Zusammenbruch der Eurozone: Die EU kämpft gegen ihren Zerfall; Euro wird auch gegenüber dem Britischen Pfund drastisch einbrechen

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 18.06.2014

Der irische Finanzminister Michael Noonan hat verzweifelt versucht, die strengen und gehirnamputierten Forderungen der Troika und der EU-Kommission zu erfüllen. Bei diesen Typen handelt es sich um Rechtsanwälte, die versuchen, ihre eigenen Jobs zu retten. Sie glauben das durch Austeritätsmaßnahmen erreichen zu können, um so das Vertrauen in den Euro aufrechtzuerhalten.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, ist so fernab von der wirtschaftlichen Realität, dass man es mit der Angst zu tun bekommt. Sie fangen gerade erst damit an, den Gesamtschaden, den sie der irischen Wirtschaft zugefügt haben, zu erfassen. Durch die Rettung der Banken auf Kosten der Steuerzahler sind buchstäblich 20% des BIP des Landes ausgelöscht worden. Das ist reiner Wahnsinn.

László Andor, der EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration, hat offen über die Möglichkeit eines Zusammenbruchs der Eurozone gesprochen. Das ist sehr interessant, und es verdeutlicht das, wovor wir gewarnt haben: Die Natur des Menschen bleibt immer dieselbe. Der Staat wird immer nach mehr Macht trachten, nicht nach weniger.

Mit Andor hat erstmals ein EU-Kommissionsmitglied öffentlich erklärt, dass die aktuelle Struktur der Europäischen Union aufgrund sozialer Spannungen scheitern könnte. Dieser Niedergang könne nur mittels einer massiven Integration, also der Föderalisierung Europas aufgehalten werden. Mit anderen Worten: Die Euroländer müssen ihre Souveränität an Brüssel abtreten, um die Eurozone vor einem Kollaps zu bewahren. Den Politikern kommt nie in den Sinn, dass sie selbst die Quelle des Problems sind.

Angela Merkel will, dass Jean-Claude Juncker der neue EU-Kommissionspräsident wird. In einem vertraulichen Brief schreibt Merkel, dass Juncker aus inländischen politischen Gründen nominiert werden müsse. Merkel wird ganz offenkundig vom langen Schatten Helmut Kohls verfolgt. Im Grunde sagt Merkel dem britischen Premierminister David Cameron, dass er die Klappe halten soll; dass Europa das Sagen hat, nicht Großbritannien. Dennoch hat der Ausschuss für Finanzstabilität des Bundesfinanzministeriums in einem Bericht davor gewarnt, dass es im Hinblick auf die deutsche Wirtschaft „immer noch eine Reihe akuter und latenter Risiken“ gibt.

Unterdessen ist die italienische Staatsverschuldung mit EUR 2 Billionen auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Der neue italienische Premierminister Matteo Renzi erklärte Ende Mai, dass er ein riesiges Konjunkturbelebungsprogramm implementieren wird. Dieses Programm soll über neue Schulden finanziert werden. Jetzt ist in Italien eine neue politische Krise ausgebrochen, da 14 Senatoren der Partito Democratico (PD)ihren Austritt aus der Partei erklärt haben.

Sie haben die Regierung beschuldigt, zwei Senatoren der PD – Corradino Mineo und Vannino Chiti – absichtlich aus dem Verfassungsausschuss des Senats entfernt zu haben, um die von Renzi vorgeschlagene Gesetze durchzusetzen. Durch diese Streitigkeiten im Senat im Hinblick auf die anstehenden Reformen ist Renzi nun gezwungen, einen Schulterschluss mit der Forza Italia von Berlusconi zu suchen.

In Belgien gibt es drei Wochen nach der Wahl immer noch keine handlungsfähige Regierung. Die Koalitionsgespräche sind bisher aufgrund der unterschiedlichen Auffassungen bezüglich der Ausrichtung des Landes erfolglos geblieben. Für die Europäische Union sind das gute Nachrichten, da der Interimschef, der noch amtierende Premierminister Elio Di Rupo, weiterhin alle EU-Entscheidungen durchwinken wird. Aber genau das ist es, worüber die Menschen in Brüssel so frustriert sind.

Ganz gleich, wo wir auch hinschauen, immer ist es die EU-Kommission gegen die Menschen. Andor lässt hier einen Testballon starten: Man führt einfach eine Föderalisierung Europas durch, um die Eurozone zu retten. In Wahrheit geht es ihnen einzig um ihre Eigeninteressen und den Machterhalt.

Die Ratingagentur Standard & Poor´s ist im Hinblick auf das Hohe Schuldenniveau in der Eurozone alarmiert. Trotz der Billionen, die die Europäische Zentralbank bisher in die Märkte gepumpt hat, sind die Schulden der Privathaushalte und Unternehmen explodiert. Das geht darauf zurück, dass die Wirtschaft in der Eurozone weiterhin implodiert und die Jugendarbeitslosigkeit nur eine Richtung kennt, nämlich nach oben. In Gegenden, wo es zu Verschiebungen bei den Kapitalströmen kommt, steigen die Eigenheimpreisen. Wir haben hier eine direkte Verbindung zu den Kapitalströmen.

Die Politik der nichtgewählten Troika vernichtet Europa, und anstatt mit dem europäischen Projekt den Grundstein für Frieden gelegt zu haben, wurde hier der Spaltung, dem Zwist und dem Chaos die Bühne bereitet.

Kapitalflucht heizt Immobilien-Boom an

Weite Teile des Immobilien-Booms gehen auf Kapitalbewegungen zurück. Die Franzosen gehen derzeit massiv in belgische Immobilien, um zu versuchen, dem Wahnsinn ihrer eigenen Regierung zu entkommen, die darauf aus ist, sie solange zu besteuern, bis sie völlig ausgeblutet sind. Aber auch ganz allgemein lässt sich sagen, dass die Franzosen versuchen, aus den Banken herauszukommen und in Immobilien zu gehen. Der Eigenheimmarkt in Großbritannien boomt ebenfalls dank des ins Inland strömenden Kapitals, und dasselbe lässt sich in Neuseeland, Australien und Kanada beobachten.

Housing-Shifts_01

Unterdessen sehen wir nun erstmals die Anfänge des Rückgangs des chinesischen Immobiliensektors. Der Immobilienmarkt in den USA ist in den gewöhnlichen Bereichen zurückgegangen, während die Preise für 1A-Immobilien aufgrund der Kapitalzuflüsse drastisch gestiegen sind.

Abkopplung Großbritanniens von Europa; Erstarken des Britischen Pfunds gegenüber dem Euro

Der Chef der Bank von England, Mark Carney, hat auf dem „Lord Mayor´s Banquet“ im Londoner Finanzdistrikt eine Rede gehalten und die Zuhörerschaft überrascht, als er von einer Umkehr bei den Zinssätzen in Großbritannien sprach. Das ist eine Abspaltung von der EZB-Politik. Im Grunde ist die britische Wirtschaft ja dadurch gerettet worden, dass sich Großbritannien vom Euro fernhielt.

Der entscheidende Unterschied war, dass die Banken der Eurozone in Euro denominierte Bankreserven nutzen mussten. Das führte dann dazu, dass die Banken – die sich „politisch korrekt“ verhalten mussten – ihre Reserven unter den einzelnen Euroländern verteilten, also von allen Euroländern Staatsanleihen aufkauften. Das wäre so, als würde die US-Notenbank die Anleihen aller US-Bundesstaaten (die in ihrer Qualität ja massiv variieren) als Reserven nutzen. Das ist auch der Grund, warum der Euro eine solche Katastrophe ist. Beim Euro gibt es kein zu Grunde liegendes Fundament.

Carney hat eine Menge Leute schockiert, da das, was er sagte, den Interessen Europas direkt entgegensteht. Wir erklären bereits seit den 1980er Jahren, dass unsere Korrelations-Modelle zeigen, dass sich Großbritannien seit der Entdeckung der Ölreserven in der Nordsee zunehmend von Europa abkoppelt. Großbritannien ist in Wirklichkeit kaum auf Europa angewiesen und würde auch ziemlich gut überleben, ohne mit Europa verbunden zu sein. Europa braucht Großbritannien mehr als umgekehrt.

Carney sagte, dass die Zinsanstiege „schneller kommen könnten, als die Märkte gegenwärtig erwarten.“ Hat sich die Bank von England einst noch über eine Abkühlung der Wirtschaft Sorgen gemacht, sorgt sie sich nun über eine mögliche Überhitzung. Der britische Immobilienmarkt boomt, und weite Teile dieses Booms gehen auf Kapitalzuflüsse zurück.

IBEUBP-M-6-18-2014_02IBBPVA-M-6-18-2014_03

Nach Großbritannien fließt zurzeit Kapital aus Europa und Russland – das ist eine sehr interessante Entwicklung. Anhand der Kursverläufe des Britischen Pfunds sehen wir, dass sich die britische Währung gegenüber dem Euro ganz anders verhält als gegenüber dem US-Dollar. Es ist völlig eindeutig, dass der Euro gegenüber dem Britischen Pfund drastisch einbrechen wird.

IBBPAR-M-6-18-2014_04BPEUAR-M-6-18-2014_05

Selbst das Timing ist grundverschieden. Daher ist es auch so wichtig, alles mit allem zu vergleichen. Dadurch ist man in der Lage, einzelne Trends zu isolieren, die sich leichter erkennen lassen, wenn man sie allen anderen Dingen gegenüberstellt. Und es ist auch der Grund, warum man bei der heutigen Weltwirtschaft mit persönlichen Meinungen einfach nicht weiter kommt.

Weitere Artikel zu diesem Thema