Abschaffung von Bargeld: Das neue Zeitalter des Wirtschafts-Totalitarismus

Das Finanz-Armageddon rückt immer näher und die westlichen Staaten sind sich absolut im Klaren darüber, dass die nächste Krisenwelle nur noch wenige Monate weg ist. Sie bereiten sich derzeit darauf vor und planen die Abschaffung des Bargelds und den Übergang zu einer elektronischen Währung, um die Bankenkrise einzudämmen und sich an der Macht zu halten. Wenn die Menschen nicht aufwachen, wird eine neue drakonische Ära des Wirtschafts-Totalitarismus über uns hereinbrechen

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 03.05.2015

Ich hatte davor gewarnt, dass die westlichen Staaten in massiven Schwierigkeiten stecken. Wir sind jetzt wohlmöglich mit der schlimmsten Wirtschaftskrise der modernen Geschichte konfrontiert und laufen ernstlich Gefahr, in einen Wirtschafts-Totalitarismus abzutauchen. Den Staaten ist das Economic Confidence Model bestens bekannt. Viele Menschen haben mich gefragt, warum sie mich nicht getötet haben, da es so aussieht, als seien alle anderen Personen bereits tot, die bei den Geschehnissen, über die in der Dokumentation „The Forecaster“ berichtet wird, eine zentrale Rolle spielten. Ich glaube, dass die Antwort auf diese Frage ziemlich einfach ist, da ich sogar in Washington auf dem Kapitol mit den Worten vorgestellt wurde, dass ich der Typ sei, dessen Modell sie unterdrücken wollen.

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Der Staat ist keine einheitliche Gruppe. Die Kräfte, gegen die ich ankämpfte, beschränkten sich auf die Korruption in New York City. Die Zeitschrift „New Yorker“ durfte nur deshalb ein Interview mit mir im Gefängnis machen, weil sie damit direkt nach Washington gingen. Und als ich ins Loch geworfen wurde, war es ein Brief vom US-Kongress, worin gefragt wurde, wer diese Behandlung angewiesen hatte, der dazu führte, dass ich umgehend wieder herauskam. Und was meine Inhaftierung aufgrund der Missachtung des Gerichts anbelangt, bedurfte es schon des Obersten Gerichtshofs um mich freizulassen, da dieser den Staat anwies, auf meine Petition zu reagieren, und in diesem Fall der US-Generalstaatsanwalt die einzige Person ist, die vor dem Obersten Gerichtshof sprechen darf und nicht die korrupten Staatsanwälte von New York City. Das, was wir Staat nennen, ist also nie eine einheitliche Gruppe. Es gibt immer interne Kräfte, die um die Brotkrumen der Macht streiten, so wie Tauben unter den Tischen eines Straßencafés.

Ich habe in meinem Leben zahlreiche Staaten beraten, und es finden sich dort auch Menschen, die sich auf der wirtschaftlichen Seite der Macht befinden und sich sehr wohl darüber im Klaren sind, wofür ich stehe. Es gibt also nicht nur die Staatsanwälte, die jede Möglichkeit ausschlachten, um eine Berühmtheit zu Fall zu bringen, um damit ihre eigene Karriere voranzutreiben. Ich war vielleicht der erste und einzige Analyst und Prognostiker, der von der Bank von China eingeladen und während der Asienkrise von 1997 nach Peking eingeflogen wurde. Vielleicht bin ich auch der einzige Analyst, der auf wirklich globaler Ebene jemals so umfangreiche Erfahrungen machen durfte. Ich war praktisch überall dabei, und manchmal schien es so, dass ich immer, wenn irgendwo eine Krise auftauchte, von irgendeinem Staat hineingezogen wurde. Es dürfte wohl kaum eine große Nation geben, die sich über das Economic Confidence Model nicht im Klaren ist.

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Daher sprach ja auch Margaret Thatcher auf unserer Konferenz darüber und erklärte öffentlich, dass die Staaten bisher zwar Trends in Erwägung zogen, doch nun vielleicht auch damit anfangen sollten, die Entwicklungen auch als Zyklen wahrzunehmen. Es können kaum Zweifel daran bestehen, dass sich viele in den obersten Machtpositionen des Staats über des Economic Confidence Model im Klaren sind. Die Frage, die sich viele unserer Leser stellen, ist, ob sie auch endlich mal danach handeln werden.

Der britische Premierminister David Cameron erklärte zu Ende des G20-Treffens 2014 im australischen Brisbane am 17.11.2014, dass nun ein zweiter Finanzcrash unmittelbar bevorstünde. Er sagte, dass „die roten Warnsignale auf dem Steuerpult der Weltwirtschaft“ genauso blinken würden, wie zu dem Zeitpunkt, als die Weltwirtschaft zwischen 2007 und 2009 zu Fall gebracht wurde. Cameron war ziemlich ehrlich und warnte, dass es nun „eine gefährliche Rückkehr von Instabilität und Unsicherheit“ gibt. Und er wies darauf hin, dass sich die Wirtschaft der Eurozone weiter abschwächt und dies nachteilige Auswirkungen auf den Handel und die Beschäftigung habe, da die Exporte und die industrielle Fertigung weiter rückläufig sind. Das sorgte für zahlreiche bei uns eingehende E-Mails, da seine Aussagen plötzlich unsere Prognose widerspiegelten.

Und es ist tatsächlich so: Die Zinsen für Staatsanleihen sind mittlerweile in den negativen Bereich abgesunken – 30% aller Staatsschulden der Eurozone weisen aktuell eine negative Rendite aus. Das Ganze hat sich im Grunde zu einer Steuer auf Geld an sich entwickelt – es wird also das besteuert, was man nach der Begleichung der persönlichen Steuerlast noch auf dem Bankkonto hat. Wir befinden uns nun auf dem Weg ins Wirtschafts-Armageddon und der Tag der Abrechnung kommt immer schneller auf uns zu. Viele haben nach den Anmerkungen Camerons darauf hingewiesen, dass sich die Staaten nun tatsächlich auf einen weiteren Abschwung im Herbst 2015 vorbereiten würden, was merkwürdigerweise im Einklang mit dem Economic Confidence Model steht.

Es könnte tatsächlich so sein, dass die Staaten jetzt das Economic Confidence Model verwenden, da es ganz danach aussieht, als seien sie sich jetzt über Zyklen im Klaren. Nichtdestotrotz ziehen sie sich weltweit immer weiter von demokratischen Positionen zurück und bereiten sich stattdessen auf etwas vor, das eher nach einem Übergang zum Wirtschafts-Totalitarismus aussieht als nach Reformen. Die G20-Staaten haben sich für eine drakonischere Steuereintreibung ausgesprochen. Sie haben ihre Denkweise nicht verändert, aber eine Krise lässt sich nicht mit denselben Denkmustern lösen, die den Albtraum geschaffen haben, in dem man gefangen ist. Ganz allgemein ist es so, dass die Staaten nun zusätzliche Steuern einführen oder zumindest die Steuereintreibung verschärfen, wodurch wird die Weltwirtschaft zugrunde gerichtet wird.

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Die Kreditaufnahme der Staaten hält weiter an – die Staatsverschuldung und die Besteuerung scheinen eine einfache Lösung zu bieten, doch werden sich diese Schritte schlicht als eine Wiederholung derselben alten Fehler von früher erweisen und den sich am Horizont abzeichnenden Wirtschaftsrückgang nur noch weiter beschleunigen. Einige glauben, dass die Schuldenkrise wieder abgeklungen ist, da das Schulden/BIP-Verhältnis zurückging. Das Schulden/BIP-Verhältnis ist aber ein falscher Indikator, um diesen Trend zu verdeutlichen, da die Zinsen in den negativen Bereich gesunken sind. Der staatliche Konsum als realer Prozentsatz der realen Gesamtwirtschaftsleistung nimmt weiter zu. Sie haben keine Lösung für die Jugendarbeitslosigkeit, da sie die Steuern immer weiter anheben, und die Negativzinsen haben die Einkommen der Älteren ausgemerzt.

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Die G20-Länder haben entscheidende Schritte eingeleitet, um gegen private Steuervermeidung vorzugehen. 92 Steuerbehörden kooperieren nun miteinander und tauschen ihre Daten aus. Durch diese stringentere Steuereintreibung ist es den G20-Ländern möglich, aus dem Stand zusätzliche USD 32 Milliarden an Steuereinnahmen zu generieren. Die Politiker behaupten, dass diese Maßnahmen auf Konzerne abzielen würden, aber die Konzerne sind die großen politischen Finanziers und Spender. Das wirkliche Ziel sind immer die kleinen und mittelständischen Unternehmen und die Privatbürger, denn sie stellen über 70% der Arbeitsplatzschaffung und des Vermögens – nicht die großen Aktienkonzerne. Das ist auch der Hauptgrund für den Anstieg bei der Jugendarbeitslosigkeit – der verlorenen Generation.

Selbst David Cameron merkte auf seiner Abschlusspressekonferenz an:

„Umso stärker wir sicherstellen können, dass die großen Konzerne ihre Steuern ordentlich bezahlen, desto weniger müssen wir die hartarbeitenden Menschen besteuern, bei denen ich dafür sorgen will, dass sie mehr von ihrem eigenen Geld behalten können, damit sie es so ausgeben können, wie sie es für richtig halten.“

Das ist leider Propaganda. In Wahrheit ist es immer Propaganda, da sich Steuererhöhungen oder stringentere Eintreibungsmaßnahmen immer gegen Privatpersonen richten, die vom Staat als endloser Einkommensstrom angesehen und angegriffen werden.

Es sind die steigende Steuerlast und die steigenden Abgaben, die den kleinen und mittelständischen Unternehmen von den politischen Kräften auferlegt werden. Es dreht sich immer nur um den Staat, nicht um das Volk. Wir leben in einer Welt, wo viel zu viele Rechtsanwälte in den Regierungen sitzen, sich dort aber niemand findet, der über praktische Erfahrungen im Hinblick auf Devisen, Kapitalflüsse oder einfach nur das Führen eines Unternehmens verfügt. Als Anwälte schauen sie lediglich auf die Zahlen und machen sich ausschließlich Sorgen um den Anstieg der Arbeitslosigkeit aus Perspektive potenzieller Bürgerunruhen. Die politischen Entscheidungsträger scheren sich überhaupt nicht um den Arbeitsmarkt und begreifen auch nicht, wie er sich verändert. Das Einzige, was sie interessiert, ist ihr eigener Geldbeutel, nicht der des Volkes.

In Deutschland hat die Regierung nicht nur ein Mindestgehalt von EUR 8,50 pro Stunde eingeführt, sondern überdies auch einen europäischen Souveränitäts-Albtraum geschaffen. Die erste Frage, die einen dabei anspringt, ist, ob der deutsche Mindestlohn nun auch für Truckfahrer gilt, die durch ein bestimmtes EU-Mitgliedsland fahren. Einerseits werden die Unternehmen nun keine deutschen Firmen mehr mit dem Gütertransport beauftragen und andererseits ist die Regierung nicht in der Lage, den Arbeitsmarkt im Inland zu kontrollieren, während die Grenzen offen sind.

Die Regierung unter Angela Merkel hat nun also den ersten landesweiten Mindestlohn mit EUR 8,50 pro Stunde eingeführt. Dieses Gesetz war eine Idee der SPD, die dieses Vorhaben 2013 zu einer Bedingung für Merkels Regierungskoalition gemacht hat. Das ist die Forderung der Sozialisten, die versuchen, den Unternehmen höhere Gehälter aufzuzwingen, und es sorgt bereits für Unruhe unter der Bevölkerung. Die kleinen Unternehmen können schlicht niemanden mehr einstellen, da sie nun Gefahr laufen, gegen die Auflagen zu verstoßen. Unterdessen wehren sich die Firmen auch, indem sie Mitarbeitern ihre Werkzeuge, mit denen die Arbeit erledigt wird, in Rechnung stellen, was von Messergeld, über Gutscheine fürs Sonnenstudio bis hin zur Inrechnungstellung der Nutzung betriebseigener Computer reicht. Die deutschen Arbeitgeber warten mit kreativen Lösungen auf, um die Zahlung des Mindestlohns zu vermeiden, was die Gewerkschaften wütend macht.

Die traditionellen kommunistischen Feierlichkeiten zum 1. Mai fanden in Ostberlin und in ganz Deutschland statt, und wir beginnen nun zu sehen, wie sich die klassische Klassenkampfkrise entwickelt. In Weimar überfielen Rechtsextreme die Mai-Kundgebung, bei der sich die Gewerkschaften für den Mindestlohn aussprachen. Und die antikapitalistischen Proteste in Hamburg schlugen ebenfalls in Gewalt und Vandalismus um. Der 1. Mai ist in Deutschland und anderen Ländern als der inoffizielle Internationale Arbeitertag bekannt und wird mit Demonstrationen und Kundgebungen begangen, die in einigen Fällen in Gewalt mündeten. Auch in der Türkei gab es dieses Jahr Ausschreitungen.

Die deutsche Regierung geht nun mit einer Finanzpolizei in kleine Unternehmen und wenn sie einen Verstoß finden, können sie Strafzahlungen von bis zu EUR 50.000 auferlegen. Die kleinen Unternehmen haben daraufhin sogar damit aufgehört, Teilzeitbeschäftigte einzustellen. Ja man kann in Deutschland nicht einmal mehr kostenlos für etwas Essen arbeiten.

Diese Maßnahme Deutschlands, einen Mindestlohn einzuführen, um so die Unterstützung der Sozialisten zu erhalten, steht den Empfehlungen von Stephen Poloz, dem Gouverneur der Bank von Kanada, entgegen, der sich dafür aussprach, dass arbeitslose Hochschulabsolventen ihren Lebenslauf bereichern sollten, indem sie kostenlos arbeiten. Der deutsche Ansatz hingegen besteht darin, dass sie nicht kostenlos arbeiten dürfen. Es gibt viel zu viele politische Führer, die überhaupt keine Ahnung haben, was die Ursachen der enormen Jugendarbeitslosigkeit sind. Und sie verstehen auch nicht, warum 65% der Hochschulabsolventen – denen enorme Studentenkredite aufgebürdet wurden – nicht in der Lage sind, eine Arbeit in ihrem Fachbereich zu finden. Ja selbst das US Post Office stellt jetzt nur noch Teilzeitkräfte ein, um die Zusatzabgaben, die es sich ohnehin nicht leisten kann, zu vermeiden.

Dieser neue Trend in Richtung Prekarisierung der Arbeitswelt wird durch die Gesetze verursacht, mit denen versucht wird, den Arbeitsplätzen Kosten aufzubürden, die durch diese Arbeitsplätze überhaupt nicht abgedeckt werden können. Diese Prekarisierung der Teilzeitarbeit führt zu einer noch höheren Arbeitslosigkeit und einer noch höheren Unsicherheit am Arbeitsmarkt – eine Entwicklung, die sich derzeit weltweit immer weiter ausbreitet. Und dadurch wird auch der Trend weiter angeheizt, Minijobs durch Automation zu ersetzen, um so die belastenden Kosten einzusparen, die der Staat den Unternehmen auferlegt. Dadurch wird der ganze Trend in Richtung technologischer Fertigkeiten (ähnlich dem Wandel der Arbeitswelt in den 1920er Jahren von der Landwirtschaft in Richtung Industriefertigung durch die Einführung des Verbrennungsmotors) nur noch weiter verschlimmert.

Diese Trends schwächen die Grundfeste der Weltwirtschaft und ändern ihre gesamte Struktur. Die Staaten bekämpfen den Trend, scheinen sich aber darüber im Klaren zu sein, dass die Wirtschaft einbrechen wird, und das Economic Confidence Model warnt davor, dass wir es mit einem weit schlimmeren Einbruch zu tun bekommen werden als zwischen 2007 und 2009. Die Staaten verschanzen sich unterdessen, anstatt zu versuchen die Probleme zu lösen, die sie nun am Horizont aufkommen sehen. Die Zentralbanken greifen die zunehmend deutlicher werdenden Hinweise auf und planen nun drastische Restriktionen bei der Verwendung von Bargeld. Sie gehen davon aus, dass die Einführung elektronischen Geldes (1.) die Untergrund-Wirtschaft ausmerzen und (2.) sogar eine Bankenkrise verhindern kann.

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Die Idee, Bargeld zu verbieten, wurde zuerst als üblicher Test-Ballon gestartet, um zu sehen, wie die Menschen die Idee aufnehmen würden. Zunächst wurde er von Kenneth Rogoff von der Harvard University und Willem Buiter, dem Chefökonomen von Citigroup, losgelassen. Ihre Behauptungen wurden weithin hinausposaunt und ihre Untersuchungen bilden die Grundlage für die neue Ära des Wirtschafts-Totalitarismus, mit dem wir nun konfrontiert werden. Rogoff und Buiter haben die Grundlagen für das Ende eines Großteils unserer Freiheit gelegt und werden eines Tages als die neuen Nachfolger von Marx erachtet werden. Sie sitzen erhaben in ihren Büros, aber haben keinerlei praktische Erfahrung, die über Theorien hinausgehen würde. Wenn man über ihre Argumente nachdenkt, erkennt man, wie die Staaten alle Wirtschaftsmacht an sich reißen und das Bargeld vernichten können und im Rahmen dieses Prozesses gleich noch alle Rechte mit vernichten.

Bargeld stellt einen Schutz gegen Negativzinsen dar, denn wenn die Negativzinsen zu stark steigen, heben die Menschen einfach ihr Geld von der Bank ab und horten Bargeld. Darüber hinaus sind durch Bargeld auch Bank-Runs möglich. Schafft man die Papierwährung ab, hat man auch die Fähigkeit eliminiert, die Gelder von den Banken abzuziehen.

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Willem Buiter hat sogar darüber gesprochen, irgendwelche irrsinnigen Maßnahmen einzuführen, damit auch auf Bargeld Negativzinsen entrichtet werden, beispielsweise indem das Bargeld abgestempelt wird, so wie es die Briten einst taten, wo die Währung nur dann gültig blieb, wenn sie regelmäßig gestempelt wurde, um die Steuerzahlung darauf zu belegen. Das wäre völlig unpraktisch und ein absoluter verwaltungstechnischer Albtraum – es verdeutlicht, Buiters Mangel an praktischer Erfahrung und historischer Tiefe bezüglich dieses Themas. Diesen Menschen fehlt jedweder Sinn für Geschichte und sie haben nicht die geringste Ahnung, was für eine Welt sie hier vorschlagen. Das ist tatsächlich Marxismus hoch zehn, wo das Eigentum höchstens noch in der eigenen Vorstellung existiert.

Das, was dem Staat mehr Macht zuteilwerden lässt, kam den Vertretern des Staats schon immer gelegen. In vielen Ländern wurden bereits spezielle Maßnahmen ergriffen, die zeigen, dass über uns nun eine Rogoff-Buiter-Welt des Wirtschafts-Totalitarismus hereinbricht. Das ist der Tod des Kapitalismus. Und natürlich hassen die Sozialisten den Kapitalismus und glauben, dass das Geld anderer Leute ihnen gehören sollte. Sie können einfach nicht erkennen, dass der Kapitalismus Freiheit vom Staats-Totalitarismus bedeutet – die Freiheit, in dem Bereich aktiv zu werden, der einem selbst gefällt, ohne dass man die Bedürfnisse des Staats befriedigt, die über den eigenen stehen.

Und es gab bereits Testläufe für diesen Rogoff-Buiter-Wirtschafts-Totalitarismus, um herauszufinden, ob die Idee funktioniert. Ich hatte am 21.01.2014 darüber berichtet, dass Großbritannien einen Testlauf durchgeführt hat. In einer Einkaufsstraße in Manchester wurde Bargeld im Rahmen eines Experiments verboten, um zu sehen, ob die Briten eine bargeldlose Gesellschaft akzeptieren würden. Die Londoner Busse haben Bargeldzahlungen bereits seit Juli 2014 abgeschafft. Und unterdessen haben auch die Wechselstuben damit begonnen, Debit-Karten anstatt Bargeld anzubieten, was sie damit bewerben, dass das Reisen so sicherer gemacht würde. Das Experiment in Manchester wurde damit beworben, dass man die Reaktionen der Kunden und Unternehmen testen wolle, da das Bargeld innerhalb der nächsten 20 Jahre verschwinden würde.

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Frankreich hat ein weiteres drakonisches neues Gesetz erlassen, dass ab Sommer dieses Jahres in Kraft tritt. Dabei werden die Bargeld-Restriktionen dramatisch verschärft. Es wird versucht, das Bargeld mit Gewalt abzuschaffen. Die französischen Bürger und die Touristen dürfen dann nur noch eine begrenzte Menge an physischem Geld mit sich führen. Sie haben eine Finanzpolizei, die sogar Menschen in Zügen durchsucht, die einfach nur durch Frankreich als Transitland hindurchreisen, um herauszufinden, ob sie Bargeld besitzen, das sie nun beschlagnahmen werden. Unterdessen bewegt sich die neue französische Elite in exakt diese Richtung. Piketty will allen, die mehr als er selbst besitzen, das Geld einfach wegnehmen. Niemand steht auf Seiten der Freiheit oder setzt sich für die Beschränkung der Korruption des Staats ein. Das Problem sind immer die Menschen – der Staat wendet sich immer gegen die Menschen, da sie der vermeintliche Grund für das Fiskalmanagement des Staats sind, der nie genug für sich selbst bekommt.

In Griechenland wird vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise ebenfalls über eine drastische Absenkung des Bargeldverkehrs gesprochen. Der Staat plant, dass jede Rechnung über EUR 70 nur noch per Scheck oder Kreditkarte beglichen werden kann – es soll also strafbar werden, bar zu zahlen. Die deutsche in München gegründete Baader Bank geht davon aus, dass das Bargeld formell verboten wird, um die Negativzinsen auf den Bankkonten zu erzwingen, was in Wahrheit nichts weiter als eine Besteuerung auf den Teil des Geldes ist, der einem nach der gewöhnlichen Besteuerung noch übrigbleibt.

Wir nähern uns nun immer schneller dem Endspiel an, das jetzt zunehmend stärker in den Fokus rückt. Das Ganze ist so schockierend, dass man sich tatsächlich die Augen reiben und sich fragen muss, ob man wach ist oder träumt. Ende Mai wird das Thema des Bargeldverbots auch formell unter den großen Ländern auf einer großen Konferenz in London diskutiert werden. Die Verfechter der Beendigung der wirtschaftlichen Freiheit und der Hinwendung zu einer Neuen Weltordnung eines Wirtschafts-Totalitarismus, wo man nicht mehr länger anonym irgendetwas mit Papiergeld kaufen oder verkaufen darf, werden in London zu Wort kommen – namentlich Rogoff und Buiter. An diesem Treffen werden auch die Zentralbanken der Schweiz, Dänemarks, der Euroländer und der Vereinigten Staaten teilnehmen. Nein, ich bin nicht eingeladen, da ich der Rogoff-Buiter-Wirtschafts-Totalitarismus-Vision nicht zustimme. Das Ziel des Treffens ist es, eine Lösung für den heraufziehenden Wirtschafts-Notstand zu schaffen, der vom Economic Confidence Model prognostiziert wird.

Hinter den Kulissen scheinen derzeit unzweifelhaft Vorbereitungen für einen Wirtschaftseinbruch stattzufinden. Die Möglichkeit einer drastisch verschärften Finanzkrise im Herbst dieses Jahres zieht immer deutlicher am Horizont auf und es scheint, als würde diese Entwicklung nun weithin akzeptiert und als unvermeidlich erachtet werden. Es gibt offenkundig die ernsthafte Gefahr eines potenziellen globalen Bank-Runs, was auf die fehlerhafte Struktur des Euros und die bei der Schaffung des Euros nicht konsolidierten (vergemeinschaftlichten) Schulden der Euroländer zurückgeht. Die Bankreserven der europäischen Banken sind nicht einheitlich, und wenn die Euroländer in Schwierigkeiten geraten, wird es dem Bankensystem genauso ergehen. Das könnte sich in eine globale Krise verwandeln, denn wenn die Menschen sehen, wie die Banken in Europa zusammenbrechen, werden die Vernünftigeren in Nordamerika damit beginnen, ihr Geld als Vorsichtsmaßnahme von der Bank zu holen und damit eine Ansteckung in Gang bringen.

Die Probleme des europäischen Bankensystems können offenkundig zu einem weiteren Vertrauensverlust gegenüber den weltweiten Finanzinstitutionen führen. Die Abschaffung des Bargelds wird in diesem Kontext als wichtige Maßnahme zur Verteidigung des Systems erachtet. Die vollständige Abschaffung des Bargelds bedroht aber unsere Freiheit und Bürgerrechte in vielen Bereichen. Und dann haben wir ja noch die Menschen in den Schwellenmärkten, ja sogar in Osteuropa, in Ländern wie der Ukraine, wo sie den Banken nicht trauen und ihre Geschäfte mit Bargeld abwickeln. Die gesamte Weltwirtschaft könnte in zwei Teile aufgespalten werden – in Industrieländer und die Nichtindustrieländer. Wie kann Handel existieren, wenn es den Menschen an Grundvertrauen gegenüber dem Staat und den Banken fehlt?

Papiergeld ist in der Tat eine Absicherung gegen Negativzinsen. Dafür brauchen wir nur in die Schweiz zu blicken, um diese Theorie zu untermauern. Jedweder Versuch, einen Negativzins (Steuer) sagen wir von -5% einzuführen, hätte eine unvorstellbare Flucht in Richtung Bargeld zur Folge. Dies wurde jüngst mit dem Beispiel eines schweizerischen Pensionsfonds unter Beweis gestellt, der sein Geld im großen Stil von der Bank holte und es nun in Schließfächern lagert, um der Finanzrepression zu entgehen. Die Menschen werden gemäß ihrer Eigeninteressen handeln und Negativzinsen dürften aller Vorausschau nach die Verkäufe von Staatsanleihen absenken und, solange Bargeld existiert, einen Bank-Run auslösen.

Die Staaten und Banker sind offensichtlich nicht dumm. Die einzige Möglichkeit, solch einen weltweiten Bank-Run zu verhindern, wäre das vollständige Verbot von Papiergeld. Es ist unwahrscheinlich, dass dies in der Schweiz und den Vereinigten Staaten realisiert werden kann, da diese Wirtschaften in gewissem Grad von einer Art „Liberalismus“ beherrscht werden, aber auch weil ihre Währungen außerhalb ihrer Inlandswirtschaften zirkulieren. Die Tatsache, dass das Verbot von Bargeld nun auch im Rahmen einer globalen Konferenz diskutiert wird, an der große Zentralbanken wie die US-Notenbank und die EZB teilnehmen, zeigt aber, dass wir es hier nicht bloß mit einem regionalen Problem zu tun haben.

Nichtsdestotrotz dürfte die Idee einer Welt negativer Zinssätze (Steuern auf Geld) in Europa dramatisch an Fahrt aufnehmen, gerade weil dort gegenwärtig der Sozialismus in sich zusammenbricht. Die Brüsseler Regierung dürfte sich wohl kaum freiwillig von der Macht verabschieden und ihre Denkweise verhindert, dass eine Lösung herbeigeführt werden kann. Das Konzept der Negativzinsen springt nun auch auf die USA über. J.P. Morgan wird ab dem 01.05.2015 damit beginnen, Gebühren für Einlagen zu erheben. Und selbst in der Schweiz scheint es in die Richtung zu gehen, Bargeldvermögen mit einer Steuer oder einer Gebühr in Höhe der Negativzinsen zu belasten.

08Ironischerweise ist es so, dass früher, als Geld noch Münzen waren, das Buchgeld der Banken teurer war als das Münzgeld, weil die Münzen gefälscht oder entwertet werden konnten. Es gab damals häufig zweigliedrige Währungssysteme, wo Gold nur für den internationalen Handel verwendet wurde, während Silber die Währung war, mit der Gehälter und lokale Güter bezahlt wurden. Die Ungleichheiten zwischen den beiden Währungen waren oftmals sehr stark und unterlagen hohen Schwankungen, und das sorgte für Finanzkrisen, die manchmal auch dazu führten, dass die Banker einfach gehängt wurden.

Bankgeld entwickelte sich aus einer Notwendigkeit heraus. Bargeldtransaktionen machten es nötig, die Münzen, die den Besitzer wechselten, jedes Mal auf Echtheit zu prüfen. Daher wurde das Buchgeld bei der Bank wertvoller als Bargeld. Diese Art von Rückfall ins 14. Jahrhundert ist heute mit Sicherheit wieder möglich. Es könnte sein, dass ein Wechselkurs zwischen dem Buchgeld und dem Bargeld geschaffen wird, so wie es zu Beginn des Bankwesens nach dem Ende des Mittelalters der Fall war. Es könnte also sein, dass es dann bei den Bankeinlagen und dem Bargeld einen Spread gibt, der den Negativzinssatz widerspiegelt. Beispielsweise könnten unter solch einer Regelung bei Geldeinlagen auf dem Konto jährlich 2% abgezogen werden, während man eine 5%ige Steuer zu entrichten hat, wenn man Bargeld abhebt. In den USA ist es heute bereits so, dass Meldeberichte an die US-Steuerbehörde gehen, wenn man USD 3.000 oder mehr abhebt, und einige Banken stellen Kleinunternehmen heute bereits Gebühren dafür in Rechnung, dass sie Geld auf ihre Konten einzahlen. Ein Familienmitglied besitzt ein Restaurant und seine Bank stellt ihm nun Gebühren dafür in Rechnung, dass er Bargeld einzahlt.

Die Entwicklung in Richtung elektronischen Geldes geht mit Hochgeschwindigkeit vonstatten, und das sagt eine Menge über den Zustand unseres Finanzsystems. Die Erfolgsbilanz der großen Finanzinstitutionen ist alles andere als perfekt – wenn eine Krise ausbricht, stehen sie immer auf der falschen Seite des Trades und verlangen dann nach staatlichen Rettungspaketen. Es gab ja bereits Stresstests, die gezeigt haben, dass die großen Finanzinstitutionen überhaupt nicht in der Lage sind, einen weiteren Wirtschaftseinbruch zu verkraften.

Für Bankkunden heißt das, dass sie jetzt wirklich verinnerlichen müssen, was sich derzeit abspielt. Es ist höchste Vorsicht geboten, denn es besteht die reale Gefahr, alles zu verlieren. Wir müssen begreifen, dass diese Maßnahmen nach dem 01.10.2015 inmitten einer Bankenkrise über Nacht implementiert werden. Die Testballons sind bereits gestartet und die Diskussion ist schon im Gang. Der Trend der Besteuerung und Reduzierung des Bargelds scheint unaufhaltbar zu sein. Der Staat ist nicht darauf vorbereit, sich zu reformieren, denn dafür müsste man eine neue Art des Denkens einführen und es wäre überdies mit Machtverlust verbunden. Das kommt also überhaupt nicht in Frage. Die einzige Möglichkeit, die sie sehen, ist, uns in das neue verheißungsvolle Land des Wirtschafts-Totalitarismus zu führen. Bankkunden und Investoren sollten jetzt besser begreifen, dass eine breite Diversifikation für sie persönlich absolut Pflicht ist – und dazu sollte vor allem gehören, dass man einen Großteil seines Vermögens in verschiedene Investmentklassen investiert.

Leider ist es so, dass derzeit nur begrenzt Vermögenswerte zur Verfügung stehen, weshalb wir jetzt unsere Perspektive erweitern und die Weltwirtschaft als Ganzes wahrnehmen müssen. In Anbetracht der heraufziehenden Ereignisse ist jetzt Flexibilität gefragt. Man braucht also eine Art von Crashkurs, um zu begreifen, wie die Weltwirtschaft als Ganzes funktioniert und wie sich Kapitalströme im Inland wie auch im Ausland verhalten. Aus diesem Grund stellen wir all unseren Kunden unsere berühmte Kapitalfluss-Karte zur Verfügung, so dass man die globalen Kapitalbewegungen auf Tagesbasis mitverfolgen kann.

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Gleichzeitig ist es aber auch von entscheidender Bedeutung, dass man die weltweiten Währungsmärkte genau im Auge behält, da die Währungen oftmals wie die Aktie eines Konzerns funktionieren und basierend auf dem Vertrauen gegenüber einem bestimmten Land steigen und fallen. Die Werkzeuge, die wir in Kürze bereitstellen werden, werden es Ihnen erlauben, die Märkte mittels unseres Global Market Watch Tools zu beobachten, aber Sie werden auch jeden anderen Vermögenswert in einer beliebigen Währung sehen können.

Es wird weltweite Unterschiede geben, was diese neue Phase der Finanzrepression und das Zeitalter des Wirtschafts-Totalitarismus anbelangt. Rechtzeitig Alternativen wie Aktien, Unternehmensanleihen, Devisen, Edelmetalle oder Rohstoffe zu kennen, scheint dringlicher denn je. Das ist jetzt bestimmt nicht die Zeit für Vorurteile oder Verkaufs-Propaganda.

Bei den Maßnahmen in Richtung einer bargeldlosen Gesellschaft wird es einige Probleme geben, auf die hingewiesen werden sollte. Ja es ist wahr, das rasante Wachstum der Bargeld-Substitute wie Debit- und Kredit-Karten, Google-Wallets und dergleichen hat die Ökonomen zu der Prognose geführt, dass wir nun am Beginn der „bargeldlosen Gesellschaft“ stehen. Dennoch wachsen die Bargeldbestände in den meisten Industrieländern weiter an. In den Vereinigten Staaten beläuft sich das Bargeld-Pro-Kopf-Aufkommen derzeit auf rund USD 3.000, wenn wir davon ausgehen, dass das gesamte Bargeld im Inland zirkuliert. Die lange Kontroverse über den Verbleib des US-Bargelds sollte hierbei nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Speziell seit den Sanktionen von Obama gegen Russland ging der Umlauf von US-Dollars in Russland zurück – hauptsächlich aus politischen Gründen. Der US-Dollar ist dort durch den Euro ersetzt worden, sogar in der Ukraine. Die Malaise des Euros könnte diesen Trend aber 2016 umkehren.

Wenn wir eine vertrauliche Quelle bezüglich der Lieferungen von US-Währung ins Ausland mit einbeziehen, stellen wir fest, dass sich der Trend, der in den 1990er Jahren begann, seit 2012 wieder umkehrt. Die Schätzungen zu der im Ausland gehaltenen US-Währung, die sich einst noch auf 65% beliefen, sind drastisch eingebrochen und liegen nun bei rund 25%. Die im Inland gehaltenen Bargeldbestände dürften bei rund USD 2.250 pro Kopf liegen. Das ist eine Warnung, dass die Schritte in Richtung einer bargeldlosen Gesellschaft für Länder wie die Vereinigten Staaten und die Schweiz weit schwieriger werden dürften, als die inländische Scheuklappensicht nahelegt.

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Die Regierungen sind sich über das Economic Confidence Model absolut im Klaren. Es scheint tatsächlich so zu sein, als würden sie sich nun eher auf den Zyklus anstatt bloß auf Trends konzentrieren. Nichtsdestotrotz haben die Staaten ihre Denkprozesse nicht geändert, und daher erscheint die Zukunft auch sehr trostlos und düster – sollten die Menschen nicht aufwachen, geht es in Richtung des Wirtschafts-Totalitarismus.

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