Erster Krisenvorbote: Der japanische Aktienmarkt kollabiert

Michael Snyder, The Economic Collapse, 04.02.2014

Haben Sie mitbekommen, was jetzt in Japan passiert ist? Der Aktienmarkt der drittgrößten Wirtschaft des Planeten implodiert gerade. Am Dienstag fiel der Nikkei um über 610 Punkte. Und wenn sich das nach viel anhört, dann deshalb, weil es viel ist. Der größte Tagesrückgang in der Geschichte der USA liegt gerade einmal bei 777 Punkten. Der Dow Jones hat im Rahmen seiner aktuellen „Korrektur“ bisher gerade einmal 1.000 Punkte verloren, aber der Nikkei liegt mit über 2.300 Punkten im Minus.

Seit seinem jüngsten Hoch ist der japanische Leitindex schon über 14% gefallen, und viele Analysten glauben, dass das erst der Anfang ist. All jene, die auf einen vollumfänglichen Marktzusammenbruch warten, könnten bekommen, wonach sie verlangen. Japan versinkt in Schulden, seine Zentralbank druckt wie verrückt Geld und die japanische Bevölkerung altert immer schneller. Bezüglich der wirtschaftlichen Fundamentaldaten Japans gibt es praktisch nichts Positives zu vermelden.

Und, wird der asiatische Finanzzusammenbruch nun der nächsten großen Finanzkrise in den Vereinigten Staaten vorausgehen? Das ist es, was einige vorhergesagt haben, und es scheint nun zunehmend wahrscheinlicher, dass es sich auch bewahrheitet.

Was sich am Dienstag beim Nikkei abspielte, war absolut atemberaubend. Bloomberg beschrieb das Gemetzel beim japanischen Leitindex mit den Worten:

„Ende Januar 2013 gehörte der japanische Aktienmarkt zu den am stärksten steigenden Märkten der Industrieländer. Er wurde lediglich von Portugal abgehängt. Jetzt führt der Nikkei 225 Index die Rückgänge an. Letzten Monat sackte er um 8,5% nach unten und ist von seinem Hoch vom 30.12. bis heute um 14% gefallen.

Während des weltweiten Rückgangs – der dieses Jahr bereits USD 2,9 Billionen an Aktienwerten vernichtet hat – nahmen die Verluste in Tokio immer weiter zu. Zur gleichen Zeit wies China Anzeichen einer Abschwächung bei seinem Wirtschaftswachstum auf, und die US-Notenbank reduzierte ihre Belebungsmaßnahmen.“

Bloomberg wies darauf hin, dass die US-Notenbank für einen Großteil der Finanzprobleme, die wir derzeit überall auf dem Planeten beobachten können, verantwortlich gemacht wird.

Die Fed hat diese Blase geschaffen, indem sie Billionen an frischen Dollars ins Weltfinanzsystem gepumpt hat, und jetzt bringt sie diese Blase zum Platzen, indem sie damit beginnt, den Strom des billigen Geldes zu verringern.

Als sich die Fed dazu entschloss, Straffungsmaßnahmen durchzuführen, hatte ich davor gewarnt, dass genau das passieren würde – und nun warnt RBS vor einem „Markt-Blutbad“, sollte die US-Notenbank ihre Straffungsmaßnahmen nicht umgehend wieder aussetzen.

Den meisten Amerikanern ist überhaupt nicht bewusst, dass unsere Finanzmärkte heutzutage nichts mehr mit freien Märkten zu tun haben. Die Finanzmärkte sind von den Zentralbanken massiv manipuliert und verzerrt worden. Die Billionen an Dollars, die die Fed ins Weltfinanzsystem gepumpt hat, haben praktisch jeden einzelnen Finanzmarkt auf dem Planeten infiziert:

„An Wall Street sprechen sie zwar vom ´Hot Money` [Spekulationsgelder] – diesem scheinbar endlosen Geldstrom, der immer zu dem Land fließt, das gerade am profitabelsten ist –, doch in der Realwirtschaft ist es kalt geworden.

Diese Spekulationsgelder kommen meist in Form von niedrig verzinsten US-Dollars, die die Anleger in Unmengen geliehen haben, um in anderen höher rentierenden Währungen weltweite Investitionen zu tätigen. Dieser sogenannte Carry-Trade hat dazu beigetragen, einen weltweiten Investment-Rausch zu entfachen, der die Risikovermögenswerte hauptsächlich aufgrund der Politik des lockeren Geldes der US-Notenbank in die Höhe getrieben hat.

Doch da sich die US-Notenbank zurzeit in Tippelschritten von der Liquiditäts-Infusion – die ursprünglich bei USD 85 Milliarden pro Monat lag – verabschiedet, fangen die Anleger nun damit an, sich auf eine Welt steigender Zinssätze vorzubereiten, wo die endlosen Geldströme in Richtung der Schwellenmärkte zunächst abzuebben und dann zu versiegen beginnen.“

Von den grundlegenden Problemen, die zur letzten Finanzkrise führten, ist kein einziges gelöst worden. Stattdessen scheint die Fed zu glauben, dass sich jedes einzelne Problem lösen lässt, indem man einfach noch mehr Geld druckt.

Das war ein unglaublich dummer Ansatz, und jetzt sind unsere grundlegenden Probleme schlimmer als je zuvor, wie Marc Faber jüngst anmerkte:

„Die Gesamtkreditmenge als prozentualer Anteil an der Weltwirtschaft liegt nun 30% höher als zu Beginn der Wirtschaftskrise in 2007. In den Schwellenmärkten und den Ressourcen-Wirtschaften wie Kanada und Australien sind die Schulden der Privathaushalte drastisch in die Höhe geschossen, und wir sind an einem Punkt angelangt, wo die Schulden der Privathaushalte für das System zu einer Last geworden sind – und das ist genau der Punkt, auf den eine wirtschaftliche Abschwächung folgt.“

Und, was kommt nun als nächstes?

Nun, wenn die US-Notenbank und die anderen Zentralbanken nicht intervenieren, dürfte es an den Finanzmärkten wahrscheinlich zu einem noch stärkeren Blutbad kommen. Zumindest ist es das, was Dennis Gartman, der Herausgeber des „Gartman Letter“, CNBC am Dienstag gesagt hat:

„Ich glaube ganz einfach, dass es zu einer sehr ernsten, sehr tiefgreifenden und wirklich richtig hässlichen Korrektur kommen wird, die, bevor das Ganze vorüber ist, wohl noch bei vielen Leuten zu Wehklagen und Zähneknirschen führen dürfte.“

Andere Analysten teilen seinen Pessimismus. Laut Doug Short, dem Vizepräsidenten von Advisor Perspectives, „scheint [der US-Aktienmarkt] immer noch 67% überbewertet zu sein.“

Die ernüchternste aller Einschätzungen stammt von Richard Russel. In seinen 60 Jahren, in denen er über Finanzthemen schreibt, hatte er „bezüglich der uns bevorstehenden Dinge noch nie eine so ungute Vorahnung“ wie heute:

„Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mir keine Sorgen darüber mache, was sich derzeit abspielt. Ehrlich gesagt habe ich richtig Angst um mich, meine Familie und das Land. Ich habe das Gefühl, dass der Aktienmarkt derzeit am Rande eines Crashs steht. Sollte das passieren, wird die Stimmung der Anleger rasch ins Bärische umschlagen. Und der Bärenmarkt wird dann damit anfangen, sich selbst zu befeuern. Ironischerweise fanden die jüngsten Entwicklungen inmitten einer fast schon verrückten bullischen Stimmung statt …

Offenkundig sind sich die klugen Köpfe und die Verwalter institutioneller Gelder im Klaren darüber, dass die USA bereits halbtot im Wasser treiben. All das Gerede über eine sich aufhellende Wirtschaft ist reines Wunschdenken. Bernankes Traum einer prosperierenden Wirtschaft, die ohne Hilfe der US-Notenbank Fortschritte macht, ist nichts weiter als ein leerer Traum.

Ich schreibe nun bereits seit über 60 Jahren über den Aktienmarkt, und ich kann mich nicht daran erinnern, dass es einmal eine Zeit gab, wo ich bezüglich der uns bevorstehenden Dinge eine so ungute Vorahnung hatte. Der Haupttrend des Marktes ist – wie die Flut des Meeres – unaufhaltsam und nimmt auf niemanden Rücksicht. Was mich bei dieser aktuellen Situation am meisten erschreckt, ist, dass ich nirgends eine sichere Insel entdecken kann.“

Hier können Sie den Rest seiner sehr beunruhigenden Anmerkungen lesen.

Vielleicht findet der vollumfängliche Zusammenbruch der US-Aktien nicht diese Woche, diesen Monat oder gar dieses Jahr statt – aber es steht außer Frage, dass der Tag der Abrechnung immer näher rückt. Die Gesamtschulden der amerikanischen Gesellschaft – Verbraucherschulden, Unternehmensschulden und Staatsschulden – belaufen sich mittlerweile auf rund 345% des US-BIP.

Die einzige Möglichkeit, wie dieses Spiel aufrecht erhalten werden kann, besteht darin, die Schuldenblase immer weiter aufzublähen.

Sollte diese Schuldenblase einmal damit aufhören, immer weiter anzuwachsen, wird sie sehr schnell zu kollabieren beginnen.

Und all jene, die närrischerweise immer noch mit Unmengen an Geld im Aktienmarkt investiert sind, sollten besser darauf hoffen, dass sich die Fed in nächster Zeit dazu entschließt, eine große Marktintervention einzuleiten.

Denn sollte die Fed das nicht tun, besteht eine gute Chance darauf, dass wir es am Markt tatsächlich mit einem Blutbad zu tun bekommen.

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