Russell: Die aktuelle Finanzkrise wird noch unglaublich hässlich werden!

Richard Russell, King World News, 08.07.2014

Ich kann mich an keinen Zeitpunkt der letzten 56 Jahre, in denen ich die Dow Theorie Letters veröffentliche, erinnern, wo die Lage so schwierig oder rätselhaft gewesen wäre wie heute. Obwohl ein Tag nach dem anderen verstreicht, kann sich der Aktienmarkt weiterhin erbittert halten …

Die Dividenden des S&P Composite liegen derzeit bei winzigen 1,98%. Zur selben Zeit liegt die Fremdkapitalfinanzierung an der New Yorker Börse auf einem Rekordhoch. Der Dow Jones und der S&P Composite liegen beide auf Rekordhochs, während der Volatilitätsindex VIX nahe seiner Rekordtiefs notiert. Hier herrscht also Selbstzufriedenheit und Zuversicht, und das inmitten eines Markts, der fast so überbewertet ist wie noch nie.

Dieser Aktienmarkt ist auf keinerlei negative Meldungen oder bärische Entwicklungen vorbereitet. Währenddessen warnt John Williams von Shadowstats.com davor, dass die US-Regierung in ihrer Verzweiflung, ein optimistisches Bild der Wirtschaft zu malen, falsche bzw. frisierte Daten veröffentlicht.

Im Folgenden sehen Sie die sehr wichtige 30-jährige US-Staatsanleihe. Ich klassifiziere dieses Papier jetzt als bärisch. Die 30-jährige US-Staatsanleihe brach auf ihr niedrigstes Niveau seit Mai dieses Jahres ein. Und wenn der Wert von Anleihen fällt, steigen die Zinssätze. Das geschieht, während die US-Notenbank ihre quantitativen Lockerungsmaßnahmen auslaufen lässt.

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Es kommt mir so vor, als würde ich hier gerade auf die Endphase irgendeines bedeutenden historischen Ereignisses blicken, ähnlich wie es sich am Ende des Ersten Weltkriegs angefühlt hat.

Der Volatilitätsindex ging vergangene Woche mit einem Tief von 10,32 Punkten aus dem Handel, was auf eine extreme Selbstzufriedenheit und Ruhe hindeutet. Der Dow Jones und der S&P Composite schlossen letzte Woche auf Rekordhochs – der Dow Jones ging erstmals in der Geschichte mit über 17.000 Punkten aus dem Handel. Der NASDAQ schloss die Handelswoche mit einem 14-Jahreshoch. Die Dividenden des S&P Composite lagen Ende letzter Woche auf einem noch nie dagewesenen Mikrotief von 1,98%.

Diese 1,98% stehen der Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen gegenüber, die aktuell bei 2,62% liegt. Historisch gesehen lagen die Dividenden von Aktien praktisch immer über den Renditen von Staatsanleihen. Es scheint, dass der Aktienmarkt mit seinem unglaublichen Weitblick gegenwärtig überall nur Sonnenschein sieht, und das Rekordhoch bei der Fremdkapitalfinanzierung an der New Yorker Börse veranschaulicht deutlich, dass die Trader bullisch und enthusiastisch sind …

Ich frage mich wirklich, womit der Aktienmarkt derzeit eigentlich rechnet. Was wird geschehen, wenn die US-Notenbank den Strom an Milliarden von Dollars im Oktober dichtmachen wird, so wie sie es seit geraumer Zeit verlautbaren? Wer wird dann US-Staatsanleihen kaufen? Und was passiert mit dem Aktienmarkt, wenn die quantitative Lockerung vorbei ist? Zuvor reichte bereits die Andeutung auf das Ende der quantitativen Lockerungsmaßnahmen aus, um den Aktienmarkt einknicken zu lassen. Die nächsten Wochen dürften daher ziemlich viel Dramatik bereithalten.

Der TLT-Chart (Stellvertreter für 20-jährige US-Staatsanleihen) zeigt, dass die Anleihen im Wert fallen, und das heißt, dass die Zinssätze steigen:

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Wenn wir uns Gold auf Wochenbasis anschauen, sehen wir, dass das gelbe Metall jetzt aus seiner dritten Fächerlinie ausgebrochen ist:

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Hier sehen Sie Silber, abermals unter Verwendung der Fächermethode. Nach dem Durchbrechen der 3. Fächerlinie ist das Metall in den bullischen Bereich vorgedrungen:

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Ich rechne bei den Edelmetallen in den kommenden ein bis zwei Tagen mit einer Rally. Sie sollten den Aktienmarkt genau im Auge behalten. Sollte es beim Dow Jones oder beim Dow Jones Transportation Index zu unbestätigten Hochs kommen und der Markt daraufhin wieder fallen und unter die Tiefs von Montag sinken, gehe ich davon aus, dass die Lage sehr, sehr hässlich werden wird.

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