Gerald Celente: Aufstände im Nahen Osten und in Nordafrika werden auf Europa überspringen

Gerald Celente, Trends Research Institute, 25.02.2011

Es geht darum, dass man richtig liegt! Die Flut brodelnder seitens der Jugend inspirierter Aufstände im Nahen Osten, die gerade zum Sturz von Regierungen führt, die geopolitische Landschaft verändert und die weltweiten Märkte in Aufruhr versetzt, traf die weltweite Geheimdienstgemeinde völlig unvorbereitet.

Weder die CIA, noch die vereinigten US-Generalstabschefs oder der Nationale Sicherheitsrat waren in der Lage, die Ereignisse vorherzusehen. Der Mossad und der MI5 haben´s auch verpasst. Keiner aus der hochdekorierten Riege der Experten in den Massenmedien und der Streber in den Denkfabriken war in der Lage, die Zukunft zu antizipieren.

Doch was bei dieser Gruppe für Schlagzeilen sorgte, war für die Leser des Trends Journal nichts weiter als ein Haufen alter Meldungen. Im Sommer des Jahres 2010 schrieben wir:

„Was gerade in Griechenland stattfindet, wird sich weltweit abspielen, da sich die Wirtschaft weiter abschwächt. Es gibt keine Organisationen, die hinter dieser Reaktion stehen würden – es ist eine Reaktion der Öffentlichkeit. Es ist die ´Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!`-Version des 21. Jahrhunderts…

Ursprünglich wurden die Streiks, Aufstände und Proteste der Gewerkschaften, Studentenbewegungen, Arbeitslosen, Rentner und Aufgebrachten einfach als vorhersehbare (jedoch kurzlebige und unwirksame) Reaktionen beiseite gewischt, und erklärt, sie würden entweder von selbst im Sande verlaufen oder seitens der Polizei niedergeknüppelt werden…

Die inoffizielle Realität war das, wovor Gerald Celente oft gewarnt hatte: ´Wenn die Menschen alles verlieren, dann haben sie nichts mehr zu verlieren und drehen durch.`“

Bis Herbst 2010 wies die von uns eingesetzte Globanomic-Analysemethode darauf hin, dass sich die sozioökonomischen Rahmenbedingungen schnell weiter auflösen würden, und zwar in einem Umfang, der uns dazu veranlasste, unseren Lesern eine umgehende Warnung zu übermitteln: „Köpft sie! 2.0“ war unsere damalige Überschrift, womit der revolutionäre Antrieb von Menschen in Worte gefasst werden sollte, die nicht mehr länger in der Lage waren zu ignorieren, in welchem Maße die finanzielle Misere von ihrem Leben Besitz ergriff.

Anschließend identifizierten wir die ausschlaggebende Rolle der sozialen Medien – ein auf der Lauer liegender Megatrend – im Hinblick auf das Mächtegleichgewicht und erklärten, dass diese Entwicklung dazu führen würde, dass der harte Kontrollgriff der Regierungen gebrochen wird. Im Dezember 2011, nur wenige Tage bevor sich die Welt Tunesien zuwandte, veröffentlichten wir unsere „Top-Trends des Jahres 2011“.

Unter diesen Top-Trends fand sich auch „Journalismus 2.0“. Wir sagten voraus, dass der Journalismus 2.0 praktisch jedem Bürger auf der Welt mithilfe von Facebook, Twitter, YouTube etc. ein Arsenal digitaler Waffen und Internetwaffen an die Hand geben würde. Eingesetzt wurden diese Waffen von jugendlichen Revolutionären auf der ganzen Welt. Dabei umgingen sie die Konzernmedien und die Regierungsmedien, überlisteten die Geheimdienstbehörden, überwältigten Militär und Polizei und versammelten die Bevölkerung auf den Straßen und hinter den Barrikaden.

Bevor die Unruhen in Tunesien und Ägypten ausbrachen, schrieben wir, dass die Ausbrüche weltweit stattfinden würden und die dahinter stehenden Gründe mehr mit Brot und Butter zu tun hätten als mit Politik. Während sich die Wirtschaften weiter abschwächen, die Arbeitslosigkeit ansteigt, die Steuern angehoben und die öffentlichen Leistungen gestrichen werden – zur selben Zeit, wo jene an der Spitze immer reicher werden und der allergrößte Teil der Menschen immer weiter verarmt – breiten sich die Revolutionen weiter aus.

Aber so wird es nicht von jenen Leuten dargestellt, die bereits dabei scheiterten, die aktuellen Entwicklungen vorherzusehen. Die Medien, die Medienexperten und die Politiker haben die historischen geopolitischen Ereignisse, welche die Nachrichtenmeldungen seit Beginn dieses Jahres beherrschen, fehlinterpretiert. Praktisch über Nacht wurden die Revolutionen als verwegener Kampf für Freiheit seitens sich nach Demokratie sehnender Massen interpretiert.

Es ist aber nicht der Hunger nach Demokratie, der sie antreibt. Demokratie, Autokratie, Theokratie, Monarchie – rechts, mitte, links – hauptsächlich ist es ein Bauchproblem…das Problem eines leeren Bauchs. Wenn das Geld auf einmal nicht mehr zu dem Mann auf der Straße fließt, dann beginnt das Blut auf den Straßen zu fließen. Das ist eine ganz einfache Rechnung. Ein paar wenige an der Spitze haben zu viel, während viel zu viele viel zu wenig haben.

Was kommt als nächstes? Als Reaktion auf die Aufstände im Nahen Osten hat Gold erneut die Marke von USD 1.400 pro Unze durchbrochen, während Ölpreis für Brent Crude auf über USD 111 pro Barrel stieg. Diese Volatilität an den Märkten wird weiter anhalten, hier ist kein Ende in Sicht. Während die Gewalt weiter eskaliert und sich ausweitet, werden die negativen Konsequenzen überall auf der Welt zu spüren sein.

Vom Beginn der Finanzkrise, die ihren Anfang im August des Jahres 2007 nahm, bis hin zur darauffolgenden Panik des Jahres 2008 hatten es Washington, die Federal Reserve und die anderen Zentralbanken geschafft, mithilfe einer Mischung aus Multi-Billionen-Dollar-Rettungspaketen, Bankenrettungen und Konjunkturbelebungsmaßnahmen einen Zusammenbruch im Stile der Großen Depression zu verhindern.

Drei Jahre waren sie mithilfe dieser Programme in der Lage gewesen, eine illusorische und oberflächliche Erholung zu züchten, die, abgesehen von externen geopolitischen Erschütterungen, normalerweise auch bis zum unausweichlichen Ausgang dieser Geschichten weiter angehalten hätte. Doch diese Illusion ist nun zusammengebrochen, und die daraus folgenden Erschütterungen sind überall auf der Welt zu spüren. Es ist unerheblich, ob es sich hierbei um eine absichtliche, also kalkulierte Politik oder um die negativen Auswirkungen einer angstbasierten Realitätsleugnung handelt – den Scherbenhaufen wird man jedenfalls nicht wieder zusammenbekommen.

Die aktuellen Unruhen im Nahen Osten und in Nordafrika sind nicht räumlich beschränkt, genauso wie wir es vorhersagten. Sie werden auf Europa und auf andere Teile der Welt überspringen.

Umso volatiler und großflächiger die Aufstände werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendeine Kombination aus Ereignissen – wie ein Ölschock, ein Terroranschlag, Internetkrieg oder regionale Kriege – die bereits angeschlagenen und zerbrechlichen Ökonomien zum Einsturz bringt und solide Wirtschaftsräume in Aufruhr versetzt.

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