Geldsozialismus: Papiergeld ist „sozial ungerecht“

Herr Andreas Marquart war so freundlich, exklusiv für die Leser von Propagandafront.de einen Beitrag über die verheerenden gesellschaftlichen Auswirkungen des staatlichen Geldmonopols  zu verfassen. Der nachfolgende Beitrag ist thematisch an das neue Buch von Andreas Marquart und Philip Bagus Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden: … und welche Rolle der Staat und unser Papiergeld dabei spielen“ angelehnt

Andreas Marquart, Ludwig v. Mises Institut, 23.06.2014

Die „soziale Gerechtigkeit“ ist das Lieblingsthema aller politischer Parteien, gleich welcher Couleur. Es gehe immer ungerechter zu, so ist inzwischen häufig zu hören. Und der Schuldige steht auch bereits fest: der Kapitalismus ist es. Er ist es, der Reiche reicher und Arme ärmer macht. Neue Argumente hierfür lieferte jüngst das Buch des französischen Ökonomen Thomas Piketty Capital in the Twenty First Century. Auf 700 Seiten – gespickt mit zahllosen Formeln und Grafiken – liefert Piketty Regierenden in aller Welt die Thesen, die sie hören wollen, nach denen sie geradezu gieren. Sie gieren nach Argumenten, um Steuern und Abgaben weiter zu erhöhen. Die Reichen sollen zur Kasse gebeten werden, wobei noch zu klären ist, wer der Gruppe der Reichen angehört. Also Vorsicht: nicht gleich in den Chor einstimmen, der diese Pläne unterstützt. Vielleicht ist der Einzelne schneller dabei als gedacht, wenn der Begriff „reich“ von der Politik schlussendlich definiert wird.

Doch, gibt es diesen Kapitalismus überhaupt, der gegenwärtig nahezu einstimmig zum Bösewicht erklärt wird? Ein unverkennbares Merkmal von Kapitalismus oder besser – einer unbehinderten Marktwirtschaft – ist es, dass sich die Kräfte von Angebot und Nachfrage frei entfalten können. Betrachtet man hierzulande beispielsweise den Energiesektor oder das Gesundheitswesen, stellt man jedoch fest: alles staatlich reguliert, alles staatlich kontrolliert. Themen wie diese werden in der breiten Bevölkerung nur allzu gerne diskutiert. Doch ein Feld, in dem der Staat sogar das Monopol innehat, bleibt bei allen Diskussionen außen vor: das staatliche Geldmonopol. Eigentlich schizophren, die Menschen trauen Politikern meist nicht über den Weg, staatliches Geld aber stellen sie nicht in Frage. Regierungen weltweit ist es gelungen, ein Feindbild namens „Kapitalismus“ oder „die Märkte“ zu schaffen und damit einen Schuldigen zu präsentieren, dem sie die gesellschaftlichen Missstände in die Schuhe schieben können, für die im Grunde das staatliche Geldmonopol die Verantwortung trägt. Ein cleverer Schachzug.

Geld entsteht im heutigen Papiergeldsystem aus dem Nichts. Banken müssen auf Einlagen lediglich eine Mindestreserve von einem Prozent vorhalten. Doch das neue, in Form von Kredit entstandene Geld kommt bei den Marktteilnehmern nicht gleichzeitig an. Die einen erreicht es eher, die anderen später, wieder andere erhalten nichts davon. Das neue Geld lässt die Preise für Güter und Dienstleistungen ansteigen. Während die ersteren Empfänger noch zu unveränderten Preisen kaufen können, müssen die, die das Geld später erhalten, schon höhere Preise zahlen, bekommen also weniger Güter für eine Geldeinheit. Wer gar nichts vom neuen Geld erhält, schaut vollends in die Röhre. Diejenigen, die den besten Zugang zu neuem Geld haben, sind Staat, Banken und Großunternehmen. Der Großteil der Bevölkerung dagegen, vor allem Empfänger von Nominaleinkommen, sind die Verlierer.

Schlimmer noch, der Großteil der Bevölkerung wird sogar zusätzlich geschädigt: das allgemeine Zinsniveau ist durch beständige Geldschöpfung der Banken und durch die Schaffung immer weiterer Liquidität durch die Notenbanken inzwischen auf Tiefstniveaus angekommen. Das lässt in Geld gehaltene Vermögen wie Spareinlagen und Lebensversicherungsverträge real dahin schmelzen wie Eis in der Sonne.

Im Gegensatz zum Durchschnittsbürger kann ein ohnehin schon Reicher sein Vermögen besser streuen. Er kann es sich leisten, in Sachwerte wie Aktien und Immobilien, vielleicht sogar in Kunstwerke und Oldtimer zu investieren. Die Preisniveaus dieser Anlageklassen steigen mit der Geldflut immer weiter an. Der Reichere kann sich so gegen Geldentwertung schützen, der relativ Ärmere kann es nicht. Mehr noch: Vermögende können ihre Aktiendepots oder Immobilien als Sicherheit anbieten und kommen so leichter an Kreditmittel heran, um damit weitere Sachanlagen zu erwerben.

Je weiter sich die Schere zwischen Arm und Reich öffnet, umso lauter werden die Rufe nach Vermögenssteuern und Vermögensabgaben für Reiche. Die Regierungen weltweit werden nicht zögern, diesen Rufen zu folgen. Der Boden hierfür wird gegenwärtig bereitet. Schuld an der Misere ist jedoch die Geldschöpfung aus dem Nichts und nicht, wie Thomas Piketty behauptet, der Kapitalismus. Der existiert nicht. Im Gegenteil, es regiert der Geldsozialismus.

Bei näherer Betrachtung ist das herrschende Papiergeldsystem ein wahrhaft “perfides Geschäftsmodell”. Der Staat schafft durch sein monopolistisches Geldsystem soziale Ungerechtigkeit, macht Reiche reicher und Arme ärmer und macht eine immer größere Zahl von Menschen von staatlichen Leistungen abhängig. Am Ende greift er regulierend und umverteilend ein und sorgt so für seine scheinbare Daseinsberechtigung. Von dem Anteil, den der Staat dabei für sich behält, lässt es sich in der Politik vortrefflich leben. Auf den Punkt brachte es einst der Ökonom Roland Baader (1940 – 2012) mit folgenden Worten:

“Die politische Kaste muss ihre Existenzberechtigung beweisen, indem sie etwas macht. Weil aber alles, was sie macht, alles viel schlimmer macht,  muss sie ständig Reformen machen, das heißt, sie muss etwas machen, weil sie etwas gemacht hat. Sie müsste nichts machen, wenn sie nichts gemacht hätte. Wenn man nur wüsste, was man machen kann, damit sie nichts mehr macht.”

Das Geldwesen muss zurückgelegt werden in die Hände der Menschen. Sie selbst wissen, was gut für sie ist. Auch ohne Staat.

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