Finanz-Armageddon: Die 11 Phasen des System-Zusammenbruchs

Jeff Thomas, International Man, 29.08.2012

Bei all den Untersuchungen und all den Gedanken, die wir uns machen, um herauszufinden, wie sich der „Große Zusammenbruch“ im Detail abspielen wird, nehmen wir uns nur selten die Zeit, um darüber nachzudenken, wie es nach dem Systemcrash aussehen wird. Diejenigen von uns, die von Natur aus langfristig orientierte Denker und/oder Optimisten sind, verfügen über ein vages Bild, wie es danach aussehen könnte: Es kommt zu einer Wiedergeburt libertärer Auffassungen und einer boomenden Wirtschaft.

Nun ja, das war es in der Regel aber auch schon, was wir uns diesbezüglich denken – ganz einfach weil wir viel zu stark damit beschäftigt sind, uns mit dem Systemcrash, dem „Großen Zusammenbruch“, auseinanderzusetzen, was an sich bereits außerordentlich zeitintensiv ist.

Einer meiner Kollegen – von dem ich glaube, dass er ein sehr vernünftiges, wenn nicht gar umfassendes Bild von der aktuellen Depression hat – erklärte mir vor wenigen Tagen: „Ich wünschte, dass der Crash einfach morgen kommen könnte und alles, was dazugehört, damit wir nächstes Jahr wieder zur Normalität zurückkehren können.“

Ups … vielleicht sind seine Vorstellungen dann doch ein wenig holzschnittartiger, als ich ursprünglich gedacht hatte. Und wenn andere ebenfalls seiner Auffassung sind, ist es vielleicht nötig, dass wir diese Thematik noch einmal etwas intensiver beleuchten. Ja sicher, gegenwärtig ist die Zeit wohl noch nicht reif dafür, dass diese Aspekte zu einem Hauptgesprächsthema avancieren, dennoch dürfte es sinnvoll sein, hier noch einmal detailliert aufzuführen, was passieren könnte, nachdem das große Feuerwerk stattgefunden hat.

Zehn Jahre hoch und zehn Jahre runter

Der Wirtschaftsexperte Harry Shultz erklärte Anfang des letzten Jahrzehnts, dass er von „zehn Jahren hoch und zehn Jahren runter“ ausgehen würde. Zu jener Zeit glaubten viele, dass diese Prognose viel zu lang sei. Ich bin jedoch nicht dieser Meinung.

Die Menschen sind gemeinhin der Auffassung, dass, haben die verschiedenen Crashs erst einmal stattgefunden, wir uns einfach den Staub von den Sachen klopfen und fröhlich weitermachen wie zuvor.

Eine Depression funktioniert aber nicht so. Sie ist eher mit einer Stadt zu vergleichen, die von einem Wirbelsturm in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Sturm mag vielleicht schnell vorbei sein, aber die Aufräumarbeiten dauern. Die Stromversorgung ist zusammengebrochen. Die Straßen sind unpassierbar. Eigenheime und Geschäfte sind zerstört.

Und da ich persönlich beim Wiederaufbau einer kleinen Gemeinde, die von einem Wirbelsturm der Kategorie 5 verheert wurde, beteiligt gewesen bin, kann ich Ihnen versichern, dass der Wiederaufbau – selbst wenn die Bevölkerung fleißig und motiviert ist – eine enorme Aufgabe darstellt und es für das Meistern dieser Aufgabe überdies auch noch sehr viel Zeit braucht.

Meines Erachtens wird die Phase, die den verschiedenen Zusammenbrüchen folgt, also völlig anders verlaufen, als all jene glauben, die damit rechnen, dass es nach dem Kollaps umgehend zu einer Erholung kommt. Nicht etwa, weil ich mich für einen Visionär halte; meine Anschauungen basieren vielmehr auf der Geschichte.

Wenn wir uns die Wirtschaftszusammenbrüche der Vergangenheit mit all ihren möglichen Domino-Effekten wie Hyperinflation und Währungsvernichtung anschauen, dann stellen wir fest, dass sie sich – ganz egal, ob wir nun das Römische Imperium, die Weimarer Republik, Argentinien oder Zimbabwe nehmen – in ihrem Verlauf doch sehr stark gleichen.

Wir sollten uns also mit diesem Verlaufsmuster auseinandersetzen und uns die Frage stellen, ob der aktuelle Zusammenbruch nicht genauso verlaufen könnte (wenn wir hier mal davon absehen, dass es dieses Mal wesentlich schlimmer und langanhaltender werden könnte, da die Rahmenbedingungen, die zur jetzigen Depression geführt haben, bedeutend extremer sind).

Die verschiedenen Crash-Phasen scheinen mehr oder weniger vorgezeichnet zu sein, obschon die einzelnen Faktoren, die in jeder dieser Phasen wirken, ein klein wenig vager sind. Fakt ist aber, dass bei jedem bedeutenden Wirtschaftskollaps eine Kombination dieser Faktoren zum Tragen kommt.

Überdies sollte man die einzelnen Phasen als Dominosteine auffassen – sie fallen praktisch ausnahmslos in ein und derselben Reihenfolge. Der Grund dafür ist, dass sich die geschichtlichen Details zwar verändern, aber die menschliche Natur immer dieselbe bleibt. Die Menschen reagieren ein ums andere Mal reflexhaft mit ein und denselben Verhaltensweisen.

Beispielsweise kommt es in den Industriestaaten zurzeit zu einem Rückgang bei den Exporten. Und ich gehe davon aus, dass die USA aufgrund dieser Entwicklung schon bald wieder katastrophale Schutzzölle ähnlich den Smoot-Hawley-Schutzzöllen der 30er Jahre einführen werden … was die Not der Amerikaner aber nur noch verschlimmern wird.

Die Phasen des Zusammenbruchs

Im Folgenden finden Sie die einzelnen Phasen des „Großen Zusammenbruchs“. Die ersten drei Phasen haben bereits stattgefunden:

1. Der Anfangs-Crash

2. Die Anfangs-Dominoeffekte der Crashs

3. Umgehende Maßnahmen durch die Regierung

Die ersten reflexhaften Reaktionen setzen umgehend ein: Die Regierung versucht, das Problem so schnell als möglich, „aus dem Weg zu räumen“. Dabei ist es fast ausnahmslos so, dass die entsprechenden Maßnahmen in aller Eile ausgearbeitet werden und äußerst kurzsichtig sind, wodurch sichergestellt wird, dass die Wirtschaft weiter zusammenbricht.

In dieser Phase scheitern die Politiker dabei, sich auf eine echte Lösung zu konzentrieren. Stattdessen konzentrieren sie sich darauf, (a) eine echte Lösung zu vermeiden und (b) der jeweils anderen Partei die Schuld in die Schuhe zu schieben. Das Problem verschlimmert sich dann solange, bis die nächste Welle an Dominos zu Boden kracht. Diese Entwicklung setzt gewöhnlich plötzlich ein und sorgt dafür, dass weitere Dominosteine zu Fall kommen.

4. Die zweite Crash-Welle

5. Reaktionen der internationalen Handelspartner

Das ist der Punkt, wo die Regierung damit beginnt, massive Veränderungen wie idiotische protektionistische Maßnahmen zu implementieren, die sich dann umgehend als Bumerang herausstellen.

6. Die Regierung implementiert desperate und selbstzerstörerische Maßnahmen

7. Die Wirtschaft reagiert auf die Maßnahmen der Regierung

Von hier an fallen die Dominos in rascher Reihenfolge. Der Regierung entgleitet zusehends die Kontrolle.

8. Systemzusammenbruch

Wenn diese Faktoren zum Tragen kommen, schlägt die Stimmung der Öffentlichkeit in eine Kombination aus Angst und blinder Wut um.

9. Gesellschaftlicher Zusammenbruch

10. Kriegsrecht

Zunächst konzentrieren sich die staatlichen Behörden vornehmlich auf die gewaltsame Unterwerfung und Verhaftungen; später, wenn die Gefängnisse rasch hoffnungslos überquellen, werden Lager zur Norm. Bald darauf sind auch die Lager nicht mehr zu bewältigen, da die Nahrungsmittel und das Personal enorme Kosten verschlingen.

Das ist dann der Punkt, wo die Lösung auf einmal darin besteht, jeden zu töten, der eines Verbrechens verdächtig ist und den Anweisungen der Regierung nicht Folge leistet. (Es wird nichts mit den Maßnahmen der Gestapo Ende der 30er Jahre zu tun haben. Der Organisationsgrad wird geringer sein und die Aktionen chaotischer verlaufen.)

11. Revolution

Sollte eine Revolution ausbrechen, dann in dieser Phase. Viele Menschen werden dann das Gefühl haben, dass sie nichts mehr zu verlieren haben, und der Zorn hat nun seinen Höhepunkt erreicht. Sollte es zu einer Revolution kommen, wird es keine organisierte Bewegung sein. Sie wird spontan ausbrechen und die Eruptionen dürften eher mit dem Innenleben einer Popcorn-Maschine zu vergleichen sein: Die Ausbrüche erfolgen größtenteils zufällig und dann in immer schnellerer Geschwindigkeit. An irgendeinem Punkt könnte sich das Ganze dann in etwas verwandeln, das einen höheren Organisationsgrad besitzt.

Weitere Artikel zu diesem Thema