Wettbewerbsverlust, Bürgerunruhen & Krieg: Währungskriege sind böse!

Die Verfechter der Druckerpresse können uns erzählen, was sie wollen: Währungskriege kosten Menschenleben und vernichten die Wirtschaft

Axel G. Merk, Merk Investments, 12.02.2013

Wenn die Länder „Währungskriege“ führen, können dabei echte Menschen ums Leben kommen. Mit der Entwertung ihrer Währungen riskieren die Länder unter anderem:

Im Folgenden werden wir nicht nur darüber sprechen, warum Währungskriege nach unserem Dafürhalten böse sind, sondern auch darüber, was Anleger dagegen tun können.

Wettbewerbsverlust

Der illusorische Vorteil einer schwächeren Währung ist, dass dadurch die Unternehmensgewinne angeheizt werden, weil die Firmen ihre Exporte ausweiten können. Das mag vielleicht für die kommenden Quartalsgewinnzahlen stimmen, aber dabei wird ignoriert, dass sich die Wettbewerbsposition der Unternehmen verschlechtert.

Der deutlichste Beweis dafür ist die steigende Anfälligkeit gegenüber Unternehmensübernahmen durch ausländische Investoren. Beispielsweise haben chinesische Unternehmen immer mehr US-Vermögenswerte aufgekauft, während der Wert des US-Dollars ausgehöhlt wurde. Die USA verkaufen aktuell ihr Tafelsilber, um den Konsum zu stützen.

Wichtig ist auch, dass, subventioniert ein Land seine Exporte mittels einer künstlich schwachen Währung, den Unternehmen der Innovationsanreiz verlorengeht. Japan ist das beste Beispiel dafür: Japans Problem ist nicht etwa ein starker Yen, sondern der Mangel an Innovation. Indem sie den Yen schwächen, subventionieren sie die Unternehmen und berauben sie ihres Anreizes, sich zu reformieren.

Wir sind der Auffassung, dass die Industrieländer nicht über den Preis in den Wettbewerb treten können, sondern nur über Qualität. Die europäischen Firmen haben das bereits vor langer Zeit begriffen –Deutschland exportiert beispielsweise nur wenige billige Verbrauchsgüter.

Die Chinesen haben diese Lektion ebenfalls gelernt und ließen die Branchen, die billige Verbrauchsgüter produzierten, einfach scheitern und in andere Niedrigkostenländer abwandern: China klettert die Wertschöpfungskette schnell nach oben, während Vietnam seine Währung wiederholt abgewertet hat, da das Land hauptsächlich über den Preis in den Wettbewerb tritt. Und da eine starke Verbrauchererholung in den USA ausbleibt, gehen wir davon aus, dass Vietnam weitere Währungsabwertungen durchführen wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Innovationsdruck des Markts die stärkste Motivation ist. Regierungen, die ihre scheiternden Branchen mittels der Währungsentwertung subventionieren, richten bei ihren Wirtschaften dadurch langfristig gesehen Schaden an.

Bürgerunruhen

Aber Währungsentwertungen sind nicht nur für die Unternehmenswelt von Nachteil: Besonders schmerzlich sind sie für die Bürger. Da brauchen Sie nur einen Bürger Venezuelas zu fragen, wo die Regierung kürzlich eine 32%ige Abwertung gegenüber dem Dollar verkündet hat. Eine Über-Nacht-Aktion dieser Größenordnung ist umgehend spürbar, da sie für die Verbraucher sofort negative Auswirkungen hat. Eine sukzessive Entwertung der Währungen in den Industrieländern ist zwar weniger deutlich zu spüren, hat aber letztlich genau dieselben Folgen.

Die natürliche Folge der Währungsentwertung ist die Inflation, also der Verlust der realen Kaufkraft, was man dann an der Zapfsäule merkt: Während eine Währung an Wert verliert, werden die Rohstoffe teurer, die in dieser Währung ausgepreist werden.

Dass die Reallöhne in den USA während der letzten zehn Jahre stagnierten, dürfte vornehmlich auf die von der Fiskal- und Geldpolitik herrührende, sukzessive Entwertung des US-Dollars zurückzuführen sein. Die Menschen, deren Realeinkommen zehn Jahre lang auf der Stelle traten, fühlen sich betrogen, und bei diesen Menschen ist es eher wahrscheinlich, dass sie sich bei der Wahl für populistische Politiker entscheiden, die Veränderungen versprechen.

Die Währungsentwertung führt zu einer zunehmenden Einkommens- und Vermögensungleichheit und politischen Spaltungen, beispielsweise der Entstehung der Tea Party Bewegung auf der politischen Rechten und der Occupy Wall Street Bewegung auf der politischen Linken.

Der Aufstieg des Populismus kann auch bei Twitter beobachtet werden: Wir machen manchmal Witze darüber, dass die Politiker, die in der Lage sind, ihre politische Botschaft zu twittern, heutzutage über die besseren Wahlchancen verfügen. Das Problem ist nur, dass es kein Witz ist.

Im Nahen Osten sorgen ähnliche Trends für Revolutionen. Ja sicher, man kann die Menschen über lange Zeit hinweg unterdrücken, aber wenn sie nicht mehr in der Lage sind, sich selbst zu ernähren, revoltieren sie.

In den USA werden die Nahrungsmittel- und Energiepreise aus der Inflation herausgerechnet, während man uns erklärt, dass unsere Wirtschaft immer weniger auf Nahrungsmittel und Energie angewiesen ist – komischerweise ist die Zahl der US-Bürger, die auf staatliche Lebensmittelmarken angewiesen sind, letztes Jahr aber auf ein neues Rekordhoch geklettert.

In Ländern, wo weite Teile der Bevölkerung nicht in der Lage sind, genug Geld zu verdienen, um sich ernähren zu können, trägt die Währungsentwertung nicht nur zum Aufstieg des Populismus, sondern auch zu Revolutionen bei.

Krieg

All jene, die der Auffassung sind, dass die Währungsentwertung der richtige Weg ist, um einer Wirtschaftsdepression zu entkommen, sollten daran denken, dass die Große Depression den Übergang zum Zweiten Weltkrieg überhaupt erst möglich machte. Die Kriege, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgetragen wurden, neigten dazu, ein Ergebnis der Fiskalpolitik zu sein.

Beispielsweise kehrte Großbritannien 1925 zum Vorkriegs-Goldstandard zurück, obwohl sich das Land das eigentlich nicht leisten konnte. 1931 war Großbritannien dann dazu gezwungen, den Goldstandard abermals aufzugeben. Japan setzte den Goldstandard 1917 aus und kehrte dann zu Beginn der 1930er Jahre wieder zum Goldstandard zurück, nur um ihn Ende 1931 wieder aufzugeben. 1934 wurde der US-Dollar um 40% abgewertet: Eine Unze Gold, die bis dahin offiziell USD 20,67 kostete, war nun auf einmal USD 35 wert. Die Wechselkurse passten sich dieser neuen Realität an.

In der heutigen Welt, wo die großen Länder untereinander freie Wechselkurse haben, scheint die Geldpolitik eher proaktiv als reagierend ausgerichtet zu sein. Die zu Grunde liegende Fiskal- und Geldpolitik hat jedoch tiefgreifende Auswirkungen auf den Wert einer Währung – und zwar in realer (Kaufkraft) wie auch relativer (Wechselkurs) Hinsicht. Angesichts der beispiellosen Schulden- und Defizitniveaus auf der fiskalpolitischen Seite und der aggressiven Ausweitung der Zentralbankbilanzen auf der gelpolitischen Seite, erachten wie den Begriff „Währungskrieg“ als völlig zutreffend.

Wenn einem der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke erklärt, dass der Goldstandard die Große Depression unnötig verlängert hat, bekommen Viele das Gefühl, dass es sich bei geldpolitischem Aktivismus um einen Segen und nicht um einen Fluch handeln würde. Nach unserem Dafürhalten sind gerade die Elfenbeinturm-Ökonomen besonders anfällig dafür, Ursache und Wirkung durcheinanderzubringen.

Die Hauptursache einer Wirtschaftsdepression ist die exzessive Verschuldung, nicht zu starke Währungen. Währungsentwertungen und eine expansive Geldpolitik sind Versuche, diese Schulden zu sozialisieren, während die gerettet werden, die diese Schulden verantwortungslos angehäuft haben. Doch da die Regierungen in der Regel zu der Gruppe gehören, die diese exzessiven Schuldenberge auftürmt, soll uns glauben gemacht werden, dass eine derartige Politik zum Wohle der Allgemeinheit sei.

Wir sehen das anders: Währungskriege vernichten Vermögen. Währungskriege haben unverhältnismäßig negative Auswirkungen auf die Armen, da sie keine Vermögenswerte halten, deren Werte nominell aufgebläht werden und mit denen einige der Verluste ausgeglichen werden könnten. Die Zentralbanken schaffen zwar keine echten Kriege, aber ihre Geldpolitik hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Struktur einer Gesellschaft.

Bei den abstrakten Theorien, dass eine aggressive Geldpolitik die Lösung für Wirtschaftsdepressionen sei, wird der enorme gesellschaftliche Preis, den die Menschen für Währungskriege zu zahlen haben, einfach ausgeblendet. All jenen, die behaupten, dass der Preis einer Großen Depression schwerer wiegen würde, erwidern wir, dass die beste kurzfristige Politik, um wirtschaftliche Probleme anzugehen, eine gute langfristige Politik ist. Es ist uns unerklärlich, wie Währungskriege als gute langfristige Politik erachtet werden können.

Was man gegen Währungskriege tun kann

Wir können lamentieren, wie wir wollen – am Ende sind wir nur Beobachter, anstatt Handelnde. Wir können agieren, wenn es um unser eigenes Vermögen geht, und versuchen, es vor den Auswirkungen der Währungskriege zu schützen. Und wir sind der Auffassung, dass der beste Ort, um einen Währungskrieg zu führen, die Währungsmärkte selbst sein dürften, da dort die direkte Umsetzung von dem stattfindet, was wir als den Wahn der Politiker in den Währungsmärkten bezeichnen.

Es ist kein Nullsummenspiel, da die verschiedenen Zentralbanken unterschiedlich große Mengen an Geld „drucken“, selbst wenn das Geld heutzutage in Wirklichkeit nicht mehr gedruckt wird, sondern die Zentralbanken mit am Computer geschaffener Fiatwährung Vermögenswerte aufkaufen.

Auch Aktien könnten steigen, wenn genügend Geld gedruckt wird und dadurch alle Vermögenspreise nach oben klettern – doch dafür nimmt man auch all die Nebenwirkungen des Aktienmarkts in Kauf: Ohne Absicherungen sind die Aktienmärkte nämlich bedeutend volatiler als die Währungsmärkte.

Einige behaupten, dass die Währungsmärkte zu schwierig seien, um sie zu verstehen. Wir glauben, dass zehn wichtige Währungen viel leichter zu verstehen sind, als tausende von Aktien. Und es hat auch niemand behauptet, dass es einfach wäre …

Gold dürfte langfristig gesehen der Gewinner sein, aber für diejenigen, die nicht ihr ganzes Vermögen in Gold, der ultimativen Hartwährung, halten, stellt sich die Frage, wie man noch diversifizieren kann.

Um vom Währungskrieg zu profitieren, muss man sich eine Meinung darüber bilden, was die politischen Entscheidungsträger künftig im Währungsraum so treiben werden. Und wenn es überhaupt etwas Gutes gibt, was man über unsere politischen Entscheidungsträger sagen kann, dann, dass sie eher zu der berechenbaren Sorte von Mensch gehören.

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