Der Lebenszyklus von Staaten: Warum der Zusammenbruch unvermeidlich ist

Charles Hugh-Smith, Of Two Minds, 25.03.2014

Ich habe eine Reihe interessanter Leserkommentare erhalten, die sich auf meine vorangegangenen Artikel beziehen, in denen ich näher auf die Inkompetenz der US-Notenbank Federal Reserve und des alles regulierenden Staats eingehe …

Einige Leser waren der Auffassung, dass ich die Macht dieser Institutionen, ihr im Grunde unbegrenztes Gelddrucken und die damit in Zusammenhang stehenden weltweiten Strategien weiter fortzuführen, unterschätzen würde.

Und obwohl ich mir über die offensichtliche Macht des unbegrenzten Gelddruckens und des weltweiten Imperiums im Klaren bin, war mein (in früheren Artikeln schlecht artikulierter) Punkt, auf den ich hinweisen wollte, folgender: Die Inkompetenz dieser Organisationen geht nicht auf die mangelnden Fähigkeiten oder die mangelnde Intelligenz der Manager dieser Organisationen zurück, sondern auf die diesen Organisationen innewohnende Unfähigkeit, komplexe Systeme zu steuern.

Wenn das System den Punkt erreicht hat, wo es nicht mehr regierbar ist, werden selbst die erfahrensten und brillantesten Manager scheitern, da es nicht die Manager sind, die unfähig sind, sondern die Organisationsstruktur selbst.

Wenn wir das beispielsweise auf die gottgleichen Fähigkeiten der US-Notenbank herunterbrechen, so können wir diese Fähigkeiten im Grunde auf drei Dinge reduzieren: Niedrigere Zinssätze durch den Aufkauf von zinstragenden Vermögenswerten, die Schaffung von Geld durch den Aufkauf von Vermögenswerten und die Bereitstellung von kostenlosem Geld (zu 0% Zinsen oder fast 0% Zinsen), das dem globalen Bankensektor über Kreditlinien zur Verfügung gestellt wird.

Und das war’s  – alles andere ist nur Show!

Und, ist es überhaupt plausibel, dass irgendeine Organisation eine unglaublich komplexe Wirtschaft mit drei Werkzeugen steuern kann? Die drei Hebel der US-Notenbank haben keine Kontrolle darüber, wie viel Geld sich die Banken von der Fed leihen oder was für irrsinnig riskante Spekulationen oder Fehlinvestitionen mit den geliehenen Geldern im Nachgang erfolgen.

Die US-Notenbank kann nicht einmal kontrollieren, ob das kostenlose Geld in den USA bleibt; so wird in einer Schätzung davon ausgegangen, dass ganze 60% des kostenlosen Geldes der US-Notenbank die USA auf der Suche nach höher rentierenden Carry-Trades und Spekulationen in den Schwellenmärkten verlassen hat.

Die Machthebel, über die die zentralisierte US-Notenbank und der überbordende, alles regulierende Staat verfügt, sind viel zu klobig und holzschnittartig, um ein komplexes System auf irgendeine sinnvolle Art und Weise zu steuern. Die US-Notenbank, die US-Bundesregierung und der dahinter stehende umfassende staatliche Verwaltungsapparat haben für derart komplexe Systeme allesamt nicht die richtige Steuerungsgröße.

Im Folgenden finden Sie einen Auszug aus „Vorbereiten auf das 21. Jahrhundert“ von Paul Kennedy aus dem Jahr 1993, wo er erklärt, warum dem so ist:

„Der bedeutendste autonome Akteur bei politischen und internationalen Fragen der letzten paar Jahrhunderte (der Nationalstaat) scheint nicht nur die Kontrolle und Integrität zu verlieren, sondern auch die falsche Größeneinheit zu sein, um die neuen Umstände zu bewältigen. Für einige Probleme ist er zu groß, um effektiv operieren zu können; für andere ist er zu klein. In der Folge entsteht Druck, um die ´Macht zu verlagern`, und zwar von unten wie auch von oben, wodurch Strukturen geschaffen werden, die auf die heutigen und künftigen Kräfte des Wandels besser reagieren können.“

All diese zentralisierten Machtkonzentrationen sind nun in die Phase des abnehmenden Ertrags der S-Kurve eingetreten. Und während die unbeabsichtigten Folgen ihrer Anstrengungen, komplexe Systeme mit ihren klobigen und begrenzten Mitteln zu steuern, immer weiter zunehmen, kommt ihr grundlegender Mangel an Vorstellungskraft zum Tragen, was dazu führt, dass sie nur noch mehr von dem tun, was bereits gescheitert ist.central-state1-13

Die strukturelle Inkompetenz von zentralisierten Behörden und Zentralbanken ist weltweit anzutreffen: Die zentralisierten Strategien von China, Japan, der Europäischen Union und ja, auch die von Russland werden alle aus ein und demselben Grund scheitern: Organisationen mit wenigen und beschränkten Kontrollmöglichkeiten, sind von ihrem Wesen her nicht der Lage, komplexe Systeme zu steuern.

„Wissen Sie, was mich am meisten von allem erstaunt? Die Unfähigkeit von Zwang und Gewalt, irgendetwas zu organisieren.“ – Napoleon Bonaparte

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