Die Zusammenbruchsphase des Marxismus: Der Spuk wird ein Ende haben, aber was kommt danach?

Heutzutage haben wir es mit einem exzessiven Anstieg bei den Steuern zu tun, der dazu führt, dass die Produzenten ihr Kapital horten, keine Mitarbeiter mehr einstellen und ihre Unternehmen nicht ausweiten. Das hat unter den Jugendlichen zu einer Arbeitslosigkeit von über 60% geführt … Der Marxismus wird enden, und hierzu gehört alles, was darauf abzielt, die Wirtschaft zum Wohle der sogenannten „Bevölkerung“ – bei der es sich in Wirklichkeit nur um staatliche Bedienstete handelt, die auf Kosten des Privatsektors leben – zu manipulieren …

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 11.03.2014

Die Sozialisten behaupten, dass wir tatsächlich eine freie Marktwirtschaft namens Kapitalismus hätten und dies der Grund dafür sei, warum die Wirtschaft zurückgeht. Sie gehen davon aus, dass wir eine Wirtschaft schaffen können, in der alles eine gleichförmige gerade Linie ist, die sie Sozialismus/Kommunismus nennen. Alles, wo es Boom- und Bust-Phasen gibt, nennen sie Kapitalismus.

Die wirkliche Frage lautet aber: Wann hatten wir überhaupt jemals freie Märkte und Kapitalismus, ohne dass jemand versucht hat, die jeweils andere Seite – Arbeit oder Kapital – zu regulieren und zu manipulieren?

Als sich nach dem Mittelalter die Entstehung einer Gesellschaft abzeichnete, also zu dem Zeitpunkt, wo die Leibeigenschaft abgeschafft wurde, gab es nach dem Schwarzen Tod des 14. Jahrhunderts einen kurzen Augenblick, wo der Kapitalismus vielleicht für ein knappes Jahr existierte. Sieht man von dieser kurzen Phase einmal ab, haben beide Seiten – Arbeit und Kapital – immer versucht, sich gegenseitig zu regulieren und zu manipulieren, so dass es in Wirklichkeit nie einen freien Markt gegeben hat, der von den Sozialisten ja anscheinend so stark gehasst wird.

Adam Smiths „Unsichtbare Hand“ richtete sich gegen die französischen Physiokraten, die zu erklären versuchten, dass der Wohlstand ausschließlich von der Landwirtschaft herrührt und der Schmied, der Produkte herstellt und sie dem Bauern verkauft, ein Parasit sei, der vom durch den Bauern geschaffenen Wohlstand leben würde. Smith sagte in seinem Buch „Der Wohlstand der Nationen“, dass das falsch sei.

Und Smiths Ausführungen erwiesen sich als richtig. So wurde Japan zur zweitgrößten Wirtschaft der Welt, obwohl es auf einer winzigen Landmasse liegt und praktisch über keinerlei Bodenschätze verfügt. Die Japaner wurden produktiv und vernichteten die Gewerkschaften in den USA, die versuchten, das Spiel genauso zu manipulieren, wie dies auch vom Kapital versucht wurde. Jede Seite gewinnt über kurze Zeiträume hinweg die Kontrolle – so wie es auch bei den Demokraten oder den Republikaner der Fall ist –, aber keine der beiden Seiten versteht, dass sie einander brauchen, um zu existieren.

Durch den Schwarzen Tod kamen rund 50% der europäischen Bevölkerung ums Leben, und das entfesselte einen Arbeitskräftemangel, der dafür sorgte, dass wieder Gehälter eingeführt wurden. Für einen kurzen Augenblick existierten echte freie Märkte. Dank der Nachfrage stieg die Arbeit ganz natürlich im Wert. Und dann begannen die Manipulationen.

Die Könige des 14. Jahrhunderts wurden gierig und begannen damit, die Gehälter zu besteuern oder sie führten die Kopfsteuer ein. Als es die Leibeigenschaft noch gab, zahlten die Menschen überhaupt keine Steuern – nur die „reichen“ Landbesitzer zahlten Steuern. Dieser Wandel beim wirtschaftlichen Austausch freier Arbeit (Kapitalismus) sorgte für die erste Steuerrevolte in Frankreich und dann später in England. Der Arbeitskräftemangel ließ die Preise für landwirtschaftliche Güter in die Höhe schießen. Die Landbesitzer erklärten, dass die steigenden Gehälter nicht fair seien, und England verabschiedete Gesetze, um die freien Märkte wieder rückgängig zu machen.

1362 wurde im englischen Unterhaus eine Petition eingereicht, wo den Arbeitern, „die sich weigern, die Last der Armut geduldig zu ertragen“, die Schuld für die Inflation gegeben wurde, um so ein Einfrieren ihrer Gehälter zu rechtfertigen.

Zu jener Zeit stiegen die Steuern immer weiter an, was unter den Arbeitern und Landbesitzern zu einem Horten des Kapitals führte, wodurch die Geldumlaufgeschwindigkeit zurückging. Jetzt kam es auch zu Verordnungen, die den Export von Edelmetallen unter Strafe stellten, während das Horten von Kapital immer weiter zunahm. Eduard III. erließ 1351 das „Statute of Labourers“, wo der Höchstlohn auf das Niveau festgesetzt wurde, das vor der Pest bestand, und alle gesunden Männer verpflichtet wurden, arbeiten zu gehen. Der Schwarze Tod hatte eine sehr dynamische wirtschaftliche Auswirkung, da er das Vermögen des Einzelnen erhöhte, durch die Bevölkerungsreduzierung einen Arbeitskräftemangel schuf und Preisinflation hervorrief. Das war Marktwirtschaft in Reinform.

Die daraus resultierenden wirtschaftlichen Veränderungen waren in ganz Europa zu spüren. In Florenz kam es 1378 zum Ciompi-Aufstand. Das war eine Erhebung, an der sich die unteren Klassen beteiligten. Sie rissen die Regierung an sich und schufen die dynamischste und demokratischste Regierung, die Florenz je gesehen hat. Als die Regierung damit begann, die Menschen zu besteuern, kam es immer häufiger zu Aufständen.

In Wirklichkeit gab es nie eine Phase mit reiner Marktwirtschaft. Jede der beiden Seiten – entweder die Arbeit oder das Kapital, je nachdem wer gerade die Kontrolle innehatte – versuchte, die Gesetze so zu verändern, dass die wirtschaftliche Waage zu ihren Gunsten ausschlug. Heutzutage haben wir es mit einem exzessiven Anstieg bei den Steuern zu tun, der dazu führt, dass die Produzenten ihr Kapital horten, keine Mitarbeiter mehr einstellen und ihre Unternehmen nicht ausweiten. Das hat unter den Jugendlichen zu einer Arbeitslosigkeit von über 60% geführt. Und es ist nicht so, dass die eine Seite richtig und die andere falsch liegt. Beide Seiten liegen falsch, da man sich nicht einfach der Gesetzgebung bedienen kann, um zu versuchen, sich selbst wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen.

Daher ist es auch so schwer, zu sagen, was uns erwarten wird – Fakt ist jedoch, dass wir nun vor einem Römischen Augenblick stehen. Der Marxismus wird enden, und hierzu gehört alles, was darauf abzielt, die Wirtschaft zum Wohle der sogenannten „Bevölkerung“ – bei der es sich in Wirklichkeit nur um staatlichen Bediensteten handelt, die auf Kosten des Privatsektors leben – zu manipulieren. Der Lebensstandard der Menschen ist im Allgemeinen jedoch gesunken, und zwar nicht aufgrund der „Reichen“, sondern aufgrund des immer größer werdenden unproduktiven Sektors, den wir Staat nennen.

Der einzig mögliche Weg, der uns jetzt noch offensteht, bestünde darin, die Steuern abzuschaffen, da sich dann beide Seiten nicht mehr länger einen wirtschaftlichen Vorteil verschaffen könnten, wenn sie die Regierung kontrollieren. Politisch gesehen müssen wir den Karrierepolitikern ein Ende bereiten, da die Menschen so tatsächlich in der Lage wären, die Bürokratie zu kontrollieren. Die Amtszeiten sollten auf maximal ein Jahr beschränkt sein. Würden dadurch alle Probleme gelöst? Nein! Es wird auch nicht für immer anhalten, da die eine oder andere Seite einen Weg finden wird, das Machtgefüge zu verändern, und dann darauf aus sein wird, die andere Seite mit Regulierungen und Gesetzen zu attackieren und auszubeuten.

Das ist nur der Anfang. Es gibt nie eine permanente Lösung, da auch hier ein Zyklus am Werk ist. Der Kapitalismus – definiert als freie Marktwirtschaft für beide Seiten – hat in Wirklichkeit nie existiert, abgesehen von einigen wenigen sehr kurzen Phasen, bis die eine oder andere Seite damit anfing, zu versuchen, sich zum eigenen Wohl die Kontrolle zu verschaffen.

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