Gold: Investmentnachfrage bricht weg; Privatanleger sehen keine Notwendigkeit, Gold zu kaufen

Propagandafront.de, 22.05.2014

Der Bärenmarkt bei Gold treibt scheinbar immer stärker auf seinen Höhepunkt zu. Laut den vor wenigen Tagen veröffentlichten Daten des World Gold Council kam es bei der privaten Goldnachfrage im ersten Quartal 2014 zu spektakulären Einbrüchen.

Insgesamt konnte sich die weltweite physische Goldnachfrage im ersten Quartal dieses Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum zwar auf demselben Niveau halten und auch die Abflüsse bei den börsennotierten Goldfonds kamen zum Erliegen, aber die für den Goldbullenmarkt extrem wichtige private Investmentnachfrage (Goldbarren und Goldmünzen) ist in den größten goldkonsumierenden Ländern massiv eingebrochen.

Der weltweite Rückgang der Investmentnachfrage lag gegenüber dem Vorjahresquartal bei monströsen 39%, das ist ein Rückgang von USD 24,3 Milliarden auf USD 11,7 Milliarden. Die Goldnachfrage seitens der Privatverbraucher (Schmuck- und Investmentnachfrage) ging insgesamt um 16% zurück.

Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Daten:

Viele Analysten sind der Auffassung, dass die Investmentnachfrage einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Preistreiber des Edelmetallsektors ist. Solange die Verbraucher keine Notwendigkeit sehen, in verstärktem Maße in das gelbe Metall (und in die anderen Edelmetalle) zu investieren, dürfte das aktuelle Aufwärtspotenzial begrenzt sein.

Der Goldmarktexperte Eric Sprott führte dazu aus:

„Gold ist eher ein Investment-Vehikel. Rund 90% des jährlich geförderten Goldes wird für Investments genutzt. Und ja, ein Großteil des Platins und Palladiums wird in der Industrie verwendet. Dasselbe gilt für Silber. Und wenn es davon nicht sonderlich viel für Investmentzwecke gibt, dann ist es die Investmentnachfrage bei Silber, Platin und Palladium, die den Unterschied ausmachen wird.“

Joe Reagor sagt zur Investmentnachfrage:

„Der einzig wirkliche Anwendungsbereich bei Gold ist die Schmuckherstellung, ansonsten unterliegt es dem Auf und Ab bei der Investmentnachfrage und den Anforderungen der Banken, die es zum Zwecke des Aufbaus von Reserven kaufen. Gold wird ein klein wenig von Zahnärzten und ein klein wenig bei der High-End-Technologie verwendet –aber diese Anwendungsbereiche sind so winzig, dass sie nicht stark genug sind, um maßgebliche Faktoren des Goldpreises zu sein.“

Bei Silber verhält es sich auch nicht anders, so der Silberexperte David Morgan:

„Das sind Fragen, die ich lieber nicht beantworten möchte, weil die Chancen, dass ich mit meinen Antworten richtig liege, sehr gering sind. Mein Tipp wäre, dass es mindestens noch zwei bis drei Jahre dauern wird. Das hängt vollumfänglich von der Investmentnachfrage ab. Wenn die Anleger erst einmal damit beginnen, in physisches Silber zu stürmen, und die Angebotsseite mit der Nachfrage nicht mehr mithalten kann, werden wir den Short-Squeeze sehen, der von so Vielen seit so langer Zeit vorhergesagt wird.“

Der säkulare Goldbullenmarkt dürfte also erst dann wieder in Fahrt kommen, wenn die Privatanleger auch wieder das Gefühl verspüren, in das gelbe Metall stürmen zu müssen, so wie es auch in den Jahren 2008 bis 2011 der Fall war.

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Netdania.com – Goldpreis auf Tagesbasis in US-Dollar. Zum Vergrößern anklicken.

Der Goldmarktanalyst Mark O’Byrne schrieb am 21.05.2014 im Hinblick auf die aktuelle Goldpreisentwicklung:

„Gold notiert nun seit einem Monat in einem sehr engen Handelskanal von USD 1.283 bis USD 1.310 pro Unze. Es gibt eine Vielzahl von Dingen, die sich unter der Oberfläche des diesen Monat sehr ruhigen Goldmarkts abspielen. Diese oberflächliche Ruhe dürfte in den kommenden Tagen einer drastischen Kursbewegung nach unten oder nach oben Platz machen, wenn Gold aus seinem aktuellen Handelskanal ausbricht.

Ein Durchbrechen der Marke von USD 1.283 pro Unze ist möglich, und das könnte dazu führen, dass Gold schnell auf seine bei USD 1.200 pro Unze verlaufende längerfristige Stützungslinie fällt, um sie zu testen. Das ist wahrscheinlich, sollten die technischen Trader und Computer-Manipulation weiter dominieren. Sollte die physische Nachfrage jedoch aufgrund geopolitischer Spannungen und einer auf die Lockerung der indischen Einfuhrzölle zurückgehende Wiederbelebung der indischen Goldkäufe erneut anziehen, könnte Gold auch schnell seine Widerstände bei USD 1.385 und USD 1.418 pro Unze testen.“

Der Goldbullenmarkt wird erst dann wieder richtig an Fahrt aufnehmen, wenn die Privatanleger wieder massiv in den Goldmarkt strömen. Das kann jederzeit passieren, es kann aber auch noch ein wenig auf sich warten lassen. Sicher, eine Bankenpleite, eine Staatspleite, eine geopolitische Krise, ein Aktiencrash oder Bürgerunruhen können bei den Menschen jederzeit das dringende Bedürfnis entfachen, sich in den sicheren Hafen der Edelmetalle zu begeben – sollte dies jedoch in den kommenden Wochen und Monaten ausbleiben, wäre wohl auch mit fallenden Preisen zu rechnen, da die Sommermonate für Gold und Silber traditionell recht schwach sind. Aber wie heißt es so schön: Das beste Mittel gegen niedrige Preise sind niedrige Preise.

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