Es gibt keinen Konsens über die Globale Erwärmung

Ein deutlicher Angriff, eine Wahrheit durch ständige Wiederholung und nicht durch Wissenschaft zu kreieren

Professor Richard S. Lindzen, Atmospheric Science, MIT

GlobalResearch.ca, 04.12.2009

Gemäß Al Gores neuen Film “Eine unbequeme Wahrheit” befinden wir uns in einer “planetaren Notsituation”: Eisdecken schmelzen, ein riesiger Anstieg der Meeresspiegel, mehr und stärke Wirbelstürme, ein Einfall tropischer Krankheiten sind nur einige Katastrophen, wenn wir nicht sofort unsere Art zu Leben ändern.

Bill Clinton ist der jüngste Prediger von Herrn Gores Evangelium und behauptet, dass gegenwärtige Wetterereignisse dies zeigen, Herr Gore beim Thema der Globalen Erwärmung völlig richtig lag und wir alle unter den Konsequenzen von Präsident Bushs Beschränktheit in diesem Thema zu leiden hätten. Ja, warum denn nicht? Herr Gore versichert uns, dass „die Diskussion in der wissenschaftlichen Gemeinde vorbei ist“.

Die Aussage, welche Gore in einem Interview mit George Stephanopoulos von ABC machte, müsste mit einem Sternchen versehen werden. Um welche Debatte handelt es sich genau, auf die Herr Gore sich bezieht? Gibt es wirklich eine wissenschaftliche Gemeinschaft, die all diese Themen diskutiert und dann irgendwie im Einklang zustimmt? Weit davon entfernt, dass solche eine Sache vorbei ist, war es mir zu keinem Zeitpunkt klar, was mit dieser „Debatte“ überhaupt gemeint ist.

Natürlich helfen die Medien hier kaum weiter. Als die Zeitschrift Newsweek das Thema der Globalen Erwärmung in einer Ausgabe des Jahres 1988 präsentierte, wurde behauptet, dass alle Wissenschaftler dem zustimmten. Danach ließ man regelmäßig erkennen, dass von vornherein fortwährende Zweifel bestanden haben, aber nun jedoch tatsächlich alle Wissenschaftler zustimmen. Herr Gore schränkte seine Aussage bei ABC sogar wenige Minuten, nachdem er sie machte auch ein, indem er wichtige Dinge klarstellte. Als Herr Stephanopoulos Herrn Gore mit der Tatsache konfrontierte, dass die besten Schätzungen steigender Meeresspiegel bei Weitem weniger schrecklich sind, als er in seinem Film nahe legt, verteidigte Herr Gore seine Behauptung, indem er anmerkte, dass Wissenschaftler in keiner Weise „Modelle zur Verfügung haben, die ihnen ein hohes Maß an Vertrauen [in die Ergebnisse] geben“ und führte weiter zu seiner Verteidigung aus, dass Wissenschaftler „es nicht wissen…Sie wissen es einfach nicht.“

Also gehören diese Wissenschaftler vermutlich nicht zu dem „Konsens“. Trotzdem werden ihre Forschungen – ob die Beweise das zulassen oder nicht – in Herrn Gores bevorzugte Globale-Erwärmungs-Schablone, auch schrille Schwarzmalerei genannt, gezwungen. Der Glaube verlangt es die wirklich unbequemen Tatsachen zu ignorieren. Nehmen wir das Thema der steigenden Meeresspiegel, dazu gehört auch, dass die Arktis 1940 genau so warm oder wärmer war; dass Eisberge seit Urzeiten bekannt sind; dass die bis jetzt vorliegenden Beweise nahe legen, dass die Eisdecke Grönlands im Durchschnitt in Wirklichkeit zunimmt. Ein wahrscheinliches Ergebnis hieraus ist ein Anstieg des Drucks, welcher Eis von den Küstenlinien dieses Landes wegdrückt, was in Herrn Gores Film als so unheilvoll beschrieben wird. In Abwesenheit sachlicher Zusammenhänge wirken diese Bilder wahrscheinlich schrecklich und alarmierend.

Ansonsten sind sie es weniger. Alpine Gletscher gehen seit dem frühen 19. Jahrhundert zurück und dehnten sich davor über mehre Jahrhunderte hinweg aus. Seit 1970 haben viele Gletscher den Rückgang beendet und einige von ihnen werden nun wieder größer. Und ehrlich gesagt wissen wir nicht, warum das so ist.

Andere Elemente des Globalen-Erwärmungs-Schreckensszenarios werden auf Grundlage ähnlicher Flüchtigkeitsfehler behauptet. Malaria, ein angebliches Nebenprodukt der Erwärmung, war früher in Michigan und Sibirien Gang und Gäbe und Malaria gibt es auch immer noch in Sibirien – Mücken benötigen keine tropische Wärme. Auch verändern sich Wirbelstürme während viele Jahrzehnte langer Zeitperioden; wahrscheinlich ist die Oberflächentemperatur des Meeres ein wichtiger Faktor. Diese Temperatur verändert sich ebenfalls in Zeitabständen von mehreren Jahrzehnten. Fragen zum Ursprung der relevanten Oberflächentemperatur der Meere und der Natur der Intensität von Wirbelstürmen werden innerhalb des Fachbereichs heiß diskutiert.

Selbst unter diesen Diskutanten gibt es eine generelle Übereinstimmung, dass wir nicht irgendeinen bestimmten Wirbelsturm der Globalen Erwärmung zuschreiben können. Um genau zu sein, da gibt es eine Ausnahme, Greg Holland vom National Center of Atmospheric Research in Boulder, Colorado, welcher argumentiert, dass es die Globale Erwärmung sein müsse, weil ihm sonst nichts anderes einfiele. Während solche sich auf Niedergeschlagenheit gründenden Argumente bei den allgemeinen Klimaschätzungen immer üblicher werden, sind derartige Argumente – vor dem Hintergrund des primitiven Zustands der Wetter- und Klimawissenschaft – wenig überzeugend.

Eine allgemeine Eigenschaft von Herrn Gores Ansatz ist seine unverdrossene Ignoranz der Tatsache, dass die Erde und ihr Klima dynamisch sind; es ändert sich sogar ständig ohne Einwirkungen von Außen. Alle Veränderungen so zu behandeln als müsse man sich davor fürchten, ist schlimm genug; dies dann aber zu tun um die Angst auch noch auszubeuten, ist viel schlimmer. Wie dem auch sei, dies sind jedoch eindeutig keine Themen, über die eine Debatte abgeschlossen wurde – wenigstens nicht im Sinne wirklicher Wissenschaft.

Eine klarere Behauptung dahingehend, worauf man sich einigen konnte, wurde vom Umweltjournalisten Gregg Easterbrook formuliert. Er schlussfolgert, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft sich nun darüber einig ist, dass eine bedeutende Erwärmung stattfindet und dass es eindeutige Beweise für den menschlichen Einfluss auf das Klimasystem gibt. Das ist eine sehr sonderbare Behauptung. Auf gewisse Art wurde sie von Vielen niemals bestritten. Der überwiegende Teil der Klimagemeinde stimmte seit 1988 der Aussage zu, dass die weltweiten Durchschnittstemperaturen im Laufe des letzten Jahrhunderts um einen Grad angestiegen sind, zwischen 1919 und 1940 bedeutend anstiegen, zwischen 1940 und den frühen 70ern fielen, bis in die 90er wieder anstiegen und seit 1998 größtenteils abflachten.

Es gibt auch wenig Uneinigkeit darüber, dass der Anteil von CO2 in der Atmosphäre von ungefähr 280 ppmv (Teile pro Million nach Volumen) im 19. Jahrhundert auf um die 387 ppmv in heutiger Zeit anstieg. Und schließlich steht auch völlig außer Frage, dass CO2 ein Infrarotabsorber (d. h. ein Treibhausgas – wenn auch eins der kleineren) ist und sein Anstieg theoretisch zur Erwärmung beitragen sollte. Wenn in der Tat alle anderen Dinge gleich geblieben wären, dann hätte der Anstieg von CO2 zu einer Erwärmung geführt haben müssen, die etwas höher ist als die Erwärmung, die man beobachtete – legt man zu Grunde, dass der geringe beobachtete Anstieg tatsächlich auf CO2 zurückzuführen sei und nicht eher auf natürliche Schwankungen des Klimasystems. Obwohl es bei diesem Thema keinen Grund zur Panik gibt, hat es massive Bemühungen gegeben zu behaupten, dass der theoretisch vermutete Beitrag von CO2 an der Erwärmung, nachgewiesen worden ist.

Die Tatsache zu Grunde legend, dass wir die natürlichen internen Schwankungen des Klimawandels nicht verstehen, handelt es sich hierbei um eine gegenwärtig unmögliche Aufgabe. Ungeachtet dessen hat es – mit überraschender Wirkung – anhaltende Bemühungen gegeben die Vorstellung des Gegenteils zu erwecken. Obwohl der widersprüchliche Zustand in dieser Angelegenheit noch richtig im Text des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) im Jahre 1996 dargestellt wurde, berichtet die berüchtigte „Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger“, dass „Der Abgleich der Beweise einen wahrnehmbaren menschlichen Einfluss auf das weltweite Klima nahelegt.“ Das genügte als eindeutiger Beweis für Kyoto.

Der nächste IPCC Bericht beschrieb auch wieder die Probleme um das, was als Zuschreibungsthema bekannt wurde: Dabei handelt es sich darum zu erklären, was für Mechanismen für die beobachteten Veränderungen des Klimas verantwortlich sind. Einige bemühten das nachlässige Argument – z. B. können wir uns keine andere Alternative vorstellen – dass der Mensch hierfür verantwortlich sei. Die „Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger“ behauptete mit dem eigentlichen Text des Berichts größtenteils nicht in Zusammenhang stehend: „Im Lichte neuer Beweise und unter Berücksichtigung der verbleibenden Unsicherheiten, wurde der größte Teil der beobachteten Erwärmung der letzten 50 Jahre wahrscheinlich durch den Anstieg von Treibhausgaskonzentrationen verursacht.“

In dieselbe Kerbe schlug ein 15-seitiger Bericht der National Academy of Sciences als Antwort auf Fragen des Weißen Hauses. Darin wurden wieder die Schwierigkeiten der Zuordnung aufgezählt und trotzdem ging dem Bericht eine mehrdeutige Vorbemerkung voraus in der man behauptete: „Die seit den letzten Jahrzehnten beobachteten Veränderungen sind wahrscheinlich hauptsächlich durch menschliche Aktivitäten verursacht, aber wir können nicht ausschließen, dass einige bedeutende Teile dieser Veränderungen auch Rückwirkungen natürlicher Schwankungen sind.“ Das war für CNN´s Michelle Mitchell ausreichend um vorausahnend zu erklären, der Bericht ist eine „einhellige Entscheidung, dass die Globale Erwärmung echt ist, sie schlimmer wird und durch den Menschen verursacht ist. Da gibt es keinen Interpretationsspielraum.“ Gut, nicht.

Erst kürzlich behauptete die Sozialwissenschaftlerin Nancy Oreskes in der Zeitschrift Science, dass die Suche in der ISI Wissensnetzdatenbank für die Jahre 1993 bis 2003 unter den Suchwörtern „globaler Klimawandel“ 928 Artikel hervorbrachte und die Zusammenfassungen dieser Artikel alle das belegten, was sie als übereinstimmende Ansicht bezeichnet. Ein britischer Sozialwissenschaftler überprüfte ihre Vorgehensweise und stellte fest, dass nur 913 der 928 Artikel überhaupt Zusammenfassungen enthielten und nur 13 der verbleibenden 913 ausdrücklich die sogenannte übereinstimmende Ansicht befürworteten. Einige sprachen sich sogar dagegen aus.

Noch jüngeren Datums ist die Mitteilung des Climate Change Science Programs –  der koordinierenden Behörde der Bush Regierung für Forschung zur Globalen Erwärmung – dass man „eindeutige Beweise menschlichen Einflusses auf das Klimasystem“ gefunden hat. Das bedeutet für Herrn Easterbrook: „Fall geklärt.“ Was genau waren das für Beweise? Die Modelle unterstellten, dass die Treibhauserwärmung die Temperaturen in der Atmosphäre in größerem Maße beeinflussen sollte als die Bodentemperaturen und das obwohl die Satellitendaten seit 1979 keine Erwärmung in der Atmosphäre zeigten. Der Bericht zeigte, dass ausgewählte Korrekturen an den Daten für die Atmosphäre zu etwas Erwärmung führen könnten und somit der Widerspruch zwischen Beobachtungen und Modellbeschreibungen, wie die Treibhauserwärmung auszusehen haben, minimiert werden konnte. Das bedeutet für mich, dass die Sache auf keinen Fall erledigt ist.

Also was soll man nun mit dieser angeblichen Debatte anfangen? Ich würde wenigstens drei Punkte vorschlagen.

Erstens: Nichtwissenschaftler möchten sich im Allgemeinen nicht mit dem Verständnis der Wissenschaft herumschlagen. Behauptungen über Konsens entlasten politisch Interessierte, Umweltvertreter und Politiker von jeder Notwendigkeit der Auseinandersetzung. Solche Behauptungen dienen auch der Einschüchterung der Öffentlichkeit und sogar der Wissenschaftler – besonders jene außerhalb des Bereichs klimadynamischer Prozesse.

Zweitens: Die Tatsache zu Grunde legend, dass die Frage des menschlichen Einflusses auf das Klima zum überwiegenden Teil nicht geklärt werden kann, ist der Gebrauch dieser Ansicht für Katastrophenvisionen nichts anderes als ein Betrug. Das ist ein unheilvoller Beginn dessen, was Herr Gore nicht als politisches Thema sondern als „moralischen“ Kreuzzug behauptet.

Und zum Schluss: Es gibt einen deutlichen Versuch die Wahrheit nicht durch wissenschaftliche Methoden sondern durch fortwährende Wiederholung zu begründen. Ein früherer Versuch war von Tragik begleitet. Vielleicht lag Marx richtig. Dieses Mal könnte es eine Farce werden – wenn wir Glück haben.

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