Saudi-Arabiens „Tag des Zorns“: Bringt er eine weitere Ölpreis-Explosion?

Die Welt steht am Rande einer enormen Staatsschuldenkrise, ein steigender Ölpreis ist das letzte, was man jetzt noch gebrauchen könnte. Investoren schauen besorgt auf den 11.03.2011, der in Saudi-Arabien zum „Tag des Zorns“ ausgerufen wurde

The Economic Collapse, 08.03.2011

Der Ölpreis scheint sich allmählich zur Top-Wirtschaftsmeldung des Jahres zu entwickeln, und zum gegenwärtigen Zeitpunkt schauen die Investoren gebannt auf die Situation in Saudi-Arabien. Nachdem all die anderen Revolutionen im Nahen Osten über das Internet organisiert wurden, gibt es nun auf Facebook und Twitter auch Aufrufe für einen „Tag des Zorns“ in Saudi-Arabien, der am 11.03.2011 stattfinden soll.

Die saudische Monarchie versucht gerade jegliche Proteste im Keim zu ersticken und versprach bereits USD 37 Milliarden an „Zuwendungen“ für das Volk, während man gleichzeitig öffentlich verlautbarte, dass alle politischen Demonstrationen strengstens verboten sind.

Darüberhinaus stationierte die saudische Regierung bereits tausende Sicherheitskräfte an verschiedenen potenziellen Krisenherden im ganzen Land. Ähnliche Maßnahmen in anderen Ländern des Nahen Ostens haben jedoch nicht geholfen, die Proteste niederzuschlagen.

Das revolutionäre Feuer, das die Region nun erfasst hat, könnte in Saudi-Arabien einer wahrhaften Prüfung unterzogen werden, da die Saudis auf eine lange Geschichte der brutalen Unterdrückung des eigenen Volkes verweisen können. Die Saudis verstehen da überhaupt keinen Spaß. Eine Revolution in Saudi-Arabien dürfte also bei weitem schwieriger werden, als in Tunesien, Ägypten oder Libyen.

Sollte Saudi-Arabien dennoch von einer Revolution erschüttert werden, dürfte dies den Ölpreis in noch nie zuvor dagewesene Bereiche katapultieren. Saudi-Arabien ist der größte Erdölexporteur der Welt, und sollten die Versorgungslieferungen von saudischen Ölfeldern auch nur für kurze Zeit aussetzen, hätte dies dramatische Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Die Welt steht bereits am Rande einer enormen Staatsschuldenkrise. Das letzte, was man jetzt noch gebrauchen könnte, ist ein starker Ölpreisanstieg oder das der Preis von Öl gar in die Stratosphäre schießt.

Die Investoren in aller Welt sind sich gegenwärtig noch nicht ganz im Klaren darüber, was sie von all dem halten sollen, und die Finanzmärkte mögen diese Unsicherheiten auch nicht. Es braucht nur eine richtig schlechte Meldung, und die weltweiten Märkte könnten zusammenbrechen. Aktuell gibt es völlig wilde Spekulationsgeschäfte mit Öl-Kontrakten. CNN veröffentlichte jüngst einen Artikel, in welchem hierzu angemerkt wurde.

„Das spekulative Fieber ist so beachtlich, dass die großen Handelsfirmen nun fast doppelt so viele offene Kontrakte haben, mit denen sie auf steigende Preise spekulieren, als dies in 2008 der Fall gewesen ist, wo Öl im Sommer in der Spitze auf USD 147 kletterte – eine Entwicklung, die entweder dem weltweiten Wirtschaftseinbruch vorausging oder ihn auslöste, je nachdem, wie man es sieht.“

In den letzten Tagen explodierte speziell die Zahl der Investoren, die darauf wetten, dass eine Revolution in Saudi-Arabien den Ölpreis auf über USD 200 pro Barrel senden könnte. USD 200 pro Barrel? Es gibt tatsächlich Leute, die darauf wetten, dass dies passiert?

Das Allzeithoch für Öl liegt gerade einmal bei USD 147 pro Barrel. Noch vor wenigen Monaten war es für die meisten Ökonomen praktisch unvorstellbar, dass wir in 2011 wohlmöglich einen Ölpreis von USD 200 sehen könnten.

Es wäre jedoch ein Fehler, davon auszugehen, dass es in Saudi-Arabien nun definitiv zum Ausbruch einer vollumfänglichen Revolution kommen wird. Wir sollten uns noch einmal vergegenwärtigen, dass dieses Land eine sehr lange Geschichte hat, wenn es darum geht, dem Volk grundlegendste Freiheitsrechte zu verwehren.

Beispielsweise ist in Saudi-Arabien das Praktizieren einer anderen Religion als dem Islam strengstens untersagt. Jedem Saudi ist es gesetzlich verboten, eine andere Religion anzunehmen. Selbst ausländischen Besuchern ist es verboten, in der Öffentlichkeit eine andere Religion zu praktizieren. Das ist eine völlig andere Welt. In Saudi-Arabien kann man nicht einfach in ein Geschäft gehen und eine Bibel kaufen. In Wirklichkeit ist es sogar so, dass man ins Gefängnis kommt, wenn man versucht, eine Bibel nach Saudi-Arabien einzuführen.

Bis zum heutigen Tage finden in Saudi-Arabien Enthauptungen und andere brutale öffentliche Hinrichtungen statt. Wenn man in Saudi-Arabien eine Revolution plant, sollte man daher besser genau wissen, was man tut, denn die Saudis verstehen überhaupt keinen Spaß.

Der überwiegende Teil der Welt hofft darauf, dass in Saudi-Arabien keine Revolution stattfinden wird, da die gegenwärtige Situation der Weltwirtschaft prekär ist, um es einmal nett auszudrücken.

Sollte der Ölpreis beispielsweise in Europa für eine bedeutende wirtschaftliche Abkühlung sorgen, hätte dies globale Auswirkungen. Moody´s Investors Service hat die Bonitätsnote Griechenlands jüngst um drei Noten auf B1 abgesenkt. Aber Griechenland steht nicht alleine da. Für verschiedene weitere europäische Regierungen wird es aktuell immer kostspieliger, die Schulden zu finanzieren.

Wir stehen also am Rande einer massiven europäischen Staatsschuldenkrise, und das Chaos im Nahen Osten könnte dafür sorgen, dass eine Panik losgetreten wird.

Die Vereinigten Staaten könnten unter einem Ölpreisanstieg sogar noch stärker zu leiden haben als Europa, das die US-Wirtschaft weitflächig verstreut und von Exportgütern extrem stark abhängig ist. Wussten Sie, dass im Jahre 1960 gerade einmal 8% aller Waren, die von US-Bürgern gekauft wurden, aus dem Ausland kamen? Heute sind es 60%.

Was würde also passieren, wenn sich die Transportkosten für diese Produkte plötzlich verdoppeln würden? All die Produkte, die wir kaufen, müssen ja auch irgendwie transportiert werden, und ein Anstieg der Transportkosten würde natürlich an die US-Verbraucher weitergereicht.

Die Wahrheit ist jedoch, dass die Probleme bereits da sind. Schon heute haben Millionen amerikanische Familien aufgrund des Chaos im Nahen Osten mit massiven Finanzproblemen zu kämpfen. Vom 18.02.2011 bis zum 04.03.2011 hat sich der durchschnittliche Benzinpreis in den USA um USD 0,33 pro Gallone (3,8 Liter) verteuert. Das ist der höchste Benzinpreisanstieg, der jemals in den Vereinigten Staaten verzeichnet wurde.

Der Anstieg des Ölpreises hat jedoch auch noch weitreichendere wirtschaftliche Auswirkungen.

Umso stärker der Ölpreis steigt, desto größer wird auch unser Handelsdefizit. Wenn das Handelsdefizit größer wird, bedeutet das, dass mehr Geld das Land verlässt und weniger Geld zur Verfügung steht, um amerikanische Unternehmen und Arbeiter zu unterstützen. Wenn amerikanische Arbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, bedeutet dies wiederum, dass sie kein Vermögen mehr schaffen und keine Steuern mehr zahlen. Stattdessen hängen sie am Tropf des Systems, da sie von nun an von Regierungszuwenden abhängig sind.

Wenn Millionen Amerikaner nicht mehr produktiv sind und sich steuerzahlende Arbeiter in Sozialhilfefälle verwandeln, dann sorgt das dafür, dass das US-Haushaltsdefizit noch größer wird. Die Amerikaner begreifen nicht, wie stark das US-Handelsdefizit und das US-Haushaltsdefizit miteinander in Zusammenhang stehen. Das eine heizt das andere an.

Bedauerlicherweise scheint die US-Notenbank auch noch zu glauben, dass die Lösung für all unsere heutigen wirtschaftlichen Probleme darin bestehen würde, immer mehr Geld zu drucken. Laut dem Präsidenten der FED in Atlanta, Dennis Lockhart, könnte die Federal Reserve gezwungen sein, noch mehr quantitative Lockerungsmaßnahmen einzuleiten, sollte der Ölpreis allzu stark steigen.

Ach wirklich?

Einer der Gründe dafür, warum der Ölpreis und andere Rohstoffe innerhalb der letzten 6 Monate im Preis gestiegen sind, ist ja gerade diese ganze skrupellose Gelddruckerei. Und nun erklärt Lockhart, dass man aufgrund des Ölpreisanstiegs wohlmöglich noch mehr Geld drucken müsste. Ja wie bizarr ist das denn?

Bedauerlicherweise haben kürzlich mehre Spitzenvertreter der Federal Reserve angedeutet, dass eine dritte Runde der quantitativen Lockerung durchaus möglich ist. Es scheint, dass der Irrsinn gar kein Ende mehr nehmen will. Egal wie es kommt, der Rest des Jahres 2011 dürfte auf alle Fälle noch sehr interessant werden.

Selbst wenn es in Saudi-Arabien nicht zu einer Revolution kommen sollte, dürfte der Ölpreis aller Vorausschau nach immer weiter ansteigen, genauso wie dies bereit während der letzten paar Monate beobachtet werden konnte.

Sollte es in Saudi-Arabien jedoch zu einer vollumfänglichen Revolution kommen, könnte dies die Weltwirtschaft buchstäblich über Nacht auf den Kopf stellen. Das gesamte Weltfinanzsystem würde dann in einen Zustand des Chaos gestürzt.

Öl ist das Lebenselixier der Weltwirtschaft. Ohne eine fortwährende Versorgung mit sehr billigem Öl, könnte das Leben, so wie wir es kennen, dramatischen Veränderungen unterworfen sein. Die meisten von uns gehen davon aus, dass wir immer in einer Welt leben werden, in der die Versorgung mit sehr billigem Öl niemals aufhören wird.

Nun ja, die Zeiten ändern sich. Halten Sie sich besser gut fest, denn es dürfte von nun an eine ziemlich holprige Fahrt werden.

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