffen, das er mit einem nordvietnamesischen Oberst namens Tu hatte, als er 1975 Hanoi besuchte. Auf dem Treffen sagte Oberst Summers zu Tu: „Sie wissen doch, dass Sie uns auf dem Schlachtfeld nie geschlagen haben.“ Tu hielt einen Augenblick inne und antwortete dann: „Ja das mag sein, aber das ist auch irrelevant.“

Und leider ist genau das die Story der US-Außenpolitik. Seit 9/11 haben wir mindestens fünf Länder angegriffen und gegen viel mehr Länder Drohnen eingesetzt. Wir haben verschiedene Diktatoren entmachtet und verschiedene Auslandsarmeen vernichtet. Aber wenn man sich anschaut, was damit erreicht wurde, wird klar: Es ist alles irrelevant.

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