Fannie und Freddie und das Billionen-Dollar-Problem

Gerhard Spannbauer, Krisenvorsorge.com, 19.08.2010

Fannie und Freddie, das berüchtigte Pärchen der Finanzkrise, sorgen immer noch für Aufregung in den USA: Die beiden Hypothekenfinanzierer halten den schwer getroffenen amerikanischen Immobilienmarkt am Laufen – und verbrennen dabei selbst hunderte Milliarden Dollar an Steuergeldern. Eine Reform ist dringend nötig, birgt jedoch große Gefahren: Falsche Schritte könnten die USA tief zurück in die Rezession stürzen.

Eine Lösung muss schnell her – das hat auch US-Präsident Barack Obama eingeräumt. Im Januar will die Regierung einen ersten Reformvorschlag vorlegen. Um in einem ersten Schritt über die Zukunft von Fannie und Freddie zu diskutieren, hatte Finanzminister Tim Geithner Banker, Ökonomen, Investoren und Wissenschaftler zu einer Häuserkonferenz nach Washington geladen.

Doch die dringend nötige Restrukturierung der vor gut zwei Jahren verstaatlichten Institute ist ein politisches und wirtschaftliches Minenfeld. Nach dem staatlichen Eingriff sind die beiden Hypotheken-Riesen für das Wohl der US-Wirtschaft immer wichtiger geworden. Sie stehen für über 90 Prozent der derzeit ausgegebenen Häuserkredite. „Das System zu reparieren ist eines der kompliziertesten und weitreichenden politischen Probleme unseres Landes“, gab Geithner zu bedenken.

Zusammen halten oder garantieren Fannie und Freddie Hypotheken im Wert von über 5 000 Milliarden Dollar – das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Deutschland. Weitreichende Änderungen sind riskant: „Es besteht die Gefahr, dass wir mit der Reform eine Panik auf dem Häusermarkt auslösen und einen Rückfall in die Rezession verursachen“, warnt Immobilienexperte Mark Calabria vom liberalen Think-Tank Cato Institute.

Dass die Hypothekenfinanzierer reformiert werden müssen, darüber sind sich in Washington alle einig. Doch schon jetzt zeichnen sich grundlegende Differenzen entlang der Parteilinien ab. Die oppositionellen Republikaner fordern, dass sich der Staat künftig aus dem Häusermarkt weitgehend fernhält und das Feld ganz der privaten Wirtschaft überlässt. Die Folge könnten steigende Hypothekenzinsen sein, die derzeit so niedrig sind wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Zudem könnten die Häuserpreise weiter fallen, die Zahl der Zwangsversteigerungen könnte zunehmen.

Die Demokraten wollen dagegen, dass der Staat weiterhin eine gewisse Rolle spielt, um Hypotheken für einen breiteren Teil der Gesellschaft finanzierbar zu halten. „Für viele Amerikaner ist das eigene Haus ihr größter Vermögenswert, und am Häusermarkt hängen Millionen von Arbeitsplätze“, sagte Geithner. Man müsse deshalb behutsam vorgehen. Er sprach sich dafür aus, die Aktivitäten von Fannie und Freddie langsam zurückzufahren, um mehr Raum für private Unternehmen zu schaffen.

Obama muss sich nun nach der gerade so verabschiedeten Finanzreform sogleich der nächsten Großbaustelle widmen: die Finanzreform, so warnen Marktbeobachter, ist erst dann abgeschlossen, wenn für Fannie und Freddie eine Lösung gefunden ist. Rund 145 Milliarden Dollar an Regierungshilfen haben die Institute bereits in Anspruch genommen. Quartal für Quartal kommen sie mit weiteren Forderungen auf die Regierung zu. Berechnungen der überparteilichen Budgetbehörde des US-Kongresses zufolge werden sie in den kommenden zehn Jahren insgesamt 389 Mrd. Dollar an Steuergeldern benötigen. Skeptischere Schätzungen reichen gar bis 1 000 Milliarden Dollar. Das ist der Grund, warum Fannie und Freddie schon länger als „Zombies“ verspottet werden.

Der Immobilienmarkt steht stellvertretend für die ganze amerikanische Wirtschaft: Das Schlimmste wurde aufgehalten durch massives Eingreifen des Staates, doch eine wirkliche Besserung ist nicht zu sehen. Manche warnen, die USA steuerten in eine Sackgasse. Die nötige Reform könnte den USA einen weiteren Stoß geben: 15 Prozent des BIP sind in diesem Bereich gebündelt. Sollten hier schwere oder auch schon mittlere Fehler bei den Reformen gemacht werden, kann dies das ganze Land empfindlich durchbeuteln. Der amerikanische Staat hängt, dank seiner Total-Bürgschaft, voll verantwortlich in diesen 5 000 Milliarden Dollar Hypotheken mit drin. Wenn hier etwas zu sehr wackelt, droht der ganze Markt wieder einzustürzen.

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