Kommandowirtschaft: Westliche Zentralplaner stehen Wirtschaftskrise hilflos gegenüber

Die Zentralplaner haben in den westlichen Industrieländern mit ihrem Wachstumsdogma und den damit einhergehenden Interventionen massive Schäden angerichtet. Der sich aktuell entwickelnden Wirtschaftskrise stehen sie hilflos gegenüber

Alasdair Macleod, Finance & Economics, 06.02.2012

Das wichtigste Ziel einer jeden Regierung ist es, Wirtschaftswachstum zu erreichen. Dieses Wachstum sorgt für Beschäftigung und Steuern, mit denen die Regierung als solches finanziert wird. Mit anderen Worten: Es ist der Hauptfokus aller ökonomischen Planungsmaßnahmen.

Auch wird viel Arbeit investiert, um die Statistiken zu perfektionieren, die als essentiell erachtet werden, um allesmögliche zu erfassen und zu quantifizieren, was dem Ziel des Wirtschaftswachstum zuträglich sein könnte. Und es kommt hier auch noch die „unabhängige“ Geldpolitik hinzu, die sich bereits vor langer Zeit von ihrer Hauptaufgabe, der Kontrolle der Inflation, verabschiedet hat und mittlerweile auf die Konjunkturbelebung und die Erhöhung des Wirtschaftswachstums abzielt.

In den Industrieländern kennt und unterstützt fast jeder das Ziel des Wirtschaftswachstums und es wird höchstens über die Mittel gestritten, wie es erreicht werden kann. Fakt ist aber, dass die Regierung nicht nur fortwährend dabei versagten, dieses grundlegende Ziel zu erreichen, sondern sich gegenwärtig auch zunehmend besorgt darüber zeigen, dass uns Einsparmaßnahmen beim Staat in eine Phase starker wirtschaftlicher Kontraktion stürzen würden.

Doch ist es überhaupt richtig, dass wir in Begriffen wie Wirtschaftswachstum oder Wirtschaftsrückgang denken? Nun ja, das Konzept ist im Grunde keynesianisch und leitet sich von den Mainstream-Wirtschaftsanalysen her. Dabei wird die Annahme zu Grunde gelegt, dass die Regierungen über eine positive interventionistische Rolle verfügen und in der Lage sind, wirtschaftliche Ergebnisse zu verbessern – eine Hypothese, die sich bei genauerer Prüfung jedoch als kompletter Unfug herausstellt.

In Wirklichkeit ist es so, dass eine Wirtschaft, die den Menschen erfolgreich Produkte und Dienstleistungen liefert, welche sie auch tatsächlich nachfragen, dies auf ungeplante und zufällige Weise tut. Es ist die Summe aller Aktivitäten, die dafür sorgt, dass Unternehmer und Unternehmenseigentümer Waren und Dienstleistungen produzieren, von denen sie annehmen, dass sie nachgefragt würden.

Die Stärke einer freien Marktwirtschaft besteht also in ihren zufälligen Produktionsaktivitäten, die im Ergebnis zu einer Verbesserung des Lebensstandards führen. Die Wirtschaft wächst nur dann, wenn auch die Produktionsfaktoren expandieren – ansonsten ist die Verteilung vorhandender Ressourcen schlicht von der unternehmerischen Antizipation der Bedürfnisse und Wünsche der Menschen abhängig.

Wenn die Regierung nun in dieses ungeplante, aber produktive Chaos eingreift, zerstört sie dadurch den zufälligen Charakter der Wirtschaft und lenkt die wirtschaftlichen Aktivitäten in eine gemeinsame Richtung. Die zerstörerischen Boom-Bust-Zyklen sind das einzige Ergebnis, auf das die Regierungen im Rahmen ihrer Interventionen verweisen können.

Die Regierungen sind also darum bemüht, die Zufälligkeiten in der Wirtschaft zu koordinieren, um so ein Ergebnis zu erreichen, das gemeinhin als Wirtschaftswachstum bezeichnet wird – und für eine kurze Zeit kann es dann tatsächlich auch den Anschein haben, dass ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt sind.

Letztlich dauert es aber nicht allzu lange, bis diese koordinierten wirtschaftlichen Aktivitäten die Preise ganz zwangsläufig in die Höhe schrauben, da zusätzliche Produktionsfaktoren (Rohmaterialien, Arbeit und Kapitalgüter) nur über höhere Preise zu bekommen sind. Höhere Preisniveaus führen aber unvermeidlich zu höheren Zinssätzen, bis am Ende ein Punkt erreicht wird, wo all jene, die mit künstlich billigem Kredit gelockt wurden, Einsparungen vornehmen und Verluste realisieren müssen.

Die Kapitaltheorie sagt genau diese Entwicklung voraus, und die realen Ereignisse bestätigen sie ein ums andere Mal – trotzdem wird diese Tatsache von den Mainstream-Ökonomen heute immer noch ignoriert.

Die Wahrscheinlichkeit, dass staatliche Interventionen funktionieren, ist ungefähr so hoch, wie das Wasser bergauf fließt. Wirtschaftswachstum oder das Ausbleiben desselbigen; der Erfolg oder der Misserfolg, mit dem dieses Wachstum gemessen wird – das ist alles Kinderkram. Es stellt sich somit die Frage, ob es Wirtschaftswachstum ohne Interventionen überhaupt geben kann.

Die logische Antwort darauf ist nein. Eine freie Marktwirtschaft ist ohne externe Faktoren nicht in der Lage zu wachsen. Sie entwickelt sich zwar weiter, aber das ist etwas völlig anderes. Die Dinge, die der Verbraucher nicht will, werden ausgemustert und stattdessen jene Dinge produziert, die der Verbraucher wahrscheinlich haben möchte.

Die freie Marktwirtschaft passt die Preise der Produkte an ein Niveau an, das den Verbraucher zufriedenstellt und zur selben Zeit noch profitabel ist. Überproduktion wird abgestraft und Unterproduktion liefert Wettbewerbsanreize. Keiner kann sagen, was der Verbraucher morgen kaufen wird oder wie viel er dafür zu zahlen bereit ist, doch die zufällig agierenden Unternehmen sind in der Regel ziemlich gut in ihren Schätzungen, da ihre eigene Arbeitszeit und ihr eigenes Kapital auf dem Spiel steht.

Die Unternehmer müssen die Nachfrageniveaus und die Preise für ihre Produktion antizipieren. Dabei müssen sie mindestens so lange in die Zukunft planen, wie es braucht, ein Produkt zu entwickeln, zu produzieren und auf den Markt zu bringen. Das ist Fortschritt und hat nichts mit Wachstum zu tun.

Bei dieser Weiterentwicklung geht es darum, unter Nutzung vorhandener Ressourcen morgen bessere Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können als heute. Und es geht darum, morgen preisgünstiger anbieten zu können, was bedeutet, dass die Preise dazu neigen zu fallen. Fallen die Preise, kann man sich für dieselbe Menge an Geld auch mehr kaufen.

Was die Regierungen stattdessen jedoch machen, ist, zu versuchen, diesen Entwicklungsprozess zu zerstören und ihn durch statistisches Wirtschaftswachstum zu ersetzen. Die dafür entwickelte Statistik – im Grunde handelt es sich hierbei um das Bruttosozialprodukt – ist lediglich in der Lage, das Geld in der produktiven Wirtschaft zu erfassen, und selbst das erfolgt fehlerhaft.

So werden Regierungsausgaben, bei denen es sich um eine wirtschaftliche Kostenposition handelt, den bewerteten Produktionsgütern gleichrangig hinzugerechnet. Effiziente Produzenten wie die Hersteller von Elektrogeräten oder die Anbieter von Dienstleistungen, die ihre Preise im Laufe der Zeit absenken, müssen feststellen, wie ihr Leistungsanteil bei der statistischen Gesamtmenge zurückgeht, während all jene, die ihre Preise mithilfe monopolitischer Mittel oder dank staatlicher Subventionen aufrechterhalten können, ihre Gewichtung im Bruttosozialprodukt ausbauen.

Dieser Umstand ist schlicht der unterschiedslosen Verwendung eines Geldaggregats zuzuschreiben, das bei der Ermittlung des irreführenden Konzepts des Wirtschaftswachstums Verwendung findet. Das BSP und die anderen dazugehörigen Statistiken erfassen den wirtschaftlichen Rückgang also überhaupt nicht, sondern bewerben höchstens noch den wirtschaftlichen Rückgang. Vielmehr müssen wir davon ausgehen, dass es sich beim Bruttosozialprodukt um einen Schätzwert der Geldmenge handelt, die in einer Wirtschaft zum Einsatz kommt. Das BSP entspricht also einer Kombination aus ermittelter Produktion, Regierungsausgaben und Preisveränderungen.

Nehmen wir einmal für einen Moment an, dass zusätzliche Produktionsfaktoren zu einem gegebenen Preis nicht verfügbar sind, so dass die Produktion allein davon abhängig ist, wie die vorhandenen Produktionsfaktoren eingesetzt werden. Und gehen wir ferner einmal davon aus, dass die Regierungsausgaben und die staatlichen Verordnungen gegenüber dem Privatsektor unterdessen keinerlei Veränderungen unterliegen.

Wenn diese zwei Voraussetzungen erfüllt sind, ist das Wirtschaftswachstum nur noch in der Lage, Preisveränderungen widerzuspiegeln, die wiederum auf die Veränderungen der Geldmenge eines Wirtschaftsraums zurückzuführen sind, wobei hier anzumerken ist, dass die Statistiker bei der Ermittlung des „realen“ Wirtschaftswachstums, also dem um den Verbraucherpreisindex bereinigten Wirtschaftswachstum, die Mehrzahl der Auswirkungen der Geldinflation außen vor lassen. Das Wirtschaftswachstum hat mit Wachstum also überhaupt nichts zu tun, sondern ist in Wirklichkeit nichts weiter als ein alternativer und fehlerbehafteter Gradmesser der nicht offiziell gemeldeten Geldinflation.

Normalerweise bräuchten uns die irrigen Versuche der Zentralplaner, die Wirtschaft und die statistischen Ergebnisse zu manipulieren, überhaupt nicht zu interessieren, wenn sie letztlich nicht so verheerende Auswirkungen zeitigen würden. Und nicht nur, dass die Öffentlichkeit bezüglich des Wirtschaftswachstums vollständig hinters Licht geführt wird, nein, sie belügen sich auch noch selbst. Aus diesem Grund sind die Zentralplaner auf die sich gerade entwickelnde Wirtschaftskrise, die das Ergebnis vorausgegangener Interventionen ist, auch überhaupt nicht vorbereitet.

Das Neueste ist jetzt, dass sie behaupten, das Wirtschaftswachstum – also die ultimative Quelle der Steuereinnahmen und Zahlungsfähigkeit des Staates – sei in Gefahr, würde man die Staatsausgaben kürzen. Statistisch gesehen ist das natürlich richtig, weil, würde man die Regierungskosten und die Subventionierung unverlangter wirtschaftlicher Aktivitäten herausrechnen, das BSP in der Tat zurückgehen würde.

Das Entscheidende, was gemeinhin völlig übersehen wird, ist jedoch, dass eine Regierung, die damit aufhört, der Wirtschaft die Ressourcen des Privatsektors zu entziehen, diese Ressourcen in Wirklichkeit wieder freigibt, so dass sie durch die zufällig agierenden Unternehmer effektiver zum Wohle aller eingesetzt werden können. Und genau das ist am Ende auch der Weg, der aus allen wirtschaftlichen Schwierigkeiten führt.

Weitere Artikel zu diesem Thema


  • Wirtschaftskrise: Frankreich wird innerhalb der kommenden 18 Monate zusammenbrechen
  • Frankreichs Wirtschaftserholung ist sogar hinter die einiger Länder am Rande der Eurozone wie Spanien zurückgefallen, und das hat wirklich Aussagekraft. Frankreich zieht rasch an Südeuropa vorbei …
  • Rohstoffpreise: Das wird ein teurer Winter
  • In der Marktwirtschaft kennen Rohstoffpreise langfristig gesehen eigentlich nur eine Richtung: Nach unten. Doch dank der Gelddruckmaßnahmen der Regierungen wird diese dem Markt innewohnende Eigenschaft auf den Kopf gestellt. Vieles deutet darauf hin, dass es in den kommenden Wochen und Monaten zu erneuten Teuerungen kommen wird
  • Wirtschaftsdebakel: Die Franzosen werden einfach belogen
  • Frankreich ist in Aufruhr. In Live-Fernsehsendungen brechen Streitereien aus, Demonstrationen blockieren die Straßen, Streiks legen Fabriken lahm und die Drohung von Chaos gehört auch zur Show. Das Problem: Eine Wirtschaft, in der die Unternehmen unter einem verfetteten Staatssektor …
  • Finanz-Armageddon: Rückt der Tag der Abrechnung unaufhaltsam näher?
  • Ja sicher, wir dürften alle ein wenig krisenmüde geworden sein – nichtsdestotrotz durchleben wir gegenwärtig ein der spannendsten Phasen der Finanzgeschichte, und es wäre töricht, die Entwicklungen nicht mit höchster Aufmerksamkeit mitzuverfolgen, um herauszufinden …
  • Alternativlos: Nach dem Gelddrucken kommt das … Gelddrucken
  • Zum Glück haben die Politiker und Ökonomen aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und wissen, dass das Drucken von immer größeren Mengen an Papiergeld das einzige Mittel ist, um einen Wirtschafts-Kollaps zu verhindern