Ron Paul: Der Krieg, der keiner ist

Kriegsgründe für Einmarsch in Irak und Afghanistan sind erlogen

Ron Paul, Campaign for Liberty, 05.07.2010

Stellungnahme des Kongressabgeordneten Ron Paul vor dem US-Repräsentantenhaus v. 01.07.2010 – Der Krieg, der keiner ist

Im Januar 1991 zogen wir im Nahen Osten gegen Saddam Hussein, den Diktator Iraks, in den Krieg, der während des iranisch-irakischen Kriegs unser Verbündeter war. Zwischen Kuwait und dem Irak brach ein Grenzstreit aus, nachdem unser Außenministerium Husseins Einmarsch abgesegnet hatte.

Nach Iraks erfolgreichem Einmarsch in Kuwait reagierten wir mit Begeisterung und sind seitdem in der gesamten Region, 10.000 Kilometer von unserer Küste entfernt, militärisch involviert. Dazu gehört der Irak, Afghanistan, Pakistan, Jemen und Somalia. Nach 20 Jahren des Tötens und der Verschwendung von ein paar Billionen Dollar halten nicht nur die Kämpfe an, ohne dass ein Ende in Sicht wäre, sondern unsere Führer drohen sogar noch dem Iran mit unseren wohlmeinenden Bomben.

Für die meisten Amerikaner sind wir im Krieg – ein Krieg gegen eine Taktik namens Terrorismus, nicht gegen ein Land.

Dies erlaubt es unserem Militär an jeden Ort der Welt zu gehen ohne dabei zeitlich oder räumlich eingeschränkt zu sein.

Aber wie können wir uns im Krieg befinden? Der Kongress hat keinen Krieg erklärt, wie es die Verfassung verlangen würde.

Das ist wahr, aber unsere Präsidenten haben es getan und der Kongress und das Volk haben keinen Einwand dagegen erhoben. Der Kongress sorgt gehorsam für all das Geld, das für den „Krieg“ verlangt wird.

Die Menschen sterben, es werden Bomben abgeworfen und unsere Soldaten werden angeschossen und getötet.

Unsere Soldaten tragen Uniformen; unsere Feinde tun dies nicht. Sie sind nicht Teil irgendeiner Regierung. Sie haben keine Flugzeuge, keine Panzer, keine Schiffe, keine Raketen und keine moderne Technologie.

Welche Art von Krieg ist das überhaupt, falls es wirklich einer sein sollte? Wäre es ein echter Krieg, hätten wir ihn bereits gewonnen.

Seit 9/11 ist das von uns erklärte Ziel die Zerstörung von Al-Qaeda. War Al-Qaeda im Irak? Nicht unter Saddam Hussein. Unsere Führer belogen uns, damit wir in den Irak einmarschierten und täuschten uns, damit wir Afghanistan besetzen.

Es gibt tatsächlich immer noch keine Al-Qaeda im Irak und nur rund einhundert von ihnen in Afghanistan und dennoch ist kein Ende des „Krieges“ in Sicht. Könnte es sein, dass es für diesen Krieg, der kein Krieg ist, andere Gründe gibt?

Ein militärischer Sieg ist illusorisch. Weiß überhaupt Irgendjemand, wen wir hier eigentlich bekämpfen und warum?

Warum ist der Krieg nicht vorbei? Neun Jahre und er weitet sich weiterhin aus. Einige behaupten, er wäre, damit Amerika sicher bleibt, dass unsere Soldaten wegen unserer Freiheit und unserer Verfassung kämpfen und sterben. Werden wir hier belogen, um uns weiter in diesem sich ausdehnenden Krieg zu halten, genauso wie wir in den 60ern belogen wurden um in Vietnam weiterzumachen?

Die Regierung des Iraks gehört uns genauso wie die Afghanistans. In Afghanistan bekämpfen wir gerade die Taliban – diese gefährlichen Menschen mit Handfeuerwaffen, die ihr Heimatland verteidigen.

Einst nannte man sie die Mudschaheddin, unsere Verbündeten um, gemeinsam mit Osama bin Laden, die Russen in den 80ern aus Afghanistan zu vertreiben.

Bei diesem Versuch finanzierte die CIA den radikalen Dschihad gegen die bösen ausländischen Besatzer – die Russen.

Und die Dankbarkeit dafür? Dieselben Menschen nehmen uns nun unsere wohlmeinende Besatzung übel, bei der es noch ein klein wenig Gewalt obendrauf gibt.

Der Widerstand gegen unsere Anwesenheit wächst in dem gleichen Maße, wie unsere Beharrlichkeit nachlässt.

Unser Volk wacht gerade auf, aber unsere Regierungsvertreter weigern sich anzuerkennen, dass, umso länger wir dort bleiben, die Unterstützung für Jene, welche sich dem Prinzip `Afghanistan den Afghanen` verschrieben haben und über jegliche ausländische Besatzung grollen, umso stärker zunimmt.

Umso härter wir in einem Krieg kämpfen, der keiner ist, umso schwächer werden wir und umso stärker wird unser Feind.

Wenn ein Feind ohne Waffen einer Armee außerordentlicher Schlagkraft, der mächtigsten der gesamten Geschichte, widerstehen kann, sollte man sich fragen, wer hier über die moralische Überlegenheit verfügt.

Unser Schicksal wird die militärische Niederlage in Afghanistan sein. Staatsaufbau, Polizeiarbeiten und Sozialtechnik sind noch nie Aufgabe fremdländischer Besatzer gewesen und nie eine angemessene Aufgabe für Soldaten, die dazu ausgebildet wurden Kriege zu gewinnen.

Ein militärischer Sieg ist nicht einmal mehr das erklärte Ziel unserer Militärführer, da sie wissen, dass diese Art von Sieg unmöglich ist.

Die traurige Wahrheit ist: Dieser Krieg ist gegen uns selbst, unsere Werte, unsere Verfassung, unser finanzielles Wohlergehen und unseren gesunden Menschenverstand – und mit der Geschwindigkeit, in der wir voranschreiten, wird es auf alle Fälle böse enden. Was wir brauchen sind ehrliche Führer mit Charakter und eine neue Auslandspolitik.

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