Binoy Kampmark, GlobalResearch.ca, 19.12.2009

Selbst nachdem der frühere britische Premierminister Tony Blair von seinem Amt zurückgetreten ist, sind seine Anmerkungen zum Irakkrieg immer noch Grund zur Besorgnis. Sicher können seine letzten Aussagen zu diesem Thema nur wenig überraschen: Dass Saddam Hussein – unabhängig davon, ob er sogenannte „Massenvernichtungswaffen“ hatte oder nicht – entfernt worden wäre. Ihm schwebte Krieg vor und das war es auch, was er im Jahre 2003 wollte.

Blairs Ansichten wurden letztes Wochenende von BBC 1 im Programm „Fern Britton Meets“ ausgestrahlt. Sie liefern den Kontext für das, was er dem Iran-Untersuchungsausschuss erzählen könnte, wenn er ihm nächstes Jahr die Stirn bietet. „Ich würde es immer noch für richtig halten ihn zu entfernen. Ich meine, natürlich müsste man verschiedene Argumente über die Art der Bedrohung verwenden und sich zu Nutze machen…Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass wir mit ihm und seinen zwei Söhnen an der Macht besser dran wären, aber es ist unglaublich schwierig.“

Was Blairs jüngste Kommentare nahelegen, ist, dass es überhaupt nicht die Frage war, ob Massenvernichtungswaffen existiert haben oder nicht. Dem Irak-Untersuchungsausschuss ist mitgeteilt worden, dass man 10 Tage vor der Invasion nachrichtendienstliche Informationen erhalten hatte, dass Saddams Waffen tatsächlich demontiert wurden. Mit den Worten von Sir William Ehrman, 2000 – 2002 Direktor für internationale Sicherheit im Außenministerium: „An den letzten Tagen vor der Militäraktion erhielten wir einige (nachrichtendienstliche Informationen) darüber, dass chemische und biologische Waffen demontiert wurden und (Saddam) kein Kriegsmaterial hatte um sie weiterzuverbreiten.“ (Telegraph, 25.11.2009)

Im größeren Rahmen gesehen, rangierte der Irak hinter anderen Ländern in der „Schurken“-Bewertung. Iran, Nordkorea und Libyen standen weiter oben auf der Dringlichkeitsliste. Der von 2001 bis 2003 verantwortliche Chef für die Verhinderung der Verbreitung von Nuklearwaffen im Außenministerium, Tim Dowse, analysierte fleißig den Iran, Libyen und die nuklearen Weiterverbreitungsmätzchen des Wissenschaftlers A. Q. Kahns.

Viele der Unterstützer Blairs hatten ihre Meinung mit die Existenz genau dieser Waffen begründet. Bob Ainsworth, 2003 stellvertretender Fraktionschef „unterstützte den Krieg im Irak basierend auf den damaligen Argumenten“ von denen das wichtigste Argument die „Existenz von Massenvernichtungswaffen“ war (BBC, 13.12.2009). Der frühere Vizepremierminister John Prescott weicht da etwas ab und liefert Unterstützung für Blairs Argument, dass „der Man [Saddam] wegen der Probleme in der Region nicht dort bleiben sollte“ (BBC 13.12.2009).

Weniger mildtätig gibt sich der frühere Chef der Staatsanwaltschaft, Sir Ken Macdonald, der Blairs Verhalten gegenüber Präsident George W. Bush bezüglich der Teilnahme an der Invasion als Speichelleckerei verurteilte. Für Macdonald deckte solch eine Mittäterschaft einen kolossalen Fehler und fatale Schwäche auf: „Das war eine Schande epischen Ausmaßes für die Außenpolitik und Sonntagmorgen im Fernsehen herumzufüßeln macht den Schaden auch nicht wieder gut.“ (The Times).

Es bleibt abzuwarten, was beim Rest der Irak-Untersuchung rauskommen wird. Die Untersuchung stinkt nach modrigem Establishment. Macdonald liegt ziemlich richtig, wenn er anmerkt, dass die Untersuchung bisher nichts weiter als ermüdend war. Die Befragungen waren „anspruchslos“ und der Vorsitzende, Sir John Chilcot, hat auch nichts dafür getan den Eindruck zu erwecken, die Dinge könnten sich 2010 ändern, genauso wenig, wie die Ansichten Blairs.