Zypern-Krise hat das Vertrauen in das westliche Finanzsystem zutiefst erschüttert

Peter Schiff, Europacmetals.com, 02.04.2013

Die Meldung des Monats kommt von der großen Mittelmeerinsel Zypern, wo die keynesianischen Wirtschaftsplaner eine Wirtschaft hinterließen, die jetzt vor dem vollständigen Bankrott steht. Das Resultat ist ein beispielloser Schritt in Richtung des Finanzzusammenbruchs des Westens: Die direkte Pfändung der Bankeinlagen.

Zypern – ein Mikrokosmos des Westens

Die jüngere Geschichte Zyperns ist ein Mikrokosmos aller westlichen Nationalstaaten.

Unter einem umfassenden sozialstaatlichen System ist die Realwirtschaft geschrumpft, während das Bankensystem immer größer wurde. Zypern wurde hauptsächlich für russische Oligarchen zu einem Niedrigsteuer-Bankenparadies mit hohen Renditen. Laut den jüngsten Daten waren die von den zypriotischen Banken gehaltenen Vermögenswerte sieben Mal größer als das jährliche BIP von Zypern.

Bedauerlicherweise – aber vorhersagbar – hatte das zypriotische Bankensystem einen großen Teil dieser Gelder in griechischen Staatsanleihen geparkt. Die anhaltende Krise in Griechenland drohte dann, Zypern in den Abgrund zu reißen.

Die russische Regierung hatte den zypriotischen Banken schon im Dezember 2011 einen Kredit in Höhe von EUR 2,5 Milliarden gegeben und dachte dann im Rahmen der neuen Krise abermals über einen „Aufkauf“ des zypriotischen Staatsvermögens nach. Leider hatte sich nach genauerer Analyse aber herausgestellt, dass es dort nur wenig von Wert gibt, wenn man hier einmal von den zunehmend wertloser werdenden Wertpapieren absieht.

Die Rettung der Europäischen Union

In Brüssel ist man gemeinhin der Auffassung, dass das schlimmste Szenario für die Europäische Währungsunion darin bestünde, dass eines der Mitgliedsländer aus dem Euro gezwungen wird. Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Zentralbank bisher die Bankensysteme von Portugal, Irland, Griechenland und Spanien gerettet.

Als Zypern vor zwei Wochen kurz vor einem Bank-Run stand, sprangen die Eurokraten mit einem neuen Vorschlag ein, um die Bankreserven zu erhöhen: Die Pfändung von 9,9% der Einlagen über EUR 100.000 und 6,7%, wenn die Einlagen unter dieser Schwelle liegen. Das Ganze wurde dann unter dem Begriff „Bail-in“ bekannt.

Es kam zu einer umgehenden und heftigen Reaktion. Die Zyprioten gingen auf die Straße und protestierten gegen die drohenden Verluste und den Bruch der Einlagensicherungsgarantien für Einlagen bis zu EUR 100.000; die Bereitschaftspolizei kam zum Einsatz. Und die russische Regierung war verärgert, da man sie in den Plan, den Bürgern Russlands noch weitreichendere Verluste aufzuzwingen, nicht eingeweiht hatte. Die Fernsehmoderatoren lamentierten über den massiven Präzedenzfall, der durch diese Maßnahme geschaffen würde.

Rechtens oder populär?

Ein altes Sprichwort lautet: „Was richtig ist, ist nicht immer populär, und was populär ist, ist nicht immer richtig.“ Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass die öffentliche Meinung heutzutage so gut wie immer ein Kontraindikator ist.

Und auch bei dieser Situation machen sich die Medienexperten und Politiker abermals über das Verkehrte Sorgen. Sie bezeichnen jeden potenziellen Verlust der Einleger als „Beschlagnahmung“ oder „Steuer“. Aber das legt zu Grunde, dass die Bankkunden in Wirklichkeit eine Garantie hätten, dass all ihre Gelder, die auf ihren Konten ruhen, auch wieder zurückkehren werden.

Ja sicher, die Masse der Menschen mag das heutzutage tatsächlich glauben, aber aus ökonomischer Sicht ist das nicht nachvollziehbar. Dass Einleger Geld verlieren, ist genau das, was passieren sollte, wenn eine Bank zusammenbricht!

Das wirkliche Problem entstand Jahrzehnte früher, als die westlichen Regierungen die Bürger und Anleger zu der Annahme verleiteten, dass es bei kleinen Einlagen eine explizite Garantie und bei allen anderen Investments im Bankensystem – von großen Bankeinlagen bis hin zu Unternehmensanleihen – eine implizite Garantie geben würde.

Das führte zu einer ungehemmten Risikobereitschaft und es verwandelte sich in ein Schneeballsystem, da das Kapital fehlinvestiert und von produktiven Bereichen weggeleitet wurde – weshalb den immer stärker steigenden Einlagen jetzt auch in Wirklichkeit kaum noch etwas Werthaltiges gegenübersteht. Und das gilt noch stärker für ein Land wie Zypern, wo auf die Einlagen hohe Zinsen gezahlt wurden.

Aber warum glauben Bankkunden und Anleihehalter eigentlich, dass sie ein Recht auf Zinszahlungen hätten, ohne dabei Risiken einzugehen? So funktionieren Märkte nun einmal. Wir verdienen Zinsen bei diesen Investments, weil wir unsere Gelder an die Bank weiterverleihen. Wenn die Bank nicht in der Lage ist, uns die Gelder zurückzuzahlen, machen wir Verluste.

Um die Illusion der Unbesiegbarkeit der Banken aufrecht zu erhalten, haben sich die westlichen Regierungen aber bedauerlicherweise darauf zurückgezogen, riesige Vermögenstransfers in Form von direkten Banken-Stützungsmaßnahmen durchzuführen, die mittels der versteckten Inflationssteuer finanziert worden sind.

Durch die Inflationssteuer wird genau dasselbe Ziel erreicht wie durch die direkte Beschlagnahmung der Einlagen – sie senkt den realen Wert der Bankeinlagen und anderer Vermögenswerte ab, damit diese in Einklang mit der tatsächlichen Kapitalbasis der Wirtschaft stehen. Bei der Inflationssteuer wird das jedoch auf eine heimliche und verschlagene Art und Weise getan, sodass der Mythos bezüglich der „Sicherheit“ des Bankensystems und der „Weisheit“ der Regierung bei ihren Wirtschaftsinterventionen aufrecht erhalten werden kann.

Fakt ist, dass der Sparer von der Inflationssteuer gleich doppelt getroffen wird: Zunächst einmal gehen ihm aufgrund der gedrückten Zinsniveaus Zinseinnahmen verloren und dann wird zusätzlich auch noch seine Kaufkraft reduziert. Und während Ersteres nur zum Schaden der Einleger ist, schadet Letzteres jedem, der eine Landeswährung hält oder nutzt, nicht nur die Einleger.

Der zypriotische Rettungsdeal

Nach den Protesten, die drohten, die zypriotische Regierung zu stürzen, wurde ein neues Rettungspaket ausgehandelt. Die zweitgrößte Bank des Landes, Laiki, wird zerschlagen … Die Konten werden zu der Bank von Zypern transferiert, die zwischen 30% und 60% aller Einlagen über EUR 100.000 konfiszieren wird, um ihre Reserven aufzustocken. Die Anleihehalter beider Banken werden ebenfalls ausgelöscht. Dafür wird die Europäische Union Zypern im Gegenzug ein EUR 10 Milliarden Rettungspaket geben.

Und obschon dieser Staatsbankrott nicht nach rechtsstaatlichen Prinzipien erfolgt, ist er allemal ehrlicher als die Strategien der westlichen Nationalstaaten. Es ist ein lehrreicher Augenblick, ganz im Gegensatz zu dem heimtückischen Verrat, der mittels der inflationären Lösungen begangenen wird.

Die Zyprioten, Europäer und Anleger auf der ganzen Welt haben das erste Mal seit Generationen die klare Botschaft erhalten, dass die Risiken real sind. Banken sind keine endlos sprudelnden Profit-Brunnen, die auf unerschütterlichen Grundfesten ruhen. In Wirklichkeit handelt es sich bei einem staatlichen Mindestreservebankwesen um ein inhärent instabiles System.

Alternativen kommen auf

Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass die verzweifelten Versuche der zypriotischen Regierung, das System über Wasser zu halten – die kapriziösen Rettungs-Verhandlungen, die lang anhaltende Bankenschließung und die weitreichenden Kapitalverkehrskontrollen –, das Vertrauen in das gesamte westliche Finanzsystem zutiefst erschüttert haben.

Erst vor wenigen Tagen hat die Financial Times darüber berichtet, dass meine 100%-Reservebank, die Euro Pacific Bank, nach dem Ausbruch der Ereignisse in Zypern ein erhebliches Interesse erfahren hat und es zu einem Anstieg der Geldzuflüsse gekommen ist. (Die EP Bank sitzt in der Karibik, und aufgrund von Finanzgesetzen ist es US-Bürgern nicht erlaubt, dort ein Konto zu eröffnen.)

Darüber hinaus sehen wir auch einen Aufstieg einer „Antibanken“-Bewegung – ob nun in Form von Tauschgemeinschaften, Bitcoins oder Edelmetallen.

In einem Radiointerview sprach ich jüngst über die neuen Valcambi-Goldbarren, die in Europa und nun auch in den USA auf zunehmendes Interesse stoßen. Der 50-Gramm-Goldbarren kann in 1-Gramm-Stücke gebrochen werden, um sie bei Geschäften zu nutzen. Das ist ein radikaler Wandel, wie die Kunden mittlerweile über ihre Investments denken. Heutzutage geht es nicht mehr nur darum, Ersparnisse langfristig auf die hohe Kante zu packen, sondern man will das Gold auch für alltägliche Geschäfte bereithalten.

Die neue Online-Währung Bitcoin erfuhr zeitglich zur Zypern-Krise einen drastischen Wertanstieg, obschon diese Onlinewährung in der Vergangenheit sehr volatil gewesen ist. Unter normalen Umständen wäre der Eintausch von Bankeinlagen in eine brandneue Währung, die nur durch Kryptographie gedeckt ist, eine völlig idiotische Handlung – aber wir haben nun einmal keine normalen Umstände.

Und auch der direkte Tausch erlebt zurzeit einen Aufstieg. Von Griechenland über Argentinien bis hin zu meinem eigenen Hinterhof Connecticut, überall liest man davon, dass die Tauschclubs wachsen und gedeihen. Und obwohl man sich dadurch in gewissem Maße vor unzuverlässigen Banken und Währungen schützen kann, werden die Teilnehmer dieser Tauschclubs schnell feststellen, warum Geld überhaupt erst entsteht: Es erlaubt den Menschen, zu sparen, zu investieren und außerhalb ihres unmittelbaren und vertrauten Umfelds Handel zu treiben.

Die Zukunft ist klar

Die Ereignisse in Zypern waren kein Ausreißer. Während ich diese Zeilen schreibe, plündert die US-Notenbank gerade Ihr Bankkonto. Dies wird derzeit über die versteckten Mittel der Inflation getan, aber Sie können sich sicher sein, dass, sollten die verdeckten Mittel nicht mehr machbar sein, man auch direkte Mittel einsetzen wird.

Ich habe ja bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass die US-Regierung mithilfe des Antigeldwäschegesetzes und anderer Finanzregulierungen schon heute eine finanzielle Berliner Mauer um die USA gezogen hat. Die einzige Fluchtmöglichkeit besteht darin, sein Geld aus dem Fiat-Finanzsystem abzuziehen.

Und obschon der Tausch und Hightech-Alternativen um die Aufmerksamkeit der neuen Antibanken-Gemeinde buhlen, bin ich der Auffassung, dass Privatpersonen, Finanzinstitutionen und Regierungen abermals lernen werden, dass Gold und Silber die ultimativen Realwerte sind. Mit jedem Schock, den das Finanzsystem erleidet, werden sich mehr und mehr Anleger dieser fundamentalen Tatsache gewahr werden.

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